Burn-out Nein, wir können nicht mehr!
Burn-out ist das Wort unserer Zeit. Aber wir diskutieren lieber Einzelschicksale, als die wesentliche Frage zu stellen: nach dem System der Arbeit.
Wer das Elend westlicher Arbeitswelten sucht, findet es oft am Ende von Stellenausschreibungen. Ganz gleich, ob ein Fondsmanager oder eine Sozialpädagogin gesucht wird, steht da: "Wir erwarten zu Problemen kreative Lösungen". Und das ist nur ein Beispiel aus dem Wortnebel, der den Thesaurus unserer sogenannten Leistungsgesellschaft bildet, Flexibilität, Feedback, Individualität, Work-Life-Balance. Am Schluss dieser Reihe steht ein Wort, das es jetzt wieder in die öffentliche Diskussion geschafft hat: Burn-out.
Der Fußballtrainer Ralf Rangnick hat kürzlich gesagt, er sei "ausgebrannt". Diesen Fall aus dem Geschäft des Leistungssports nahmen zahlreiche Medien zum Anlass, über das Phänomen Burn-out zu berichten. Die aktuelle Ausgabe des Stern etwa gibt einen Überblick über Personen, auch fern der Prominenz, die sich über die Jahre krankenhausreif gearbeitet haben. Ähnliches auf ZEIT ONLINE. Und von der "Volkskrankheit Burn-out" sprachen gar die Frankfurter Rundschau, Bild und Spiegel. Letzterer mit dem symptomatischen Nachsatz: "Wie Erschöpfung die Volkswirtschaft schwächt."
Der Satz offenbart die Schieflage, in der sich die gegenwärtige Diskussion befindet. Der Mensch als ökonomischer Störfall, und nicht etwa: "Wie die Volkswirtschaft den Menschen erschöpft." Sonst würde es ja auch kompliziert. Statt Volkskrankheit müsste man Systemkrankheit sagen, und das klänge sogleich nach Revolution, nach den richtig dicken Brettern der Kapitalismuskritik, nach Demonstrationen und Nasswerden, nach einem retardierenden Moment in Zeiten von Beschleunigung und Fortschritt, wo doch alles gerade wie geschmiert läuft in Deutschland.
Volkskrankheit hingegen klingt nach etwas bequem Therapierbarem. Wie Volkskrankheit Parodontose, Volkskrankheit Fußpilz und Volkskrankheit Rückenschmerzen (aktueller Spiegel-Titel). Vor allem klingt es aber so, als ließe es sich vermeiden. Um diese Vorstellung herum ist in den vergangenen Jahrzehnten eine ganze Industrie entstanden, bestehend aus Wellnessoasen, Fitness-Centern, Yoga-Kursen und Ökoläden – als Burn-out-Prophylaxe. In solchen Entspannungsanstalten versorgt der Einzelne sein Humankapital genanntes Leben mit allem Nötigen, um seinen Arbeitsalltag weiterhin in bester Laune zu bestreiten und in jeder Zumutung noch eine spannende Herausforderung zu sehen.
- Burn-out
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Weltweit nimmt bei Erwerbstätigen die Zahl der seelischen Krankheiten zu. Das sogenannte Burn-out ist ein Zustand emotionaler Erschöpfung und reduzierter Leistungsfähigkeit. Ausgebranntsein wird auch als Erschöpfungsdepression bezeichnet. Die Betroffenen sind desillusioniert, oft apathisch, depressiv oder aggressiv und haben eine erhöhte Suchtgefährdung. Burn-out wird meist durch Stress ausgelöst, der nicht mehr bewältigt werden kann.
So arbeitet in Deutschland jeder zehnte Vollzeitbeschäftigte mehr als 60 Stunden in der Woche; viele leiden zudem unter ihren Chefs, intriganten Kollegen oder dem eigenen Perfektionismus. Wer dann noch seine sozialen Bindungen verliert, etwa den Kontakt zu Freunden, ist hochgradig gefährdet, an einem Burn-out zu erkranken.
- Glossar
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Tinnitus
Rund drei Millionen Deutsche leiden unter dem chronischen Klingeln im Ohr. Tinnitus kann mit psychischen Begleiterscheinungen wie Schlafstörungen, Angstzuständen oder Depression einhergehen. Eine allgemein anerkannte Therapie gibt es nicht. In Versuchen an Ratten konnten Wissenschaftler der University of Texas die Tiere heilen, indem sie bestimmte Nerven des Gehirns per Elektrostimulation reizten.Phantomschmerz
Zwischen 50 und 80 Prozent der Patienten mit Amputationen haben diese Empfindungen: Ein fehlendes Körperteil fühlt sich so an, als sei es noch da. In zahlreichen Studien konnte nach dem Verlust eines Körperteils eine Veränderung von jenen Gehirnfunktionen festgestellt werden, die für die Verarbeitung von Schmerzempfindungen verantwortlich sind. Es existieren einige vielversprechende Therapieansätze, die die Gehirnfunktionen normalisieren sollen.Volkskrankheit
So werden nicht epidemische Krankheiten bezeichnet, die aufgrund ihrer Verbreitung und ihrer wirtschaftlichen Auswirkungen sozial ins Gewicht fallen. Dazu zählen heute etwa die Folgeerkrankungen von Bewegungsmangel und Überernährung. Der Begriff wurde erstmals 1832 von dem Medizinhistoriker Justus Hecker verwandt. Er bezeichnete damit die im Mittelalter grassierende Tanzwut.Protektoren
Das Wort stammt vom lateinischen »protector«, Angehöriger der Leibgarde. Bestimmte persönliche Umstände wie familiärer Rückhalt oder finanzielle Sicherheit können als Protektoren gegen psychische Erkrankungen wirken.
Nun gehört zur Logik des herrschenden Systems, selbst aus seinem Defizit einen neuen Markt zu erschaffen für professionalisierte Regeneration, aus dem der "tyrannische Imperativ" (Florian Illies) spricht: Entspann dich! Gleichzeitig beschrieb der Soziologe Zygmunt Bauman diesen Wesenszug der postindustriellen Gesellschaft als seine zweifelhafte Qualität: Für ein systemisches Problem wird eine individuelle Lösung gesucht.
Natürlich darf man den Menschen nicht aus seiner Verantwortung, seiner Selbstbestimmtheit befreien, die er sich mit Aufklärung und Individualisierung so hart erkämpft hat. Aber die Frage ist, wie viel in der heutigen Arbeitswelt, die zwar permanent das Individuum betont, eigentlich noch davon übrig ist.
Der Philosoph Byung Chul Han schrieb in dem jetzt wieder lesenswerten Essay Die Müdigkeitsgesellschaft, wie unsere Leistungsgesellschaft vor allem durch das Verb des "Könnens" gekennzeichnet ist. Das Verhaltensideal des Arbeiters ist die Anpassungsfähigkeit an eine sich ständig wandelnde Arbeitsumwelt, in der die als Notwendigkeit verordneten Umbrüche nicht mehr hinterfragbar scheinen – es heißt, so sei es nun einmal in Zeiten von Wettbewerbsverschärfung, Finanzkrise und Globalisierung.
- Datum 05.10.2011 - 15:02 Uhr
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...ist historisch gewachsen und sollte heute überdach werden.
Vielleicht würde eine 4 Tage Woche ein paar Probleme lösen? (auch Arbeitslosigkeit etc.)
hat mein Vater noch mitdemonstriert, als er mit einer 48 Stunden Woche arbeitete und es gab bei guter Auftragslage Überstunden abzuleisten, um den Arbeitsplatz zu erhalten....
Wir leben heute mit Haushaltsgeräten, die damals nicht üblich waren, Fertiggerichten, um das Kochen abzunehmen, weniger Arbeitsstunden und doch wird beklagt, dass es zu viel sei.
Das leuchtet nicht ein und noch weniger leuchtet mir ein, wie ich heute unter einem System leiden soll, das es mir insgesamt einfacher macht, zu leben, als meine Eltern das mit kleinen Kindern damals konnten.
