Süddeutschland Prähistorische Pfahlbauten werden Weltkulturerbe

111 Pfahlbauten in Europa sind laut Welterbekomitee besonders schützenswert. Darunter befinden sich auch Siedlungen in Baden-Württemberg und Bayern.

Das Welterbekomitee der UN-Organisation für Bildung, Wissenschaft und Kultur (Unesco) hat erstmals archäologischen Unterwasser-Denkmälern den begehrten Titel des Weltkulturerbes verliehen. Unter den insgesamt 111 prähistorischen Pfahlbauten in Europa, die nun den Schutz des Weltkulturerbes genießen, befinden sich auch 18 Bauten in Baden-Württemberg und Bayern.

In Baden-Württemberg zählen nun Fundstellen am Bodensee und in oberschwäbischen Feuchtgebieten zum Weltkulturerbe. Bayern ist mit der Roseninsel im Starnberger See sowie jungsteinzeitlichen Pfahlbausiedlungen im Landkreis Landsberg am Lech beteiligt.

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Die Pfahlbaureste stammen nach Angaben von Archäologen aus der Zeit von 4300 bis 800 vor Christus und haben unter Wasser oder in feuchten Böden bis heute überdauert. Von dem Titel versprechen sich Experten unter anderem, dass sie besser erforscht werden können. Nur ein sehr kleiner Teil der Pfahlbausiedlungen ist bisher wissenschaftlich untersucht worden. Eingriffe des Menschen wie die Uferverbauung oder der Klimawandel beispielsweise am Bodensee führten hingegen dazu, dass Pfahlbau-Reste frei gespült und damit zerstört würden.

Die Siedlungsspuren aus der Stein- und Bronzezeit befinden sich nach Angaben der deutschen Unesco-Vertretung in Seen und Mooren. Anders als in normalen Trockenbodenfundstellen sind dort organische Materialien wie Holz, Textilien, Pflanzen und sogar Essensreste erhalten. In der Siedlung Hornstaad-Hörnle – an der Spitze der in den Bodensee ragenden Halbinsel Höri gelegen – ist der älteste Hausgrundriss aus dem Jahr 3915 vor Christus nachweisbar.

Eine dort gefundene Scheibe aus Kupfer soll zu den frühesten Metallfunden in Mitteleuropa zählen. Perlen aus Kalkstein und zugehörige "Spezialbohrer" ließen eine spezialisierte Perlenindustrie erkennen. Aus Bodman-Ludwigshafen stammten Teile eines Kulthauses (um 3860 vor Christus) mit plastisch geformten und bemalten Brüsten, die ursprünglich an einer Hauswand angebracht waren.

Die übrigen Areale liegen in Österreich, der Schweiz, Italien, Frankreich und Slowenien. Die Schweiz führte die Initiative für die Anerkennung als Weltkulturerbe.

Zuvor hatte die Unesco bereits den Hamburger Nordsee-Nationalpark ins Unesco-Naturerbe Wattenmeer aufgenommen. Die Organisation hatte bereits 2009 weite Teile des einzigartigen Ökosystems in seine begehrte Liste eingetragen und damit einem gemeinsamen Antrag Deutschlands und der Niederlande zugestimmt. Auf deutscher Seite waren jedoch nur die Nationalparks von Schleswig-Holstein und Niedersachsen Teil des Pakets.

Am Samstag hatte die Unesco bereits fünf deutsche Buchenwälder-Gebiete sowie eine von Walter Gropius entworfene Schuhleistenfabrik in Niedersachsen unter den Schutz der Weltgemeinschaft gestellt.

 
Leser-Kommentare
  1. wird leider ein bisschen inflationär.
    Würde gern meine Frau auch als solches schützen lassen.

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    Ihrem ersten Satz kann ich uneingeschränkt zustimmen (zum zweiten fehlen mir die Bewertungsgrundlagen)

    Es ist in der Tat langsam lächerlich, was so alles zum Weltkulturerbe ernannt wird. Das Gefälle zwischen den Pyramiden von Gizeh, dem Taj Mahal und der Würzburger Residenz einerseits und der Völklinger Hütte, einer Schuleistenfabrik in Niedersachsen und jetzt vermodernden Unterwasserüberresten von Pfahlbauten ist schon ziemlich extrem.

    Man hat den Eindruck, daß es hier nur noch ums Prestige geht, bis jede Kleinregion stolzer "Weltkulturerbebesitzer" ist.

    Ihrem ersten Satz kann ich uneingeschränkt zustimmen (zum zweiten fehlen mir die Bewertungsgrundlagen)

    Es ist in der Tat langsam lächerlich, was so alles zum Weltkulturerbe ernannt wird. Das Gefälle zwischen den Pyramiden von Gizeh, dem Taj Mahal und der Würzburger Residenz einerseits und der Völklinger Hütte, einer Schuleistenfabrik in Niedersachsen und jetzt vermodernden Unterwasserüberresten von Pfahlbauten ist schon ziemlich extrem.

