Yoram Kaniuk"Es sollte keine nationale Religion geben"

Der Schriftsteller Yoram Kaniuk hat als erster Israeli durchgesetzt, dass in seinem Pass "ohne Religion" steht. Im Interview erzählt er, welche Auswirkungen das in seinem Land hat. von 

ZEIT ONLINE: Vor einigen Tagen war Jom Kippur. Haben Sie gefeiert?

Yoram Kaniuk: Ich war nicht in der Synagoge. Ich persönlich feiere Jom Kippur nicht, aber das Fest gefällt mir, weil es so ruhig und friedlich ist und eine großartige Tradition hat.

ZEIT ONLINE: Kürzlich hat ein Gericht in Tel Aviv Ihnen erlaubt, als erster Israeli die Bezeichnung "ohne Religion" in Ihren Papieren zu führen. Warum war das so wichtig für Sie?

Anzeige

Kaniuk: Schon seit vielen Jahren widersetze ich mich der Idee, dass man nur über die Religion Teil der israelischen Gesellschaft werden kann. Ich bin der Meinung, dass Staat und Religion voneinander getrennt sein sollten. Im Judentum ist das eine sehr problematische Sache, weil man seit Hunderten von Jahren religiös zu sein hatte, wenn man jüdisch sein wollte. Und dagegen wehre ich mich. Ich liebe Israel und auch die jüdische Kultur und möchte ein Teil davon sein. Ich will nur nicht gezwungen werden, das in einer ganz bestimmten Art und Weise zu tun. Daher will ich, dass in meinem Pass "ohne Religion" steht.

Yoram Kaniuk

Der israelische Schriftsteller Yoram Kaniuk wurde 1930 in Tel Aviv geboren. Als junger Mann kämpfte er in der jüdischen Untergrundorganisation Palmach, die sich für die Unabhängigkeit Israels einsetzte. Er lebte in New York, wo er in den 50er Jahren seinen ersten Roman veröffentlichte.
Yoram Kaniuk schreibt Kinder- und Jugendliteratur, Essays, Erzählungen und Romane. Seine Werke wurden in 20 Sprachen übersetzt. 2008 wurde sein Buch Adam Resurrected in Hollywood verfilmt. Sein Werk wurde mit zahlreichen Preisen geehrt. In diesem Jahr erhielt er den Sapir Preis für 1948, ein Buch, das seine Erfahrungen im Unabhängigkeitskrieg schildert.

ZEIT ONLINE: Das Innenministerium hat Ihr Anliegen zunächst abgelehnt. Wie hat man diese Entscheidung begründet?

Kaniuk: Sie haben gesagt, ich könne zum Islam übertreten oder Christ werden, aber es sei nicht möglich, das Judentum zu verlassen. Jüdisch zu sein bedeutet für sie, dass man als Jude geboren wird und auch als Jude stirbt, da gibt es keine Wahl.

ZEIT ONLINE: Wie ist die Entscheidung des Gerichts in Israel aufgenommen worden?

Kaniuk: Es hat mich überrascht, dass mein Schritt so wichtig für so viele Menschen hier ist. Ich bekomme ständig Telefonanrufe. In den vergangenen Tagen habe ich mehr Interviews gegeben als in meinem ganzen Leben zuvor. Letzte Woche versammelten sich vier- bis fünfhundert Menschen in einem Gebäude in der Nähe unseres Wohnhauses. Sie wollten eine Petition an das Innenministerium unterschreiben, in der sie verlangen, dass in ihren Papieren auch "ohne Religion" stehen soll. Ich weiß natürlich nicht, wie viele von ihnen das dann tatsächlich weiterverfolgen werden. Aber es sieht so aus, als hätten die Menschen nur darauf gewartet, dass jemand macht, was ich getan habe. Der Schritt war überfällig.

