Film "Lollipop Monster": Ich bin so froh, dass ich ein Mädchen bin
Weg mit den Barbies! "Lollipop Monster" der Berliner Comiczeichnerin Ziska Riemann ist ein lustvoll überdrehtes und trotzdem ernsthaftes Drama über das Frauwerden.
Lollipop Monster, dessen Drehbuch die Berliner Regisseurin und Comiczeichnerin Ziska Riemann mit der Musikerin Luci van Org geschrieben hat, kein Männerhasserfilm, kein Schwanz-ab-Traktat, er ist nur ein lustvoll überdrehtes und lustigerweise trotzdem ernsthaftes Trash-Comic-Drama über das Erwachsenwerden, das Frauwerden.
So was sieht man selten: Die Männer in diesem Mädchenfilm sind allesamt Würstchen, kein einziger starker Typ tritt auf, mal ist einer ganz cool und mal sieht einer ganz gut aus, aber letztlich sind sie triebgesteuert und feige und unreif und peinlich und egoistisch und lahm. Dabei ist
"Ich bin so froh, dass ich ein Mädchen bin" – jajaja, darüber sollte ein Mann vielleicht gar keine Kritik schreiben, aber das ist eben das Tolle an diesem von Zeichentrick- und schrillen Musikvideo-Zwischenszenen durchsetzten Film: Seine Perspektive ist so selbstverständlich weiblich, dass der Zuschauer das erst merkt, wenn er sich 96 Minuten lang von Ari (Jella Haase) und Oona (Sarah Horváth) hat mitreißen lassen.
Harmlos beginnt hier nichts, auch wenn Aris Zuhause geradezu explosionsartig quietschebonbonbunt gestaltet ist. Ihre Mutter ist quietschesüßbesorgt nicht so sehr um ihre 15-Jährige, sondern um ihren weichlich-doof verhaltensauffälligen Sohn, der sich dauernd windet und leidet – ein spilleriger Waschlappen zum Weglachen. Papa ist daneben ein pullundriger Brillenmann, dem der Terz eigentlich zu viel ist, seufz, seufz.
- Die Kinowoche auf ZEIT ONLINE
-
Rezensionen und Interviews zu den Filmstarts dieser Woche
Fünf Jahre Leben (Deutschland, Regie: Stefan Schaller)
11 Freundinnen(Deutschland; Regie: Sung-hyung Cho)
Mutter und Sohn (Rumänien; Regie: Calin Peter Netzer)Ab 15. Mai berichtet ZEIT ONLINE von den Filmfestspielen in Cannes
Weitere Interviews und Besprechungen auf unseren Film- und DVD-Seiten
- Vergangene Filmwoche
-
Rezensionen und Interviews zu den Filmstarts vergangenen beiden Wochen:
Der große Gatsby(Australien, USA; Regie: Baz Luhrmann)
Paradies: Hoffnung (Frankreich, Österreich, Deutschland; Regie: Ulrich Seidl)
Evil Dead (USA; Regie: Fede Alvarez)Weitere Interviews und Besprechungen auf unseren Film- und DVD-Seiten
- Ihre Rezension
Haben Sie diesen Film bereits gesehen? Wie hat er Ihnen gefallen? Oder hat Sie in letzter Zeit ein anderer Film besonders beeindruckt oder enttäuscht? ZEIT ONLINE freut sich auf Ihre Filmrezension. Auf dieser Seite können Sie Ihren Text verfassen. In unseren Leserartikel-FAQ erfahren Sie, wie Sie dabei vorgehen sollten.
Ari meets Oona, das Gegensätzliche zieht sie an: die schwarzhaarige Künstlertochter, düster wie ihr Elternhaus, im Emo-Look, aber ohne tatsächliche Links zur außerfilmischen Welt, die ist völlig selbstgemacht, sogar die Limo-Etiketten sind eigens gestaltet – tolle Ausstattung! Die identitätsstiftende Band der Mädels ist eine fiktive Gruselcombo namens Tier, deren zylinderbehüteter Schamanenfrontmann singt: "Kannst du den Ruf der Freiheit spüren?"
