Philosoph Žižek "Der autoritäre Kapitalismus ist der Gewinner der Krise"

Der Philosoph Slavoj Žižek ist einer der wortgewaltigsten Kritiker des Kapitalismus. Im Interview erzählt er, warum er wenig von den Protesten in London und Madrid hält.

Der Philosoph Slavoj Žižek in Liverpool, 2008

Der Philosoph Slavoj Žižek in Liverpool, 2008

ZEIT ONLINE: Herr Žižek, leben wir "in der Endzeit", wie der Titel Ihres letzten Buchs, dem bislang nur auf Englisch erschienenem Buch Living in the End Times, suggeriert?

Slavoj Žižek: Ich enttäusche Sie jetzt wahrscheinlich: Ich bin kein linker Triumphalist, der eine perverse Lust aus Leid zieht. Wenn ich in meinem Buch von "Endzeit" spreche, geht es mir nicht um einzelne Katastrophen. Es geht mir um die Krise des globalen Kapitalismus aus der Perspektive einer Kritik der politischen Ökonomie. Auf verschiedenen Ebenen – Ökologie, Biogenetik, intellektuelles Eigentum und neuen Formen von Apartheid – steuern wir auf einen Nullpunkt des Kapitalismus zu. Die größte Utopie ist heute, dass wir dieses System mit ein paar kosmetischen Veränderungen unendlich lange aufrechterhalten können.

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ZEIT ONLINE: Worin besteht die augenblickliche Krise des Kapitalismus? 

Slavoj Žižek

Slavoj Žižek, geboren 1949, ist ein slowenischer Philosoph und Psychoanalytiker, der mittlerweile hauptsächlich auf Englisch schreibt. Seine Schwerpunkte sind Hegel, Marx und Lacan. Er gilt als einer der wichtigsten Theoretiker der radikalen Linken. Zuletzt erschien von ihm auf Deutsch Gewalt - Sechs abseitige Reflexionen.

Žižek: Da der Kapitalismus heute keinen äußeren Feind mehr hat, stößt er an seine inneren Grenzen. Dies geschieht vor allem im Hinblick auf die Frage der Ökologie und die des intellektuellen Eigentums. In beiden Bereichen wird das Privateigentum als universelles Prinzip infrage gestellt. In beiden Bereichen sind wir mit Gemeingütern konfrontiert, die sich nicht in diesen Kategorien denken lassen. Bei Luft und den Meeren zum Beispiel ist das offensichtlich, aber auch in Computernetzwerken finden sich ähnliche Phänomene. Dort handelt es sich fast um klassischen historischen Materialismus. Die Produktionsmittel haben sich gewandelt und erfordern neue gesellschaftliche Modelle.

ZEIT ONLINE: Sind die Unruhen in London ein Teil der Suche nach neuen Modellen jenseits des Kapitalismus?

Žižek: Nein, ganz bestimmt nicht. Ich teile da auch nicht die Bigotterie vieler Linker, die im selben Atemzug die Gewalt verdammen, in dem sie für Verständnis für diese Leute werben – etwa was soziale Ursachen anbelangt. Nein. Was man hier sieht, ist genau die post-ideologische Gesellschaft, wie die Neoliberalen sie so gerne wollten. Zygmunt Bauman war auf dem richtigen Weg, als er von der Randale unbrauchbarer Konsumenten sprach. Es handelt sich um enttäuschte Konsumenten, die einer perversen Form des Konsums, einem Karneval der Zerstörung, nachgehen. In viel schlechteren Situationen haben es Menschen geschafft, sich politisch zu organisieren, was hier vollkommen misslang.

ZEIT ONLINE: Das gelang den "Empörten" in Spanien zum Beispiel besser.