Irgendwas stimmt meiner Meinung nach nicht an unserer Sicht auf unser Leben.
S7ephan hat Recht. Merkel hätte doch als Reaktion auf die Finanz- und Wirtschaftskrise die 4-Tage-Woche für unsere Autoindustrie einführen können. Dann hätte man keinen entlassen müssen und es gäbe es in diesem Bereich auch weniger Rückenschmerzen und weniger Burnout-Patienten. Stattdessen hat sie die Autoindustrie durch die Abwrackprämie angekurbelt, sozusagen durch Staatsverschuldung gedopt. Das ist ja wie im Leistungssport, in dem auch gedopt wird und in dem es, wie David Hugendick zu Recht anprangert, auch viel Burnout gibt.
Was haben nun Leistungssport und Abwrackprämie gemeinam? Es geht um Eitelkeit. An den Rekorden und Siegen ihres Sportidols richten die Fans ihr schwaches Ego auf. Und durch die Abwrackprämie soll unsere Wirtschaft weiter wachsen, denn Wirtschaftswachstum sorgt für gute Stimmung, während eine Rezession, die doch natürlich wäre, depressiv und lähmend wirken würde. Aber Kürzertreten behagt weder Leistungssportlern noch Autobauern.
Ich arbeite 4 Tage. Der Nachteil ist, dass sich oft gleich viel Arbeit auf eben nur weniger Tage zusammenquetscht und das im Endeffekt mehr Kraft benötigt. Es müsste genau verhältnismäßig die Anforderung reduziert werden, was in real schwer möglich ist...
Ich bin auch für die vier Tage Woche. Ich bin sicher, die Unternehmen würden sogar ihre Produktivität steigern, denn wer mehr Freizeit hat ist in der Arbeitszeit dann motivierter zu arbeiten weil er besser erholt ist.
Eine Win-Win Situation die aus Angst natürlich keiner ausprobieren will.
Dass das vielleicht nicht auf Fabriken zutrifft ist schon klar, aber dann müssen wir halt alle einfach ein bisschen weniger konsumieren. Zeit mit Menschen und in der Natur zu verbringen statt vor dem PC zu hängen und Kaffee zu saufen ist der wirkliche Luxus.
The_Cat
Auch wenn´s nun Empörungen hageln sollte - ich bin für ein längeres, nicht für kürzeres Arbeiten! Mittlerweile ist die Jahresarbeitsstundenzahl auf 1430 gesunken; also in zwei Jahrzehnten um etwa 250 Stunden. Da aber das Arbeitsvolumen angeblich immer weiter steigt, muß also immer mehr Arbeit in weniger Zeit erledigt werden. Parallel zur Entwicklung gibt es ein verändertes Freizeitverhalten zu verzeichnen, vielleicht sogar zu beklagen. Meiner Meinung nach ist die zur Verfügung stehende Jahresarbeitszeit zu sehr von Freizeit-Blöcken durchbrochen. Jeder scheint sich nur noch von Brückentag zu Brückentag zu hecheln und zu hangeln. Zu meinen Kindertagen gab es klassische Ferienblöcke: Ostern, Sommer, Herbst (1 Woche!). Großbetriebe machten Werksferien. Und nach dem Himmelfahrts- und Fronleichnamstag ging man natürlich wieder arbeiten. Heute dagegen sehe ich, wie sich die Menschen selbst unter Druck bringen, um soviel wie möglich Freizeit konsumieren zu können. Hinzu kommt der demografische Faktor: es gibt viel mehr kinderlose Paare und rüstige, reisefreudige Senioren 50+. Diese Gruppen gehen den Familienreisenden lieber aus dem Weg, verlängern dadurch die Saison und fehlen somit am Arbeitsplatz, wenn die Familienväter/-mütter aus ihrem Urlaub zurückkommen. Ich glaube, wir sollten manche Feiertage entkoppeln vom Urlaubsanspruch und aus vielen Ferienwochen einen einzigen Jahreshauptferienblock machen. Denn in der Kontinuität der Arbeit liegt m.E. auch ein "Anti-Streß-Gen".
Als Student in einem technischen Fach muss ich jeden Tag mehr als 8 Stunden für mein Studium arbeiten. Nicht nur unter der Woche - auch samstags und sonntags. Anders ist die Flut an Übungen (neben den Vorlesungen) sowie vorzubereitenden Seminaren nicht zu schaffen.
Mit einer 5-Stunden-Woche könnte ich da glaube ich wirklich gut leben...
hat mein Vater noch mitdemonstriert, als er mit einer 48 Stunden Woche arbeitete und es gab bei guter Auftragslage Überstunden abzuleisten, um den Arbeitsplatz zu erhalten....
Wir leben heute mit Haushaltsgeräten, die damals nicht üblich waren, Fertiggerichten, um das Kochen abzunehmen, weniger Arbeitsstunden und doch wird beklagt, dass es zu viel sei.
Das leuchtet nicht ein und noch weniger leuchtet mir ein, wie ich heute unter einem System leiden soll, das es mir insgesamt einfacher macht, zu leben, als meine Eltern das mit kleinen Kindern damals konnten.
Irgendwas stimmt meiner Meinung nach nicht an unserer Sicht auf unser Leben.
S7ephan hat Recht. Merkel hätte doch als Reaktion auf die Finanz- und Wirtschaftskrise die 4-Tage-Woche für unsere Autoindustrie einführen können. Dann hätte man keinen entlassen müssen und es gäbe es in diesem Bereich auch weniger Rückenschmerzen und weniger Burnout-Patienten. Stattdessen hat sie die Autoindustrie durch die Abwrackprämie angekurbelt, sozusagen durch Staatsverschuldung gedopt. Das ist ja wie im Leistungssport, in dem auch gedopt wird und in dem es, wie David Hugendick zu Recht anprangert, auch viel Burnout gibt.
Was haben nun Leistungssport und Abwrackprämie gemeinam? Es geht um Eitelkeit. An den Rekorden und Siegen ihres Sportidols richten die Fans ihr schwaches Ego auf. Und durch die Abwrackprämie soll unsere Wirtschaft weiter wachsen, denn Wirtschaftswachstum sorgt für gute Stimmung, während eine Rezession, die doch natürlich wäre, depressiv und lähmend wirken würde. Aber Kürzertreten behagt weder Leistungssportlern noch Autobauern.
Ich arbeite 4 Tage. Der Nachteil ist, dass sich oft gleich viel Arbeit auf eben nur weniger Tage zusammenquetscht und das im Endeffekt mehr Kraft benötigt. Es müsste genau verhältnismäßig die Anforderung reduziert werden, was in real schwer möglich ist...
Ich bin auch für die vier Tage Woche. Ich bin sicher, die Unternehmen würden sogar ihre Produktivität steigern, denn wer mehr Freizeit hat ist in der Arbeitszeit dann motivierter zu arbeiten weil er besser erholt ist.
Eine Win-Win Situation die aus Angst natürlich keiner ausprobieren will.
Dass das vielleicht nicht auf Fabriken zutrifft ist schon klar, aber dann müssen wir halt alle einfach ein bisschen weniger konsumieren. Zeit mit Menschen und in der Natur zu verbringen statt vor dem PC zu hängen und Kaffee zu saufen ist der wirkliche Luxus.
