Miguel E. Riveros Silva © privat

Am Anfang haben sich Unternehmen und Künstler gefreut. Mit dem Internet eröffnete sich ihnen ein neuer Absatzmarkt, doch die Euphorie wurde schnell beendet, denn die Kopierer tauchten auf. Ohne Genehmigung vervielfältigten sie digitale Musik, Filme, Bücher und stellten sie kostenlos ins Netz. Bevor die Unternehmen und Künstler noch verstehen konnten, was geschah, brachen ihre Umsätze ein und waren Künstlerexistenzen zerstört.

Mit Verhaftungen, Sperrungen und Abmahnungen will man das Problem lösen, doch so leicht geht das nicht, denn das Problem ist nicht nur ein technisches oder rechtliches Problem, sondern auch ein moralisches. Viele Internetnutzer sehen nicht ein, dass man für digitale Medien Geld bezahlen muss. Viele Internetnutzer wissen nicht einmal, was legal und was illegal ist.

Die Gerichte müssen endlich klar definieren, was erlaubt ist und was nicht. Dabei ist der zugrundeliegende Gedanke einfach zu benennen: Wenn ein Unternehmen oder ein Künstler nicht möchte, das sein Werk oder Produkt ohne Erlaubnis kopiert und verteilt wird, sollte man das verstehen und respektieren. Das bedeutet, alle Dateien, die ohne Erlaubnis online gestellt werden, sind illegal. Das Kopieren, Verteilen, Verkaufen und Konsumieren dieser illegalen Dateien ist verboten und eine Straftat. Das gilt es nicht mehr zu diskutieren.

Diese Tatsache sollte man Kindern schon früh beibringen. Unternehmen und Regierungen müssen Aufklärungskampagnen starten. Hosting-Dienste müssen mehr Verantwortung übernehmen und mit allen technischen Hilfsmitteln das Vertreiben von illegalen Dateien verhindern. Dateien, die nicht oder kaum kopierbar sind, müssen entwickelt werden.

Computer könnten zusätzlich einen Aufkleber mit Warnhinweis zum Urheberschutz bekommen und einen Hinweis einblenden, wenn der Browser gestartet wird. Auf diesen Warnhinweisen steht ganz deutlich, dass Streaming und Downloaden von Werken ohne Genehmigung des Eigentümers strengstens verboten ist und im schlimmsten Fall mit Freiheitsentzug bestraft wird.

Seit einigen Jahren streitet sich die Gesellschaft für musikalische Aufführungs- und mechanische Vervielfältigungsrechte (Gema) mit dem Google-Tochterunternehmen YouTube um Urheberrechtsverletzungen, dazwischen melden sich oft Künstler und Musiklabels zu Wort. Manchmal für und manchmal gegen die Gema. YouTube will keinen Lizenzvertrag eingehen, denn sie sehen sich nicht als lizensierungspflichtig. Für eine Einigung in diesem Streitfall sieht es düster aus. Am 20.4.2012 gab es im Landgericht Hamburg ein erstes Urteil, dass aber noch nicht rechtskräftig ist.

Fakt ist, die Gema will mehr Geld und Kontrolle, während YouTube viel weniger oder gar nichts bezahlen will. YouTube hat genug Geld, um der Gema Gebühren zu bezahlen. Die Gema verdient auch ohne YouTube genug Geld, um sich auf einen langen Rechtsstreit zu konzentrieren. Einigen Plattenfirmen und Künstlern entgeht eine Menge Geld und deswegen verlangen sie eine schnelle Einigung. Falls sich die Gema durchsetzen kann, werden alle Plattenfirmen und Künstler davon profitieren. Sie werden viel mehr Geld verdienen und wenn das passiert, dann werden sie alle der Gema zujubeln. Die Internetnutzer werden dann in der Lage sein, die Musikvideos ihrer Lieblingskünstler ohne Probleme auf YouTube zu sehen.

Aber wie lange soll dieser Streit noch andauern? Die Gema hat sich mit zahlreichen anderen deutschen Musikdiensten im Internet einigen können und das sogar sehr schnell, aber YouTube scheint sich auf keine Einigung einlassen zu wollen.

Zum Glück gibt es Alternativen zu YouTube. Internetnutzer müssen nicht auf Musikvideos verzichten. Sie müssen nur woanders suchen. Eigentlich ist das schon die Lösung des Problems. YouTube ist nicht das Internet, sondern nur ein Teil des Internets, und das darf man niemals vergessen.