Leserkommentare
    • colca
    • 20. Oktober 2011 10:06 Uhr

    Ein mutiger Mann, aber im letzten Satz irrt er.
    Die Unversöhnlichkeit im Nahostkonflikt ist ohne die religiöse Komponente überhaupt nicht denkbar. Gäbe es nicht die Fanatiker auf beiden Seiten, die Absolutheitsanspruch und göttliches Recht auf ihrer Seite aus den angejahrten Schriften des Alten Testaments und des Koran ableiten würden, dann wäre der ganze Schlamassel nichts weiter als der Kampf zweier Völker um ein Stück Land.
    Aus unserer europäischen Erfahrung wissen wir, dass sich solche Konflikte ganz gut in Kompromissen lösen lassen, wenn sich beide Seiten bewegen. Kommt aber der Anspruch dazu, Gottes Willen auszuführen, dann kann es keine Verständigung mit der Gegenseite geben. Dann gibt es nur Sieg oder gar nichts.
    Die Region krankt nicht in erster Linie an israelischem Rassismus oder arabischem Antisemitismus, sondern an geistiger Vergiftung durch die verderblichen Monotheismen, die uns seit der Antike mit ihren unsinnigen Dogmen heimsuchen. Solang diese Kulte nicht in Private domestiziert sind, werden Israelis und Araber auch nur schwer zur friedlichen Koexistenz finden.
    It`s the religion, stupid.

    25 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • TomFynn
    • 20. Oktober 2011 11:24 Uhr

    könnte man die Situation in Nahost vielleicht so zusammenfassen:

    70% wollen in Frieden leben.
    20% können ganz gut davon leben.
    10% sind komplett durchgedreht.

    Und zwar auf beiden Seiten.

    richtig. Religionsfreiheit ja, aber bitte im Privaten. Trennung von Staat und Kirche sollte eigentlich in einer aufgeklärten Gesellschaft "normal" sein (auch in Deutschland besteht übrigens ein wenig Nachholbedarf).

    "Solang diese Kulte nicht in Private domestiziert sind, werden Israelis und Araber auch nur schwer zur friedlichen Koexistenz finden"

    Sie meinen Juden und Moslems, nicht "Israelis und Araber".

    Schließlich gibt es israelische Muslime und jüdische Araber.

    und entspricht Wunschdenken.
    Wunschdenken deshalb, weil es eine scheinbar einfache Lösung bietet in dem man sich von Religion trennt und auch weil man die wirklichen Ursachen auf Religion und ihre Prinzipien projeziert.

    Allein der Nordirland Konflikt und noch viel mehr seine weitgehende lösung beweisen, das Religion nur ein vorgeschobenes Argument ist und letztlich nur als Instrument missbraucht wird.
    Aus der Missbrauchsfähigkeit schon Verantwortung abzuleiten ist der Mythos unserer Zeit schlechthin und gerade deshalb sowohl für Freund und Feind gleichermassen die Gelegenheit sich eigener Verantwortung zu entziehen.
    Wer solche Missstände auf Religion an sich projeziert muss sich mit den eigentlichen Problemen, schwierigen z.t. konkurrierenden Wahrheiten nicht mehr beschäftigen.
    Sowohl radikale Gegner als auch radikale Befürworter von Religion missbrauchen sie in gleicher Weise, weil sie einfache Lösungen wollen und glauben man nur für oder gegen etwas sein.
    Die Realität ist jedoch viel komplizierter, man kann sowohl dafür und dagegen sein, gleichzeitig. Weil die Unzulänglichkeiten menschlicher Gesellschaften verschiedene konkurrierende Wahrheiten zur Folge haben.
    Und es schlicht eine Anmassung ist die eine Wahrheit zugunsten einer anderen zu negieren.

    H.

    Die wohl menschenverachtendsten Regime des 20 Jahrhunderts waren nicht nur areligioes, sondern sogar religionsfeindlich-Nationalsozialismus und Stalinismus.

    Eine Abwesenheit von Religion bringt also beiweitem keinen automatischen Frieden.

    Weiterhin sollten Sie ausfuehren, was sie mit israelischem Rassismus meinen.

    In Israel leben Juden mit jeder ethnischen Herkunft von afrikanischen bis schwedischen ueber indische bis asiatische. Welchen Rassismus also meinen Sie?

  1. Warum habe ich den Artikel gelesen? Ich kenne diesen Mann nicht und bin seit jeher ohne Probleme konfessionslos.
    Ich habe ihn gelesen in der Hoffnung, ein weiteres Puzzlestück einem optimistischen Weltbild hinzufügen zu dürfen, in welchem die Menschen im Sinne der Aufklärung handeln und davon ablassen, mit dogmatischer Vehemenz anderen die eigene kulturelle und religiöse Identität überstülpen zu wollen.
    Sofern man nicht bedroht ist, handelt es bei jenem respektlosen Bestreben um nichts weiter als eine (kollektive) menschliche Schwäche, die zu einem Verhalten führen kann, welches völlig unnötige Probleme generiert.
    Mein Optimismus wird durch Kaniuks Vorstoß, seine Umsetzung und die erfahrene Unterstützung ein klein wenig genährt.
    Solche winzigen Bausteine sind wichtig für ein stabiles Weltgebäude. Eine gute Nachricht.

