China hat die USA als weltweit größter Markt für Kunst und Antiquitäten überholt. Damit werde die Jahrzehnte währende Vorrangstellung der Amerikaner beendet, heißt es in einer Studie zur Entwicklung des Weltkunstmarktes, die jedes Jahr von der Kunstmesse Tefaf in Maastricht in Auftrag gegeben wird. Chinas Anteil am globalen Kunstmarkt lag im Jahr 2010 bei 23 Prozent und wuchs 2011 auf 30 Prozent. Auf die USA entfallen noch 29 Prozent. Großbritannien war bereits 2010 von China überrundet worden, und kommt nun mit einem Anteil von 22 Prozent an dritter Stelle, während Frankreich mit 6 Prozent den vierten Rang belegt.

Die Kulturökonomin Clare McAndrews bezeichnete den rasanten Aufstieg Chinas auch auf diesem Gebiet "als eine der grundlegendsten und wichtigsten Veränderungen in den letzten 50 Jahren". Die Kunstwelt erlebe einen historischen Wendepunkt: Der boomende chinesische Auktionsmarkt sei der Hauptgrund für die Erholung des Weltkunstmarktes in den vergangenen beiden Jahren. Das hohe Niveau vor Beginn der Finanzkrise ist allerdings noch nicht wieder erreicht. Im Spitzenjahr 2007 wurden weltweit 48,1 Milliarden Euro umgesetzt. 2011 waren es 46,1 Milliarden Euro, ein Plus von sieben Prozent.

27 Millionen für eine Henry-Moore-Skulptur

Die Tefaf gilt als weltweit bedeutendste Messe für alte Kunst und Antiquitäten. Sie findet dieses Jahr zum 25. Mal statt. Im Kongresszentrum von Maastricht stellen 265 Kunst- und Antiquitätenhändler aus 19 Ländern aus. Zu den Höhepunkten gehört eine 600 Kilogramm schwere liegende Frauenskulptur von Henry Moore aus dem Jahr 1977, die 27 Millionen Euro kosten soll.

Dagegen ist das Van-Gogh-Gemälde "Kartoffeln erntende Frauen" mit drei Millionen Euro vergleichsweise preiswert. Außergewöhnlich sind auch eine 4.500 Jahre alte Holzstatue aus dem alten Ägypten , die verblüffend gut erhalten ist, und ein ungeschöntes Martin-Luther-Porträt von Lucas Cranach , möglicherweise ein Hochzeitsgeschenk für den Reformator. Die Messe dauert vom 16. bis 25. März. Allein für das erste Wochenende werden 30.000 Besucher erwartet.

Nach den Fälschungsskandalen der letzten Zeit kommt der Prüfung der etwa 30.000 ausgestellten Werke besondere Bedeutung zu. Nach Angaben der Veranstalter sind alle im Katalog abgebildeten Objekte vorab geprüft worden. In den zwei Tagen vor der Eröffnung würden die Stücke außerdem an Ort und Stelle von 175 ausgewählten Experten begutachtet. Von diesen sogenannten Juroren seien 90 Prozent unabhängig, also keine Aussteller.