Neues Radiohead-Album: Der Geisterchor im Märchenwald
Das neue Radiohead-Album "The King Of Limbs" zeugt vom ungebrochenen Willen zur Erneuerung. Wieder wendet sich die Band vom Songformat ab, hin zum Avantgarde-Rock.
© Beggars Group

Radiohead, das Quintett aus Oxford
Sie haben es wieder getan. Und es funktioniert auch beim zweiten Mal: Radiohead haben ihr neues Album The King of Limbs ohne jegliches Werbebrimborium auf ihrer Bandwebsite veröffentlicht – als Download. Die CD- und Vinylausgaben kommen erst Ende März in die Läden. Im Netz hat dieser Überraschungscoup innerhalb weniger Tage ein immenses Echo ausgelöst . Auf über zwölf Millionen Seiten finden sich Einträge zu dem Album. Es gibt intensive Fandiskussionen, zahlreiche Kritiken und Blogeinträge, die zugleich beweisen, dass Radiohead wirklich keine Plattenfirma mehr brauchen.
Ihre erste Digital-Offensive vor vier Jahren hatte noch einen Neuigkeitsbonus. Zudem konnten die Hörer den Preis für In Rainbows damals selbst festlegen – auch ein Gratis-Download war möglich. Das geht nun nicht mehr: Die acht neuen Titel kosten als MP3-Files sieben Euro und in der höherwertigen WAV-Version elf Euro. Tonträger-Fans können (ab 36 Euro) eine Luxusedition vorbestellen, die aus zwei 10-Inch-Vinylscheiben, einer CD, einer digitalen Albumversion sowie einem 625- teiligen Artwork plus biologisch abbaubarem Plastikrahmen besteht.
Letzteres wird die uralte Eiche freuen, nach der das Quintett aus Oxford sein achtes Album benannt hat. Der "König der Äste" steht im südenglischen Savernake Forest, in dessen Nähe die Band das Vorgängeralbum aufgenommen hat. Und sehr verästelt sind auch die Stücke darauf. Geradezu programmatisch wirkt der Auftakt mit dem fünfminütigen Bloom , das über einen Stolperrhythmus allerlei Knacksen, Dräuen und Heulen legt. Ein Pianoloop wird nach wenigen Takten auf zwei Töne reduziert, der Bass schiebt sich mit triphop-hafter Lässigkeit als beruhigende Kraft darunter.
Eine Gitarre darf nicht mitmachen. Gleich drei sind dafür beim folgenden
Morning Mr. Magpie
dabei. Zwei führen mit dem Becken eine Morsezeichen-Diskussion, die dritte wirft gelegentlich etwas ein oder doppelt den Gesang von Thom Yorke, der hier erstmals klar in den Vordergrund tritt. Sein klagender Tenor – ein Markenzeichen der Gruppe – wird insgesamt viel subtiler in Szene gesetzt als früher. Mal scheint er mit den Soundschichten zu verschmelzen. Später kommen immer wieder gesampelte und geloopte Schnipsel seines Gesangs zum Einsatz. Besonders gelungen ist das in
Give up the Ghos
t, bei dem sich Yorke von einer Akustikgitarre und mehreren Spuren seines eigenen Gesangs begleiten lässt. Diese hallig verzerrten Stimmen beschwören schließlich eine Art Gespensterchor herauf – ein Stück, das auch auf eine
Gorillaz
-Platte passen würde.







...oder nicht. Innovativ sind sie allemal. Die Songs an sich sind groß und wunderschön, allein, die Stimme von Thom Yorke nervt mich teils sehr und macht die Sache etwas ungenießbar, aber nicht wegen dem Jammern (dafür schätze ich ihn), sondern seine Stimme hat sich die vergangenen Jahre doch sehr abgenutzt, ähnlich wie bei Björk. Es klingt teils grauenhaft. Vielleicht ist das der Preis für extreme Melodien, die die Stimmbänder an ihre Grenzen treibt. Sehr, sehr Schade. Sicherlich aber Geschmackssache, da "Pop" ja keine "Oper" ist. "Codex" ist mein Highlight...Yorke's Stimme in einem Echo gefangen hat doch noch dieses Sirenenhafte vergangener Tage, und dann diese erhabene Soundkulisse...*schmelz*
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