The_Cat
Auch wenn´s nun Empörungen hageln sollte - ich bin für ein längeres, nicht für kürzeres Arbeiten! Mittlerweile ist die Jahresarbeitsstundenzahl auf 1430 gesunken; also in zwei Jahrzehnten um etwa 250 Stunden. Da aber das Arbeitsvolumen angeblich immer weiter steigt, muß also immer mehr Arbeit in weniger Zeit erledigt werden. Parallel zur Entwicklung gibt es ein verändertes Freizeitverhalten zu verzeichnen, vielleicht sogar zu beklagen. Meiner Meinung nach ist die zur Verfügung stehende Jahresarbeitszeit zu sehr von Freizeit-Blöcken durchbrochen. Jeder scheint sich nur noch von Brückentag zu Brückentag zu hecheln und zu hangeln. Zu meinen Kindertagen gab es klassische Ferienblöcke: Ostern, Sommer, Herbst (1 Woche!). Großbetriebe machten Werksferien. Und nach dem Himmelfahrts- und Fronleichnamstag ging man natürlich wieder arbeiten. Heute dagegen sehe ich, wie sich die Menschen selbst unter Druck bringen, um soviel wie möglich Freizeit konsumieren zu können. Hinzu kommt der demografische Faktor: es gibt viel mehr kinderlose Paare und rüstige, reisefreudige Senioren 50+. Diese Gruppen gehen den Familienreisenden lieber aus dem Weg, verlängern dadurch die Saison und fehlen somit am Arbeitsplatz, wenn die Familienväter/-mütter aus ihrem Urlaub zurückkommen. Ich glaube, wir sollten manche Feiertage entkoppeln vom Urlaubsanspruch und aus vielen Ferienwochen einen einzigen Jahreshauptferienblock machen. Denn in der Kontinuität der Arbeit liegt m.E. auch ein "Anti-Streß-Gen".
Als Student in einem technischen Fach muss ich jeden Tag mehr als 8 Stunden für mein Studium arbeiten. Nicht nur unter der Woche - auch samstags und sonntags. Anders ist die Flut an Übungen (neben den Vorlesungen) sowie vorzubereitenden Seminaren nicht zu schaffen.
Mit einer 5-Stunden-Woche könnte ich da glaube ich wirklich gut leben...
Ich halte zwar Bornout nicht für eine Erfindung der Neuzeit, nur halt den Begriff als solches, aber der Artikel ist meines Erachtens sehr gut geschrieben. Respekt!
Man macht es sich meines Erachtens allerdings trotzdem zu einfach, es zu einseitig auf das bestehende System zu reduzieren.
Lieber Muntermacher,
erst einmal Dank für das Lob. Und natürlich kann man den Einzelnen nicht vollkommen aus seiner Eigenverantwortung entlassen, so steht es auch im Text. Allerdings die Verantwortung nur noch dem Individuum zu übergeben, halte ich für falsch.
Mit besten Grüßen
D. Hugendick
Angina Pectoris und Diabetes "Modediagnosen".
Davor sind die Leute einfach nur gestorben.
Also bitte nicht Verwechseln sie nicht neue Erkenntnisse mit Moden.
Lieber Muntermacher,
erst einmal Dank für das Lob. Und natürlich kann man den Einzelnen nicht vollkommen aus seiner Eigenverantwortung entlassen, so steht es auch im Text. Allerdings die Verantwortung nur noch dem Individuum zu übergeben, halte ich für falsch.
Mit besten Grüßen
D. Hugendick
Angina Pectoris und Diabetes "Modediagnosen".
Davor sind die Leute einfach nur gestorben.
Also bitte nicht Verwechseln sie nicht neue Erkenntnisse mit Moden.
hat mein Vater noch mitdemonstriert, als er mit einer 48 Stunden Woche arbeitete und es gab bei guter Auftragslage Überstunden abzuleisten, um den Arbeitsplatz zu erhalten....
Wir leben heute mit Haushaltsgeräten, die damals nicht üblich waren, Fertiggerichten, um das Kochen abzunehmen, weniger Arbeitsstunden und doch wird beklagt, dass es zu viel sei.
Das leuchtet nicht ein und noch weniger leuchtet mir ein, wie ich heute unter einem System leiden soll, das es mir insgesamt einfacher macht, zu leben, als meine Eltern das mit kleinen Kindern damals konnten.
Irgendwas stimmt meiner Meinung nach nicht an unserer Sicht auf unser Leben.
Sie haben genug Geld für arbeitserleichternde Haushaltsgeräte, Fertignahrung, Kinderbetreuung und sind überdies angestellt, sprich: - Lohnfortzahlung im Krankheitsfall?
............................
Schade ist, daß im Artikel primär Angestellte und ihre Erschöpfungen beleuchtet werden. Selbstständige kommen sehr oft im entspannten Normalzustand auf 60 Stunden/Woche, in Spitzenzeiten sind's mehr. Entgegen landläufiger Meinung verdienen sie dabei nicht unbedingt gut, versichern sich selbst und haben oft keine Absicherung, wenn sie erschöpft zusammenbrechen - landen also ungebremst bei Hartz4.
Mir fallen beim Blick in den Freundes- und Bekanntenkreis vermehrt nicht nur die vielen Ausgebrannten, sondern noch ein anders Phänomen auf: meine Freunde arbeiten sich entweder halb zu Tode oder sie haben gar keine Arbeit. Ich kenne niemanden, der 40 Stunden/Woche arbeitet, entweder sind es 60 oder 0. Mein Eindruck ist, daß bei den Selbstständigen mit weniger Stunden das Geld unmöglich reichen würde, während die Angestellten systematisch ausgebeutet werden, statt weitere Stellen zu schaffen.
Es wird höchste Zeit, sich gesellschaftlich mit weniger Arbeit/Geld und viel Zeit einzurichten. Um im post-industriellen Zeitalter (in dem die Vokabel 'Vollbeschäftigung' unter Volksverdummung fällt) endlich arbeiten zu dürfen und nicht arbeiten zu müssen. Es würde qualitativ weit bessere Arbeit gemacht und die Nation wäre gesünder. Es wird Zeit für das bedingungslose Grundeinkommen.
Burn-out hat viele Ursachen, auch Viel-Arbeiten, aber vor allem STÄNDIG-Arbeiten und permanenter Stand-by, so dass ein Abschalten nicht möglich ist. Der Burn-out trifft Leute, die sehr engagiert sind/waren, nicht in erster Linie jene, die Dienst nach Vorschrift machen: Ausbrennen kann nur, wer einmal gebrannt hat.
Natürlich wurde auch in früheren Zeiten hart gearbeitet, wird es auch in wenig entwickelten Ländern in ähnlicher Weise, wie unsere Großeltern noch gearbeitet haben. Das war ja kein Zuckerschlecken! Nur das Tempo war halt anders. Der Takt macht's. Wenn er hämmert, dann kommt ein Mensch irgendwann nicht mehr mit. Und wir machen alle zusammen den Takt. Einige wenige haben dummerweise einen deutlich größeren Einfluß darauf als die Masse.
Telefon, Auto, dann Email und Internet, das Mobiltelefon… – alle wurden damals beworben als die praktischen Vereinfacher, die das Leben so viel bequemer machen und uns allen eine enorme Zeitersparnis einbringen würden.
Nur der Haken an der Sache: Die Zeitersparnis kam nicht unserer Freizeit zugute, wie suggeriert wurde, sondern im Gegenteil: Ganz schnell wurde von uns erwartet, daß wir alle über diese technischen Neuerungen verfügen, und die gewonnene Zeitersparnis wurde wie selbstverständlich von der Arbeitswelt verfrühstückt.
Am Ende brachten die modernen Kommunikationsmittel keinen Komfort, sondern eine enorme Beschleunigung der Arbeitsprozesse. Und der menschliche Organismus muß irgendwie mithalten...
Sehr richtig, etwas stimmt nicht. Und das ist die gerechte Verteilung sämtlicher Güter. Wir haben jedes Maß verloren.
Damals hatte ein Landwirt 40 Mitmenschen mit Essen versorgt.
Heute versorgt ein Landwirt 215 Mitmenschen mit Essen.
Anders gesagt, wenn wir wie damals ohne Küchengeräte leben wollen, muss der Landwirt nur noch ein Fünftel, also eineinhalb Tage pro Woche arbeiten - und dennoch ist der Lebensstandard wie damals!
"Irgendwas stimmt meiner Meinung nach nicht an unserer Sicht auf unser Leben."
Ich kann Ihnen erklären, was an Ihrer Sicht nicht stimmt: Sie übersehen den unglaublichen Produktivitätszuwachs, welchen wir in den letzten Jahrzehnten erlebt haben.
