Die Deutschen sind zweifellos ausgewiesene Apokalyptiker. Auch wenn der Russe schon lange nicht mehr kommen will, finden wir genügend Anlass zur eigenen inneren Unsicherheit. Wenn in Japan ein Kraftwerk hochgeht, werden in Hannover die Geigerzähler knapp. Bricht die amerikanische Finanzwirtschaft zusammen, vernähen wir unsere Ersparnisse im Kopfkissen und schwören auf den Bausparvertrag. Schreibt ein ehemaliger Berliner Finanzsenator vom Niedergang der Deutschen, rennen sie alle in die Buchhandlung und kaufen wie die Blöden. Und trifft sich die Jugend lieber auf Facebook als in Großraumdiscos, oswaldspenglert es auf Zeitungsseiten. Es ist kein Zufall, dass Hollywoods einziger deutscher Regisseur unentwegt die Erde in die Luft jagt, tiefkühlt oder sonstwie über den Jordan schickt. Von der Rolandemmerichisierung der Welt sind die Deutschen fasziniert. Da kann die Sonne auch im Herbst noch so scheinen, im Herz ist stets Dezember und das Gemüt erinnert an Pu Bärs Esel I-Ah, nur auf Ecstasy: Das Ende ist immer sowas von nah, yeah.

Dass sich diese Untergangsemphase nicht nur im Verhalten, sondern auch in der Sprache niederschlägt, ist logisch. Damit ist nicht das Denglisch gemeint, das manch kleinlichem Kollegen alltäglich Nahtoderlebnisse beschert. Es geht um den Gebrauch der Vorsilbe End, die wieder ein (liebe Kollegen:) Revival erfährt. So vergeht kein Tag, an dem nicht ein adrett gekleideter Vertreter aus Wirtschaft und Finanzen etwas vom Endverbraucher erzählt, um den es in der Endkonsequenz gehe. Selbstredend auch um Endprodukte, was für sensible Naturen vor ein paar Jahren noch nach Verdauung geklungen hätte. In der Politik geht es ähnlich zu, wenn bei Nato-Einsatz, Euro-Rettung oder Frauenquote kein schnödes Ziel, sondern gleich ein Endziel erreicht werden muss. Das zumindest lesen wir in der U-Bahn auf unseren Telefonen, die auch nicht mehr landläufig so heißen dürfen.

Nun nennt man sie mobile Endgeräte. Nur der Fortschrittsverweigerer mag dabei noch trotzig an das rollende Krankenbett denken, auf dem er siechend durch die Endmoderne geschoben wird. Der Endkonsument aber weiß sofort, was gemeint ist, und hilft den Unwissenden bei Bedarf auf die Sprünge. Jüngst ging an einige Literaturredaktionen des Landes eine Pressemitteilung heraus, die all die leseempfindlichen Redakteure von den neuesten Entwicklungen der digitalen Buchproduktion unterrichtete. Die branchenüblichen Angstschweißausbrüche angesichts solcher Botschaften waren weniger heftig als die Verstörung: In der Meldung war von "Endgeräte-Penetration" die Rede. Ob es sich dabei doch um versteckte Kulturkritik oder eine neue Nunja-Praktik handelt, durften die Endadressaten raten. Um des endgültigen Verfalls der Sitten und des endgeilen Schlusses dieser Glosse willen, tippen wir aber auf Letzteres.