Streaming-PortaleBilliger als kaufen, besser als klauen
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Die Buch- und die Filmbranche stehen noch am Anfang

Dass die Wachstumsprognosen berechtigt und nach oben hin noch viel Luft ist, zeigt indes ein Blick auf den globalen Markt: Der amerikanische Online-Verleih Netflix , bei dem die Zuschauer Filme sowohl physisch ausleihen als auch per Stream anschauen können, kommt weltweit bereits auf rund 23 Millionen Abonnenten. Was Netflix weitgehend hinter sich hat, steht den deutschen Anbietern noch bevor: der Abschluss Dutzender Einzelverträge, die zum Aufbau eines legalen Sortiments nötig sind. Das Streaming-Angebot von Lovefilm etwa umfasst zurzeit erst 1.600 Filme und TV-Serien. Immerhin konnten gerade neue Kooperationen mit etlichen internationalen Sendern und Produktionsfirmen besiegelt werden, erklärt Unternehmenssprecherin Viktoria Wasilewski.

Mit ähnlichen Schwierigkeiten sieht sich auch die Buchbranche konfrontiert. Zwar gibt es mittlerweile mit dem schwedischen Litfy und dem spanischen 24symbols zwei europäische Start-Ups, die sich dem E-Book-Streaming verschrieben haben. Allerdings noch in einem frühen Stadium. Litfy hat zum Beispiel noch keine konkreten Kooperationen mit Verlagen abgeschlossen: "Zurzeit haben wir nur Bücher im Sortiment, deren Copyright ausgelaufen ist", sagt der Geschäftsführer Henrik Hussfelt. Überschaubare 3.000 englischsprachige Titel sind das bislang erst.

Nicht die Verlage sollen geschlafen haben

Einen Schritt weiter ist da der deutsche E-Book-Verleih Skoobe , der auf der diesjährigen Leipziger Buchmesse vorgestellt wurde. Aus 8.000 Titeln von insgesamt 70 Verlagen kann der Abonnent dort für 9,99 Euro im Monat auswählen. Allerdings bietet Skoobe keinen unbeschränkten Zugang zur Cloud; der Nutzer darf maximal fünf Bücher gleichzeitig ausleihen beziehungsweise herunterladen. Ob das ausreicht, den miserablen Ruf des deutschen E-Books (zu teuer, zu inkompatibel, zu kopiergeschützt) zu erschüttern, muss Skoobe erst noch beweisen. "Der Schlüssel liegt in einer attraktiven, nachfrageorientierten Produkt- und Preisgestaltung", sagt der Geschäftsführer Henning Peters.

Ähnlich sieht das auch Steffen Meier, Sprecher des Arbeitskreises Elektronisches Publizieren beim Börsenverein des deutschen Buchhandels. "Natürlich ist uns nicht entgangen, dass überall Abo-, Streaming- und All-you-can-eat-Modelle aus dem Boden schießen." Dass es trotzdem noch keine digitale Streaming-Bibliothek mit Millionen Buchtiteln gibt, läge aber keineswegs daran, dass die Verlage es mal wieder verschlafen haben. "Das wird uns ja gerne nachgesagt, ist aber Quatsch." Stattdessen weist Meier auf die strukturellen Unterschiede zwischen Buch- und Musikbranche hin. Dort nur ein Handvoll globaler Rechteinhaber, hier die mittelständische deutsche Verlagsszene, die sehr diversifiziert sei. "Für die Umsetzung einer Streaming-Plattform müsste man mit Hunderten Verlagen einzeln verhandeln. Das heißt aber nicht, dass es nicht möglich wäre."

Möglich vielleicht, aber auch ein gewinnversprechendes Modell für die letzten in der Verwertungskette – die Urheber? Einen finanziellen Kompromiss zu finden zwischen den Zugangs- und Flatrate-Wünschen der Kundschaft und den Preisvorstellungen der Rechteinhaber könnte sich in Bezug auf Bücher als ungleich schwieriger herausstellen. Denn selbst Bestseller werden nicht milliardenfach gestreamt, sondern bestenfalls ein paar Hunderttausend Mal gelesen.

