LeistungsschutzCCC und Blogger weisen Vorwürfe der "Tatort"-Autoren zurück

Ein offener Brief, mit dem sich die Drehbuchautoren in die Leistungsschutzrecht-Debatte einschalteten, löst Kritik aus. Die Argumente seien unredlich.

Der Chaos Computer Club (CCC) hat einen offenen Brief von Drehbuchautoren des Tatort als unzeitgemäß zurückgewiesen. Die 51 Urheber hatten eine Stärkung der Kunstschaffenden und eine Korrektur der bisherigen politischen Stoßrichtung in der Urheberrechtsdiskussion gefordert. "Das von Euch als gottgegeben hingestellte sogenannte 'geistige Eigentum' ist bei näherem Hinsehen eine Chimäre jüngeren Datums", schreibt der CCC in seiner Replik auf den offenen Brief.

Die Organisation stellte dennoch klar: "Wir kämpfen eigentlich auf derselben Seite, aber Ihr merkt es nicht einmal." Gemeint sei damit, dass auch viele Programmierer, Hacker, Gestalter, Musiker, Autoren von Büchern und Artikeln mit ihren Werken selbst als Urheber im Internet aufträten. Der gemeinsame Gegner in der Diskussion sei folglich die Verwertungsindustrie oder "prädigitale Ignoranten mit Rechteverwertungsfetisch". Der CCC unterstützt mit der Kulturwertmark ein eigenes Vergütungsmodell für Kreative.

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Auf der Website Netzpolitik.org kommentiert Leonhard Dobusch, "das Pamphlet der Tatort-Autoren" bediene sich "einer unredlichen Argumentationsstrategie", die die Debatte nicht voranbringe. Es sollte vielmehr der Versuch unternommen werden, "berechtigte Kritik auch anzuerkennen. Wie das gehen könnte, zeigt die ebenfalls von Kulturschaffenden gestartete Initiative Copylike".

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Leserkommentare
  1. Worüber wird hier eigentlich diskutiert? Ich kann keine Videos bei youtube mehr ansehen, wenn im Hintergrund Musik läuft, die Sony für sich reklamiert. Das ist mir schon aufgefallen. Dabei interessiert mich die Hintergrundmusik gar nicht, ich möchte nur das Sportvideo sehen. Ich selbst bin Hobbymaler und male nach Fotos, meist eigenen. Aber es gibt auch Motive, die ich gern verwenden würde, die ich aber aus Urheberrechtlichen Gründen nicht verwenden darf. Bei flickr kann man die Auswahl der Fotos auf freigegebene Bilder einschränken (entweder komerziell verwendbar oder als bearbeitete Version), was ich sehr gut finde. Wenn ich in einem Künstleramateurforum mein Gemälde zeigen möchte, dann gebe ich den Fotografen namentlich an. Das finde ich ist eine sehr gute Lösung. Wenn ich ein Foto ins Internet stelle bei fotocommunity z.B., dann gebe ich dieses zu jeglicher Verwendung frei. Als ich das noch nicht gemacht habe, bekam ich von diversen Verlagen Anfragen, ob sie dieses Foto verwenden dürfen und welchen Betrag ich dafür in Rechnung stellen würde. Auch das fand ich ok. Wie wird denn hier so etwas bewertet? Mir liegt nichts daran, mit meinen bescheidenen Gemälden und Fotos Geld zu verdienen. Für so gut halte ich meine Werke nicht. Aber ich kann verstehen, wenn Künstler, die von Ihrer Kunst leben müssen, dafür Geld verlangen.

    • emmapi
    • 31. März 2012 1:31 Uhr

    "Da ist es vielleicht besser, wenn die öffentlich-rechtlich-staatsnahen Autoren sich mit unfundierten Äußerungen zurückhalten."

    beweist, daß Du wirklich keine Ahnung hast, wovon Du schreibst.

    • emmapi
    • 31. März 2012 1:52 Uhr

    "Das Aufblühen der deutschen Literatur zu Zeiten Goethes und Schillers, das Aufkommen des Landes der "Dichter und Denker" kam, weil es damals kein Urheberrecht in Deutschland gab (bzw. dieses vielmehr wegen der Kleinstaaterei nicht durchsetzbar war)."

    Das ist natürlich richtig: Urheberrecht als solches gab es nicht.
    Allerdings wurden die Künstler damals von den Herrschern bezahlt (die das Geld dafür sich vom Volk holten) und das gemeine Volk hatte nicht einmal die Möglichkeit den Kram dann zu sehen oder zu lesen. Gerade der von Ihnen erwähnte Goethe hat es sich ziemlich gut gehen lassen.

    Mal ganz davon abgesehen finde ich es ziemlich fragwürdig zu behaupten, daß das Fehlen des Urheberrechtes für die Kulturelle Entwicklung damals verantwortlich sei. Das ist sogar ziemlich grober Unfug.

    Sie sind Pol. Geschäftsführer Piraten BaWü? Ein weiterer Grund diese Partei nicht zu wählen.

