Revolte in Ägypten Wachpersonal raubte Exponate aus dem Ägyptischen Museum

Von Dieben statt Göttern getragen: Unter anderem Statuen des Tutanchamun wurden während der Proteste in Kairo gestohlen. Demonstranten verhinderten weitere Plünderungen.

Nach den Diebstählen Ende Januar bezog die Armee Stellung vor dem Ägyptischen Museum, um die dort ausgestellten Kunstschätze zu schützen

Nach den Diebstählen Ende Januar bezog die Armee Stellung vor dem Ägyptischen Museum, um die dort ausgestellten Kunstschätze zu schützen

Anders als zunächst behauptet, sind bei der versuchten Plünderung des Ägyptischen Museums am Abend des 28. Januar doch wertvolle Exponate aus der Pharaonenzeit gestohlen worden – darunter zwei Statuen von Tutanchamun. Wie der Chef der ägyptischen Antikenverwaltung, Zahi Hawass, am Sonntag bekannt gab, fehlen insgesamt acht Stücke, darunter "eine vergoldete Holzstatue von Tutanchamun, der von einer Gottheit getragen wird", sowie Oberkörper und Teile der Beine einer vergoldeten Holzstatue, die Tutanchamun mit einer Harpune darstellt.

Die Täter gehören zu dem schlecht bezahlten Wachpersonal des Museums. Sie waren vom Skulpturengarten aus über die hintere Feuerleiter in das obere Stockwerk des Museums eingestiegen, während sich unten auf dem Tahrir-Platz Demonstranten und Polizei Straßenschlachten lieferten. Am gleichen Abend steckten die Protestierer auch die Zentrale von Mubaraks Regierungspartei am Nilufer in Brand. Zwei Tage lang drohten die Flammen auf das benachbarte Ägyptische Museum überzugreifen, weil die Feuerwehr keine Anstrengungen unternahm, das Feuer zu löschen.

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Erleichtert wurde der Zugang, weil die Museumsleitung trotz der schweren Unruhen in Kairo vergessen hatte anzuordnen, die üblicherweise über Nacht geöffneten Fenster der oberen Ausstellungsräume zu schließen. Dort ist auch die weltberühmte goldene Totenmaske von Tutanchamun ausgestellt. Insgesamt wurden 13 Vitrinen zertrümmert und rund 70 Objekte beschädigt, die wieder restauriert werden sollen.

Sämtliche Museen in Ägypten sind nicht versichert. Wie Zahi Hawass weiter mitteilte, ließen die Diebe auch eine Kalksteinstatue von Pharao Echnaton mitgehen, eine Statue der Königin Nefertiti, den Kopf einer Prinzessin aus Amarna, der Hauptstadt von Echnaton und seiner Frau Nofretete. Zudem fehlen die Steinstatuette eines Schreibers aus Amarna, elf Shabti-Figuren, die im Mittleren Königreich den Gräbern beigelegt wurden, sowie ein großer Skarabäus, der bei den Mumien über der Stelle des Herzens eingewickelt wurde.

Als die Demonstranten auf dem Tahrir-Platz seinerzeit bemerkt hatten, dass Plünderer in das Museum eingestiegen waren, bildeten sie eine Menschenkette um das Gebäude und riefen das Militär herbei. Die Soldaten konnten auch einige der Täter festnehmen, andere jedoch entkamen. Inzwischen wird die weltweit einmalige Sammlung rund um die Uhr von einer Eliteeinheit geschützt. Für Besucher ist sie nach wie vor geschlossen.

Erschienen im Tagesspiegel

 
Leser-Kommentare
  1. Die Namen der Verdächtigen sind ja weitgehend bekannt.
    Man soll verkünden, dass sie mit Milde rechnen dürfen, wenn sie ihr Diebesgut wieder zurückbringen.

    Ansonsten soll man ihre Namen veröffentlichen und sie in Acht und Bann schlagen, auf dass sie den Rest ihres Lebens den Gefängnishof fegen dürfen- wenn sie der Zorn des Volkes nicht vorher ereilt...

    Ich wäre nicht überrascht, wenn hinter Zerstörung und Raub (von absolut unverkäuflichen Unikaten) Exponenten des Mubarak-Regimes stecken, die Chaos säen wollten, um damit den friedlichen Volksaufstand zu desavouieren.

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