Film "Company Men"Die Anzugträger hat's erwischt

Nach der Finanzkrise widmet sich Hollywood den gescheiterten Managern. "Company Men" ist der neuste in einer Reihe von Filmen über angeschlagene Bürohelden. von Christiane Peitz

Eben hat Bobby (Ben Affleck) noch mit seinen Erfolgen auf dem Golfplatz geprahlt, schon ist es vorbei. Der Executive des Schiffsbau-Multikonzerns GTX wird gefeuert. Der Börsenkurs muss gehalten werden, Downsizing heißt das heute. Hat der Chef auch was über mich gesagt?, wollen die Sekretärin und der Kollege wissen. Schöne kalte Arbeitswelt: Hier schert sich jeder nur um sich selbst.

Company Men vom Debüt-Regisseur John Wells, der als Autor und Produzent von TV-Serien wie Emergency Room und West Wing lebensechte Dialoge schreiben kann, inszeniert die Chronik eines Niedergangs. Verdrängung, Scham, Verzweiflung, Wut, Pragmatismus lauten die Stationen. Drei Monatsgehälter bekommt der Familienvater noch. Nach demütigender Jobsuche samt vergeblichem Bewerbungstraining wird der Porsche verkauft, muss die Frau sich wieder als Krankenschwester verdingen, und das schicke Haus im Bostoner Vorort kann auch nicht mehr finanziert werden. Familie Walker landet im Keller der Schwiegereltern und kommt so schnell nicht mehr raus. "Ich werde siegen. Weil ich dran glaube, weil ich mutig und enthusiastisch bin." Der Slogan, den Bobby beim Arbeitsmarkt-Training lernen muss, klingt jetzt noch sarkastischer.

Anzeige

Das Mitleid des Zuschauers mit einem bislang auf Profitmaximierung und Statussymbole fixierten Neureichen mag sich in Grenzen halten – zumal Ben Affleck sich nicht gerade um Erweiterung seines beschränkten mimischen Repertoires bemüht. Aber wie Kameramann Roger Deakins ( True Grit ) mit feiner Ironie die stylischen oder protzigen Interieurs der oberen Mittelschicht überzeichnet – vor allem die seelenleere Wohlstandsehe des ebenfalls gekündigten Konzernveteranen Gene (Tommy Lee Jones) –, das entstellt den amerikanischen Traum zur Kenntlichkeit. Phil (Chris Cooper), der dritte Entlassene aus der Chefetage, wirft hilflos Steine Richtung Firmenzentrale; seine psychische Labilität wird ihm zum Verhängnis. So viel Wirklichkeitssinn ist selten im Hollywoodkino.


Die Männer haben es vermasselt, jetzt sind sie selber dran. Die Filme zur Finanzkrise von 2008 singen zwei, drei Jahre danach ein Lied von Schuld und Sühne dazu, ob in Up in the Air mit George Clooney, Oliver Stones Wall Street 2 oder dem Lehman-Brothers-Psychodrama Margin Call . Kein Zufall auch, dass die Hangover -Komödien Konjunktur haben. "Es ist uns schon wieder passiert", so die mantraartig vorgetragene Selbstbezichtigung der Buddies, die nach der Junggesellensause mit einem riesigen Kater aufwachen und nicht mehr wissen, was bisher geschah. Aber sie ahnen, dass sie bei allem Spaß großen Mist gebaut haben und müssen ihre Taten mühsam rekonstruieren. Eine ähnliche Katerstimmung prägt die Finanzkrisenfilme.

Die Kinowoche auf ZEIT ONLINE

Rezensionen und Interviews zu den Filmstarts dieser Woche

The look of love (Großbritannien; Regie: Michael Winterbottom)
Chroniken der Unterwelt – City of Bones (USA; Regie: Harald Zwart)

Weitere Interviews und Besprechungen auf unseren Film- und DVD-Seiten

Vergangene Filmwoche

Rezensionen und Interviews zu den Filmstarts vergangenen beiden Wochen:

Feuchtgebiete (Deutschland; Regie: David Wnendt)
Kid-Thing (USA; Regie: David Zellner
Apple Stories (Deutschland; Regie: Rasmus Gerlach)

Weitere Interviews und Besprechungen auf unseren Film- und DVD-Seiten

Ihre Rezension

Haben Sie diesen Film bereits gesehen? Wie hat er Ihnen gefallen? Oder hat Sie in letzter Zeit ein anderer Film besonders beeindruckt oder enttäuscht? ZEIT ONLINE freut sich auf Ihre Filmrezension. Auf dieser Seite können Sie Ihren Text verfassen. In unseren Leserartikel-FAQ erfahren Sie, wie Sie dabei vorgehen sollten.

Dass es mit der Virilität des Mannes so eine Sache ist, weiß das Actionkino schon länger. Verwundbare Machos, demolierte Bond-Typen, Rambos in Rente mit Altersbeschwerden, das sind die Helden von heute. Nun hat es auch die Anzugträger erwischt, prompt bringt der Mainstream einen neuen Typus hervor: den geschassten Manager, der entdeckt, dass Geld nicht die Welt ist, und der die Familie nebst traditionellem Arbeitsethos zu schätzen lernt.

Leserkommentare
  1. Ich glaube nicht, dass ein einziger von diesem "Top"-Managern in der Realtität im Keller der Schwiegereltern landen würde.

  2. was fällt ihnen ein, die pointe aus Source Code zu verraten????

  3. lieber joschitura, ich weiss wirklich nich ob source code etwas taugt, vielleicht hast du recht.

    ich errinere mich noch als, vor jahren, eine andere a...geige die pointe von sixth sence verraten hat. und dieser hätte mir gefallen...

    Antwort auf

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

Service