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    • MLa
    • 31. März 2012 8:26 Uhr

    Leider habe ich im Moment den Originalartikel nicht zur Hand und kann deshalb nur hiermit dienen:
    http://www.spiegel.de/spi...

    Aber auch dort wird explizit gesagt, dass die Bücher sich über den Verkauf finanziert haben, nicht über ein Mäzenatentum. Das war ja gerade der große Vorteil der billigen Kopiermöglichkeiten.

    @RAKoenen:
    Es gibt durchaus Leute, die den Eigentumscharakter von Ideen in Frage stellen, da man Ideen nicht stehlen sondern nur kopieren kann. So weit möchte ich hier gar nicht gehen, und ich behaupte ja auch nicht, dass wir alle Schutzrechte abschaffen sollten. Im Gegenteil.
    Aber es kann keine Lösung sein immer mehr demokratische Grundprinzipien aufzugeben, nur damit ein Industriezweig sich nicht an veränderte gesellschaftliche Rahmenbedingungen anpassen muss.

    Wir haben Supermärkten auch nicht das Recht gegeben uns auf der Straße zu durchsuchen oder in unsere Wohnung einzubrechen um diese nach eventuell gestohlenen Artikeln zu durchsuchen. Doch im digitalen Raum ist dies gang und gäbe.

    Ich habe nur gesagt, dass ich, wenn ich mich entscheiden muss, eher für die Demokratie entscheide als für Urheberrechte. Und wenn ich eines verändern muss um das andere zu bewahren, dann ist die Entscheidung für mich leicht. Für das Grundgesetz übrigens auch.

    Über einen finanziellen Ausgleich würden wir ja gerne reden, nur wird das schwierig, wenn dem anderen eher am beibehalten des Status Quo gelegen ist.

  2. Ich finde es gut, daß man als neue Partei Diskussionen anschieben will, aber muss sollte den Boden der Realität nicht verlassen.
    Das Urheberrecht ist schon Ausfluß des Eigentums, das kann man jetzt auch nicht wegdiskutieren oder ignorieren.
    Kultur hat nicht zwingend mit Schutzrechten zu tun, nur viele Kulturschaffende sind ohne Schutzrechte rechtlos. Das betrifft nicht nur Kulturschaffende, sondern auch wirtschaftliche Interessen wie Patente, ect..
    Man kann hier nicht das Rad neu erfinden, noch kann man hier in Aussicht stellen, das Urheberrecht bzw. geistige Schutzrechte auf "Steinzeitniveau" herabzustufen.
    Ebenfalls keine Diskussionsgrundlage ist, dass man, weil man faktisch das illegale Kopieren nicht verhindern kann, deswegen ein Verbot gar nicht erst gesetzlich normieren sollte. Nach dieser Logik haben Strafgesetze u.a. gegen Diebstahl, Raub, ect. ja auch keinen Sinn.
    Freiheitsrechte korrespondieren immer mit den Rechten Dritter. Geistige Schutzrechte sind als Eigentum anerkannt, Inhalt und Schranken grds. durch das GG und Gesetze bestimmt, aber die Rechteinahber der Schutzrechte kann man nicht zum Wohle es Volkes generell enteignen.
    Aber nehmen wir das Beispiel DFL, ist es da sinnvoll, daß Lizenzen hier mit über 1 Mrd. EUR gehandelt werden?
    Das sorgt mit Sicherheit in den verschiedenen Bereichen wieder zu allgemeinen Preiserhöhungen, daran sind sowohl die Verwerter, als auch die Urheber grds. beteiligt.
    Da hilft keine Schnellschusslösung...

  3. Das Problem liegt an der Industrialisierung von "Kunst" und auch geisitgen Eigentum!

    Was eben dazu führt das die Gesellschaft in Kritiklosigkeit gegenüber allen kritikwürdigen Verhältnissen verdummt. Betrachtet man die Musikindustrie so ist es ja z.B. so: Es gibt unmengen an guter Musik, und Musikern, aber vermarktet von der Musikindustrie wird nur "Kunst" die keine revolutionären Emotionen auslösen wird. Insofern wäre das "freie" Internet die letzte Rettung, aber man schraubt ja stark an dessen Freiheit. Die verdienste der Musikindustrie die sich ja am stärksten von Raubkopien gebeutelt sieht, sind also sowieso von jeher unredlich da diese Industrie lediglich eine Kunst liefert, die keine ist und dabei wirkliche Kunst am Markt verhindert. Gesellschaftlich wäre die Vernichtung dieser Industrie in dem sie durch Raubkopien nicht mehr lukrativ gehalten würde, also nur von Vorteil.

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    Wer entscheidet denn, was wahre Kunst ist?
    Sie?
    Beim zerschlagen der Musikindustrie schadet man zu allererst den Musikern.
    Mit Raubkopien wird man das Problem der Machtbüdelung, welche es mittlerweile in jedem anderen Bereich heute gibt (was aber niemanden zu stören scheint...) ganz sicher nicht lösen. Das ist Heuchelei.