Pro Mann und pro Arbeitsstunde produzieren wir heute eben bedeutend mehr Waren und Dienstleistungen als damals.
Oder eben anders formuliert, wenn wir den Standard nur halten wollen (wie in Ihrem Beispiel), müssten wir bedeutend weniger arbeiten.
Was nicht mehr stimmt ist die Tatsache, dass Ihr Vater damals praktisch keine Arbeitslosigkeit zu befürchten hatte. Und wenn, fand er wahrscheinlich sehr schnell einen neuen Job, auch im fortgeschrittenen Altr. Wir hatten lokale Märkte und Ihr Vater wahrscheinlich starke Betriebsräte und Gerwerkschaften in der Firma. Es galt die Deutschland AG, in der die keine Arbeit hatten, die zu faul waren. Damals galt, wer eine gute Ausbildung hat, hat nichts zu befürchten. Heute gelten all diese Regeln nicht mehr. Selbst mit einer hohen Qualifikation heißt das noch lange nicht, dass Sie eine Chance auf einen Job haben. Von lebenslanger Anstellung ganz zu schweigen. Mein Vater (und Ihrer wahrscheinlich auch) hat über vierzig Jahre in der gleichen Firma gearbeitet. Überstunden wurden abgebummelt in Zeiten, wo es weniger zu tun gab. Heute gilt, Überstunden sind mit dem Gehalt abgegolten und wenn es nichts zu tun gibt, ist der oder die überflüssig. Brauchen Sie noch mehr Beispiele, warum es heute anders als früher ist? Ich behaupte nicht, früher war alles besser, aber auf jeden Fall anders.
Ich bin nicht alt, habe meine Ausbildung in der Industrie gemacht und zwei Jahre gearbeitet. Dabei kann ich nur sagen das es auch "den einfachen Arbeiter" der scheinbar nur einen Opel zusammenschraubt betrifft.(@die welle) Denn genau dieser ist es der bis zu 20 Jahre fuer seine Arbeit verantwortlich ist, sehr entspannend diese Arbeit und garantiert ist die Zeit vorbei in der ein Arbeiter mit Feierabend abschaltet und froehlich nach Hause spaziert. In vielen Punkten gebe ich euch recht. Das System ist krank, dass sieht jeder Vernunftbegabte Mensch ein.
Ich lebe grade in Ecuador ausserhalb der grossen Staedte, denn die sind ueberall auf der Welt gleich. Die Leute haben nicht viel und es ist auch nicht alles bis auf letzte durchgeplant und perfektioniert wie bei uns. Aber eines lernt man hier. Einfach mal zufrieden zu sein mit dem was man hat, statt nem neuen iPhone ein normales Handy zu haben und statt den Benz eine schaebige Kiste vor der Tuer. Burnout gibt es hier (noch) nicht. Die Frage ist warum, vielleicht ist es eine Einstellungssache zu Geld, Arbeit und Freizeit, vielleicht sind es die Gegebenheiten vor Ort oder alles zusammen. Fest steht fuer mich, dass man einen Weg aus dem Hamsterrad finden muss... soweit das ueberhaupt moeglich ist.
Sehr interessant gefragt: Ich habe mich das auch schon gefragt und bin zu dem Schluss gekommen, dass es daran liegt, dass die "Erleichterung der Arbeit" daran große Mitschuld trägt. Alles was früher sehr handgreiflich erledigt wurde durfte seine Zeit in Anspruch nehmen. Es wurde sorgfältig und gewissenhaft abgearbeitet. Diese Arbeit wird medidativ erlebt und befriedigt das Gefühl, hat etwas mit Erleben und Spüren zu tun. Jetzt hudelt jeder total entschwert (erleichtert) hektisch zwischen Telefon, Computer IPad, Meetings und sonst noch was hinterher..pling hier pling da. Das sich in der Arbeit versenken ist nicht mehr möglich. Körperliche Befriedigung, sinnliches Begreifen schon gar nicht.
Das Gehirn braucht aber um Glücksbotenstoffe auszubilden Konzentrierte Tätigkeit in Achtsamkeit.
könnte es daran liegen :
-dass ihr Vater noch einen Job hatte, der noch etwas wert war ? Dass er nicht in ständiger Furcht vor Arbeitsplatzverlust und der damit verbundenen sozialen Ausgrenzung durch unsere Politiker leben musste ?
-dass man heute wieder eine 48 Stunden - Woche hat, ohne demensprechend bezahlt zu werden.
-dass die Arbeit, die früher von 3 Mitarbeitern gemacht worden ist, heute von einem verrichtet wird.
-dass ein Haushaltsgerät, wie eine Mikrowelle und die darin entstehenden Mahlzeit kaum ein Ersatz für eine funktionierende Familie/Partnerschaft ist ?
-dass oben erwähnte Mahlzeiten, dich nur am Leben erhalten, aber kaum als gesund zu bezeichnen sind !
Reicht das oder soll ich noch mehr angeben ?
regelmäßig einen ein wöchige 24 Stunden Bereitschaft ab zu leisten. Dazu gab es eine Pager und ein Handy die einen Weckten.
Teil weise wurde man von der Monitoring Software wegen kleinigkeiten geweckt machmal kamm man garnicht zum schlafen mußte
am nächsten Tag trotzdem arbeiten.
Warum nicht ignorieren? Weil dann Pönalen von mehreren 10 Tausend € an den Kunden fällig wurden, wenn ein System still
stand (Abmahnungen durch den Chef etc.).
Man sollte innnerhalb einer halben Stunde telefonisch eine Analyse abgeben also aufwachen, einwählen, verfluch komplizierte
Systemlandschaft analysieren und beurteilen was schief gelaufen ist und wie es wieder in ordnung gebracht werden kann,
obwohl man keine Zeit hatte um mit der ganzen Software Erfahrungen zu sammeln und irgenwie mit 50 Programmen klar kommen
sollte.
Chefs die mit viel Geld von Schweizer Experten darin ausgebildet wurden einem beim halbjährigen "Fördergespräch"
klar zu machen das man eigentlich garnichts wert ist und nur ein Gnadenbrot bekommt.
Wieso?
... denn Sie haben dabei schlicht misachtet, was die ganzen Helfershelfer wie Computer und mobile Kommunikationsgeräte auf der anderen Seite bewirken:
eine Beschleunigung der einzelnen Vorgänge und Verdichtung der Arbeitsleistung. Heute bearbeitet man pro Zeiteinheit viel mehr, das Ganze ist eine sich stets weiter drehende Spirale.
Vielleicht haben Sie das heutige Arbeitsleben einfach nicht kennen gelernt. Da hat sich seit etwa Mitte 90er einiges geändert. Seien Sie froh drum...
Mit freundlichen Grüßen
Zack34
... esse doch nicht Fertiggerichte und ernähre mich ungesund, nur um mehr Zeit für die Arbeit zu haben!?? Nee, nicht mit mir! Die Gesundheit geht vor! Und was früher anders war? Die Uhr tickte langsamer! Bsp: früher musste der Student sich mit Büchern begnügen, um sein Wissen aus Literatur zu holen. Also saß er in der Bibliothek und verbrachte dementsprechend Zeit mit lesen - kein Handy klingelte, keine email musste gelesen werden und eine umfangreiche Internetrecherche, um den weltweiten Stand der Forschung zu erkunden , war auch nicht nötig, weil nicht möglich! Die Technik ist nämlich nicht nur Segen, sondern auch ein ganz großer Fluch, denn die Erwartungshaltung an den Arbeitnehmer steigt - alles muss schneller, besser und in kürzester Zeit erledigt werden. Man wird quasi mit Reizen überflutet und man hat keine Auszeit mehr : die Flut von Mails muss beantwortet werden, das Handy klingelt - ein wichtiger Kunde muss bedient werden, der Chef wartet in der Tür, weil er eine schnelle Lösung für sein Problem will und die Schule ruft an, weil das Kind krank ist und dann noch der Stau auf der Autobahn auf der Heimfahrt! Wohl dem, wer noch zu Fuß auf Arbeit gehen kann, um den Tag ruhig zu starten und danach den Weg nutzen kann, um wieder vom Stresspegel runter zu kommen! Und an den freien Tagen, die zur Erholung vorgesehen sind, werden die ganzen privaten liegen gebliebenen Dinge erledigt… Klar, da kann es einen schon mal mit einem Burn-out erwischen…
Sie haben genug Geld für arbeitserleichternde Haushaltsgeräte, Fertignahrung, Kinderbetreuung und sind überdies angestellt, sprich: - Lohnfortzahlung im Krankheitsfall?
