Nahost: Das Herz von Jenin schlägt nicht mehr
Grenzgänger, Friedenskämpfer: Der arabisch-israelische Theatermacher Juliano Mer Khamis ist ermordet worden.
© Saif Dahlah/AFP

Juliano Mer Khamis in Jenin, 2007
Die Bewohner von Jenin haben immer wieder Grenzen überwunden. Die Stadt steht für Gewalt und ist doch einer der wenigen Hoffnungsschimmer im israelisch-palästinensischen Konflikt. So spendete der Palästinenser Ismail Khatib die Organe seines toten Sohnes Ahmed an Kinder in Israel, damit sie leben können. Der Sohn war von der israelischen Armee erschossen worden. Der bewegende Dokumentarfilm Das Herz von Jenin hat seine Geschichte auch in Deutschland bekannt gemacht, 2010 gewann er den Deutschen Filmpreis.
Ein anderer Grenzgänger in der palästinensischen Kleinstadt und dem angrenzenden Flüchtlingslager war der wunderbare arabisch-israelische Schauspieler und Theatermacher Juliano Mer Khamis. Er leitete das Freedom Theatre und eine Schauspielschule für Jugendliche aus dem Flüchtlingscamp. 2009 machte es auf seiner Welttournee auch in der Berliner Schaubühne Station und wurde umjubelt. Am Montag nun haben Unbekannte den warmherzigen, humorvollen und engagierten 53-Jährigen in seinem Auto im Flüchtlingslager Jenin erschossen.
Die Kugeln trafen einen radikal Unabhängigen. Er kritisierte ebenso die israelische Besatzung wie die Enge und Rückwärtsgewandtheit im palästinensischen Denken. Es gelang ihm, traumatisierte Jugendliche aus dem von Israel 2002 belagerten und in Teilen von Bulldozern niedergewalzten Flüchtlingslager neue Perspektiven zu geben: Er zeigte und bewies ihnen die Vorteile von Kreativität und Selbstfindung gegenüber Verbitterung und dem Griff zur Waffe.
"Als ich 2003 hierher kam, fand ich einen Sumpf vor, einen Dschungel des dumpfen Überlebenskampfes. Hier brauchen sie Krankenhäuser, kein Theater, dachte ich zunächst", erzählte der in Nazareth geborene Mer Khamis bei einem Treffen im Frühjahr 2010 in Jenin. Großgewachsen, in Jeans und T-Shirt und mit Bart, eine imposante Erscheinung. Nach Jenin war er nicht zufällig gekommen. Familiäre Bindungen zogen den Sohn einer jüdischen Israelin und eines christlichen Palästinensers her. Seine Mutter Arna Mer, eine kommunistische Friedensaktivistin, hatte hier während der ersten Intifada 1987 ein Theaterprojekt eröffnet, für das ihr 1993 der alternative Nobelpreis zugesprochen wurde.
Es war Zakaria Zubeidi, Kämpfer der Al-Aqsa-Brigaden und einer der "Helden" der Intifada, den man für seine Überlebensfähigkeit bewunderte, der ihn überzeugte, dass hier sehr wohl wieder ein Theater gebraucht würde. "Zakaria rief mich an und sagte, wir müssen jetzt etwas Neues aufbauen", erinnerte sich Mer Khamis. Die beiden kannten sich, weil Zakarias Mutter einst Mer Khamis’ Mutter ein Haus für ihr Theaterprojekt zur Verfügung gestellt hatte.
2004 drehte Mer Khamis einen Film über das Leben seiner Mutter ( Arnas Kinder ), 2006 wurde das Kulturhaus eröffnet: mit großem Theatersaal, Proberäumen, einer Art Wohnzimmer mit Teeküche und einem winzigen Kinozimmer. Etwa 150 Jugendliche besuchen hier Kurse, und 18- bis 25-Jährige können eine zweijährige Schauspielausbildung machen. 18.000 Besucher kamen 2009 zu Aufführungen in das einzige Theater im Norden der Palästinensergebiete, erzählt Mer Khamis, nicht ohne Stolz.
"Früher wollte hier jeder junge Mann ein Märtyrer werden", erzählte Mer Khamis. Er habe versucht, dieses Rollenmodell zu verändern. Der 21jährige Mu’min kämpfte einst in der Intifada, heute will er Schauspieler werden. "Ich werde hart arbeiten und es bis nach Hollywood bringen", meint er. Die Tournee des Freedom Theaters durch Europa war sein erster Kontakt mit der Welt außerhalb Palästinas. "35 Tage Freiheit", in denen er zum ersten Mal das Meer sah und Eisenbahn fuhr. Mu’mins Freund Raed hat einen der Kurse in Dramatherapie belegt. „Ich fühle mich schuldig am Tod meiner Schwester, die von den Israelis getötet wurde, als sie nach mir suchten“, erzählt der junge Mann, der am Anfang nur stumm auf der Bühne stand. Dramatherapie ist ein Weg, die psychologischen Probleme von Ex-Kämpfern und Opfern von Gewalt anzugehen, weil Psychotherapie in der konservativen palästinensischen Gesellschaft immer noch verpönt ist.






Sag Ihnen die Wahrheit ins Gesicht und du kannst von Glück sagen, wenn Sie dir nur das Leben zur Hölle machen und dich nicht abknallen.
