Prominente aus Deutschland machen sich für den Schutz des geistigen Eigentums stark. In einer Sonderveröffentlichung des Handelsblatts verteidigen Schriftsteller, Autoren, Filmemacher, aber auch Konzernlenker und Politiker in Kurzbeiträgen den Schutz geistigen Eigentums. Unter der Überschrift Mein Kopf gehört mir positionieren sich viele von ihnen gegen die Piratenpartei . Denn die stellt den Schutz geistigen Eigentums infrage , negiert erklärtermaßen sogar seine Existenz – macht sich aber im Gegenzug für alternative Vergütungsmodelle stark.

Die Veröffentlichung folgt auf die Wortmeldung von 51 Tatort- Autoren . In einem Offenen Brief an die Grünen , Linkspartei , Piratenpartei und Fachausschüsse des Bundestags hatten sie eine Korrektur der bisherigen politischen Stoßrichtung in der Urheberrechtsdiskussion verlangt.

Nun wehren sich im Handelsblatt Betroffene wie Maria Furtwängler , Franka Potente , Markus Lüpertz oder Jette Joop dagegen, dass eine gute Idee "zum Allgemeingut wird", weil sie um den Wert der Pionierarbeit von Forschern, Erfindern und Kreativen fürchten. "Diesem Enteignungsprogramm gehört widersprochen", leitet die Zeitung die Reihe der Prominentenzitate von "100 Dichtern, Tüftlern und Denkern" ein und ergänzt auf der Folgeseite: "Eine Gesellschaft, die ihre Kreativen vernachlässigt, beraubt sich ihrer Zukunft".

"Urheberrecht des Dichters"

Die Schriftstellerin Juli Zeh wirbt in ihrem Kurzbeitrag dafür, das Urheberrecht gemäß der technischen Entwicklung weiterzuentwickeln . Kulturschaffenden dürfe nicht die Existenzgrundlage entzogen werden, warnt sie. "Vielmehr muss es Ziel des Spiels sein, das Urheberrecht beziehungsweise die Regelung seiner Verwertung an die neuen technischen Bedingungen anzupassen." Sie hoffe, dass die Piraten dafür einen Interessenausgleich erarbeiten.

Dem schließt sich auch Arndt Haller, der Rechtsexperte von Google Nordeuropa, an. Das Urheberrecht sei das Recht des Dichters, schreibt er auf den mit einem Bild Goethes illustrierten Zeitungsseiten. Das müsse auch im Netz so bleiben. Das Urheberrecht solle aber "behutsam den Veränderungen der digitalen Welt angepasst werden".

Scharfe Kritik an der Piratenpartei kam von Justizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger ( FDP ), die innerhalb der Piraten gewisse Sympathien genießt. "Die Piraten blenden die wirtschaftlichen Wirkungsmechanismen des Netzes aus", lässt sich die Ministerin zitieren. "Sie verstehen das Internet der frühen Neunziger als Blaupause für das Urheberrecht im 21. Jahrhundert." Wer heute das Netz nutze, nutze auch Innovationen, die durch individuelle Kreativität zustande kamen, erläutert sie.

"Nichtdenker und Pseudoprogressive"

Der frühere Energiemanager Utz Claasen warnt, das von den Piraten vertretene freie Teilen von Wissen und Information lasse sich nicht verordnen. Dies müsse auf Freiwilligkeit, positiver Motivation und vernünftigen Anreizen beruhen", schrieb der frühere EnBW-Chef. Niemand könne eine Idee erzwingen "und schon gar nicht die Offenbarung einer Idee".

Mit Schärfe reagiert der Musikproduzent Leslie Mandoki auf die Programmatik der Piraten. Es gelte zu verhindern, dass die von ihnen propagierte "Freiheit im Netz" von "Nichtdenkern und Pseudoprogressiven zu einem neuen Freiheitsgrundrecht stilisiert wird". Er beklagt ein Missverhältnis, wenn die Betreiber von Internetplattformen Millionen an der Nutzung künstlerischer Werke verdienten, "während die eigentlich Kreativen leer ausgehen".

Das alte Elend

Ähnlich sieht es die Autorin Katrin Burseg, die zunächst bekennt: "Ich mag Piraten, wirklich!" Die von der Partei angestrebte Reform des Urheberrechts "bedroht jedoch meine berufliche Existenz", ihre schriftstellerische Arbeit sei dem Untergang geweiht. Deshalb gelte: "Mein Kopf gehört mir", ihre Gedanken aber teile sie gern.

Die Schriftstellerin Julia Franck meint, ohne die Wertschätzung geistiger Schöpferkraft und deren Schutz hätten sich die europäischen Kulturen nicht so entwickeln können. Wenn der Händler alles erhalte, der Erzeuger aber nichts, sei das "moderner Kolonialismus". Am kürzesten fasste sich die Schriftstellerin Brigitte Kronauer. "Es ist das alte Elend", seufzte sie. "Immer haben die Parteien, mit denen ich ansonsten sympathisiere, keine Ahnung von Kultur."