............................
Schade ist, daß im Artikel primär Angestellte und ihre Erschöpfungen beleuchtet werden. Selbstständige kommen sehr oft im entspannten Normalzustand auf 60 Stunden/Woche, in Spitzenzeiten sind's mehr. Entgegen landläufiger Meinung verdienen sie dabei nicht unbedingt gut, versichern sich selbst und haben oft keine Absicherung, wenn sie erschöpft zusammenbrechen - landen also ungebremst bei Hartz4.
Mir fallen beim Blick in den Freundes- und Bekanntenkreis vermehrt nicht nur die vielen Ausgebrannten, sondern noch ein anders Phänomen auf: meine Freunde arbeiten sich entweder halb zu Tode oder sie haben gar keine Arbeit. Ich kenne niemanden, der 40 Stunden/Woche arbeitet, entweder sind es 60 oder 0. Mein Eindruck ist, daß bei den Selbstständigen mit weniger Stunden das Geld unmöglich reichen würde, während die Angestellten systematisch ausgebeutet werden, statt weitere Stellen zu schaffen.
Es wird höchste Zeit, sich gesellschaftlich mit weniger Arbeit/Geld und viel Zeit einzurichten. Um im post-industriellen Zeitalter (in dem die Vokabel 'Vollbeschäftigung' unter Volksverdummung fällt) endlich arbeiten zu dürfen und nicht arbeiten zu müssen. Es würde qualitativ weit bessere Arbeit gemacht und die Nation wäre gesünder. Es wird Zeit für das bedingungslose Grundeinkommen.
Burn-out hat viele Ursachen, auch Viel-Arbeiten, aber vor allem STÄNDIG-Arbeiten und permanenter Stand-by, so dass ein Abschalten nicht möglich ist. Der Burn-out trifft Leute, die sehr engagiert sind/waren, nicht in erster Linie jene, die Dienst nach Vorschrift machen: Ausbrennen kann nur, wer einmal gebrannt hat.
Natürlich wurde auch in früheren Zeiten hart gearbeitet, wird es auch in wenig entwickelten Ländern in ähnlicher Weise, wie unsere Großeltern noch gearbeitet haben. Das war ja kein Zuckerschlecken! Nur das Tempo war halt anders. Der Takt macht's. Wenn er hämmert, dann kommt ein Mensch irgendwann nicht mehr mit. Und wir machen alle zusammen den Takt. Einige wenige haben dummerweise einen deutlich größeren Einfluß darauf als die Masse.
Telefon, Auto, dann Email und Internet, das Mobiltelefon… – alle wurden damals beworben als die praktischen Vereinfacher, die das Leben so viel bequemer machen und uns allen eine enorme Zeitersparnis einbringen würden.
Nur der Haken an der Sache: Die Zeitersparnis kam nicht unserer Freizeit zugute, wie suggeriert wurde, sondern im Gegenteil: Ganz schnell wurde von uns erwartet, daß wir alle über diese technischen Neuerungen verfügen, und die gewonnene Zeitersparnis wurde wie selbstverständlich von der Arbeitswelt verfrühstückt.
Am Ende brachten die modernen Kommunikationsmittel keinen Komfort, sondern eine enorme Beschleunigung der Arbeitsprozesse. Und der menschliche Organismus muß irgendwie mithalten...
Sehr richtig, etwas stimmt nicht. Und das ist die gerechte Verteilung sämtlicher Güter. Wir haben jedes Maß verloren.
Damals hatte ein Landwirt 40 Mitmenschen mit Essen versorgt.
Heute versorgt ein Landwirt 215 Mitmenschen mit Essen.
Anders gesagt, wenn wir wie damals ohne Küchengeräte leben wollen, muss der Landwirt nur noch ein Fünftel, also eineinhalb Tage pro Woche arbeiten - und dennoch ist der Lebensstandard wie damals!
"Irgendwas stimmt meiner Meinung nach nicht an unserer Sicht auf unser Leben."
Ich kann Ihnen erklären, was an Ihrer Sicht nicht stimmt: Sie übersehen den unglaublichen Produktivitätszuwachs, welchen wir in den letzten Jahrzehnten erlebt haben.
Pro Mann und pro Arbeitsstunde produzieren wir heute eben bedeutend mehr Waren und Dienstleistungen als damals.
Oder eben anders formuliert, wenn wir den Standard nur halten wollen (wie in Ihrem Beispiel), müssten wir bedeutend weniger arbeiten.
Was nicht mehr stimmt ist die Tatsache, dass Ihr Vater damals praktisch keine Arbeitslosigkeit zu befürchten hatte. Und wenn, fand er wahrscheinlich sehr schnell einen neuen Job, auch im fortgeschrittenen Altr. Wir hatten lokale Märkte und Ihr Vater wahrscheinlich starke Betriebsräte und Gerwerkschaften in der Firma. Es galt die Deutschland AG, in der die keine Arbeit hatten, die zu faul waren. Damals galt, wer eine gute Ausbildung hat, hat nichts zu befürchten. Heute gelten all diese Regeln nicht mehr. Selbst mit einer hohen Qualifikation heißt das noch lange nicht, dass Sie eine Chance auf einen Job haben. Von lebenslanger Anstellung ganz zu schweigen. Mein Vater (und Ihrer wahrscheinlich auch) hat über vierzig Jahre in der gleichen Firma gearbeitet. Überstunden wurden abgebummelt in Zeiten, wo es weniger zu tun gab. Heute gilt, Überstunden sind mit dem Gehalt abgegolten und wenn es nichts zu tun gibt, ist der oder die überflüssig. Brauchen Sie noch mehr Beispiele, warum es heute anders als früher ist? Ich behaupte nicht, früher war alles besser, aber auf jeden Fall anders.
Ich bin nicht alt, habe meine Ausbildung in der Industrie gemacht und zwei Jahre gearbeitet. Dabei kann ich nur sagen das es auch "den einfachen Arbeiter" der scheinbar nur einen Opel zusammenschraubt betrifft.(@die welle) Denn genau dieser ist es der bis zu 20 Jahre fuer seine Arbeit verantwortlich ist, sehr entspannend diese Arbeit und garantiert ist die Zeit vorbei in der ein Arbeiter mit Feierabend abschaltet und froehlich nach Hause spaziert. In vielen Punkten gebe ich euch recht. Das System ist krank, dass sieht jeder Vernunftbegabte Mensch ein.
Ich lebe grade in Ecuador ausserhalb der grossen Staedte, denn die sind ueberall auf der Welt gleich. Die Leute haben nicht viel und es ist auch nicht alles bis auf letzte durchgeplant und perfektioniert wie bei uns. Aber eines lernt man hier. Einfach mal zufrieden zu sein mit dem was man hat, statt nem neuen iPhone ein normales Handy zu haben und statt den Benz eine schaebige Kiste vor der Tuer. Burnout gibt es hier (noch) nicht. Die Frage ist warum, vielleicht ist es eine Einstellungssache zu Geld, Arbeit und Freizeit, vielleicht sind es die Gegebenheiten vor Ort oder alles zusammen. Fest steht fuer mich, dass man einen Weg aus dem Hamsterrad finden muss... soweit das ueberhaupt moeglich ist.
