Kulturförderung Musik für Millionen
Drei Opernhäuser in Berlin und 250 Euro vom Staat für ein Ticket: Müssen wir uns das leisten? Unbedingt, meint Monika Grütters, Vorsitzende des Kulturausschusses.

Berliner Bären-Marke: Puccinis "Turandot" an der Staatsoper Unter den Linden, 2003 aufwendig inszeniert von Doris Dörrie
Braucht Berlin drei Opernhäuser? Wenn man drei Kinder hat, fragt man auch nicht, ob man sie alle braucht, sondern sieht zu, dass aus ihnen etwas wird. Mit dieser bissigen Bemerkung könnte man die alle Jahre wiederkehrende Debatte um die öffentliche Kulturförderung, auch und gerade in Berlin, sich selbst überlassen. Aber eine andere Aktualität verleiht der Frage neue Brisanz: Während im Nationalmuseum in Peking die drei großen deutschen Museumszentren aus München, Dresden und Berlin eine Ausstellung zur Aufklärung eröffnen, wird Chinas berühmtester Künstler, Ai Weiwei, dort festgenommen und unter anderem daran gehindert, in Berlin ein Atelier zu eröffnen – vor den Augen der ganzen Welt. Gleichzeitig tobt hier der Streit darüber, ob eine Opernkarte mit 250 Euro subventioniert werden darf.
Das fordert uns heraus, uns der fundamentalen Bedeutung der Kultur für das Gemeinwesen zu vergewissern. Denn so banal die Frage nach dem Preis von Theatertickets wirkt, so grundsätzlich muss sie doch beantwortet werden.
Deutschland ist nach wie vor das Land mit der höchsten Theaterdichte der Welt. Das gilt ebenso für die Museen, Literaturhäuser, Archive, Bibliotheken und Festivals. Die Hälfte aller professionellen Symphonieorchester der Welt spielen hier; 113 Millionen Menschen besuchten 2009 deutsche Museen – beinahe zehnmal so viele Besucher, wie alle Bundesligaspiele einer Saison Zuschauer hatten. 31 Millionen Theaterbegeisterte sahen in der Spielzeit 2008/2009 Aufführungen in den 888 Spielstätten in Deutschland. Auf 1000 Einwohner kommt eine neu veröffentlichte Erstausgabe der deutschen Verlage.
Noch ein Rekord: Nie waren mehr Personen in der Kultur- und Kreativwirtschaft beschäftigt als heute. Die creative industries überholen mit 3 Prozent den Anteil der Beschäftigten in der Finanzwirtschaft und sind nach der Automobilindustrie der zweitstärkste Beschäftigungssektor geworden: jung, dynamisch, international. Jede zehnte Kulturreise innerhalb Europas geht mittlerweile nach Deutschland – die meisten davon nach Berlin.
Die staatlichen Aufwendungen dafür betragen gerade einmal 1,67 Prozent, rund 9,2 Milliarden Euro jährlich – Geld, das entsprechend der föderalen Verantwortung für die Kultur zunächst von den Bundesländern aufgebracht wird. Diese finanzieren 43 Prozent der öffentlich geförderten Kultur, die Kommunen erbringen sogar 44,4 Prozent, und der Bund steuert die restlichen 12,6 Prozent bei. Diese enorme Kulturleistung ist gerade nicht als Subvention zu verstehen, sondern als Investition in die Zukunft. Das haben auch private Investoren und Firmen verstanden, die vom hohen Ansehen der Kultur hierzulande profitieren wollen. So fließen über gemeinnütziges Engagement weitere 530 Millionen Euro in den Kultursektor.