    Man hat den Eindruck, daß es hier nur noch ums Prestige geht, bis jede Kleinregion stolzer "Weltkulturerbebesitzer" ist.

    • WDK
    • 27.06.2011 um 20:15 Uhr

    < "............hat erstmals archäologischen Unterwasser-Denkmälern den begehrten Titel des Weltkulturerbes verliehen." >

    < "Die Pfahlbaureste stammen nach Angaben von Archäologen aus der Zeit von 4300 bis 800 vor Christus und haben unter Wasser oder in feuchten Böden bis heute überdauert." >

    Warum liegen diese Unterwasser-Denkmäler heute unter Wasser ? Haben die Menschen von 4300 bis 800 vor Christus schon damals durch ihren CO2 Ausstoß das Klima so verändert, dass ihre Siedlungen im Wasser versanken ?

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    können wir mit der Erde umgehen wies uns gerade passt? Is ja eh alles egal, oder? Ohhh mann. Wie wärs wenn sie sich mit dem Tham mal anstöändig auseinander setzen [...]

    Gekürzt. Bitte verzichten Sie auf Unterstellungen. Danke. Die Redaktion/wg

    Ganz einfach, die Siedlungen wurden mit "Stelzen" auf dem Wasser gebaut, u.a. wird vermutet, dass es zum Schutze vor wilden Tieren war. Gehen Sie einfach mal nach Unteruhldingen, dort gibt es ein archäologisches Freilichtmuseum Museum, welches das Thema Pfahlbauten sehr kindgerecht aufbereitet.

    können wir mit der Erde umgehen wies uns gerade passt? Is ja eh alles egal, oder? Ohhh mann. Wie wärs wenn sie sich mit dem Tham mal anstöändig auseinander setzen [...]

    Gekürzt. Bitte verzichten Sie auf Unterstellungen. Danke. Die Redaktion/wg

    Ganz einfach, die Siedlungen wurden mit "Stelzen" auf dem Wasser gebaut, u.a. wird vermutet, dass es zum Schutze vor wilden Tieren war. Gehen Sie einfach mal nach Unteruhldingen, dort gibt es ein archäologisches Freilichtmuseum Museum, welches das Thema Pfahlbauten sehr kindgerecht aufbereitet.

  2. können wir mit der Erde umgehen wies uns gerade passt? Is ja eh alles egal, oder? Ohhh mann. Wie wärs wenn sie sich mit dem Tham mal anstöändig auseinander setzen [...]

    Gekürzt. Bitte verzichten Sie auf Unterstellungen. Danke. Die Redaktion/wg

    Eine Leser-Empfehlung
    Antwort auf "Das "Klima""
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    Obwohl sich das Klima ständig ändert, sollten wir mit der Erde umgehenwieein guter Hausvater. Hysteriker sind da kontraproduktiv

    Obwohl sich das Klima ständig ändert, sollten wir mit der Erde umgehenwieein guter Hausvater. Hysteriker sind da kontraproduktiv

  3. Ganz einfach, die Siedlungen wurden mit "Stelzen" auf dem Wasser gebaut, u.a. wird vermutet, dass es zum Schutze vor wilden Tieren war. Gehen Sie einfach mal nach Unteruhldingen, dort gibt es ein archäologisches Freilichtmuseum Museum, welches das Thema Pfahlbauten sehr kindgerecht aufbereitet.

    Antwort auf "Das "Klima""
  4. Ihrem ersten Satz kann ich uneingeschränkt zustimmen (zum zweiten fehlen mir die Bewertungsgrundlagen)

    Es ist in der Tat langsam lächerlich, was so alles zum Weltkulturerbe ernannt wird. Das Gefälle zwischen den Pyramiden von Gizeh, dem Taj Mahal und der Würzburger Residenz einerseits und der Völklinger Hütte, einer Schuleistenfabrik in Niedersachsen und jetzt vermodernden Unterwasserüberresten von Pfahlbauten ist schon ziemlich extrem.

    Man hat den Eindruck, daß es hier nur noch ums Prestige geht, bis jede Kleinregion stolzer "Weltkulturerbebesitzer" ist.

    Antwort auf "Weltkulturerbe"
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    "Gefälle zwischen ... den Pyramiden ... und einer Schu[h]leistenfabrik ..."

    "Gefälle zwischen ... den Pyramiden ... und einer Schu[h]leistenfabrik ..."

  5. Zum Weiterlesen hier ein FAQ aus dem in Kommentar 4 empfohlenen Pfahlbaumuseum - etwas simpel gehalten, aber verständlich ;-):

    http://www.pfahlbauten.de...