Sehr interessant gefragt: Ich habe mich das auch schon gefragt und bin zu dem Schluss gekommen, dass es daran liegt, dass die "Erleichterung der Arbeit" daran große Mitschuld trägt. Alles was früher sehr handgreiflich erledigt wurde durfte seine Zeit in Anspruch nehmen. Es wurde sorgfältig und gewissenhaft abgearbeitet. Diese Arbeit wird medidativ erlebt und befriedigt das Gefühl, hat etwas mit Erleben und Spüren zu tun. Jetzt hudelt jeder total entschwert (erleichtert) hektisch zwischen Telefon, Computer IPad, Meetings und sonst noch was hinterher..pling hier pling da. Das sich in der Arbeit versenken ist nicht mehr möglich. Körperliche Befriedigung, sinnliches Begreifen schon gar nicht.
Das Gehirn braucht aber um Glücksbotenstoffe auszubilden Konzentrierte Tätigkeit in Achtsamkeit.
könnte es daran liegen :
-dass ihr Vater noch einen Job hatte, der noch etwas wert war ? Dass er nicht in ständiger Furcht vor Arbeitsplatzverlust und der damit verbundenen sozialen Ausgrenzung durch unsere Politiker leben musste ?
-dass man heute wieder eine 48 Stunden - Woche hat, ohne demensprechend bezahlt zu werden.
-dass die Arbeit, die früher von 3 Mitarbeitern gemacht worden ist, heute von einem verrichtet wird.
-dass ein Haushaltsgerät, wie eine Mikrowelle und die darin entstehenden Mahlzeit kaum ein Ersatz für eine funktionierende Familie/Partnerschaft ist ?
-dass oben erwähnte Mahlzeiten, dich nur am Leben erhalten, aber kaum als gesund zu bezeichnen sind !
Reicht das oder soll ich noch mehr angeben ?
regelmäßig einen ein wöchige 24 Stunden Bereitschaft ab zu leisten. Dazu gab es eine Pager und ein Handy die einen Weckten.
Teil weise wurde man von der Monitoring Software wegen kleinigkeiten geweckt machmal kamm man garnicht zum schlafen mußte
am nächsten Tag trotzdem arbeiten.
Warum nicht ignorieren? Weil dann Pönalen von mehreren 10 Tausend € an den Kunden fällig wurden, wenn ein System still
stand (Abmahnungen durch den Chef etc.).
Man sollte innnerhalb einer halben Stunde telefonisch eine Analyse abgeben also aufwachen, einwählen, verfluch komplizierte
Systemlandschaft analysieren und beurteilen was schief gelaufen ist und wie es wieder in ordnung gebracht werden kann,
obwohl man keine Zeit hatte um mit der ganzen Software Erfahrungen zu sammeln und irgenwie mit 50 Programmen klar kommen
sollte.
Chefs die mit viel Geld von Schweizer Experten darin ausgebildet wurden einem beim halbjährigen "Fördergespräch"
klar zu machen das man eigentlich garnichts wert ist und nur ein Gnadenbrot bekommt.
Wieso?
... denn Sie haben dabei schlicht misachtet, was die ganzen Helfershelfer wie Computer und mobile Kommunikationsgeräte auf der anderen Seite bewirken:
eine Beschleunigung der einzelnen Vorgänge und Verdichtung der Arbeitsleistung. Heute bearbeitet man pro Zeiteinheit viel mehr, das Ganze ist eine sich stets weiter drehende Spirale.
Vielleicht haben Sie das heutige Arbeitsleben einfach nicht kennen gelernt. Da hat sich seit etwa Mitte 90er einiges geändert. Seien Sie froh drum...
Mit freundlichen Grüßen
Zack34
... esse doch nicht Fertiggerichte und ernähre mich ungesund, nur um mehr Zeit für die Arbeit zu haben!?? Nee, nicht mit mir! Die Gesundheit geht vor! Und was früher anders war? Die Uhr tickte langsamer! Bsp: früher musste der Student sich mit Büchern begnügen, um sein Wissen aus Literatur zu holen. Also saß er in der Bibliothek und verbrachte dementsprechend Zeit mit lesen - kein Handy klingelte, keine email musste gelesen werden und eine umfangreiche Internetrecherche, um den weltweiten Stand der Forschung zu erkunden , war auch nicht nötig, weil nicht möglich! Die Technik ist nämlich nicht nur Segen, sondern auch ein ganz großer Fluch, denn die Erwartungshaltung an den Arbeitnehmer steigt - alles muss schneller, besser und in kürzester Zeit erledigt werden. Man wird quasi mit Reizen überflutet und man hat keine Auszeit mehr : die Flut von Mails muss beantwortet werden, das Handy klingelt - ein wichtiger Kunde muss bedient werden, der Chef wartet in der Tür, weil er eine schnelle Lösung für sein Problem will und die Schule ruft an, weil das Kind krank ist und dann noch der Stau auf der Autobahn auf der Heimfahrt! Wohl dem, wer noch zu Fuß auf Arbeit gehen kann, um den Tag ruhig zu starten und danach den Weg nutzen kann, um wieder vom Stresspegel runter zu kommen! Und an den freien Tagen, die zur Erholung vorgesehen sind, werden die ganzen privaten liegen gebliebenen Dinge erledigt… Klar, da kann es einen schon mal mit einem Burn-out erwischen…
die aber nichts am System ändern werden.
Und genau das ist Teil des Systems.
Die Träger der erforderlichen Dskussion sind doch schon längst ausgestiegen. Die Medien machen einen auf systemstützenden Mainstream und Boulevard, Parteien sind weitgehend etabliert und benehmen sich auch so, Systemkritik kommt nach verschiedenen historisch gescheiterten Fehlversuchen nur noch am Rande zum Vorschein. Da können wir jetzt im Kommentarbereich gern noch ein bisschen erörtern, mittlerweile sind sogar solche Plätze gutverankert im System und bei Bedarf schneller auf sauber moderiert als man tippen kann.
Ich stimme dem Artikel zu. Es ist zwar keine großartige Erkenntnis, aber die muss es auch nicht immer sein. Bisweilen müssen die richtigen Worte gefunden werden und die richtige Kritik geübt werden.
Natürlich ist es leicht, dass System zu kritisieren, Veränderungen brauchen hingegen lange. Dennoch finde ich die Benennung der Probleme oder auch eine gezielte Frage (wie konnte es dazu kommen, dass eine Bankkauffrau halbtags 400 Azubis betreuen muss) wichtig.
Q
inkl. Wochenende.
Als angestellter "Associate". Bei "normalem" Gehalt.
Ist das noch n o r m a l ?!
Natürlich bietet unsere Gesellschaft 100.000 Möglichkeiten, das yes we can Prinzip gibt es auch, es gibt Entfremdung und wer weiss schon genau was "kreativ sein" eigentlich bedeutet oder wie man es ist. Der Mensch der sich dem ausliefert rennt in die Müdigkeit...... Ja.
Aber das Individuum kann zumindest ein Stück weit, da nicht mitmachen, Grenzen ziehen, Prioritäten setzen etc.
Um ins "Burnout" zu rutschen braucht es beides, ein " fieses System" und einen Menschen der da mitzieht.
Ist mir ehrlich gesagt egal.
Es ist sein Problem wenn er den Hals nicht voll genug kriegen kann.
Bitter wirds erst wenn meine Krankenkassenbeiträge für dessen Wiederherstellung drauf gehen sollen.
Natürlich bietet unsere Gesellschaft 100.000 Möglichkeiten, das yes we can Prinzip gibt es auch, es gibt Entfremdung und wer weiss schon genau was "kreativ sein" eigentlich bedeutet oder wie man es ist. Der Mensch der sich dem ausliefert rennt in die Müdigkeit...... Ja.
Aber das Individuum kann zumindest ein Stück weit, da nicht mitmachen, Grenzen ziehen, Prioritäten setzen etc.
Um ins "Burnout" zu rutschen braucht es beides, ein " fieses System" und einen Menschen der da mitzieht.
Ist mir ehrlich gesagt egal.
Es ist sein Problem wenn er den Hals nicht voll genug kriegen kann.
