Schauspieler Fatih Al und Günes Sayin © Internationale Filmfestspiele BerlinDen Titel dieser federleichten Jules-und Jim-Geschichte, deutsch: Unsere große Verzweiflung, muss man nicht wörtlich nehmen. Wie überhaupt die Leiden der nicht mehr ganz jungen Freunde, die die junge Schwester eines Freundes eine Zeit lang in ihrer Wohnung in Ankara beherbergen, eher heiter zu nehmen sind – mit jener philosophischen Heiterkeit, die auf überstandene Schmerzen folgt. Dabei weiß Regisseur Seyfi Teoman erstens, was er erzählen will, und das ist auf diesem Festival der meist kleinen Filme nicht selbstverständlich. Und zweitens weiß er, wie – und das ist es noch weniger.

Der stets zart zergrübelt dreinschauende Übersetzer Ender (Ilker Aksum), der bereits gut im Bauchsafte stehende Angestellte Cetin (Fatih Al) und die zauberhafte Nihal (Günes Sayin) leben ein paar Monate eine ménage à trois: ohne Sex, aber mit sehr viel Liebe. Wobei Ender und Cetin, deren Freundschaft sich im gemeinsamen Gemüseschnippeln aufs Schönste erfüllt, zwar einander ihre Liebe zu Nihal erklären, nicht aber Nihal selbst, und das ist ganz wunderbar so. Denn so bleibt mal einen Film lang in der Schwebe, was Millionen Filme lang klaftertief ins Schwere fällt.

Nihal hat, so viel zur Tragik, ihre Eltern bei einem Autounfall verloren, und eine Abtreibung gibt es auch. Aber der Film erzählt, mit einem Lächeln für all seine Figuren, vom Leben, und die Herzklopf-Beklemmungen in engen Räumen löst er in berückenden Totalen auf. Akademisch gesagt: Bizim Büyük Caresizligimiz liest sich, als ob der strenge türkische Gefühlsregiemeister Nuri Bilge Ceylan als Kind in einen von Eric Rohmer gemixten Zaubertrank gefallen wäre.

Aus dem Tagesspiegel