Žižek: Die "Empörten" sprechen etwas an, das interessant ist. Die Nachfrage des Kapitalismus nach hochausgebildeten Arbeitskräften hat dazu geführt, dass man eine Klasse überqualifizierter Arbeitsloser schuf, die nicht nur arbeitslos sind, sondern ganz und gar unanstellbar. Aber als ich ihr Manifest las, konnte ich darin keine konkreten Entwürfe für Alternativen finden. Minimallöhne sind etwa nur ein Versuch, den Kapitalismus zu retten, so wie Almosen, nur Forderungen nach Gerechtigkeit … – aber an wen sind diese Forderungen letztlich gerichtet? Obwohl "die Empörten" der gesamten politischen Klasse misstrauen, richten sie ihre Forderungen an den Staat! Diese Menschen rufen ausschließlich nach einem neuen Herrn. Lassen Sie mich ein grausames Gedankenexperiment machen: Würde sich ein ehrlicher, gemäßigter Faschist diesen Forderungen nicht anschließen?

ZEIT ONLINE: Als bekennender Kommunist sollte Ihnen doch eine gewisse Form von Etatismus sympathisch sein.

Žižek: Ich bin kein Kommunist in diesem Sinne, auch nicht was den real-existierenden Sozialismus anbelangt. Ich war selbst mit am Umsturz dieses Systems beteiligt und bin diesbezüglich nicht nostalgisch. Der Kommunismus ist für mich keine Antwort, sondern ein Problem – das immer noch ungelöste Problem, wie wir eine Organisationsform für die Gemeingüter, die Commons, finden können. Was die Lösung dieses Problems angeht, bin ich sehr bescheiden und auch pessimistisch.

ZEIT ONLINE: Wie beurteilen Sie die politische Bewältigung der Euro-Krise?

Leser-Kommentare
    • Crest
    • 25.08.2011 um 11:12 Uhr

    Wieviele "Endzeiten" denn noch? C.

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    Entfernt. Bitte diskutieren Sie sachlich zum Thema. Danke. Die Redaktion/sc

    werter Crest, Sie stimmen sicher mit mir überein, dass auch der Kapitalismus endlich ist und auf dieses Ende freue ich mich.
    Noch fehlen Antworten für wichtige Fragen, wie z.B. gerechte Verteilung der geschaffenen Vermögenswerte, humanes und ökologisches Wirtschaften, und nicht zuletzt Demokratie, die diesen Namen auch verdient ...
    Wie lange sich diese Agonie noch hinzieht, dass ist die eigentlich deprimierende Frage. Da stimme ich übrigens nicht mit dem Autor überein, der meint nur die Linke könne uns retten. Gerettet wird diese Welt nur in einschlägigen Hollywoodfilmen. Doch wird es sicher einen Paradigmawechsel geben und diese Veränderungen werden aus allen Schichten der Gesellschaft kommen, nicht nur von den Linken.

    Entfernt. Bitte diskutieren Sie sachlich zum Thema. Danke. Die Redaktion/sc

    werter Crest, Sie stimmen sicher mit mir überein, dass auch der Kapitalismus endlich ist und auf dieses Ende freue ich mich.
    Noch fehlen Antworten für wichtige Fragen, wie z.B. gerechte Verteilung der geschaffenen Vermögenswerte, humanes und ökologisches Wirtschaften, und nicht zuletzt Demokratie, die diesen Namen auch verdient ...
    Wie lange sich diese Agonie noch hinzieht, dass ist die eigentlich deprimierende Frage. Da stimme ich übrigens nicht mit dem Autor überein, der meint nur die Linke könne uns retten. Gerettet wird diese Welt nur in einschlägigen Hollywoodfilmen. Doch wird es sicher einen Paradigmawechsel geben und diese Veränderungen werden aus allen Schichten der Gesellschaft kommen, nicht nur von den Linken.

  1. Entfernt. Bitte diskutieren Sie sachlich zum Thema. Danke. Die Redaktion/sc

  2. der Mann mit dem Namen, für den mir gerade die Zeichen auf der Tastatur fehlen, als er sagte:

    "Würde sich ein ehrlicher, gemäßigter Faschist diesen Forderungen nicht anschließen?" zu den Linken Staatsverdrossenen zieht.

    Genau diese Parallele wird leider immer noch zu selten wahr genommen und genau darauf sollten wir unser Augenmerk richten, denn der Weg, den das ebnet, ist kein guter, wie ich finde.

