Film "A Man Within" Schmerzdichter der Beat-Generation

Ein Künstlerleben, das wenig Platz für Liebe ließ: Der sehenswerte Dokumentarfilm "William S. Burroughs: A Man Within" nähert sich der Persönlichkeit des Beat-Poeten.

Am Ruder: William Seward Burroughs (1914-1997)

Am Ruder: William Seward Burroughs (1914-1997)

Ob das Leben von William S. Burroughs wirklich darauf hinausgelaufen ist? Zu erkennen, dass die Liebe das Nonplusultra ist? "Liebe? Was ist das? Das natürlichste Schmerzmittel überhaupt", hat Burroughs kurz vor seinem Tod am 2. August 1997 als letzten Gedanken in sein Tagebuch geschrieben. Seinem Ziehsohn und Nachlassverwalter James Grauerholz und dem Musiker Genesis P. Orridge gilt das als Beweis dafür, dass Burroughs erkannt hatte, dass "die Liebe zur Gleichung des Lebens gehört".

Tatsächlich erzählt der junge amerikanische Filmemacher Yony Leiser in seiner sehenswerten Burroughs-Dokumentation A Man Within die Geschichte eines Künsterlebens, in der für demonstrative, gar bedingungslose Liebe nicht viel Platz war. Aus guten Gründen: 1951 erschießt Burroughs in Mexico City seine Frau Joan bei einem bizarren Wilhelm-Tell-Spiel auf einer Party – ein Unfall, für den er nicht ins Gefängnis muss, der ihn aber zu der Erkenntnis bringt, "dass ich ohne Joans Tod nie Schriftsteller geworden wäre".

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Der gemeinsame Sohn, um den Burroughs sich nur selten kümmert, lebt ein wildes, chaotisches Leben und stirbt 33-jährig an seiner Alkoholsucht. Und auch zu seinen männlichen Liebhabern pflegt Burroughs ein distanziertes Verhältnis – aus Angst vor Enttäuschungen. "Weil er körperlich und in Liebesdingen extrem linkisch war", sagt der Literaturagent Ira Silverberg. "Weil er Gefühle schwer zeigen konnte", sagt der junge Mark Ewert, der nach Allan Ginsberg auch Burroughs gezielt umgarnte und eroberte.

Private und künstlerische Beziehungen, die Beat Generation, Cut-Up, Naked Lunch, Shotgun-Art, Punkrock: Wie in einem Album blättert Leiser in diesem Leben, mit viel Archivmaterial und zahlreichen Interviews, die er mit Weggefährten, Filmemachern wie Gus van Sant und John Waters, Musikern und Schriftstellern geführt hat.

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Dabei scheint der Regisseur Burroughs' Persönlichkeit recht nahe zu kommen: einem extrem kontrollbesessenen Menschen und Künstler, der zugleich noch immer starke Emotionen auslöst. Denn Mark Ewert, James Grauerholz und Genesis P. Orridge sind den Tränen nah, als sie Burroughs' letzte Lebensjahre und dessen Einstellung zur Liebe Revue passieren lassen. Vielleicht hat William S. Burroughs aber nur an seine Katzen gedacht, als er seinen letzten Tagebucheintrag über die Liebe als Schmerzmittel vornahm. "Der Gedanke", sagt Mark Ewert, "was aus seinen Katzen werden würde, wenn er dereinst sterben sollte, machte ihn völlig fertig".

Erschienen im Tagesspiegel

 
Leser-Kommentare
  1. Bei William S. Burroughs wie auch bei Allan Ginsberg habe ich immer das Gefühl gehabt, ihre schriftstellerischen Ambitionen waren größtenteils Vorwand für ihren exorbitanten Drogenkonsum, der in keinem ökonmisch gerechtfertigten Verhältnis zur Schaffensleistung in qualitativer wie quantitativer Hinsicht stand. Immerhin ist David Cronenbergs mit seiner filmischen Bearbeitung von Naked Lunch eine recht kurzweilige Umsetzung von Burroughs Vorlage gelungen, wobei der Stoff kaum mehr als von im Drogenrausch aufgeschriebenem Erlebten ist. Den von Burroughs verschuldeten Tod seiner Frau, Joan Vollmer Adams, vermag sein Werk ohnehin nicht aufzuwiegen.

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    Bei Ihrem Kommentar muss ich schon arg innehalten! Lesen Sie besser nicht Burroughs wenn Ihnen diese Form von Literatur so abgeht.WAS erwarten Sie eigentlich von einem Autoren mit diesem Hintergrund? Sie kritisieren die Essenz und den Ausgangspunkt von Burroughs Kunst und ignorieren dabei schlicht die Zusammenhänge von persönlicher und gesellschaftlicher Dissonanz zu seinem Selbstverständnis.
    Haben Sie jemals einen Gedanken daran verschwendet was Burroughs in Gang gesetzt hat? Was Burroughs der Sprache "zugefügt" hat? Die Kunst war mit seinem Werk nie mehr die gleiche als zuvor. Und das sage ich, obwohl ich Burroughs Bücher noch nicht einmal sonderlich ab kann.

    Bei Ihrem Kommentar muss ich schon arg innehalten! Lesen Sie besser nicht Burroughs wenn Ihnen diese Form von Literatur so abgeht.WAS erwarten Sie eigentlich von einem Autoren mit diesem Hintergrund? Sie kritisieren die Essenz und den Ausgangspunkt von Burroughs Kunst und ignorieren dabei schlicht die Zusammenhänge von persönlicher und gesellschaftlicher Dissonanz zu seinem Selbstverständnis.
    Haben Sie jemals einen Gedanken daran verschwendet was Burroughs in Gang gesetzt hat? Was Burroughs der Sprache "zugefügt" hat? Die Kunst war mit seinem Werk nie mehr die gleiche als zuvor. Und das sage ich, obwohl ich Burroughs Bücher noch nicht einmal sonderlich ab kann.

  2. 2. Danke!

    Ein wichtiger Film über eine herausragende Persönlichkeit. Meinem Vorschreiber empfehle ich sich wenigstens mal in die basics des Burroughs& Ginsbergschen Schaffens einzulesen. Zweiterer war übrigens seit den frühen 70gern so gut wie drogenfrei und hat bis zu seinem Tod 1997 umfangreiche vielbeachtete literarische Werke produziert.

  3. Bei Ihrem Kommentar muss ich schon arg innehalten! Lesen Sie besser nicht Burroughs wenn Ihnen diese Form von Literatur so abgeht.WAS erwarten Sie eigentlich von einem Autoren mit diesem Hintergrund? Sie kritisieren die Essenz und den Ausgangspunkt von Burroughs Kunst und ignorieren dabei schlicht die Zusammenhänge von persönlicher und gesellschaftlicher Dissonanz zu seinem Selbstverständnis.
    Haben Sie jemals einen Gedanken daran verschwendet was Burroughs in Gang gesetzt hat? Was Burroughs der Sprache "zugefügt" hat? Die Kunst war mit seinem Werk nie mehr die gleiche als zuvor. Und das sage ich, obwohl ich Burroughs Bücher noch nicht einmal sonderlich ab kann.

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