    23 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Sie sind "seit Jahren ohne Probleme konfessionslos"? Oh. Vermutlich sind Sie hier richtig, denn ein atheistisch-humanistisches Weltbild (meinen Sie das, indem Sie sich auf Ihren "Optimismus" beziehen) ist weitgehend kanonisch. Verzichten Sie im Umgang mit entschiedenen Christen auch noch auf missionarischen Eifer, Herablassung und wüste Polemik, so sit das immerhin eine Grundlage...nur um den Kontext herzustellen: ich vermute, der Austritt aus der christlichen Kirche, zugleich der Eintritt in das Zeitalter der AUFKLÄRUNG, kostete Sie (hoffentlich) etwas Nachdenken und eine gewisse Verwaltungsgebühr - ein erträglicher Preis für diese wunderbare Freiheit, oder nicht? Wagen Sie, nur um eine Vergleichsmöglichkeit zu haben, folgendes Experiment: richten Sie höflich formulierte Anfragen an die großen islamischen Glaubensgemeinschaften in der Bundesrepublik Deutschland. Erfragen Sie, wie der Islam mit Menschen umgeht, die einen anderen Glauben annehmen wollen (oder auch sich als vollständig säkularisiert ansehen). NIEMAND kann aus dem Islam "austreten"; es handelt sich tatsächlich um eine Buchreligion, während das Christentum längst die Gestalt einer "Entscheidungsreligion" angenommen hat. Erkennen und würdigen Sie diesen Unterschied und genießen Sie Ihre Freiheit. Ein Großteil der Menschheit hat diese Freiheit nicht und wird sie auf absehbare Zeit nicht erhalten.

    • wulewuu
    • 20. Oktober 2011 11:12 Uhr

    Sehr verständlich, dass Herr Kaniuk hat mit seiner Forderung in Israel für einen gewissen Aufruhr sorgt, wird doch der Begriff "Jude" und "jüdisch" auch in Israel je nach Gutdünken und Interessenlage verwendet, gerade so, wie es in den Kram passt.

    Israel bezeichnet sich z.B. als "jüdischer Staat", man spricht häufig vom "jüdischen Volk". Beides hat es nie gegeben, so wie es keine "jüdische Rasse" gibt und je gegeben hat. Es gibt seit 1948 einen "israelischen Staat", ein "israelisches Volk", in welchem ganz selbstverständlich alle Menschen, welche die israelische Staatsbürgerschaft haben, eingeschlossen sind. Leider ist dies noch nicht in alle Köpfe vieler Israelis und Nicht-Israelis eingedrungen.

    Ich wünsche mir, dass es mehr Menschen von der Art des Herrn Kaniuk in unserer Welt geben möge.

    13 Leserempfehlungen
  2. Das Judentum ist eine Religion aber keine Nation." http://www.fr-online.de/p...

    "Genau dieser begründete aber die Anwesenheit "jüdischer" Menschen in Palästina in der heute bekannten Form, und die Etablierung des israelischen Staates."

    Das ist nicht korrekt. Die Anwesenheit in der "heutigen Form" ist das Ergebnis einer Strömung innerhalb des Judentums, die (wie Antisemiten) von der falschen Annahme ausgehen, es gäbe ein "jüdisches Volk".

    "In meiner Schulzeit (DDR) wurde gelehrt, der Zionismus sei eine bürgerlich-nationale Bewegung. Trifft es das etwa nicht?"

    Das trifft es nicht, da das Judentum keine Nation ist, sondern eine Religion.

    Ich freue mich, dass es Menschen wie Herr Kaniuk gibt und sich gegen den religiösen Fanatimsus in Israel zur Wehr setzen.

    Ein religiöser Fanatismus, der dazu führt, dass die Religion im Pass steht (in welchen Staaten gab und gibt es das auch?), dass der Staat religiöse Fanatiker beschützt, die in völkerrechtswidrig besetzten und annektierten Gebieten siedeln, dass die religiösen Fanatiker Urteile nicht einhalten müssen und an Feiertagen öffentliche Räume zwischen Männer und Frauen aufteilen (Straßen und Busse). http://www.jta.org/news/a...

