Urheberrecht : Leistungsschutz von Musikern auf 70 Jahre verlängert

Bisher erlosch das Urheberrecht eines Musikers 50 Jahre nach Erscheinen des Tonträgers. EU-Botschafter haben sich nun auf eine Erweiterung der Schutzdauer geeinigt.

Das Urheberrecht von europäischen Musikern soll künftig 70 Jahre geschützt werden – und damit 20 Jahre länger als bisher. Darauf einigten sich die zuständigen EU-Botschafter in Brüssel. Formell müsse der Beschluss aber noch am 12. September bei einem Treffen von EU-Ministern abgesegnet werden, sagte ein Sprecher. Derzeit gilt der Schutz des Urheberrechts für Sänger oder Musiker noch 50 Jahre nach Erscheinen des Tonträgers. Die Verlängerung greift nach Angaben des Diplomaten auch rückwirkend – und könnte damit auch Stars wie den Beatles und deren Erben mehr Einnahmen bescheren.

Die EU-Kommission hatte 2008 ursprünglich gefordert, die Schutzfrist auf 95 Jahre zu verlängern. Das Europaparlament hatte später einer Verlängerung auf 70 Jahre zugestimmt. Protest unter den Mitgliedsstaaten – unter anderem von Dänemark – hatte die Erweiterung aber über Jahre verhindert.

Die Verlängerung der Schutzfristen für Tonaufnahmen ist auch in der Branche umstritten. Das Fachportal iRights.info kritisierte in einem Dossier, die Verlängerung begünstige weniger die Künstler, sondern vielmehr die Musikindustrie. Die meisten Künstler gingen leer aus, da sie ihre Rechte in der Regel an die Plattenfirmen oder Produzenten abträten.

Nach der Einigung der EU-Botschafter sollen aber auch Künstler, die ihre Rechte abgegeben haben, ab dem 50. Jahr 20 Prozent der Einnahmen aus dem Verkauf ihrer Tonträger bekommen. Die Mitgliedsstaaten müssen die Verlängerung noch in nationales Recht umsetzen. Für die Komponisten gilt sie nicht, sondern nur für die ausübenden Künstler.

Verlagsangebot

Hören Sie DIE ZEIT

Genießen Sie wöchentlich aktuelle ZEIT-Artikel mit ZEIT AUDIO

Hier reinhören

Kommentare

64 Kommentare Seite 1 von 7 Kommentieren

Was bleibt ihnen sonst noch übrig?

Ich hab ja nichts dagegen das ein Mentsch mit seinen Schaffen ein auskommen haben sollte. Das Problem ist aber das die 20% Grentze nur nach 50 Jahren greift und eigentlich immer greifen sollte.

Auch sollte man wirklich Überlegen ob die grossen Werke der Zeit, die sich also massig verkauft haben nicht auch im Kulturgut des Staates aufgehen und so allen Bürgern zugänglich sein sollten. Bei nicht so Verkaufsstarken Stücken kann man schon vertreten das der Musiker noch das Geld braucht und es kein Allgemeines Kulturgut ist.

Einkommen enden auch mit dem Ableben

und genau so sollte es bei Urheberrechten sein. Anderenfalls sind es "Werkrechte" und damit würden andere Rechtsgrundlagen gelten.
Wieso gibt es aber einen Unterschied zwischen dem Patent- und dem Urheberrecht. Sicher, Musik, Kunst znd Literatur sind schön, aber ein neues, wirksames Antbiotikum wäre mir schon wichtiger.

Wiso wird unterschieden? Weil ...

... das Patentrecht lediglich ein gewerbliches Schutzrecht darstellt, welches geringerer Anforderungen bedarf als das "kulturelle Schutzrecht" der Urheberschaft. Inwieweit der kulturelle Schutzanspruch in einer globalisierenden Gesellschaft noch zu rechtfertigen ist, bleibt zu erörtern. Der lange Schutz ist im Grunde vollkommen legitim, allerdings meine ich das man differenzieren sollte. Die Urheberschaft, mithin der Schöpfungsprozess durchläuft verschiedene Stufen - deren Umfang sollte Maßstab sein.

Es ist schon lange nicht mehr lustig, was da aus Brüssel kommt.

Aber dieser Schwachsinn sollte jedem klar machen, da es so nicht weitergehen kann...mit der EU!!!
Die rein lobbygesteuerte Entscheidung, die mit Vernunft nichts mehr zu tun hat.
Und ja,
Das Urheberrecht gehört gekürzt, nicht verlängert...!
Und ja,
jetzt die Piratenpartei wählen!

Was hat den das mit der EU zu tun?

Wenn es die EU nicht gäbe, dann würde die Musikindustrie eben in Berlin Druck machen. Wahrscheinlich mit dem gleichen Resultat.

Dass das Europaparlament überhaupt etwas an dem ursprünglichen Entwurf ändern konnte rechne ich ihm hoch an. Im Bundestag findet das Erarbeiten solcher Änderungen ja leider meist wenig transparent in Ausschüssen statt und nicht im Parlament selbst.