  4. konnte sich ueberhaupt nur deshalb als leicht bezahlbares Massenprodukt so schnell verbreiten, weil z.B. Edison in Europa kein (!) Patent auf seinen Kinematographen anmelden konnte (weil es bereits zu viele Vorstufen zu diesem Geraet gab, die anderswo entstanden waren, und das Verfahren deshalb sehr lange gedauert haette). Das ermoeglichte kostengeunstige Kopien und Weiterentwicklungen des Geraets.

    • MLa
    • 31. März 2012 8:26 Uhr

    Leider habe ich im Moment den Originalartikel nicht zur Hand und kann deshalb nur hiermit dienen:
    http://www.spiegel.de/spi...

    Aber auch dort wird explizit gesagt, dass die Bücher sich über den Verkauf finanziert haben, nicht über ein Mäzenatentum. Das war ja gerade der große Vorteil der billigen Kopiermöglichkeiten.

    @RAKoenen:
    Es gibt durchaus Leute, die den Eigentumscharakter von Ideen in Frage stellen, da man Ideen nicht stehlen sondern nur kopieren kann. So weit möchte ich hier gar nicht gehen, und ich behaupte ja auch nicht, dass wir alle Schutzrechte abschaffen sollten. Im Gegenteil.
    Aber es kann keine Lösung sein immer mehr demokratische Grundprinzipien aufzugeben, nur damit ein Industriezweig sich nicht an veränderte gesellschaftliche Rahmenbedingungen anpassen muss.

    Wir haben Supermärkten auch nicht das Recht gegeben uns auf der Straße zu durchsuchen oder in unsere Wohnung einzubrechen um diese nach eventuell gestohlenen Artikeln zu durchsuchen. Doch im digitalen Raum ist dies gang und gäbe.

    Ich habe nur gesagt, dass ich, wenn ich mich entscheiden muss, eher für die Demokratie entscheide als für Urheberrechte. Und wenn ich eines verändern muss um das andere zu bewahren, dann ist die Entscheidung für mich leicht. Für das Grundgesetz übrigens auch.

    Über einen finanziellen Ausgleich würden wir ja gerne reden, nur wird das schwierig, wenn dem anderen eher am beibehalten des Status Quo gelegen ist.

    Antwort auf "Dichter & Denker"
  5. Wenn ich die Kommentare hier lese, komme ich aus dem Kopfschütteln nicht mehr raus. Mit jedem Satz ist spürbar, dass keinerlei Ahnung darüber besteht, wie ein Alltag als freiberuflicher Künstler aussieht.
    Ok, schaffen wir sämtliche Patente ab! In der Wirtschaft, in der Kunst, in der Forschung.
    Glaubt Ihr im Ernst, das würde Heil bringen? So ein Quatsch!
    Erfindet doch mal selber etwas, woran Euer Herz hängt!
    Dann reden wir weiter. Aber diese Diskussion ist nur entstanden, weil die, die die Abschaffung von Urheberrechten fordern, wohl nie in diese Lage kommen werden.
    Neid, Missgunst und Egoismus. Das ist es, worum es hier wirklich geht.

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    Sie fragen wer schreibt hier eigentlich? Nun ich bin Softwareentwickler und ich "erfinde" täglich etwas woran mein Herz hängt.

    Im übrigen kann ich Ihnen absolut versichern, würde oder wäre jede Idee in der Softwareentwicklung patentrechtlich geschützt und als Ware vermarktet worden, ohne "open source" u.ä., dann hätten wir das Problem der Raubkopien nicht, aber nur weil es schlicht noch keine Technik gäbe die Raubkopien abspielen würde, die Technik wäre auf einen Stand den Sie 30 Jahre zurück datieren könnten.

    Sie fragen ob ich entscheide was Kunst ist? Nein die Vernunft! Wenn es aber für Sie Vernünftig wäre z.B. Dieter Bohlens Schöpfungen Kunst zu nennen, dann ....ja fehlen mir die Argumente. Aber um Bohlen geht es ja nicht! Es geht darum das einige wenige in der Industrie sagen "das ist Kunst, oder das schmeissen wir auf den Markt!" und damit die freie Auswahl verhindern, dadurch das sie den Markt beherschen. Wenn solche Giganten zersetzt werden ist das nur gut, ohne die geht es den Künstlern besser, jammern tun jetzt nur die wenigen deren Einkommen von denen gesichert ist.

    Das sich nun gerade Tatort Autoren beschweren ist sowieso komisch, deren Bücher werden wohl kaum kopiert werden. Die Sender zahlen für ein Exemplar. Das die sich nun melden, hört sich für mich so meinungsmanipulierend und heischend nach Einschränkung an, wie die Storys die sie auf Geheiss für ihre Sender schreiben.

    Uhrheberrecht: Lebenszeit + 70 Jahre, gratis

    Patent: 20 Jahre, wenn man Patentgebür bezahlt

    Ausnahme: 30 Jahre bei Pharmaprodukten, allerdings geht von der Patentierung an nochmal ca. 3 - 7 Jahre mit der Zulassung verlohren.

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  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte Autor | Brief | Chaos Computer Club | Debatte | Eigentum | Hacker
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