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Leserkommentare
  1. Ja und wohl deshalb ist das Angebot hierzulande derartig jämmerlich.
    Seltsamerweise klappt es ja anderswo deutlich besser. Vielleicht könnte man mal erklären, warum wir da so hinterherhängen? Etwa zu viele Regularien, zu viele Gebührenberechtigte?

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    Solange wir noch GEZ und GEMA haben, welche schön die Hand aufhalten um ihre (Spitzen)Gehälter einzusacken und weiter Gelder in korrupten Löchern verschwinden lassen zu können, und eine Politik die völlig auf Lobbyinteressen beruht, solange werden wie hierzulande niemals vernünftige Angebote haben.

    Es ist schon sehr verwunderlich wieso z.B. Deutschland das einzige Land ist, wo die Verwertungsgesellschaft sich nicht mit google einigen kann, oder wieso ich dazu gezwungen werde für ein tv-Programm zu bezahlen, dass weder sonderlich bildend noch qualitativ wirklich hochwertig ist. Mal ganz abgesehen davon, dass ich es eh nicht in Anspruch nehme.

  2. Pavel Meyer hatte das wie folgt beschrieben: "Die Rolle des Konsumenten ist es, Eigentum durch Verbrauch oder Nutzung zu vernichten, um eigene Bedürfnisse zu befriedigen." In einer Zeit, in der alle paar Jahre die Medien wechseln und der Besitz quasi verfällt und wo man sowieso (gemäß AGB) nicht mehr besitzt, sondern nur noch in beschränktem Umfang verwenden darf, ist Streaming damit das von der Industrie (!) gewünschte Ziel. Die abgeschwächte Variante davon ist der "Besitz" von elektronischen Medien, entweder als dauerhafter Download, den man "besitzt" oder als kurzzeitiger Download, der sich nach einigen Tagen von selbst löscht - nach der Nutzung.

    Letztlich wird es dann so aussehen:

    - Musik, Filme und TV-Serien werden elektronisch verfügbar gestellt.
    - Sie können in dieser elektronischen Form für den dauerhaften "Besitz" gekauft, für die spontane Nutzung gestreamt oder für die kurzzeitige Nutzung geliehen werden.
    - Physikalische Medien für Liebhaber und den Gebrauchtmarkt.

    Ob ein Leihsystem in dieser Struktur überhaupt überleben kann oder durch Streaming ersetzt wird, wird sich zeigen.

    Interessant ist auch folgender Artikel: http://minimalmac.com/post/18189678921/tv-is-broken

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    Das ist der erste Schritt.

    Hernach kommt noch der zweite Schritt, der auch bereits angedacht und ausgetestet wird.

    Nicht nur wird dem Konsumenten (sprich: uns allen) die Möglichkeit des Eigentums an der Sache genommen, sondern es wird sogar noch versucht die Möglichkeit der Nutzung zu kontrollieren.

    Konkret bedeutet das folgendes: bei "realen" Gütern wie z.B. einem Staubsauger erwerben wir beim Kauf das Eigentum an der Sache. Wir können danach damit machen was wir wollen. Die Mitsprache des Herstellers ist nur aus Gründen des Verbraucherschutzes interessant, da Gewährleistungsansprüche bestehen.

    Der Punkt ist, dass wir die Freiheit haben, den Staubsauger nach unseren Wünschen einzusetzen. Innerhalb gesetzlicher Grenzen versteht sich.

    Bei digitalen Dingen wird bereits das Eigentum vorbehalten und uns nur eine Lizenz verkauft. Unsere Freiheit die Sache zu nutzen wird also bereits grundlegend eingeschränkt. Dennoch ist es allgemein akzeptiert weil es (bis jetzt) funktioniert.

    Der neueste Schritt sind allerdings Vorschriftssysteme wie DRM, mit denen uns der Hersteller detailliert vorschreiben kann, wie und wann wir die Medien nutzen können. Im konkreten Fall bedeutet dass, dass der Musikverlag sagen kann, dass wir das Lied nicht auf dem mp3-Player abspielen können.

