"Dieses Video ist in Deutschland leider nicht verfügbar." Youtubes Standard-Entschuldigung ist in den vergangenen Monaten zum Inbegriff einer heftigen Debatte geworden. Die Videoplattform blendet sie anstelle von Videos ein, die Musik enthalten, "für die die erforderlichen Rechte von der Gema nicht eingeräumt wurden". Diese Nicht-Verfügbarkeit von eigentlich vorhandenen Inhalten macht das komplexe Urheberrecht auf unbequeme Weise für die Konsumenten sichtbar – ein Thema, mit dem sich früher nur wenige Nutzer freiwillig auseinandersetzen wollten, wenn sie nach dem neuen Video von Kanye West suchten. Oder nach dem Partyfilm, den der Gastgeber vor dem Upload mit der Musik von Lady Gaga unterlegt hat.

Mittlerweile wird von vielen Protagonisten auf unterschiedlichen Kanälen über das Urheberrecht diskutiert, und "nicht verfügbar" ist zu einem Running-Gag geworden: "Diese Partei ist in deinem Bundesland nicht verfügbar", wurde nach der Saarland-Wahl über die FDP gespottet.

Die Frage, die Kulturschaffende schon länger umtreibt, ist trotz der Diskussion noch unbeantwortet: Wie sollen Künstler in einer Zeit entlohnt werden, in der es einfacher als je zuvor geworden ist, ihre Inhalte zu kopieren, zu verbreiten, zu bearbeiten, zu remixen? Und wie kann man das Urheberrecht aus der Vergangenheit in die digitale Gegenwart überführen?

Dank Piratenpartei ist Urheberrecht auf der politischen Agenda

Neben Youtube und Gema war es schließlich die Piratenpartei, die sich des Themas annahm und damit Wahlerfolge hatte, die manchen überraschten. Sie forderte, dass sämtliche Inhalte im Netz frei verfügbar sein sollten – uneingeschränkter Zugang zu Wissensinhalten für alle. Diese radikale Position brachte die lange verdrängten Problemstellungen endlich ins Bewusstsein der Masse und auf die politische Agenda.

Wie diese von allen angestrebte, zeitgemäße Reform des Urheberrechts konkret aussehen könnte, ist jedoch äußerst umstritten – und die Kontrahenten sind kaum zur Annäherung bereit. Begriffe wie "Verlegermafia" oder "Raubkopie" werden als verbale Rauchbomben eingesetzt. Eine Lösung für die Probleme, auch in Form eines Kompromisses, scheint nicht absehbar.

In einem Interview mit dem Bayrischen Rundfunk redete sich Ende März der Element of Crime-Sänger und Buchautor ( Herr Lehmann ) Sven Regener in Rage . Er kritisierte den fehlenden Respekt unserer Gesellschaft gegenüber Künstlern und griff Internetkonzerne wie Google , aber auch die Piratenpartei an. Manche Kulturschaffende, die den Piraten anfangs wohlwollend gegenüberstanden (frisch! links! liberal!), teilen nun Regeners Unverständnis. Einige auch seinen Zorn . Die Piraten und ihr Umfeld amüsierten sich dagegen via Twitter über den "Aufregener" und seine Brandrede.

Dabei wollen alle, dass Künstler Geld verdienen. Eine Möglichkeit, die immer wieder diskutiert, aber selten klar definiert wird, ist die Kulturflatrate . Das Geld der Nutzer, so die Theorie, solle den Künstlern zugute kommen und zwar direkt – also nicht den sogenannten Verwertern wie Plattenfirmen, Buchverlagen oder Filmstudios.

Wie viel Geld bekommen die Künstler?

Doch wer bekommt wie viel von dem Geld, das in Deutschland für Kulturgüter ausgegeben wird? Auf welchen Wegen kommt der Film zum Fan, Musik zum Hörer und wie haben sich diese Verbreitungswege durch die digitale Revolution verändert? Wie positionieren sich Blogger, Fotografen oder Plattformbetreiber, wenn es um eine Erneuerung des Urheberrechts geht? 

ZEIT ONLINE hat sich des Themas Urheberrecht bereits mehrfach angenommen . Wir glauben, dass der Ausgang der aktuellen Diskussion nicht nur die Zukunft der Kultur, sondern auch die eines offenen Internets beeinflussen wird. Deswegen begleiten wir die Debatte mit einem mehrwöchigen Schwerpunkt im Kultur-Ressort.

Durch die neuen technischen Möglichkeiten kann potenziell jeder, der bisher nur Konsument, Leser oder Musikfan war, auch zum Urheber oder Verwerter werden. Damit werden Informationen darüber, wer die Rechte an einem Foto besitzt, und ob das Urheberrecht an einem Musikstück 20 Jahre nach seiner Komposition oder 70 Jahre nach dem Tod des Urhebers endet, für alle relevant, die ein Blog, eine Facebook-Seite oder einen Pinterest-Account haben.