Der Zirkus ist da. Eine Verheißung , eine Drohung, denn Zirkus bedeutet Magie und Maloche, Luftnummer und handfeste Gefahr. Zumal im Amerika der Großen Depression, in den dreißiger Jahren. Nach dem Unfalltod seiner Eltern verliert der Veterinärstudent Jacob Jankowski (Robert Pattinson) Habe und Heim, springt vor Kummer aber nicht etwa unter, sondern auf einen fahrenden Zug. Und weil es sich ausgerechnet um den Zirkus-Zug der legendären Benzini Brothers handelt, verdingt Jacob sich bald als Tierarzt und Elefantenwärter beim fahrenden Volk.

Dummerweise leiden die Artisten unter der Finanzkrise genauso wie der Rest Amerikas. Weshalb der Elefant Rosie als dickhäutige Attraktion erworben wird und niemand es wagt, dem tyrannischen Zirkusdirektor Paroli zu bieten, als der – bloß um Personalkosten zu sparen – verdiente Mitarbeiter bei voller Fahrt aus dem Zug werfen lässt. Zumal der Direktor von Christoph Waltz gespielt wird. Seit seinem oberfiesen Nazi in Inglourious Basterds ist der in Berlin lebende Österreicher als genialer Sadistendarsteller berühmt und oscarprämiert.

August Rosenbluth schindet Tiere, quält Menschen, ein Bösewicht in Frack und Zylinder, der auch seine geliebte dressurreitende Frau (Reese Witherspoon) drangsaliert, kaum dass der sanfte Jacob sich in sie verguckt. Fortan treiben die Liebenden in Wasser für die Elefanten ein doppeltes Spiel – und Rosie ist als elefantöse Verbündete mit von der Partie.

Leider darf Waltz nicht auf der Höhe seines Niveaus spielen. In Tarantinos Nazi-Farce war er beides gleichzeitig: Mörder und Gentleman, hoch kultiviert und höchst brutal. In Wasser für die Elefanten ist er es hübsch nacheinander: Erst schlürft er Champagner, dann schlägt er zu – eine eher bescheidene Anforderung von Regisseur Francis Lawrence ( I am Legend ) an einen wie Waltz.

Überhaupt versammelt das romantische Melodram, frei nach dem Bestseller von Sara Gruen, zwar ein namhaftes Darstellertrio. Aber Twilight -Star Robert Pattinson bringt als Tier- und Direktorengattin-Liebhaber nur eine einzige Sorte jugendliches Lächeln auf. Und Reese Witherspoon steht meistens wasserstoffblond und puppenhaft im Bild herum. Eine US-Zeitung schrieb böse, Witherspoon besitze die emotionale Bandbreite eines teaspoons, eines Teelöffels. Da hilft es wenig, dass ihr das Drehbuch eine unglückliche Kindheit andichtet. Als sich der dramaturgische Knoten zum Tyrannenmordplan schürzt – neben der Finanzkrise noch ein brisantes Thema –, wird der Mangel an Chemie zwischen den Protagonisten noch schmerzhafter offenbar.

Eigentlich sind Zirkusfilme ein fantastisches Genre. Gewalt und Zärtlichkeit, man denke nur an Fellinis La Strada , Ingmar Bergmans Abend der Gaukler oder die Trapezkünstlerin in Wim Wenders’ Himmel über Berlin . Im Zirkus kann das Kino über sich selbst ins Träumen geraten: In seinen Anfängen war es ja eine Jahrmarktsattraktion. Ein Gedanke, den Wasser für die Elefanten nicht einmal streift. Auch als klassische Romanze vor dem Hintergrund der Depressions-Ära bescheidet sich der Film mit den Konventionen Hollywoods: eine Rahmenhandlung, die aus der Gegenwart in die Geschichte zurückblendet, ein nervtötend süßlicher Soundtrack, keine spektakulären Bilder für das Eifersuchtsdrama – nicht einmal bei den Nummern in der Manege.

Nur Rosie, der Elefant, hat dann doch Schauwert, als es dem Migrantensohn Jacob gelingt, dem Dickhäuter sein Geheimnis zu entlocken.