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    ...inwiefern sich unsere Interpretation des Kapitalismus noch vom Faschismus unterscheidet. Hauptmerkmal des Faschismus ist der Totalitarimus, also die Gleichschaltung der Bevölkerung auf der intellektuellen Ebene: Man hat sich zu "vermarkten", zu "benchmarken" usw. Der Mensch, der nichts besitzt außer seiner Arbeitskraft wird gezwungen sich (selbst) zu verkaufen. Dass unsere Gesellschaft sich dies nun bis in die letzte, wichtigste Nische einverleibt hat, erkennt man am besten an den Hochschulräten, die aus komplett universitätsfernen Personen aus der Wirtschaft zusammensetzen. Und wie wir wissen: Ein System muss immer dann als totalitär bezeichnet werden, wenn die vorherrschende Ideologie in die Bildung Einzug hält. Dass es dabei viele Verlierer und wenige Gewinner gibt, ist kein bedauerlicher Nebeneffekt, sondern der ganz bewusst gesteuerte, und gewollte Sinn der Sache.

    • Derika
    • 25.08.2011 um 12:55 Uhr

    Dass all jene Menschen, die derzeit unzufrieden, gegen den Kapitalismus und für mehr Sozialismus im Land, mit Faschisten gleichzusetzen sind?

    Wissen Sie überhaupt, was Faschismus ist? Und wissen Sie, was "linke Staatsverdrossene" sind und weshalb?

    Das sollte man schon erklären, wenn man so etwas bejubelt, er selbst macht es ja nicht.

    Zugleich wirft er ja den Leuten vor, einen neuen Heeren haben zu wollen, während Sie hier von erstmal fiktiven Personen reden ("Staatsverdrossene"), die eben keinen Staat, keine Herren haben möchten. Das widerspricht sich.

    Scheint mehr darauf abzuzielen, mal wieder links mit rechts gleichzusetzen, zwecks Diskreditation.

    • Afa81
    • 26.08.2011 um 9:32 Uhr

    "der Mann mit dem Namen, für den mir gerade die Zeichen auf der Tastatur fehlen, als er sagte:"

    :-)

    Geht einfach:

    Markieren; Strg + C; Strg + V

    Es gibt sogar Leute, die damit fast eine ganze Doktorarbeit "geschrieben" haben :-)

    ...inwiefern sich unsere Interpretation des Kapitalismus noch vom Faschismus unterscheidet. Hauptmerkmal des Faschismus ist der Totalitarimus, also die Gleichschaltung der Bevölkerung auf der intellektuellen Ebene: Man hat sich zu "vermarkten", zu "benchmarken" usw. Der Mensch, der nichts besitzt außer seiner Arbeitskraft wird gezwungen sich (selbst) zu verkaufen. Dass unsere Gesellschaft sich dies nun bis in die letzte, wichtigste Nische einverleibt hat, erkennt man am besten an den Hochschulräten, die aus komplett universitätsfernen Personen aus der Wirtschaft zusammensetzen. Und wie wir wissen: Ein System muss immer dann als totalitär bezeichnet werden, wenn die vorherrschende Ideologie in die Bildung Einzug hält. Dass es dabei viele Verlierer und wenige Gewinner gibt, ist kein bedauerlicher Nebeneffekt, sondern der ganz bewusst gesteuerte, und gewollte Sinn der Sache.

    • Derika
    • 25.08.2011 um 12:55 Uhr

    Dass all jene Menschen, die derzeit unzufrieden, gegen den Kapitalismus und für mehr Sozialismus im Land, mit Faschisten gleichzusetzen sind?

    Wissen Sie überhaupt, was Faschismus ist? Und wissen Sie, was "linke Staatsverdrossene" sind und weshalb?

    Das sollte man schon erklären, wenn man so etwas bejubelt, er selbst macht es ja nicht.

    Zugleich wirft er ja den Leuten vor, einen neuen Heeren haben zu wollen, während Sie hier von erstmal fiktiven Personen reden ("Staatsverdrossene"), die eben keinen Staat, keine Herren haben möchten. Das widerspricht sich.

    Scheint mehr darauf abzuzielen, mal wieder links mit rechts gleichzusetzen, zwecks Diskreditation.