Bitter wirds erst wenn meine Krankenkassenbeiträge für dessen Wiederherstellung drauf gehen sollen.
ist eben nicht systemisch, es ist ein Problem jedes Einzelnen, und muss auch an oder vielmehr von jedem Einzelnen gelöst werden.
Das System besteht nur aus Einzelpersonen, die jeweils Entscheidungen treffen, aus sonst nichts. Und jeder kann und muss sich entscheiden, was er tut und die Konsequenzen seiner Handlung selbst tragen. In diesem Fall, ob er sich dem Zwang des "Systems" bzw. seiner Mitmenschen unterwerfen will oder sich lieber mit den Ängsten und Unsicherheiten auseinander setzt, die ein teilweises Aussteigen mit sich bringen kann.
Die Übertragung des Problems auf das System führt doch letztlich nur zu Verkomplizierung und Verschlimmbesserung durch Vorschriften, Regulierungen, Quoten etc. Hier sind, wenn überhaupt, psychologische Hilfestellungen gefragt.
Ich habe eine Kollegin, die einerseits überdurchschnittlich qualifiziert und leistungsfähig ist, gleichzeitig aber einen recht ausgeglichenen Charakter aufweist, der gut bei den anderen ankommt.
Ihr nächster Karriereschritt wäre in der Managementebene zu finden. Sie erhielt in den vergangenen Jahren immer wieder entsprechende Aufstiegsangebote, die sie jedes mal ablehnte und wohl auch weiter ablehnen wird. Zu mir sagte sie (unter vier Augen), ihr Leben bestünde aus mehr als aus vielem Geld, sie könne vom jetzigen gut leben ud sei nicht zu den "Tänzchen" bereit, die man dort oben aufführen müsse, vor allem sei sie nicht bereit, sich für mehr Geld ihre Lebensqualität zu ruinieren. Eine weibliche Kollegin hatte vor einigen Jahren diesen Schritt gemacht und ist längst ausgebrannt und in Frührente. Gerade Frauen lehnen nach meiner Erfahrung solche zweifelhaften Berufsaufstiege ab und setzen andere Prioritäten, was vermutlich auch einer der Gründe ist, weshalb der Frauenanteil dort oben nicht so hoch ist.
Jeder muss sich an dem Ort, an dem er sich befindet, mit solchen Fragen auseinandersetzen und sich entscheiden.
Es ist immer der Einzelne, der sich darauf einlässt oder nicht.
hareck schreibt: "Das System besteht nur aus Einzelpersonen, die jeweils Entscheidungen treffen, aus sonst nichts. Und jeder kann und muss sich entscheiden, was er tut und die Konsequenzen seiner Handlung selbst tragen. In diesem Fall, ob er sich dem Zwang des "Systems" bzw. seiner Mitmenschen unterwerfen will oder sich lieber mit den Ängsten und Unsicherheiten auseinander setzt, die ein teilweises Aussteigen mit sich bringen kann."
Stimmt! In unserem freiheitlichen System ist jeder Mensch im Prinzip mündig und kann selbst entscheiden, ob er sich bis zum Ruin seiner Gesundheit ausbeuten lässt oder nicht. Leider sind viele Menschen von Natur aus ehrgeizig und ackern bis zum burnout, um im Betrieb unentbehrlich zu sein. Denn dieses Gefühl, gebraucht zu werden, den Laden zu schmeißen, unentbehrlich zu sein, schmeichelt dem Selbstwertgefühl. Und wer sonst nichts hat, worauf er stolz sein kann, braucht das.
Sie haben nicht ganz Unrecht, hareck. Allerdings muss ich Ihnen in einer Sache widersprechen:
Es ist nicht nur die Angelegenheit des Einzelnen.
Darauf muss man gar nicht weiter eingehen. Es existieren Systemeffekte, dem der Einzelne nicht entgegenstellen kann. Das geläufigste Fallbeispiel, der Gruppenzwang. Sie mögen sich zwar mit gutem Willen einmal dem widersetzen, vielleicht auch zweimal. Aber ein ständiger Widerstand gegen die Gruppe zerfrisst einen und macht einen krank. Der Austritt aus der Gruppe, aus der Gesellschaft ist aber auch nicht die Lösung. Falls man das befürwortet, kann man sich ja in der Steinzeit widersehen.
Deshalb werden die Menschen nämlich auch krank, weil sie glauben, dass sie alles alleine stämmen müssten und für alles alleine verantwortlich wären. Irrtum. Wir leben in einer Gesellschaft, in einer politischen Gemeinschaft. Niemand lebt hier wirklich nur für sich.
Im folgenden Abschnitt, ganz zum Ende stellt David Hugendick in seinem aus meiner Sicht hervorragenden Artikel eine sehr interessante, weil entlarvende Feststellung:
"Dort wird eine erschöpfte Bankkauffrau vorgestellt, die halbtags 400 Auszubildende zu betreuen habe. Wie so etwas strukturell überhaupt zustande kommt, wieso so eine Verantwortung auf einer Person zu lasten hat, wird nicht erörtert."
Hier geht es um ein massives gesellschaftliches Tabu - also um ein Thema, um das - aus politisch korrekten Gründen - nicht gesprochen werden DARF. Aus rein betriebswirtschaftlicher Sicht ist die genannte Frau ein sogenannter MINDERLEISTER, wenn sie körperlich und seelisch nicht in der Lage ist, die ihr gestellte Aufgabe zu lösen.
Kritik am System wird sehr schnell mit politischen Kampfbegriffen begegnet - es wird die Angst vor dem "Marxismus-Leninismus" gestreut oder der Vorwurf sozialistischer oder gar kommunistischer Umtriebe erhoben.
Ich finde es äußerst interessant, dass die Verantwortung für Burnout-Erkrankungen dann den Sozialsystemen - GKV und AfA - zugeschustert wird: psychische Erkrankungen gelten als eines der schwersten Vermittlungshemmnisse - gleich nach Haftstrafen und Schulden.
Ich denke, diese Problem ist sehr wohl ein systembasiertes! Das Individuum kann nicht außerhalb des Systems exitieren und sich unabhängig von dessen Regeln und Strukturen verhalten. Nicht-Systemkonformes Verhalten wird schnell "bestraft". Das meine ich weniger in rechtlicher Hinsicht. Das ist viel subtiler. Die Wirkungen des Systems zeigen sich beispielsweise bereits in der kleinsten Zelle, der Familie. aus eigener Erfahrung kann ich berichten, dass es mitunter auf Unverständnis trifft, wenn man lieber mehr Freizeit als Geld hat. Diese Unverständis wird gerne mal in Form von Druck Ausüben geäußert, meist psychisch, worunter das Individum leidet und mitunter massiv zerrissen sein kann zwischen den Anforderungen und Idealen unserer Gesellschaft und Wirtschaft und dem Wunsch nach mentaler& physischer Gesundheit und Freiheit. Zudem ist es natürlich in finanzieller Hinsicht mehr als schwierig in unserem System zu überleben,wenn man versucht, Alternativen zur 40-60h Woche zu finden. Noch viel schwieriger ist es, die gewonnene freie Zeit unabhängig von Geld zu genießen. Ich denke nicht, dass die Verantwortung EINZIG auf dem Individum liegt und sich die kleinen Hamster gefälligst selbst schön fit halten sollen, um in ihren Rädern zu funktionieren oder eben sehen sollen, wo sie bleiben. Wirklich verändert werden sollte das System der Räder! Das System verschlingt auf lange Sicht unzählige Individuen. Übrig bleiben die fittesten, systemkonformen Hamster...
Ich habe eine Kollegin, die einerseits überdurchschnittlich qualifiziert und leistungsfähig ist, gleichzeitig aber einen recht ausgeglichenen Charakter aufweist, der gut bei den anderen ankommt.