Angesichts dieser Größenordnungen verbietet sich die wiederholte Forderung, bei der Kultur zu kürzen, bloß weil der Symbolwert der Maßnahme hoch wäre. Richtig ist, dass es bei der Mittelvergabe Transparenz geben muss – das scheint in der Berliner Kulturpolitik nicht immer der Fall zu sein. Allerdings habe ich großes Vertrauen in die Methode, Fachjurys über die Mittelvergabe in der freien Szene entscheiden zu lassen. Die etablierten Institutionen verlangen aus gutem Grund eine verlässliche Finanzierung, hier sind die großen Posten immer die für das Personal. Dass man den Intendanten auf die Finger schaut, dass das Parlament Wirtschaftsberichte verlangt, ist die öffentliche Hand dem Publikum, den Wählern, schuldig. Und dass eine Theaterkarte in Berlin höher subventioniert wird als in München oder London, hat zur Folge, dass hier auch Menschen mit kleinerem Geldbeutel Kultur genießen können.
Auch in Berlin ist Kulturpolitik zunächst Landespolitik – im selbstbewussten Wettbewerb mit den anderen föderalen Gliedern des Landes. Weil aber Berlin der Ort brandenburgischer, preußischer, deutscher, europäischer und Welt-Politik (gewesen) ist, sind in der hiesigen Kulturpolitik stets Motive, Spannungen, Verpflichtungen und Chancen inbegriffen, die das "normale" Kulturinteresse eines Stadtstaates von knapp vier Millionen Einwohnern übersteigen. Denn Berlin ist durch seine geschichtlichen Prägungen nicht nur überproportional reicher an Kulturhorizonten als jedes andere Bundesland, die Stadt ist auch einer der Schlüsselorte der modernen Weltkultur. Zugleich ist es die wichtigste Stätte der Erinnerung an die Barbarei, die durch die deutsche Tyrannei über Europa gekommen ist. Obendrein ist Berlin der Ort der Erinnerung an die jahrzehntelange Spaltung der Welt in Freiheit und Unfreiheit – und an ihre glückliche Überwindung vor 19 Jahren.
- Datum 26.04.2011 - 11:01 Uhr
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- Quelle Tagesspiegel
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"Mit der Kultur geht es um nichts weniger als um unsere nationale Identität."
Wer ist "die Kultur" und wer ist "uns"?
Ich erkläre es Ihnen:
Im Zusammenhang dieses Artikels geht es um die deutsche Hochkultur, eine singuläre Erscheinung der Weltgeschichte, also genau das, was linke Kleinbürger, für die Kunst "Krampf im Klassenkampf" ist, nicht verstehen können.
@Neven Due Mong
Vielen Dank für die Erklärung. Habe ich es also richtig verstanden, dass es um Hochkultur geht? Dieser Terminus wurde in dem hier besprochenen Artikel gar nicht erwähnt.
Interessant finde ich Ihre Auffassung von deutscher Hochkultur als "singuläre Erscheinung der Weltgeschichte". Heißt das, dass andere Nationen keine Hochkultur haben oder dass Hochkulturen anderer Nationen nicht singulär sind oder dass sie eben einfach anders singulär sind?
Ich erkläre es Ihnen:
Im Zusammenhang dieses Artikels geht es um die deutsche Hochkultur, eine singuläre Erscheinung der Weltgeschichte, also genau das, was linke Kleinbürger, für die Kunst "Krampf im Klassenkampf" ist, nicht verstehen können.
@Neven Due Mong
Vielen Dank für die Erklärung. Habe ich es also richtig verstanden, dass es um Hochkultur geht? Dieser Terminus wurde in dem hier besprochenen Artikel gar nicht erwähnt.
Interessant finde ich Ihre Auffassung von deutscher Hochkultur als "singuläre Erscheinung der Weltgeschichte". Heißt das, dass andere Nationen keine Hochkultur haben oder dass Hochkulturen anderer Nationen nicht singulär sind oder dass sie eben einfach anders singulär sind?
Ich erkläre es Ihnen:
Im Zusammenhang dieses Artikels geht es um die deutsche Hochkultur, eine singuläre Erscheinung der Weltgeschichte, also genau das, was linke Kleinbürger, für die Kunst "Krampf im Klassenkampf" ist, nicht verstehen können.
Denke auch, dass wenn die ungewöhnliche Häufung von Sinfonieorchestern in Deutschland oder Opern- und Thearterkartensubventionen kritisiert werden, es sich nur um eine der wohl bekannten Neiddebatten Zukurzgekommener und zu nörgeliegen Linken Mutierter handeln kann.
Am besten, wie der Begriff schon vorgibt, einfach links liegen lassen. Zu mehr als zum Möchtegern-Wadelbeißer reicht's meist doch nicht. Manche sind einfach nicht bereit für die exceptionelle deutsche Hochkultur.
Denke auch, dass wenn die ungewöhnliche Häufung von Sinfonieorchestern in Deutschland oder Opern- und Thearterkartensubventionen kritisiert werden, es sich nur um eine der wohl bekannten Neiddebatten Zukurzgekommener und zu nörgeliegen Linken Mutierter handeln kann.
Am besten, wie der Begriff schon vorgibt, einfach links liegen lassen. Zu mehr als zum Möchtegern-Wadelbeißer reicht's meist doch nicht. Manche sind einfach nicht bereit für die exceptionelle deutsche Hochkultur.
@Neven Due Mong
Vielen Dank für die Erklärung. Habe ich es also richtig verstanden, dass es um Hochkultur geht? Dieser Terminus wurde in dem hier besprochenen Artikel gar nicht erwähnt.
Interessant finde ich Ihre Auffassung von deutscher Hochkultur als "singuläre Erscheinung der Weltgeschichte". Heißt das, dass andere Nationen keine Hochkultur haben oder dass Hochkulturen anderer Nationen nicht singulär sind oder dass sie eben einfach anders singulär sind?
ich habe mich doch wohl klar ausgedrückt.
"Interessant finde ich Ihre Auffassung von deutscher Hochkultur als "singuläre Erscheinung der Weltgeschichte". Heißt das, dass andere Nationen keine Hochkultur haben oder dass Hochkulturen anderer Nationen nicht singulär sind oder dass sie eben einfach anders singulär sind?"
Nein, heißt es nicht.
ich habe mich doch wohl klar ausgedrückt.
"Interessant finde ich Ihre Auffassung von deutscher Hochkultur als "singuläre Erscheinung der Weltgeschichte". Heißt das, dass andere Nationen keine Hochkultur haben oder dass Hochkulturen anderer Nationen nicht singulär sind oder dass sie eben einfach anders singulär sind?"
Nein, heißt es nicht.
Ich finde es richtig, eine Kulturförderung in dieser Größenordnung zu verteidigen. Große Probleme habe ich jedoch damit, dass Kultur einfach mit Opernhäusern und Orchestern gleichgesetzt wird. Die Abermillionen, die in Berlin dafür ausgegeben werden, wären tatsächlich an anderer Stelle sinnvoller einzusetzen. Die Schieflage der Mittelverteilung ist das große Problem der Kulturförderung, nicht ihre Höhe. Am Beispiel Musik fängt das an mit der Ausstattung der Musikschulen, geht weiter beim Proberaum-Mangel und hört bei der Qualität der Auftrittsorte (und den Ticketpreisen) für Jazz-, World-, neue Musik etc. noch lange nicht auf.
@Flakes
Ich kann Ihnen nur zustimmen, dass die von Ihnen beklagte Schieflage in Zusammenhang mit der Gleichsetzung von Kultur, nationaler Kultur, Hochkultur, Kunst, Theater, Oper usw. zu sehen ist.
M. E. ist es richtig Förderung von kulturellen Institutionen und Aktionen (auch hochkulturellen) zu fordern. Ich kritisiere an diesem Artikel die "einseitige" und pauschalisierende Begründung, die es erschweren könnte eine differenzierte und vielfältige kulturelle (demokratische) Förderung zu begründen.
@Flakes
Ich kann Ihnen nur zustimmen, dass die von Ihnen beklagte Schieflage in Zusammenhang mit der Gleichsetzung von Kultur, nationaler Kultur, Hochkultur, Kunst, Theater, Oper usw. zu sehen ist.
M. E. ist es richtig Förderung von kulturellen Institutionen und Aktionen (auch hochkulturellen) zu fordern. Ich kritisiere an diesem Artikel die "einseitige" und pauschalisierende Begründung, die es erschweren könnte eine differenzierte und vielfältige kulturelle (demokratische) Förderung zu begründen.
ich habe mich doch wohl klar ausgedrückt.
Nein, haben Sie nicht. Geben Sie sich doch die Mühe und erläutern Sie bitte die "singuläre Erscheinung der Weltgeschichte".
Was genau können die "linken Kleinbürger" eigentlich nicht verstehen? Die Deutsche Hochkultur oder deren singuläre Erscheinung, wobei das "singulär" eben noch nicht erklärt ist.
Ihr Satzbau "... also genau das, was ..." stimmt da irgendwie nicht. Was genau wollten Sie also sagen?
Hat "Bildungsbürgertum" eigentlich auch etwas mit Grammatik zu tun?
Nein, haben Sie nicht. Geben Sie sich doch die Mühe und erläutern Sie bitte die "singuläre Erscheinung der Weltgeschichte".
Was genau können die "linken Kleinbürger" eigentlich nicht verstehen? Die Deutsche Hochkultur oder deren singuläre Erscheinung, wobei das "singulär" eben noch nicht erklärt ist.
Ihr Satzbau "... also genau das, was ..." stimmt da irgendwie nicht. Was genau wollten Sie also sagen?
Hat "Bildungsbürgertum" eigentlich auch etwas mit Grammatik zu tun?
Zunächst einmal interessant wie aus rund "9,2 Milliarden Euro jährlich" eine Kulturleistung wird nur weil "Künstler" damit finanziert werden. Wenn zwar die Hälfte aller Synfonierorchester der Welt in Deutschland spielen aber nur 10% der Kulturreisen in Europa nach Deutschland gehen scheint Kultur von Menschen, die ihr eigenes Geld dafür ausgeben doch etwas anders gesehen zu werden, als von unseren so genannten "Fachjurys".
Ich bin selber seit Jahren Abonnent meines lokalen Staatstheaters und immer wieder erstaunt welch hohen Anspruch unsere Kulturleute formulieren und was mir dann letztlich geboten wird. Neues, innovatives finde ich nur abseits der staatlichen Kulturförderung. In der Kultur lässt sich auf jeden Fall beobachten: je besser bezahlt und beleumundet um so langweiliger aber so abschätziger dem so bezeichneten Mainstream gegenüber.
Richtig erhellen ist jedoch der letzte Satz: "Mit der Kultur geht es um nichts weniger als um unsere nationale Identität." dem "cogito ergo sum" wird das "ich werde subventioniert also werde ich gesellschaftlich anerkannt" entgegengesetzt". Besser hätten es Kulturfunktionäre eines deutschen Staates, den als Diktatur zu bezeichnen heute noch vielen deutschen Kulturschaffenden doch als etwas zu streng erscheint, auch nicht besser formulieren können.
Gruß
"Der Fall Ai Weiwei zeigt, wie stark die Kunst ist: Das kommunistische Regime hat Angst vor künstlerischer Kreativität. Weil autoritäre, hermetische Systeme die Kraft der Kultur erkennen, versuchen sie, sie immer wieder zu unterdrücken."
Kunst hat jedoch in ihrer Rolle als gesellschaftliche Einflussnehmerin stark nachgelassen. Hier sind heutzutage pluralistische Medien wie das Fernsehen und das Internet vorherrschend. War es in früheren Zeitepochen so, dass die Menschen durch Oper, Theater und Ausstellungen mit alternativen Ideen und revolutionären Ansätzen konfrontiert wurden, so ist dies heute mehrheitlich die Aufgabe des Internets.
Ich halte die Funktion von staatlich geförderter Kunst in unserer modernen Gesellschaft zwar noch für wichtig, doch ist die Darstellung der Wichtigkeit von Kunst meiner Ansicht nach in diesem Artikel stark überzogen.
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Entfernt wegen Doppelpostings. Die Redaktion/er
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