    • Afa81
    • 26.08.2011 um 9:32 Uhr

    "der Mann mit dem Namen, für den mir gerade die Zeichen auf der Tastatur fehlen, als er sagte:"

    :-)

    Geht einfach:

    Markieren; Strg + C; Strg + V

    Es gibt sogar Leute, die damit fast eine ganze Doktorarbeit "geschrieben" haben :-)

  3. ist der Gewinner der Krise"

    Und das fabulieren ist die liebste Beschäftigung von Kommunisten, jedenfalls solange, bis ihre Weltverbesserungtheorien ihnen wieder erlauben Menschen zu versklaven und in Arbeits- und Umerziehungslager zu schicken.

    Das blabla kennt wir nun schon seit Marx und es heute der gleiche nonsense wie damals.

    10 Leser-Empfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    mit lagerdenkern wie ihnen wird es schwer werden eine bessere zukunft kreieren....

    Sehr geehrter "Westerland". Es gibt im übrigen eine konservative Kapitalismuskritik, die sich wie Marx auf die Klassiker berufen kann. Die Analyse ist jeweils gleich, die Schlussfolgerungen nur jeweils anders.

    Im übrigen fand im Jahr 1938 fand eine Konferenz in Paris statt, das sog. „Colloque Walter Lippmann“, zur Erarbeitung einer neuen Form des Liberalismus als Antwort auf die weltweiten Rezessionen seit Anfang des 20ten Jahrhunderts statt. Dabei wurde der Begriff des Neoliberalismus auf Vorschlag von Prof. Rüstow für den wirtschaftspolitischen Ansatz gewählt, um sich bewusst von dem klassischen Ansatz des Laissez-faire-Liberalismus zu distanzieren!

    Der Ansatz des Neoliberalismus hat sich mit der Zeit in verschiedene Richtungen weiterentwickelt. Teilweise lassen sich diese Ansätze unterschiedlichen Autoren und Schulen zuordnen. Dabei wurde der ursprüngliche Ansatz des Neoliberalismus teilweise verfälscht, weshalb die Freuburger Schule in Deutschland sich mit dem Begriff des Ordo-Liberalismus von diesen Neo-Neoklassikern in den USA inhaltlich absetzten.

    Die Disukussion um Common Goods ist übrigens eine der Ökonomie immanente Diskussion, die gerade in den USA und durch den Nobelpreis 2009 für die liberale US-Ökonomen Elinor Ostrom unterstrichen wurde.

    Also bitte weniger Polemik und sich mehr mit den Tatsachen beschäftigen.

    • Derika
    • 25.08.2011 um 12:56 Uhr

    Dass er kein Kommunist ist, zumidnest nicht in jenem Sinne, eher in irgend einem Sinne, aber irgendwas wird er schon sein, man erfährt es ja nicht, da er hauptsächlich von anderen spricht und nicht von sich.

    Ach, hin und wieder ist mir Fabulieren durchaus Recht. Frei nach dem Motto: "Müßiggang ist aller Philosophie Anfang"
    Als Ergänzung kann ich einen neuen Artikel von Botho Strauß
    empfehlen, auf den Götz Kubitschek hinwies.

    http://www.faz.net/artike...

    bitte bitte: ignorieren sie "westerland".
    er schreibt immer solch merkwürdige sachen.
    gehen sie einfach nicht darauf ein und lassen sie sich nicht provozieren.
    wenn er kein echo erhält, hört er auf.

    Bitte diskutieren Sie zum Artikelthema. Wenn Sie Kommentare für bedenklich halten, können Sie diese melden. Danke, die Redaktion/mk

    ... kennen die Kapitalisten auch. Sie nennen sie Konsumtempel ...

    Wenn Sie meinen, dass Marx nur Blabla und Nonsens ist, ist Ihnen leider auch nicht zu helfen. Die besten Schüler Marxens waren oft die Liberalen.
    Und was das "Erfolgsmodell" Zizeks anbelangt, so scheint er zumindest so lange im Recht zu sein, bis das Gegenteil belegt ist. China ist im Moment leider das Erfolgsmodell, und Teile dieses "Erfolgsmodells" werden über kurz oder lang auch ganz "alternativlos" in Europa durchgesetzt werden (zuerst in den Krisenländern), und zwar vor allem, was den völligen Abbau der Arbeitnehmerrechte bei gleichzeitigem Demokratieabbau und immer stärkerer polizeilicher Repression anbelangt. Wetten?

