Lady Gagas Kopfhaut brennt, wenn sie sich die Haare blondiert. Paris Hilton stolpert, wenn sie betrunken ist. Beyoncés Bauch wird rund, wenn sie ein Baby erwartet. Damit hätte wirklich niemand gerechnet, leben doch diese Show-Frauen so weit entrückt von aller Normalität, dass schon ihre Essensaufnahme medial begleitet werden muss.

Sie haben Körper und Geist diszipliniert, sich für jeden Auftritt schöne Kleider und nette Worte zurechtgelegt, lächeln, winken, lächeln, winken. Kunstvolle Exponate auf dem roten Teppich. Das Publikum freut sich an dem hübschen Theater, aber noch mehr an den Momenten, da sich das Menschliche Bahn bricht. Wir alle lieben es, wenn das Künstliche vom Natürlichen entblößt wird. Als kürzlich eine Dortmunder Raumpflegerin eine Installation von Martin Kippenberger wegwischte : große Erheiterung (außer bei den Erben des Künstlers)! Die reine, respektive reinigende, Vernunft obsiegte die Inszenierung.

Dasselbe Prinzip sichert dem Dschungelcamp alljährlich seine Einschaltquoten. Wobei hier das Fernsehpublikum solche Momente der Entzauberung sogar selbst ungestraft herbeiführen darf. Die Zuschauer entscheiden, welches der freiwilligen Exponate dem Realitätstest unterzogen wird. Keine Frage, zuallererst müssen die besonders kunstfertigen Exemplare untersucht werden: Wer im Verdacht steht, seine Gefühlsströme profitbringend zu kanalisieren oder seinen Körper abnormal zu modellieren, wird in die Dschungelprüfung gewählt. Silikon, Extensions, Botox, Kreisch und Zick begegnen ihren natürlichen Feinden Ekel, Angst, Hunger, Schmerz. Was bleibt, wenn die Würmer kommen? Bricht der Wille zur Selbstinszenierung wie die Plastikfingernägel?

Es ist die Rache der Natur an ihren Bezwingerinnen. Oder andersherum: der Widerspenstigen Zähmung mit den Mitteln des Waldes. Aber was wäre die Welt ohne Maskenspiel und Theater? Liegt die Künstlichkeit zitternd in ihrem Erbrochenen, kann sich das Publikum edelmütig erheben und in seiner neuen Rolle aufgehen: Wie herrlich, so ein Dschungelabend! , denkt sich das bürgerliche Exponat in seinem Fauteuil vor der Bücherwand.