Zur Hölle ja, das können die beiden. Sie lernen sich kennen, nachdem Oonas Vater, das Weichei, sich an einem Baum vor der Schule erhängt – denn Oona hat ihre Mutter (Nicolette Krebitz! Juhu!) beim Sex mit Papas Bruder Lukas erwischt (schön eklig: Thomas Wodianka). Die Mädchen fühlen sich unverstanden, allein, wollen was anderes, wollen raus. Ari lernt von Oona, Schminke, Lolita-Punk-Klamotten, schmeißt die Barbies weg und entdeckt den Sex: mit dem erst coolen, dann langweiligen Barmann im getunten Auto, dann doch nicht mit den pubertären Mitschülern, die eine große Fresse, aber umso größere Angst vor echten Mädchen haben – und mit Lukas. Da wird’s fies, weil Oona das mitkriegt, Krach und Versöhnung, "öffne deine Käfigtür", singen Tier. Schöne Racheszene am Ende, Blut und Kuscheltiere, ein rosaroter Sonnenuntergang, zwei Freundinnen und ein Hoppelhase, hach.






... - ich das jetzt mal so - echt scheiße.
Filme und Bücher mit krampfhafter Selbsterhöhung gibt es nun wirklich zu genüge und waren noch nie gut.
Derartiges Herabsehen auf andere (gerade auf deren Schwächen) spricht in der Regel für ein mieserables Selbstbewußtsein. Diese Mechanik des Nach-Unten-Tretens wäre wiederum durchaus eine Geschichte wert.
War ja klar, dass es zu einem Film aus Frauenperspektive als ersts mal einen Chauvikommentar geben muss. Manchmal kommt es mir vor als ob ihr den ganzen Tag vor dem Computer sitzt an der Kommentarfunktion, um jegliche weibliche Perspektive auszubooten. Auf der andern Seite: schön, dass ihr nur am Computer rumhängt, da hat die reale Welt wenigstens Ruhe vor euch.
Bitte diskutieren Sie zum konkreten Artikelthema und verzichten Sie auf Unterstellungen. Danke, die Redaktion/mk
Wenngleich ich den Kommentar von Derika nicht komplett nachvollziehen kann, frage ich mich doch vor allem, woher Sie daraus die Verallgemeinerung "ihr" ableiten? Damit tragen Sie doch selbst zu einer klaren Aufspaltung in "wir" und "ihr" bei.
Sorry, aber was ich aus dem Artikel lesen, hat weniger etwas mit einem Film aus "Frauenperspektive" zu tun, also der nervigen Sicht pubertierende Mädels, die über alles lachen (Bild gibt sicherlich seinen Teil dazu).
Ansonsten gibt es sowieso DIE Frauenspektive eh nicht. Ich versteh die meisten Frauen genausowenig wie die meisten Männer.
IMO ist es beleidigend, wenn man sowas als Frauenfilm bezichnet - und zwar für Frauen genauso wie für Männer. Es ist ein Film über zwei Menschen, in diesem Fall weiblich. Deswegen muss ich den aber nicht gut finden und das ganz, ohne dabei "chauvinistisch" zu sein.
Verhalten dieser Art ist bei Männern genauso schlecht, wird aber auch wesentlich mehr kritisiert, ganz pauschal.
Wenngleich ich den Kommentar von Derika nicht komplett nachvollziehen kann, frage ich mich doch vor allem, woher Sie daraus die Verallgemeinerung "ihr" ableiten? Damit tragen Sie doch selbst zu einer klaren Aufspaltung in "wir" und "ihr" bei.
Sorry, aber was ich aus dem Artikel lesen, hat weniger etwas mit einem Film aus "Frauenperspektive" zu tun, also der nervigen Sicht pubertierende Mädels, die über alles lachen (Bild gibt sicherlich seinen Teil dazu).
