20 Jahre "Nevermind" Smells like Klassiker
Ein letztes Spiel mit den Mythen des Rocks: Vor zwanzig Jahren erschien Nirvanas epochales Album "Nevermind". Es veränderte das Musikgeschäft nachhaltig.
© Universal

Dave Grohl, Kurt Cobain und Krist Novoselic waren Nirvana.
Man kann sich das nicht vorstellen: Kurt Cobain, Dave Grohl und Krist Novoselic, die drei Musiker von Nirvana, wie sie in der Berliner Columbiahalle oder gar in den O2-Arenen dieser Republik, ihr Album Nevermind nachspielen. Wie sie mit Smells Like Teen Spirit beginnen, der 45-jährige Kurt Cobain "I feel stupid and contagious, here we are now, entertain us" singt und eine erste Gitarre zerdrischt. Wie sie am Ende zu dritt ihre rumpelige Ballade Something In The Way krächzen, noch passabel aussehend, mit drogen-, und fitnessgestählten Astralkörpern. Und wie dann die Älteren im Publikum der Band zujubeln und sich selig an die frühen neunziger Jahre erinnern, während ihre Kinder, in deren Teenagerzimmern Poster von dem blonden, langmähnigen, blauäuigen Cobain hängen, Nirvana als ultimative Begleitung auf dem schweren Weg ins Erwachsenenleben begreifen.
Vorstellen kann man sich das natürlich deshalb nur schwer, weil Kurt Cobain sich im April 1994 das Leben nahm – und Dave Grohl mit seiner nach Cobains Tod gegründeten Band Foo Fighters so erfolgreich ist, dass er keine Nirvana-Revivaltouren machen muss. Aber die Fantasie versagt auch deshalb, weil Nirvana schon damals, als Nevermind vor genau zwanzig Jahren veröffentlicht und stetig erfolgreicher wurde, alles dafür taten, nicht in die Klassikrockfalle zu geraten. Nur hieß diese Falle damals nicht so. Pop und Rock waren zu jung, um am laufenden Band Klassikmedaillen zu verteilen. Damals ließ sich die Popwelt zumindest in bestimmten Segmenten noch schön sauber in Untergrund und Mainstream einteilen. Nirvana gehörten dem Untergrund an, als sie sich Ende der achtziger Jahre in Seattle gründeten und auf dem Indielabel Sub Pop ihr Debüt Bleach veröffentlichten: ein rohes Grungealbum mit Metalsprengseln, das an mancher Stelle aber schon popmäßig zuzupacken wusste.
Den Untergrund verließen Nirvana, zumindest auf dem Papier, als ihr zweites Album Nevermind beim Majorlabel Geffen erschien. Aus dem Nichts kamen Nirvana nicht. Eifrig stöberten die großen Plattenfirmen im Unterground, nachdem sie gemerkt hatten, dass Bands wie Guns N' Roses, Faith No More oder Metallica Konkurrenz vertragen konnten, dass die interessanteste, avancierteste Rockmusik zu der Zeit nicht bei ihnen, sondern auf Indielabels wie SST, Sub Pop oder Homestead erschien. Anders als auf die zeitgleich veröffentlichten Guns-N'-Roses-Alben Use Your Illusions I & II hatte auf Nevermind jedoch niemand gewartet – geschweige denn damit gerechnet, dass bald die ganze Welt Nirvana hören würde.
In der Spex vom Oktober 1991 wurde Nevermind nach Primal Screams Screamadelica und Nightmares on Wax' Word of Science eher sachlich als überschäumend besprochen: "Also, es ist ein sehr poppiges Rockalbum. Ein sehr rockiges Popalbum." Und der deutsche Vertrieb schaltete nach ersten positiven Reaktionen Anzeigen mit der Beschreibung: "Aggressiver Garagenrock aus dem Underground von Seattle. In England schon der Geheimtipp." Die Klubs, in denen Nirvana dann im November ihre Europakonzerte spielten, hatten Geheimtippgröße, erwiesen sich aber allesamt als viel zu klein. Nevermind lief auf Medizinstudentenparties bald genauso wie in einschlägigen Undergroundbars, weltweit sollte es sich mehr als neun Millionen Mal verkaufen.