    Der Punkt ist, dass wir nicht mehr die Freiheit haben, den Film zu sehen wann wie wollen, sondern dass es uns vom Lizenzgeber vorgeschrieben werden kann. Wieder innerhalb der Grenzen.

    Wollen wir das wirklich?

    • Nibbla
    • 26. April 2012 14:39 Uhr

    Jahren für nen Streamingdinst am Telefon (glaub ging von Telekom oder 1&1 aus).

    Meine Frage kann ich die Filme denn auf Englisch schauen?
    "Das weiss ich jetzt nicht."
    Wie ist den die Qualität der Filme (also Bitrate auflösung etc)?
    Antwort: "hmm. gut. gute Qualität"

    Vlt wirds und ich hab auch kein Problem bisschen was zu zahlen. Hab ja auch einen Bücherreiausweis, wo ich das Wissen der Welt fast umsonst kriege.
    Aber illigal werden die Bedürfnisse des Marktes schon seit Jahren gestillt und jetzt erst bewegt sich vlt was. vlt zu spät.

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    synchronisierten Film- und Serienbereich blickt, werde ich mich weiterhin in diesem WorldWideWeb auch weltweit umtun, zu finden, was ich suche.

    Deutschland ist meiner Ansicht nach eine Wüste, in der nicht viel medial blüht und das bisschen wollen sich diese Firmen noch zusätzlich zu den Pflichtabgaben bezahlen lassen?

    Tut mir leid, nicht mit mir.

    • oseose
    • 26. April 2012 14:47 Uhr

    Gerade im Musikmarkt zeigt sich, dass Streamingdienste zwar sehr bequem, für Kunden aber komplett überteuert und damit unattraktiv sind.

    Die Musikindustrie macht mit dem Verkauf an Endkunden aktuell einen jährlichen Umsatz von rund 1,5 Milliarden Euro. Selbst wenn man annimmt, dass nur rund die Hälfte der Bundesbürger überhaupt Musik kauft, entspricht das einem Jahresumsatz pro Kopf von nur 37,5 Euro. Ein ordentliches Streaming-Angebot kostet aber in aller Regel 10 Euro im Monat, also 120 Euro im Jahr.

    Fazit: Wer bisher vor allem Radio hört, fährt evtl. mit werbefinanzierten Streaming-Diensten gut. Wer sehr viel Musik kauft, und weiß, dass er/sie auch in Zukunft immer weiter Musik kaufen wird, kommt mit einem bezahlten Streaming-Dienst gut weg. Für die Masse der Konsumenten ist ein Streaming-Dienst aber schlicht zu teuer.

    Die Branche beschwert sich gerne, dass bei Streaming-Diensten pro Abruf zu wenig Geld rausspringt. Wenn man sich aber die bisherigen Konsumentenausgaben für Musik ausgibt, scheinen Streaming-Dienste vor allem ein Geschäft auf Kosten der Konsumenten zu sein.

    Übrigens: wenn Streaming-Dienste zunehmen, müssten eigentlich die GEMA-Abgaben auf Geräte (Festplatten, Handys etc) zurückgehen, da es ja immer weniger kopierbares Material gibt. Davon spricht die Musikindustrie leider nie.

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    kaufen werden mit streaming leider nicht glücklich werden, das sind in der Regel Leute die auf eine hohe wiedergabequalität wert legen und die oft auch sehr ausgefallene Sachen suchen.
    Ich selbst habe bei Spotify mal quer gecheckt was mich im letzten Jahr wirklich intersiert hatte war vielleicht gerade mal die Hälfte drunter, obwohl das Angebot sehr breit ist.

  3. Es wird ja viel schlimmes über den MegaBösewicht Kim Schmitz, äh, Kim Dotcom geschrieben. Aber er hat eines geschafft: Im Internet Geld verdient - etwas, von dem viele behaupten, dass das nicht geht.

