Zum Tod von Marc Fischer Popromane mit dunklem Irrwitz
Sein Roman "Jäger" war das Buch zur Medienkrise. Gerade hat er über den Sänger João Gilberto geschrieben. Jetzt ist der Autor Marc Fischer im Alter von nur 40 Jahren in Berlin gestorben.
Als Marc Fischer vergangenes Jahr in Frankfurt für die Bild am Sonntag als Buchmessenreporter unterwegs war, begeisterte er sich vor allem an den Auftritten des von ihm verehrten amerikanischen Schriftstellers Bret Easton Ellis. Er ging sogar so weit, Ellis eine Buchattrappe unter die Nase zu halten und ihm zu sagen: "Hier, Herr Ellis, ein leeres Buch! Das ist doch im Wesentlichen das, worum's in Ihrem Werk geht!" Ellis dankte ihm und schrieb auf das Buch "Bret Easton Ellis – The empty book, a memoir". Das Buch trug Fischer dann auf der Messe gern mit sich herum, froh über das Erlebnis und darüber, eine Geschichte erzählen zu können.
Darum ging es dem 1970 in Hamburg geborenen Marc Fischer als Reporter und Schriftsteller: um Geschichten, die sich in der Welt abspielten, in der er und seine Generation zu Hause waren; um wahre, vor allem aber unterhaltsame Geschichten zwischen Pop und Hochkultur. Vorbild für Fischer wie für viele seiner Kollegen, die mit ihm bis Mitte der neunziger Jahre beim Trend-Magazin Tempo arbeiteten: der new journalism amerikanischer Prägung, Autoren wie Tom Wolfe oder Hunter S. Thompson.
Als Tempo 1996 eingestellt wurde, die Popliteratur in Folge zu neuer, schönster Blüte gelangte, verlegte sich auch Fischer auf das Schreiben von Popromanen, die konventionell und schnell erzählt, aber mit dunklem Irrwitz ausgestattet waren. In seinem Debüt Eine Art Idol von 2001 geht es um eine merkwürdige Organisation, eine Mischung aus Sekte, RAF, Robin Hood und eben der Terror-Modelclique aus Bret Easton Ellis' Roman Glamorama.
Jäger, erschienen 2002, war der Roman zur Medienkrise, mithin des Popjournalismus überhaupt. Darin erzählt Fischer, wie ein ausgebrannter Medienarbeiter und ein Dandyschriftsteller beim Hochseefischen vor Kubas Küste zu sich selbst finden. In den folgenden Jahren arbeitete Marc Fischer als Autor und Reporter für verschiedene Zeitungen und Magazine. Nachdem vergangenes Jahr von ihm das Buch Fragen, die wir unseren Eltern stellen sollten (solange sie noch da sind) erschienen war, begab sich Fischer in Rio de Janeiro auf die Spuren der brasilianischen Sängerlegende João Gilberto. Sein Buch darüber erscheint Ende April bei Rogner und Bernhard: Hobalala – Auf der Suche nach João Gilberto. Am Samstagabend ist Marc Fischer in Berlin gestorben.
Aus dem Tagesspiegel
- Datum 29.04.2011 - 08:41 Uhr
- Quelle Tagesspiegel
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vgl. hierzu, ein beitrag in die welt:
"Im Journalismus gibt es nicht mehr viele Leute, die einfach irgendwohin aufbrechen, ohne einen Dienstreiseantrag gestellt und Tagessätze durchkalkuliert zu haben - und wir festangestellten Redakteure, die wir mehr denn je unsere Budgets im Blick haben müssen, überlegen uns die Sache lieber dreimal. Es gibt so viele Textsorten, die sich mühelos am Schreibtisch fabrizieren lassen: Thesenstücke zum Beispiel, kluge Kommentare, welche die Welt plötzlich wie eine kugelförmige Zweitausgabe des eigenen Gehirns erscheinen lassen. Sich auf die Suche zu machen nach etwas, von dem man noch gar nicht weiß, was es ist und ob es überhaupt existiert, mit der einzigen Hoffnung, eine erzählenswerte Geschichte mit nach Hause zu bringen - dieses Risiko, das amerikanische Reporter des zwanzigsten Jahrhunderts wie Gay Talese als ihr Element verstanden, nimmt im Deutschland des einundzwanzigsten Jahrhunderts kaum noch ein Medienmensch auf sich."
(quelle: www.welt.de/print/die_wel...)
schade, ich mochte marc fischer. nicht wegen des pop; noch ein popjournalst: ich weiß nicht. sondern wegen der art, wie er den journalismus lebte.
ich wüsste gern mehr über die todesumstände.
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