Nevermind war tatsächlich Rock mit Popattitüde; lethargischer Punkrock, in dem etwas von Black Sabbath und etwas von den Beatles steckte. Die Songs waren hartkantig, böse und zornig, aber auch gefühlig und melodiös, und die Zeit schien reif zu sein. Nirvana lieferten mit dem Album den Soundtrack für eine Generation, die mit sich selbst nichts anzufangen wusste, der es viel zu gut ging, als dass sie zu irgendwelchen Revolten imstande war; die aber zumindest, und dafür eignete sich Nevermind ideal, mit Aufbegehren und Verweigerung kokettieren wollte.
- Datum 22.09.2011 - 10:21 Uhr
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- Quelle Tagesspiegel
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...nur eine geile Platte! ;-)
Damit ist alles gesagt!
Damit ist alles gesagt!
Damit ist alles gesagt!
Damit ist alles gesagt!
"Nirvana lieferten mit dem Album den Soundtrack für eine Generation, die mit sich selbst nichts anzufangen wusste, der es viel zu gut ging, als dass sie zu irgendwelchen Revolten imstande war; die aber zumindest, und dafür eignete sich Nevermind ideal, mit Aufbegehren und Verweigerung kokettieren wollte."
Manche von denen sind heute noch so drauf: Sind vom Dorf nach Berlin gezogen, eine Band gegründet und glauben heute noch den Quatsch von vor 20 Jahren. Abends schalten sie die Lichter an ihrem Curt Kobain Schrein ein, blicken andächtig zu ihm auf und klampfen auf ihrer Gitarre.
ich war damals jene "generation" die hier angesprochen wurde. die platte war super, hat uns allen gefallen, und das war es. was da immer so reininterpretiert wird?
hätte mir aber auch einen beitrag über pearl jam gewünscht. immerhin haben sie diese woche auch ihr zwanzigjähriges mit der doku "pearl jam twenty" gefeiert.
der liebe Kurt wurde ja auch völlig sexualisiert damals. Selbst unter uns Jungs war klar, dass Kurt eine unglaublich coole Sau war und ihm keiner jemals das Wasser würde reichen können. Dass unsere freundinnen vällig verzückt dahinschmolzen, wenn es um Kurt ging, war halt so. Alle liebten Kurt ohne ihn zu kennen. Dabei war die Nevermind doch eher durchschnittlich produzierter aggressiver Indierock, der gerade durch seine Einfachheit bestach. Dazu ein billiges Video in school's out-setting mit sexy Cheerleadern und einer Garagenband, deren verraucht pöbelnder Sänger in seinem gestreiften Schlabbershirt und den blonden Strubbelhaaren irgendwie auch "süß" rüberkam. Ach ja.. Nostalgie. Wozu jetzt die Wiederauflage?
Heute zum ersten mal bewusst gehört. Denn im Radio blieb nur das "Durcheinander" hängen und der in die Länge gezogene Teil.
60iger Intro und dann eben punkiges Durcheinander mit Raus muss es" Attitude. Später wurde das dann kultiviert und in Hits gegossen. Grässlich und für meine Ohren irgendwie jammerbehaftet, aber fürs junge Publikum, denke ich, schon eine musikalische Wende. Dieses harmonische Aufbegehren jenseits dumpfen Punk 4/4 tels verbunden mit dem charismatischen Curt Cobain. Und danke für diesen Beitrag, der beschreibt, für das man damals wegen Arbeit oder Alter? kein Ohr frei hatte.
Damit ist alles gesagt!
Damit ist alles gesagt!
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