    Ihr blabla ist nun auch weidlich ausgereizt und sattsam bekannt. Sehen Sie denn in den gegenwärtigen Rettungsversuchen für diese überlebte und übrigens seit gut 50 Jahren als auf einem oder zwei schlichten Rechenfehlern beruhende Form des Wirtschaftens mehr als einen weiteren Versuch, dieser völlig verschlissenen Hose einen weiteren Flicken aufzupappen, damit man den nackten A**** nicht so sieht?

    Aufgrund eines Doppelpostings entfernt. Die Redaktion/vn

    • whale
    • 26.08.2011 um 22:31 Uhr

    Tja, für Leute wie Sie scheinen sich Gulags und Mauer, also die Diktaturen, die sich Kommunismus nannten (so wie die Nazis sich Sozialisten nannten), immer noch als wunderbare Totschlagargumente für jegliche Kapitalismuskritik zu eignen. Dass Ihr Schwarz-Weiß-Denken absolut realtitätsfern ist, zeigt doch allein das "kommunistische" China, das gleichzeitig der Vorzeigekapitalist und gröbster Menschenrechtsverletzer ist.

    Also Ihr blablabla kenne ich auch zu Genüge!-nixx Neues nur reflexartige Argumentation-DANKE REICHT SCHON...

    Zitat: "Das blabla kennt wir nun schon seit Marx und es heute der gleiche nonsense wie damals."
    Antwort: Wer lesen tut ist eindeutig im Vorteil! Zuerst Marx lesen, dann entstehen niemals solche Sätze. Zu Marx ist alles mögliche zu sagen und gegen seine Schlussfolgerungen ebenso alles mögliche einzuwenden, aber weder blabla noch Nonsense trifft auch nur annähernd. Sondern ist die passende Reflexion des "Kommentators" auf seinen "Kommentar".

    mit lagerdenkern wie ihnen wird es schwer werden eine bessere zukunft kreieren....

    Sehr geehrter "Westerland". Es gibt im übrigen eine konservative Kapitalismuskritik, die sich wie Marx auf die Klassiker berufen kann. Die Analyse ist jeweils gleich, die Schlussfolgerungen nur jeweils anders.

    Im übrigen fand im Jahr 1938 fand eine Konferenz in Paris statt, das sog. „Colloque Walter Lippmann“, zur Erarbeitung einer neuen Form des Liberalismus als Antwort auf die weltweiten Rezessionen seit Anfang des 20ten Jahrhunderts statt. Dabei wurde der Begriff des Neoliberalismus auf Vorschlag von Prof. Rüstow für den wirtschaftspolitischen Ansatz gewählt, um sich bewusst von dem klassischen Ansatz des Laissez-faire-Liberalismus zu distanzieren!

    Der Ansatz des Neoliberalismus hat sich mit der Zeit in verschiedene Richtungen weiterentwickelt. Teilweise lassen sich diese Ansätze unterschiedlichen Autoren und Schulen zuordnen. Dabei wurde der ursprüngliche Ansatz des Neoliberalismus teilweise verfälscht, weshalb die Freuburger Schule in Deutschland sich mit dem Begriff des Ordo-Liberalismus von diesen Neo-Neoklassikern in den USA inhaltlich absetzten.

    Die Disukussion um Common Goods ist übrigens eine der Ökonomie immanente Diskussion, die gerade in den USA und durch den Nobelpreis 2009 für die liberale US-Ökonomen Elinor Ostrom unterstrichen wurde.

    Also bitte weniger Polemik und sich mehr mit den Tatsachen beschäftigen.

    • Derika
    • 25.08.2011 um 12:56 Uhr

    Dass er kein Kommunist ist, zumidnest nicht in jenem Sinne, eher in irgend einem Sinne, aber irgendwas wird er schon sein, man erfährt es ja nicht, da er hauptsächlich von anderen spricht und nicht von sich.