Jenin war echt! Er hatte wirklichen Mut und Courage! Deswegen haben Sie ihn gekillt!
Ich trauer um ihn.. er war ein Mensch, der schon fast stur an seinem Wunsch festgehalten hat, nicht nur den palästinensischen Kindern und Jugendlichen eine neue Perspektive aufzuzeigen, sondern auch die tiefen Gräben zwischen Israelis und Palästinensern zu überbrücken.. wie erfolgreich er war, zeigt sein Tod.. was den Radikalen Angst macht, wäre die Möglichkeit der Verständigung.. Khamis hat für diesen abstrakten Begriff Bilder geschaffen.. Bilder, die über seine Person hinausgehen und hoffentlich nicht von den Radikalen der Hamas vernichtet werden können..
wurde - ich trauere auch um ihn wie um jeden Menschen der sich für einen Vermittlungsprozess einsetzt -
wurde - ich trauere auch um ihn wie um jeden Menschen der sich für einen Vermittlungsprozess einsetzt -
nicht vernichtet werden können... sorry
mehr gibt es nicht zu sagen!
wurde - ich trauere auch um ihn wie um jeden Menschen der sich für einen Vermittlungsprozess einsetzt -
"Ist ja noch lange nicht bewiesen daß er von der Hamas getötet wurde"
Hamas oder Dschihad. Spielt das denn eine Rolle? Das Motiv wäre in beiden Fällen gleich...
"ich trauere auch um ihn wie um jeden Menschen der sich für einen Vermittlungsprozess einsetzt"
Mer Khamis war kein Vermittler, er stand ziemlich eindeutig auf der Seite der Palästinenser. Was er vielmehr war: Ein kultureller Revolutionär. Er hatte der Gewalt den Kampf angesagt - und der kulturellen wie sozialen Stagnation in der muslimisch-palästinensischen Gesellschaft. Er wollte eine Revolution des Denkens auslösen - und den traumatisierten Jugendlichen helfen. In einem so idologisch-dogmatischen Umfeld war allein dies schon lebensgefährlich.
Er forderte den Terrorismus heraus, in dem er ihm seine wichtigste Grundlage entzog: Wütende junge Menschen ohne Hoffnung und Perspektive. Gefangen im Konflikt und in ihrer eigenen Gesellschaft.
Und genau dafür sollte man ihn respektieren. Solche Menschen, die jenseits der allgemein üblichen Schwarz-Weiss-Logik agieren, gibt es nur sehr wenige im Nahen Osten. Sein Tod ist ein grosser Verlust.
"Ist ja noch lange nicht bewiesen daß er von der Hamas getötet wurde"
Hamas oder Dschihad. Spielt das denn eine Rolle? Das Motiv wäre in beiden Fällen gleich...
"ich trauere auch um ihn wie um jeden Menschen der sich für einen Vermittlungsprozess einsetzt"
Mer Khamis war kein Vermittler, er stand ziemlich eindeutig auf der Seite der Palästinenser. Was er vielmehr war: Ein kultureller Revolutionär. Er hatte der Gewalt den Kampf angesagt - und der kulturellen wie sozialen Stagnation in der muslimisch-palästinensischen Gesellschaft. Er wollte eine Revolution des Denkens auslösen - und den traumatisierten Jugendlichen helfen. In einem so idologisch-dogmatischen Umfeld war allein dies schon lebensgefährlich.
Er forderte den Terrorismus heraus, in dem er ihm seine wichtigste Grundlage entzog: Wütende junge Menschen ohne Hoffnung und Perspektive. Gefangen im Konflikt und in ihrer eigenen Gesellschaft.
Und genau dafür sollte man ihn respektieren. Solche Menschen, die jenseits der allgemein üblichen Schwarz-Weiss-Logik agieren, gibt es nur sehr wenige im Nahen Osten. Sein Tod ist ein grosser Verlust.
"Ist ja noch lange nicht bewiesen daß er von der Hamas getötet wurde"
Hamas oder Dschihad. Spielt das denn eine Rolle? Das Motiv wäre in beiden Fällen gleich...
"ich trauere auch um ihn wie um jeden Menschen der sich für einen Vermittlungsprozess einsetzt"
Mer Khamis war kein Vermittler, er stand ziemlich eindeutig auf der Seite der Palästinenser. Was er vielmehr war: Ein kultureller Revolutionär. Er hatte der Gewalt den Kampf angesagt - und der kulturellen wie sozialen Stagnation in der muslimisch-palästinensischen Gesellschaft. Er wollte eine Revolution des Denkens auslösen - und den traumatisierten Jugendlichen helfen. In einem so idologisch-dogmatischen Umfeld war allein dies schon lebensgefährlich.
Er forderte den Terrorismus heraus, in dem er ihm seine wichtigste Grundlage entzog: Wütende junge Menschen ohne Hoffnung und Perspektive. Gefangen im Konflikt und in ihrer eigenen Gesellschaft.
Und genau dafür sollte man ihn respektieren. Solche Menschen, die jenseits der allgemein üblichen Schwarz-Weiss-Logik agieren, gibt es nur sehr wenige im Nahen Osten. Sein Tod ist ein grosser Verlust.
Einfach nur furchtbar und traurig.
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