Ihr nächster Karriereschritt wäre in der Managementebene zu finden. Sie erhielt in den vergangenen Jahren immer wieder entsprechende Aufstiegsangebote, die sie jedes mal ablehnte und wohl auch weiter ablehnen wird. Zu mir sagte sie (unter vier Augen), ihr Leben bestünde aus mehr als aus vielem Geld, sie könne vom jetzigen gut leben ud sei nicht zu den "Tänzchen" bereit, die man dort oben aufführen müsse, vor allem sei sie nicht bereit, sich für mehr Geld ihre Lebensqualität zu ruinieren. Eine weibliche Kollegin hatte vor einigen Jahren diesen Schritt gemacht und ist längst ausgebrannt und in Frührente. Gerade Frauen lehnen nach meiner Erfahrung solche zweifelhaften Berufsaufstiege ab und setzen andere Prioritäten, was vermutlich auch einer der Gründe ist, weshalb der Frauenanteil dort oben nicht so hoch ist.
Jeder muss sich an dem Ort, an dem er sich befindet, mit solchen Fragen auseinandersetzen und sich entscheiden.
Es ist immer der Einzelne, der sich darauf einlässt oder nicht.
hareck schreibt: "Das System besteht nur aus Einzelpersonen, die jeweils Entscheidungen treffen, aus sonst nichts. Und jeder kann und muss sich entscheiden, was er tut und die Konsequenzen seiner Handlung selbst tragen. In diesem Fall, ob er sich dem Zwang des "Systems" bzw. seiner Mitmenschen unterwerfen will oder sich lieber mit den Ängsten und Unsicherheiten auseinander setzt, die ein teilweises Aussteigen mit sich bringen kann."
Stimmt! In unserem freiheitlichen System ist jeder Mensch im Prinzip mündig und kann selbst entscheiden, ob er sich bis zum Ruin seiner Gesundheit ausbeuten lässt oder nicht. Leider sind viele Menschen von Natur aus ehrgeizig und ackern bis zum burnout, um im Betrieb unentbehrlich zu sein. Denn dieses Gefühl, gebraucht zu werden, den Laden zu schmeißen, unentbehrlich zu sein, schmeichelt dem Selbstwertgefühl. Und wer sonst nichts hat, worauf er stolz sein kann, braucht das.
Sie haben nicht ganz Unrecht, hareck. Allerdings muss ich Ihnen in einer Sache widersprechen:
Es ist nicht nur die Angelegenheit des Einzelnen.
Darauf muss man gar nicht weiter eingehen. Es existieren Systemeffekte, dem der Einzelne nicht entgegenstellen kann. Das geläufigste Fallbeispiel, der Gruppenzwang. Sie mögen sich zwar mit gutem Willen einmal dem widersetzen, vielleicht auch zweimal. Aber ein ständiger Widerstand gegen die Gruppe zerfrisst einen und macht einen krank. Der Austritt aus der Gruppe, aus der Gesellschaft ist aber auch nicht die Lösung. Falls man das befürwortet, kann man sich ja in der Steinzeit widersehen.
Deshalb werden die Menschen nämlich auch krank, weil sie glauben, dass sie alles alleine stämmen müssten und für alles alleine verantwortlich wären. Irrtum. Wir leben in einer Gesellschaft, in einer politischen Gemeinschaft. Niemand lebt hier wirklich nur für sich.
Im folgenden Abschnitt, ganz zum Ende stellt David Hugendick in seinem aus meiner Sicht hervorragenden Artikel eine sehr interessante, weil entlarvende Feststellung:
"Dort wird eine erschöpfte Bankkauffrau vorgestellt, die halbtags 400 Auszubildende zu betreuen habe. Wie so etwas strukturell überhaupt zustande kommt, wieso so eine Verantwortung auf einer Person zu lasten hat, wird nicht erörtert."
Hier geht es um ein massives gesellschaftliches Tabu - also um ein Thema, um das - aus politisch korrekten Gründen - nicht gesprochen werden DARF. Aus rein betriebswirtschaftlicher Sicht ist die genannte Frau ein sogenannter MINDERLEISTER, wenn sie körperlich und seelisch nicht in der Lage ist, die ihr gestellte Aufgabe zu lösen.
Kritik am System wird sehr schnell mit politischen Kampfbegriffen begegnet - es wird die Angst vor dem "Marxismus-Leninismus" gestreut oder der Vorwurf sozialistischer oder gar kommunistischer Umtriebe erhoben.
Ich finde es äußerst interessant, dass die Verantwortung für Burnout-Erkrankungen dann den Sozialsystemen - GKV und AfA - zugeschustert wird: psychische Erkrankungen gelten als eines der schwersten Vermittlungshemmnisse - gleich nach Haftstrafen und Schulden.
Ich denke, diese Problem ist sehr wohl ein systembasiertes! Das Individuum kann nicht außerhalb des Systems exitieren und sich unabhängig von dessen Regeln und Strukturen verhalten. Nicht-Systemkonformes Verhalten wird schnell "bestraft". Das meine ich weniger in rechtlicher Hinsicht. Das ist viel subtiler. Die Wirkungen des Systems zeigen sich beispielsweise bereits in der kleinsten Zelle, der Familie. aus eigener Erfahrung kann ich berichten, dass es mitunter auf Unverständnis trifft, wenn man lieber mehr Freizeit als Geld hat. Diese Unverständis wird gerne mal in Form von Druck Ausüben geäußert, meist psychisch, worunter das Individum leidet und mitunter massiv zerrissen sein kann zwischen den Anforderungen und Idealen unserer Gesellschaft und Wirtschaft und dem Wunsch nach mentaler& physischer Gesundheit und Freiheit. Zudem ist es natürlich in finanzieller Hinsicht mehr als schwierig in unserem System zu überleben,wenn man versucht, Alternativen zur 40-60h Woche zu finden. Noch viel schwieriger ist es, die gewonnene freie Zeit unabhängig von Geld zu genießen. Ich denke nicht, dass die Verantwortung EINZIG auf dem Individum liegt und sich die kleinen Hamster gefälligst selbst schön fit halten sollen, um in ihren Rädern zu funktionieren oder eben sehen sollen, wo sie bleiben. Wirklich verändert werden sollte das System der Räder! Das System verschlingt auf lange Sicht unzählige Individuen. Übrig bleiben die fittesten, systemkonformen Hamster...
Problematisch ist nicht die am Anfang des Artikels zitierte Forderung nach "kreativen Lösungen". Problematisch ist die -- in Stellenanzeigen ebenso wie nachher im Job geforderte -- ständige Erreichbarkeit, "Flexibilität", gepaart mit wachsendem Arbeitsdruck (was bisher 4 Mitarbeiter erledigten, können doch auch 2 schaffen....)
Lieber regenbogen-73,
natürlich ist Kreativität nicht das Problem. Nur gehört die oben zitierte Formulierung ins nebulöse Vokabular vieler Teile unserer Arbeitswelt. Oder empfinden sie erwartbare kreative Lösungen nicht als Paradox?
Beste Grüße
D. Hugendick
Jede Firma soll effizienter werden, Einsparungen an jeder Ecke.
Und Chefs haben häufig keine Ahnung von dem was die Angestellten leisten. Und das Argument ist dann "es hat ja bis jetzt ja auch immer funktioniert".
Bis es dann einen Crash gibt und einer kündigt. Dann wird wieder ein Neuer gesucht der natürlich Bereitschaft für Überstunden zeigt, minimum 15 Jahre Berufserfahrung hat und bereit ist zur Fortbildung.
Lieber regenbogen-73,
natürlich ist Kreativität nicht das Problem. Nur gehört die oben zitierte Formulierung ins nebulöse Vokabular vieler Teile unserer Arbeitswelt. Oder empfinden sie erwartbare kreative Lösungen nicht als Paradox?
Beste Grüße
D. Hugendick
Jede Firma soll effizienter werden, Einsparungen an jeder Ecke.
Und Chefs haben häufig keine Ahnung von dem was die Angestellten leisten. Und das Argument ist dann "es hat ja bis jetzt ja auch immer funktioniert".
Bis es dann einen Crash gibt und einer kündigt. Dann wird wieder ein Neuer gesucht der natürlich Bereitschaft für Überstunden zeigt, minimum 15 Jahre Berufserfahrung hat und bereit ist zur Fortbildung.
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