    Ach, hin und wieder ist mir Fabulieren durchaus Recht. Frei nach dem Motto: "Müßiggang ist aller Philosophie Anfang"
    Als Ergänzung kann ich einen neuen Artikel von Botho Strauß
    empfehlen, auf den Götz Kubitschek hinwies.

    http://www.faz.net/artike...

    bitte bitte: ignorieren sie "westerland".
    er schreibt immer solch merkwürdige sachen.
    gehen sie einfach nicht darauf ein und lassen sie sich nicht provozieren.
    wenn er kein echo erhält, hört er auf.

    Bitte diskutieren Sie zum Artikelthema. Wenn Sie Kommentare für bedenklich halten, können Sie diese melden. Danke, die Redaktion/mk

    ... kennen die Kapitalisten auch. Sie nennen sie Konsumtempel ...

    Wenn Sie meinen, dass Marx nur Blabla und Nonsens ist, ist Ihnen leider auch nicht zu helfen. Die besten Schüler Marxens waren oft die Liberalen.
    Und was das "Erfolgsmodell" Zizeks anbelangt, so scheint er zumindest so lange im Recht zu sein, bis das Gegenteil belegt ist. China ist im Moment leider das Erfolgsmodell, und Teile dieses "Erfolgsmodells" werden über kurz oder lang auch ganz "alternativlos" in Europa durchgesetzt werden (zuerst in den Krisenländern), und zwar vor allem, was den völligen Abbau der Arbeitnehmerrechte bei gleichzeitigem Demokratieabbau und immer stärkerer polizeilicher Repression anbelangt. Wetten?

    Ihr blabla ist nun auch weidlich ausgereizt und sattsam bekannt. Sehen Sie denn in den gegenwärtigen Rettungsversuchen für diese überlebte und übrigens seit gut 50 Jahren als auf einem oder zwei schlichten Rechenfehlern beruhende Form des Wirtschaftens mehr als einen weiteren Versuch, dieser völlig verschlissenen Hose einen weiteren Flicken aufzupappen, damit man den nackten A**** nicht so sieht?

    Aufgrund eines Doppelpostings entfernt. Die Redaktion/vn

    • whale
    • 26.08.2011 um 22:31 Uhr

    Tja, für Leute wie Sie scheinen sich Gulags und Mauer, also die Diktaturen, die sich Kommunismus nannten (so wie die Nazis sich Sozialisten nannten), immer noch als wunderbare Totschlagargumente für jegliche Kapitalismuskritik zu eignen. Dass Ihr Schwarz-Weiß-Denken absolut realtitätsfern ist, zeigt doch allein das "kommunistische" China, das gleichzeitig der Vorzeigekapitalist und gröbster Menschenrechtsverletzer ist.

    Also Ihr blablabla kenne ich auch zu Genüge!-nixx Neues nur reflexartige Argumentation-DANKE REICHT SCHON...

    Zitat: "Das blabla kennt wir nun schon seit Marx und es heute der gleiche nonsense wie damals."
    Antwort: Wer lesen tut ist eindeutig im Vorteil! Zuerst Marx lesen, dann entstehen niemals solche Sätze. Zu Marx ist alles mögliche zu sagen und gegen seine Schlussfolgerungen ebenso alles mögliche einzuwenden, aber weder blabla noch Nonsense trifft auch nur annähernd. Sondern ist die passende Reflexion des "Kommentators" auf seinen "Kommentar".

    • MR
    • 25.08.2011 um 11:31 Uhr

    aber das philosophische Denken scheint der Weg zu sein, auf dem sich Lösungen zeigen können.

    10 Leser-Empfehlungen
  4. mit lagerdenkern wie ihnen wird es schwer werden eine bessere zukunft kreieren....

    36 Leser-Empfehlungen
  5. Es ist reichlich egal. Im Gegenentwurf zum Kapitalismus wird ebenfalls der Mensch zur Ware, hier bestimmt eben ein Kommissar die Quote, und nicht der Preis.

    Solange die Menschen nicht aufstehen und sich ihre Freiheit zurückerlangen, sind diese eben Knechte. Was soll die Empörtheit?

    Der gute Knecht wechselt bei Bedarf einfach nur die Ideologie/Partei und arbeitet weiter. Warum überwindet der Mensch die Ideologien nicht und wird zum freien Wesen?