    Menschen wie Herr Kaniuk machen mir Hoffnung. Bravo!

    7 Leserempfehlungen
    Antwort auf "besonders neu?"
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Das Problem ist nur folgendes: 99,99 % aller jüdischen Israelis und 99,99 % aller Juden weltweit dürften anderer Meinung als Shlomo Sand sein und denken, dass es ein jüdisches Volk gibt. Was machen wir jetzt, geschätzer Mitforist? Alle im Irrtum?
    In Wahrheit liegt in der Weigerung der "Israelkritiker", das jüdische Volk anzuerkennen, der wesentliche Grund für den Konflikt:
    http://www.theatlantic.co...
    Im Grunde ist es skandalös, hier eine solche Leugnung zu betreiben.

    Das Judentum ist eine Religion aber keine Nation." http://www.fr-online.de/p...

    Nationen und Völker sind ganz generell künstliche Gebilde, von indigenen Völkern iUrwäldern oder Wüsten etc. einmal abgesehen. Auch ein palästinensisches Volk gibt es dem Sinne nicht; vor 1948 gab es arabische und jüdische Palästinenser, womit einfach die Bewohner des britischen Mandatsgebietes Palästina gemeint waren; den Begriff des Palästinensers im heutigen Sinn gibt es seit 1964, und dies beruht wohl darauf, dass man sich aufgrund der Nakba (arab. "Unglück", gemeint ist die Vertreibung aus der früheren Heimat im isr. Unabhängigkeitskrieg) als Schicksalsgemeinschaft versteht - wie die Juden (s.u.).

    Andererseits bezeichnen sich auch die US-Amerikaner als Nation; wenn Sie den Juden mangels ethnischer Zusammengehörigkeit absprechen, ein Volk zu sein, so müssen Sie dies für die US-Amerikaner oder Kanadier erst recht.

    Die Juden haben sich, wie jeder, der mal die Bibel gelesen hat, weiß, immer schon als Volk verstanden, und auch viele Agnostiker jüdischer Abstammung wie Einstein fühlten und fühlen sich zu einem jüdischen Volk zugehörig.
    Hinzu kam und kommt die grassierende Feindlichkeit (bzw. Diskriminierung) gegenüber Juden in mehrheitlich nichtjüdischen Gesellschaften, egal ob sie religiös oder "rassisch" begründet wird. Sie hat zweifellos zum Selbstverständnis der Juden als Volk beigetragen (s.o.).

    • brux
    • 20. Oktober 2011 17:13 Uhr

    ""In meiner Schulzeit (DDR) wurde gelehrt, der Zionismus sei eine bürgerlich-nationale Bewegung. Trifft es das etwa nicht?"

    Das trifft es nicht, da das Judentum keine Nation ist, sondern eine Religion."

    Da haben Sie aber den Zionismus nicht sehr gut studiert. Herzls Idee war durchaus die einer eigenen jüdischen Nation, ganz im Zeitgeist des Nationalismus des ausgehenden 19. Jh. Uns hat dieser Nationalismus in 2 Katastrophen geführt, den Israelis steht diese Erkenntnis noch bevor.

  3. fallen mir die Vorzeigedemokratien Saudi-Arabien und Iran ein, von historischen Beispielen in unseren Gefilden mal ganz abgesehen.

    4 Leserempfehlungen
  4. Sie sind "seit Jahren ohne Probleme konfessionslos"? Oh. Vermutlich sind Sie hier richtig, denn ein atheistisch-humanistisches Weltbild (meinen Sie das, indem Sie sich auf Ihren "Optimismus" beziehen) ist weitgehend kanonisch. Verzichten Sie im Umgang mit entschiedenen Christen auch noch auf missionarischen Eifer, Herablassung und wüste Polemik, so sit das immerhin eine Grundlage...nur um den Kontext herzustellen: ich vermute, der Austritt aus der christlichen Kirche, zugleich der Eintritt in das Zeitalter der AUFKLÄRUNG, kostete Sie (hoffentlich) etwas Nachdenken und eine gewisse Verwaltungsgebühr - ein erträglicher Preis für diese wunderbare Freiheit, oder nicht? Wagen Sie, nur um eine Vergleichsmöglichkeit zu haben, folgendes Experiment: richten Sie höflich formulierte Anfragen an die großen islamischen Glaubensgemeinschaften in der Bundesrepublik Deutschland. Erfragen Sie, wie der Islam mit Menschen umgeht, die einen anderen Glauben annehmen wollen (oder auch sich als vollständig säkularisiert ansehen). NIEMAND kann aus dem Islam "austreten"; es handelt sich tatsächlich um eine Buchreligion, während das Christentum längst die Gestalt einer "Entscheidungsreligion" angenommen hat. Erkennen und würdigen Sie diesen Unterschied und genießen Sie Ihre Freiheit. Ein Großteil der Menschheit hat diese Freiheit nicht und wird sie auf absehbare Zeit nicht erhalten.

