Information, Wissen und Bildung, Kultur und Unterhaltung, Spezial: Seit zehn Jahren zeichnet das Grimme-Institut qualitativ hochwertige Websites in diesen vier Kategorien aus. Der Grimme Online Award ist zum wichtigsten Preis für Online-Medien geworden. Rund 2.100 Websites waren in diesem Jahr nominiert worden; an diesem Mittwoch wurden die Preise in Köln vergeben.

Mit dem Preis in der Kategorie Spezial prämierte die Jury das Projekt "Verräterisches Handy: Was Vorratsdaten über uns verraten" von ZEIT ONLINE. Kai Biermann, Digital-Ressortleiter von ZEIT ONLINE, Lorenz Matzat von Open Data City und der Programmierer Michael Kreil hatten mit der interaktiven Grafik dargestellt, wie anhand von Vorratsdaten eines halben Jahres ein sehr präzises Bewegungsprofil eines Menschen gezeichnet werden kann. Die Daten hatte der Grünen-Politiker Malte Spitz zur Verfügung gestellt. Sascha Venohr, Entwicklungsredakteur von ZEIT ONLINE, und Tibor Bogun als Grafikchef hatten an der Realisierung des Projekts mitgewirkt.

"Datenjournalismus ist in Deutschland noch unterentwickelt und ZEIT ONLINE hat einen ersten wichtigen Beitrag zur Kultivierung dieses Genres geleistet", hieß es in der Begründung der Jury. "Hier entsteht ein neues journalistisches Feld, das so nur im Web möglich ist." Wolfgang Blau, Chefredakteur von ZEIT ONLINE, sagte: "Datenjournalismus wird die Arbeitsweisen innovativer Online-Redaktionen in den nächsten Jahren stark verändern und bereichern. Wir danken der Jury des Grimme Online Awards, dass sie das enorme Potenzial des Datenjournalismus anerkennt und mit diesem wichtigsten Preis für Online-Journalisten unterstreicht."

Ebenfalls in dieser Kategorie geehrt wurden die freiwilligen Mitarbeiter des GuttenPlag Wiki. Sie erhielten die Auszeichnung für die Idee, Initiative und Autorenschaft. Die Jury lobte die "faire und unvoreingenommene Arbeitsweise der Administratoren des Wikis". Das Projekt mache deutlich, dass Textvergleiche gut kollaborativ organisiert werden können, und es beweise, welche Möglichkeiten das Web für gemeinsames Arbeiten biete.

In der Kategorie Information prämiert die Jury zwei Angebote. DRadio Wissen erhielt den Preis für das Konzept und die Redaktion. Die Jury überzeugte die "ganz besondere Art, Radio und Internet miteinander zu verbinden". Ausgezeichnet für die Idee und Redaktion seines law blog wurde außerdem Udo Vetter. Der Anwalt berichtet über seinen Alltag als Strafverteidiger.

Der Grimme Online Award Wissen und Bildung ging an das Neusprechblog für die Autorenschaft und an Prison Valley für das Konzept und die Umsetzung. Das Neusprechblog – benannt in Anlehnung an George Orwells Roman 1984 – ist der verklausulierten Sprache in der Tagespolitik und im politischen Diskurs auf der Spur. Autoren sind Martin Haase und Kai Biermann. Der Journalist David Dufresne und der Fotograf Philippe Brault porträtieren in Prison Valley, einer Webdokumentation des Fernsehsenders Arte, einen Ort in den USA, in dem Gefängnisse der wichtigste Wirtschaftsfaktor sind.

In der Kategorie Kultur und Unterhaltung wurden das Reiseblog Reisedepesche und die Kinderwebsite wortwuselwelt prämiert. Den Publikumspreis gewann GameOne.de, die seit 2009 bestehende Website zur MTV-Fernsehsendung Game One.

Wir freuen uns und gratulieren allen anderen Preisträgern.

Die Redaktion von ZEIT ONLINE