Ansonsten gibt es sowieso DIE Frauenspektive eh nicht. Ich versteh die meisten Frauen genausowenig wie die meisten Männer.
IMO ist es beleidigend, wenn man sowas als Frauenfilm bezichnet - und zwar für Frauen genauso wie für Männer. Es ist ein Film über zwei Menschen, in diesem Fall weiblich. Deswegen muss ich den aber nicht gut finden und das ganz, ohne dabei "chauvinistisch" zu sein.
Verhalten dieser Art ist bei Männern genauso schlecht, wird aber auch wesentlich mehr kritisiert, ganz pauschal.
wenn Frauenwelt sich so einschätzt, können sie gerne für sich bleiben.
H.
Wenngleich ich den Kommentar von Derika nicht komplett nachvollziehen kann, frage ich mich doch vor allem, woher Sie daraus die Verallgemeinerung "ihr" ableiten? Damit tragen Sie doch selbst zu einer klaren Aufspaltung in "wir" und "ihr" bei.
...die Worte Männer öfters vorkommen als Frauen und das Wort Sex auch mehrfach... und zwar, bevor ich ihn gelesen hatte :-)
Ansonsten ist es schon gut, dass es so einen Film gibt. Man kann viel daraus lernen. Denn gerade dieses Lolita-Punk-Getue, das unschuldige Mädchen mit dem Messer, von denen Klinge Blut tropft, hinterm Rücken mit der Aufschrift "Ich bin doch ganz lieb" und die geposten Handyfotos, wo man immer von oben herab den Kussmund für Facebook fotographiert sind soooo was von mainstream. Gefühlt die Hälfte der jungen Mädchen in Berlin rennen mit dieser pseudoalternativen Revoluzerfrisur rum: Auf einer Hälfte des Kopfes einen Teil der Haare raufrasiert... aber bitte nur so weit, dass es noch gut aussieht und man aber trotzdem einen auf Miststück machen kann Es ist die allgemeinste Mode, die es im Moment gibt, so dass der Drang nach Individualität die Jugend immer mehr in den Mainstream treibt.
Ich hoffe, dass dieser Film das konstruktiv schildert und nicht auch noch hyped.
Ich kann mir weder aufgrund des Artikels noch des Trailers ein klares Bild machen bezüglich Bestätigung von Klischees oder kritischer bzw. humoristischer Auseinandersetzung mit Klischees. Aber wie immer der Film auch ist, viele Mädchen werden ihn lieben und er wird sie stimulieren und inspirieren. Als erwachsene Vertrauensperson kann man ja in jedem Fall die Chance nutzen, um erstens selbst zu lernen und zweitens Lernprozesse bei Jugendlichen zu evozieren.
Übrigens, liebe ZEIT-Redaktion, unter dem Bild sind die Namen der Schauspielerinnen verdreht.
Lieber Leser,
ich fürchte, Sie täuschen sich. Links im Bild ist Jella Haase als Ari, neben ihr ihre Filmpartnerin Sarah Horváth.
Viele Grüße,
Carolin Ströbele
Lieber Leser,
ich fürchte, Sie täuschen sich. Links im Bild ist Jella Haase als Ari, neben ihr ihre Filmpartnerin Sarah Horváth.
Viele Grüße,
Carolin Ströbele
Interessant daran ist, dass offensichtlich mindestens ein Teil der Frauen enorme Probleme mit ihrer Frauwerdung haben müssen. Die Frage ist, wo hat das seine Ursache?
In der Tat ist es richtig, dass man zB in Buchhandlungen und Bibliotheken m-lange Regale mit Frauenkultur finden kann, also Literatur, in welcher sich Frauen intensivst mit dem Prozess der Frauwerdung auseinandersetzen. Die für manche ordinäre charlotte Roach, welche geradezu marktschreierisch ihr Frausein in die Welt hinausschreit, ist auch so ein Bsp.