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    "Warum überwindet der Mensch die Ideologien nicht und wird zum freien Wesen?"

    1. Jede Gesellschaft benötigt einen Gesellschaftsvertrag, in dem bestimmte Normen und Werte festgelegt werden, an die sich alle halten müssen. Gesellschaft ohne Vertrag ist nicht möglich, weil selbst dann gewisse Regeln gelten würden. Insofern besteht durch das Bestehen einer Gesellschaft (im Sinne von mehreren Menschen leben an einem Ort) immer eine Ideologie.

    2. Was soll das bedeuten: "frei". Freiheit ist wahrscheinlich das Wort, das das größte Missverhältnis von ideologischer Übersteigerung und Inhaltsleere aufweist.

    Ganz einfaches Beispiel: Als Mitteleuropäer bin ich relativ frei von der Sorge, dass jemand mich mit einem legal gekauften Gewehr auf der Straße abknallt und muss mir keine Gedanken um Krankenhauskosten machen, falls mir etwas passiert. Der Amerikaner ist frei von dem Verbot Waffen zu kaufen und frei von der Pflicht, eine Krankenversicherung zu bezahlen. Wer ist nun freier? Auch hier definiert wieder eine Ideologie, was Freiheit sein soll.

    Man könnte jetzt noch auf den Liberalismus eingehen, der die Freiheit im Namen trägt, jedoch nie etwas anderes war als ein Instrument, um eine oligarchische Herrschaft zu rechtfertigen.

    • Derika
    • 25.08.2011 um 12:59 Uhr

    Wenn Sie eine derartige Behauptung aufstellen, sollen Sie da auch etwas dranhängen. Behauptungen aufstellen ist einfach, das kann jedes fünfjährige Kind.

    Dass der Kapitalismus sich nicht an Menschen orientiert steckt im Namen, in der Definition und in seiner Umsetzung.

    Einfach zu sagen, das alles andere ebenso Müll ist, ist eine vielleicht wirksame, aber inhaltlich mieserable Verteidigung.

    "Warum überwindet der Mensch die Ideologien nicht und wird zum freien Wesen?"

    1. Jede Gesellschaft benötigt einen Gesellschaftsvertrag, in dem bestimmte Normen und Werte festgelegt werden, an die sich alle halten müssen. Gesellschaft ohne Vertrag ist nicht möglich, weil selbst dann gewisse Regeln gelten würden. Insofern besteht durch das Bestehen einer Gesellschaft (im Sinne von mehreren Menschen leben an einem Ort) immer eine Ideologie.

    2. Was soll das bedeuten: "frei". Freiheit ist wahrscheinlich das Wort, das das größte Missverhältnis von ideologischer Übersteigerung und Inhaltsleere aufweist.

    Ganz einfaches Beispiel: Als Mitteleuropäer bin ich relativ frei von der Sorge, dass jemand mich mit einem legal gekauften Gewehr auf der Straße abknallt und muss mir keine Gedanken um Krankenhauskosten machen, falls mir etwas passiert. Der Amerikaner ist frei von dem Verbot Waffen zu kaufen und frei von der Pflicht, eine Krankenversicherung zu bezahlen. Wer ist nun freier? Auch hier definiert wieder eine Ideologie, was Freiheit sein soll.

    Man könnte jetzt noch auf den Liberalismus eingehen, der die Freiheit im Namen trägt, jedoch nie etwas anderes war als ein Instrument, um eine oligarchische Herrschaft zu rechtfertigen.

    • Derika
    • 25.08.2011 um 12:59 Uhr

    Wenn Sie eine derartige Behauptung aufstellen, sollen Sie da auch etwas dranhängen. Behauptungen aufstellen ist einfach, das kann jedes fünfjährige Kind.

    Dass der Kapitalismus sich nicht an Menschen orientiert steckt im Namen, in der Definition und in seiner Umsetzung.

    Einfach zu sagen, das alles andere ebenso Müll ist, ist eine vielleicht wirksame, aber inhaltlich mieserable Verteidigung.