    4 Leserempfehlungen
    Antwort auf "Ein baustein mehr"
    • otto_B
    • 20. Oktober 2011 10:27 Uhr

    Im Interview wird der Terminus "Zionismus" null mal erwähnt.
    Genau dieser begründete aber die Anwesenheit "jüdischer" Menschen in Palästina in der heute bekannten Form, und die Etablierung des israelischen Staates.
    In meiner Schulzeit (DDR) wurde gelehrt, der Zionismus sei eine bürgerlich-nationale Bewegung. Trifft es das etwa nicht?
    Selbstverständlich hat die zionistische Bewegung irgendwas mit der Religion zu tun. Kaniuk deutet das ja mit dem Verweis auf die Diaspora an.
    Die Religion erzeugte die Diaspora, nur mit dieser gab es "Juden". Die Weltgeschichte dürfte wenige Beispiele haben, wo Migration und Minderheitenstatus über so lange Zeit nicht in den Untergang der kulturellen Identität führten.
    Der Jeschuw in Palästina war die Gemeinschaft derer, die woanders die anderen waren. Hat das gezwungenermaßen etwas mit Religion zu tun? Man betrachte die Biografien der Akteure von vor 100 Jahren. Durch besondere Religiosität fallen die nicht auf. Auch im jüdischen Millieu wurde es seit dem 19. Jhd. säkular, als "anders" wurde man trotzdem weiterhin betrachtet. Deshalb die Forderung nach dem "Judenstaat".
    Schweinehaltende Kibbuzim waren dann wohl kein Unding. Sozialistische Kibbuzniks waren schon immer mehr oder minder säkular. Die Klärung der nationalen Identität über die Religion war naheliegend - harte Gründe mögen woanders gelegen haben, die wirtschaftliche Nicht-Einheit mit den Arabern wurde ja zunehmend real.
    Man schaue, wohin es sich entwickelt.

    3 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Das Judentum ist eine Religion aber keine Nation." http://www.fr-online.de/p...

    "Genau dieser begründete aber die Anwesenheit "jüdischer" Menschen in Palästina in der heute bekannten Form, und die Etablierung des israelischen Staates."

    Das ist nicht korrekt. Die Anwesenheit in der "heutigen Form" ist das Ergebnis einer Strömung innerhalb des Judentums, die (wie Antisemiten) von der falschen Annahme ausgehen, es gäbe ein "jüdisches Volk".

    "In meiner Schulzeit (DDR) wurde gelehrt, der Zionismus sei eine bürgerlich-nationale Bewegung. Trifft es das etwa nicht?"

    Das trifft es nicht, da das Judentum keine Nation ist, sondern eine Religion.

    Ich freue mich, dass es Menschen wie Herr Kaniuk gibt und sich gegen den religiösen Fanatimsus in Israel zur Wehr setzen.

    Ein religiöser Fanatismus, der dazu führt, dass die Religion im Pass steht (in welchen Staaten gab und gibt es das auch?), dass der Staat religiöse Fanatiker beschützt, die in völkerrechtswidrig besetzten und annektierten Gebieten siedeln, dass die religiösen Fanatiker Urteile nicht einhalten müssen und an Feiertagen öffentliche Räume zwischen Männer und Frauen aufteilen (Straßen und Busse). http://www.jta.org/news/a...

    Menschen wie Herr Kaniuk machen mir Hoffnung. Bravo!

    • TomFynn
    • 20. Oktober 2011 11:24 Uhr

    könnte man die Situation in Nahost vielleicht so zusammenfassen:

    70% wollen in Frieden leben.
    20% können ganz gut davon leben.
    10% sind komplett durchgedreht.

    Und zwar auf beiden Seiten.

    3 Leserempfehlungen
    Antwort auf "geistiges Gift"

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

  • Artikel Auf einer Seite lesen
  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte Innenministerium | Affe | Diaspora | Holocaust | Israel | Judentum
Service