Würde man in Buchhandlungen und Bibliotheken nach vgl. Männerliteratur suchen, wird man kaum ein paar Bücher finden.
Das weist immerhin aus, dass ein erheblicher Teil der Frauen mit dem Umstand, dass sie Frauen sind, ganz gewaltige Konflikte haben müssen.
Was wir bei Männern nicht in diesem Ausmaß finden können.
Auch die Internete sind bis oben hin voll von starken Frauen, auch wenn sie noch so schwach sein sollten, von Karrierefrauen, auch wenn deren Karriere bei einem Mann kein Wort nach sich ziehen würde, von den Klügeren Frauen (klüger als Männer)
und und und
Wenn jemand pausenlos über sich redet, könnte man darin einen Minderwertigkeitskomplex vermuten.
Pausenlos hört man von TV Moderatorinnen, dass Frauen schneller, klüger, schöner, intelligenter sind und sowieso alles besser können als Männer. Manche hätten dafür eine Begriffsbestimmuhng.
...dass Männer weniger Probleme damit haben. Nur ist es Teil des "Mann seins", das "Maul zu halten" und still zu leiden.
Dass es wenig Männerliteratur gibt, liegt u.a. mit daran, aber auch, dass Verlage lange Zeit, teils bis heute, und auch Filmemacher derartige Themen meiden, während "Frauenliteratur" immer noch der Renner ist.
Gerade bedeutende Werke wie die von Farrell oder (auf Deutschland bezogen) von Arne Hoffmann, sind teils schwer bis gar nicht zu bekommen. Dabei ist das Lesen davon für alle interessant, auch, wenn nicht gerade für Frauen.
Im Allgemeinen habe ich in meinen gesamten Leben noch kein einziges Mal bemerkt, dass Frauen oder Männer in irgend einer Weise besser als das jeweils andere Geschlecht waren. Männer sind allgemeine etwas aktiv, teils überaktiv, was jedoch, so sehe ich die Kausalität, an der (Über)Forderung der Männer liegt. Sie fallen zwar öfter im Negativen auf, aber auch im Positiven, gerade wenn es gefährlich wird, was sich letztlich, allgemein betrachtet, dann auch ausgleicht.
[...]
Gekürzt. Bitte bleiben Sie beim konkreten Artikelthema. Danke, die Redaktion/mk
...dass Männer weniger Probleme damit haben. Nur ist es Teil des "Mann seins", das "Maul zu halten" und still zu leiden.
Dass es wenig Männerliteratur gibt, liegt u.a. mit daran, aber auch, dass Verlage lange Zeit, teils bis heute, und auch Filmemacher derartige Themen meiden, während "Frauenliteratur" immer noch der Renner ist.
Gerade bedeutende Werke wie die von Farrell oder (auf Deutschland bezogen) von Arne Hoffmann, sind teils schwer bis gar nicht zu bekommen. Dabei ist das Lesen davon für alle interessant, auch, wenn nicht gerade für Frauen.
Im Allgemeinen habe ich in meinen gesamten Leben noch kein einziges Mal bemerkt, dass Frauen oder Männer in irgend einer Weise besser als das jeweils andere Geschlecht waren. Männer sind allgemeine etwas aktiv, teils überaktiv, was jedoch, so sehe ich die Kausalität, an der (Über)Forderung der Männer liegt. Sie fallen zwar öfter im Negativen auf, aber auch im Positiven, gerade wenn es gefährlich wird, was sich letztlich, allgemein betrachtet, dann auch ausgleicht.
[...]
Gekürzt. Bitte bleiben Sie beim konkreten Artikelthema. Danke, die Redaktion/mk
Einen Film mit allesamt schwachen Männern sieht man in der Tat sehr selten; das it ja mal was ganz neues. Die übrige Kinowelt ist ja eher übervoll von Leuten wie Charles Bronson, Clint Eastwood oder Vin Diesel.
Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren