Es war das Symbol der Berliner Hausbesetzer-Ära und ist immer noch ein Besuchermagnet für szenehungrige Touristen: Dennoch kommt das Kunsthaus Tacheles in Berlin-Mitte am kommenden Montag unter den Hammer. Die HSH Nordbank lässt das gesamte Gelände an der Ecke zur teuren Friedrichstraße zwangsversteigern - ein verlockendes innerstädtisches Filetstück für Investoren.

Gut 35 Millionen Euro sind als Preis für das etwa 25.000 Quadratmeter große Areal vorgeschlagen, allein das Tacheles mit der zugehörigen Freifläche soll gute 3,5 Millionen kosten. Der große Haken: Die Nordbank will die denkmalgeschützte Kaufhausruine mit Künstlerateliers, Werkstätten und Theater nicht gesondert verkaufen, sondern nur im Paket.

"Einen Teil herauszulösen, ist für uns überhaupt keine Option", sagt die Sprecherin Gesine Dähn. "Wir haben verschiedene Interessenten für das Objekt. Aber alle haben uns übereinstimmend gesagt, dass für sie nur der Erwerb des Gesamtareals in Frage kommt."

Die Betroffenen hoffen gleichwohl noch auf eine Lösung. "Sollte es tatsächlich einen neuen Investor geben, werden wir schnellstmöglich Gespräche über den Erhalt des Kunsthauses aufnehmen", kündigt Katrin Maßmann als Sprecherin der "Gruppe Tacheles" an. "Da werden wir auch die Politiker in die Pflicht nehmen, ihre Lippenbekenntnisse in die Tat umzusetzen."

Tatsächlich hat sich vor allem Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) für den Erhalt des prestigeträchtigen Kunstzentrums stark gemacht – immerhin zählen die Betreiber bis zu eine halbe Million Besucher pro Jahr.

Wowereits Sprecher Torsten Wöhlert verweist darauf, dass das Gebäude im Grundbuch als Kunststandort festgeschrieben ist und unter Denkmalschutz steht. "Jeder Investor, der so ein riesiges Areal entwickeln will, weiß, dass er das nur mit der Stadt und nicht gegen die Stadt kann", sagt Wöhlert.