    • kyon
    • 25.08.2011 um 11:39 Uhr

    Es klingt schon merkwürdig, wenn ein linker Ideologe den "Heiligen Geist" mit seiner "egalitären Gemeinschaft" warmherzig empfiehlt, die es allenfalls kurzzeitig in einigen Ur-Gemeinden gab und wenig später durch den "autoritären Kapitalismus" der katholischen Kirche abgelöst wurde.

    Ganz anrührend wird es, wenn er im Zusammenhang mit den europäischen Werten "Demokratie, Gleichheit und Emanzipation" von den "armen Muslimen" spricht, für die solche Werte Teufelszeug sind.

    Solche Argumentationen wirken auf mich irritierend, denn Herr Zizek macht doch eigentlich einen an sich gescheiten Eindruck, wenn man ihm zuhört.

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    "Ganz anrührend wird es, wenn er im Zusammenhang mit den europäischen Werten "Demokratie, Gleichheit und Emanzipation" von den "armen Muslimen" spricht, für die solche Werte Teufelszeug sind."

    Guten Morgen, mir scheint Sie haben den Arabischen Frühling verschlafen. Ich glaube, da ist das Stichwort Demokratie öfters mal gefallen...

    herr zyzek ist philosoph. das birgt das privileg, OHNE scheuklappen zu denken. der heilige geist ist, da hat er recht, egalitär. das ist überhaupt nicht abgeirrt.
    des weiteren hat er m.e. recht, wenn er von den rechten als sargträger des europäischen gedankens, ja der europäisch geprägten zivilisation spricht. der begriff zivilisation wurde in europa erfunden und steht für die griechische philosophie, römische staatskunst, christliche religion, französische revolution, die reformation, baukunst, musik, aufklärung, staatstheorie, literatur, und und und.
    kunst und wissenschaft sind immer offen. unsere gesellschaft kann nur prosperieren, wenn die menschen überzeugt von ihr sind.
    offenkundig sind das nicht mehr so viele wie es einmal war, v.a. in spanien, griechenland, england (dem kernland des kapitalismus!). wenn wir in der lage sind zu überzeugen, was wollen uns die armen muslime dann angst einjagen? wenn wir stark und überzeugt von uns sind, geht das nicht. nur die schwachen, zweifelnden haben angst.
    tut mir leid, dass sie das irritiert, aber die welt ist eben komplex, das macht herr zizek in diesem interview ja deutlich.
    links und rechts, das sollte bedeutungslos werden, es verwirrt mehr, als es erklärt.

    "Ganz anrührend wird es, wenn er im Zusammenhang mit den europäischen Werten "Demokratie, Gleichheit und Emanzipation" von den "armen Muslimen" spricht, für die solche Werte Teufelszeug sind."

    Guten Morgen, mir scheint Sie haben den Arabischen Frühling verschlafen. Ich glaube, da ist das Stichwort Demokratie öfters mal gefallen...

    herr zyzek ist philosoph. das birgt das privileg, OHNE scheuklappen zu denken. der heilige geist ist, da hat er recht, egalitär. das ist überhaupt nicht abgeirrt.
    des weiteren hat er m.e. recht, wenn er von den rechten als sargträger des europäischen gedankens, ja der europäisch geprägten zivilisation spricht. der begriff zivilisation wurde in europa erfunden und steht für die griechische philosophie, römische staatskunst, christliche religion, französische revolution, die reformation, baukunst, musik, aufklärung, staatstheorie, literatur, und und und.
    kunst und wissenschaft sind immer offen. unsere gesellschaft kann nur prosperieren, wenn die menschen überzeugt von ihr sind.
    offenkundig sind das nicht mehr so viele wie es einmal war, v.a. in spanien, griechenland, england (dem kernland des kapitalismus!). wenn wir in der lage sind zu überzeugen, was wollen uns die armen muslime dann angst einjagen? wenn wir stark und überzeugt von uns sind, geht das nicht. nur die schwachen, zweifelnden haben angst.
    tut mir leid, dass sie das irritiert, aber die welt ist eben komplex, das macht herr zizek in diesem interview ja deutlich.
    links und rechts, das sollte bedeutungslos werden, es verwirrt mehr, als es erklärt.

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