    Leute sind ganz offensichtlich bereit gewesen für die miese Qualität, die es bei MegaUpload scheinbar gab, jeden Monat Geld auszugeben. Das Angebot war umfangreich, direkt verfügbar und die "Kunden" wurden nicht mit hochrestriktiven DRM Modellen und Kopierschutz-Trailern gegängelt.

    Mal ehrlich... ein MegaUpload Angebot mit vernünfiger Qualität? Nutzbar auf jedem Gerät meiner Wahl, nicht nur einem Internet Explorer Fenster mit DRM Plugins? Das würde ich mir einiges kosten lassen.

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    • Nibbla
    • 26. April 2012 14:52 Uhr

    ... das man kein Geld hätte zahlen müssen. Nach 90min musste man ne Pause machen, die man umgehen konnte in dem man Inet reconnected (zb Router ein ausschalten).

    Die Leute (genug jedenfalls) haben aus Bequemlichkeit trotzdem bezahlt.

    • Hickey
    • 17. Juli 2012 14:27 Uhr

    ist das die Hersteller sich ihrer Möglichkeiten durch egoistische Lizenzvergaben usw selbst ihr Geschäft kaputt machen.

    Solange nicht die Größten der Branchen zusammenarbeiten und sich gemeinsam ein Stück vom Kuchen holen, wird es weiterhin einen Erfolg von Schmitzen`s geben.

    Wie gesagt, das Problem ist erstmal das Angebot hinzubekommen, die Technik steht dem auch nicht im Wege, nur die Lizenzen machen Probleme.

  4. "Billiger als kaufen, besser als klauen"

    Gut erkannt :) - der Pulitzerpreis ist nicht mehr weit

  5. synchronisierten Film- und Serienbereich blickt, werde ich mich weiterhin in diesem WorldWideWeb auch weltweit umtun, zu finden, was ich suche.

    Deutschland ist meiner Ansicht nach eine Wüste, in der nicht viel medial blüht und das bisschen wollen sich diese Firmen noch zusätzlich zu den Pflichtabgaben bezahlen lassen?

    Tut mir leid, nicht mit mir.

  6. Solange wir noch GEZ und GEMA haben, welche schön die Hand aufhalten um ihre (Spitzen)Gehälter einzusacken und weiter Gelder in korrupten Löchern verschwinden lassen zu können, und eine Politik die völlig auf Lobbyinteressen beruht, solange werden wie hierzulande niemals vernünftige Angebote haben.

    Es ist schon sehr verwunderlich wieso z.B. Deutschland das einzige Land ist, wo die Verwertungsgesellschaft sich nicht mit google einigen kann, oder wieso ich dazu gezwungen werde für ein tv-Programm zu bezahlen, dass weder sonderlich bildend noch qualitativ wirklich hochwertig ist. Mal ganz abgesehen davon, dass ich es eh nicht in Anspruch nehme.

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    • cvnde
    • 28. April 2012 0:44 Uhr

    Die GEZ zieht nur die Gebühren ein die im Rundfunkstaatsvertrag stehen.

    Wie hoch oder neidrig oder für was die bezahlt werden ist der GEZ völlig egal.

    Sie ist nur Abrechnungstelle.
    Die GEZ setzt keine Gebühren fest und die "GEZ-Kontrolleure", sind für die Sender unterwegs, damit hat sie nichts zu tun.
    Das die Hanseln im Einzelfall bisschen "..." sind mag sein, aber das liegt auch an der miesen Bezahlung.

    Dasselbe Problem haben sie aber im ÖPNV auch oft, das sie Kontrolleure da nicht ganz "helle" sind oder zu den sinnlosten Zeiten kontrollieren.

    Mir ist es zweimal passiert, dass man während ordentlichem Schneefall und eisigen Minus-Graden zur "rush-hour" kontrollierte.
    Beim zweiten mal sogar von der selben person in zwei verschieden Bussen hintereinander.

    Aber trotzdem würde niemand den ÖPNV abschaffen wollen.

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