    Im übrigen ist der Welterbe-Titel begrüßenswert, leider heutzutage eine der wenigen Möglichkeiten für die wirtschaftsferne Archäologie, wenigstens etwas Geld und Aufmerksamkeit zu bekommen.

    Auch eine gute Erinnerung daran, dass die sog. "Steinzeit" eigentlich genausogut "Holzzeit" heißen könnte - nur ist Holz nicht so haltbar wie Stein - von wenigen Glücksfällen wie den Schöninger Speeren mal abgesehen.

  6. unter herausragenden Zeugnissen menschlicher Kultur pauschal abwertend zu unterscheiden?
    Die "Taliban" maßten sich das an mit der Zerstörung der Buddha-Statuen in Bahmian.
    Die Würzburger Residenz gegen vergleichsweie unspektakuläre Pfahlbauten in die Waagschale werfen, bedeutet, die kulturellen Leistungen unserer Vorfahren, d.h. ihre damalige evolutionäre Moderne, zu verhöhnen. Eine Argumentation, die sich opportunistisch die Leistungen Anderer kulturell aneignet, ohne eigenen Beitrag dazu geleistet zu haben, um auf dieser Basis mit falschem Stolz andere Leistungen der Menschheit abzuwerten. Aus Nicht-verstehen sowohl der hochgelobten wie der als belanglos ignorierten Leistungen. So, wie Unverständnis viele Dilettanten dazu verleitet, außer den Sinfonien und Opern einiger bekannter Komponisten die meiste übrige Musik als belanglos misszuverstehen.
    Dünkel eines opportunistischen Bürgertums.
    Die Schuhleistenfabrik, Fagus-Werke (bis heute in Betrieb), entworfen von Walter Gropius, ist z.B. ein herausragendes und in seiner Art relativ frühes Beispiel für einen Wandel in der Architektur in Folge der Industriealisierung und auch der Demokratisierung: eine innovative Synthese aus Technik und Gestaltung, Funktion und Form mit nachhaltiger Wirkung als damalige Moderne auf die Zukunft.
    Wenn Sie schon den Fagus-Bau gegen die Residenz aufwiegen, können Sie ja z.B. mal der Frage nachgehen, welcher Bau u.U. bezüglich zeitgenössischer Architektur originärer war.

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    Nur: Der Gropius-Bau interessiert allenfalls Arichtekturstudenten. Kein Mensch sonst wird sich - um mal ein Beispiel zu nennen - aus Peking oder Rio auf die Reise um den halben Erdball machen, um einmal im Leben die Schuhleistenfabrik in Alfeld gesehen zu haben. Da ist bei echtem Kulturerbe anders.

    Ihr Vergleich mit den Taliban und den Buddhastatuen ist nebenbei bemerkt ein ziemlich mieses Diskussionsfoul. Deren Motivation war ja nicht, daß sie die Statuen für wenig bedeutend hielten und es will ja niemand die Schuhleistenfabrik schleifen.

    "Über Geschmack lässt sich streiten"
    Um IHREN Geschmack geht es hier überhaupt nicht, auch nicht um meinen.
    Und auch sie werden für andere bedeutende Kulturdenkmäler irgendwo in der Welt, von denen Sie nichts wissen, nichts wissen können oder aus Ignoranz nichts wissen wollen, sich nicht "auf die Reise um den halben Erdball machen". Die Kulturdenkmäler gibt es aber trotzdem, unabhängig von der Gnade Ihres Geschmacks, Ihres Wissens oder Unwissens.

    Nur: Der Gropius-Bau interessiert allenfalls Arichtekturstudenten. Kein Mensch sonst wird sich - um mal ein Beispiel zu nennen - aus Peking oder Rio auf die Reise um den halben Erdball machen, um einmal im Leben die Schuhleistenfabrik in Alfeld gesehen zu haben. Da ist bei echtem Kulturerbe anders.

    Ihr Vergleich mit den Taliban und den Buddhastatuen ist nebenbei bemerkt ein ziemlich mieses Diskussionsfoul. Deren Motivation war ja nicht, daß sie die Statuen für wenig bedeutend hielten und es will ja niemand die Schuhleistenfabrik schleifen.

    "Über Geschmack lässt sich streiten"
    Um IHREN Geschmack geht es hier überhaupt nicht, auch nicht um meinen.
    Und auch sie werden für andere bedeutende Kulturdenkmäler irgendwo in der Welt, von denen Sie nichts wissen, nichts wissen können oder aus Ignoranz nichts wissen wollen, sich nicht "auf die Reise um den halben Erdball machen". Die Kulturdenkmäler gibt es aber trotzdem, unabhängig von der Gnade Ihres Geschmacks, Ihres Wissens oder Unwissens.

  7. "Gefälle zwischen ... den Pyramiden ... und einer Schu[h]leistenfabrik ..."

    Antwort auf "Inflation"

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