Künstler und Urheberrecht : Das Ringen um eine Reform

Das Urheberrecht muss reformiert werden. Wie schützt man sowohl Künstler als auch das offene Internet? Wir versuchen mit Gastautoren in einer Serie Antworten zu finden.
Acta-Gegner in Berlin © Adam Berry/Getty Images

"Dieses Video ist in Deutschland leider nicht verfügbar." Youtubes Standard-Entschuldigung ist in den vergangenen Monaten zum Inbegriff einer heftigen Debatte geworden. Die Videoplattform blendet sie anstelle von Videos ein, die Musik enthalten, "für die die erforderlichen Rechte von der Gema nicht eingeräumt wurden". Diese Nicht-Verfügbarkeit von eigentlich vorhandenen Inhalten macht das komplexe Urheberrecht auf unbequeme Weise für die Konsumenten sichtbar – ein Thema, mit dem sich früher nur wenige Nutzer freiwillig auseinandersetzen wollten, wenn sie nach dem neuen Video von Kanye West suchten. Oder nach dem Partyfilm, den der Gastgeber vor dem Upload mit der Musik von Lady Gaga unterlegt hat.

Mittlerweile wird von vielen Protagonisten auf unterschiedlichen Kanälen über das Urheberrecht diskutiert, und "nicht verfügbar" ist zu einem Running-Gag geworden: "Diese Partei ist in deinem Bundesland nicht verfügbar", wurde nach der Saarland-Wahl über die FDP gespottet.

Die Frage, die Kulturschaffende schon länger umtreibt, ist trotz der Diskussion noch unbeantwortet: Wie sollen Künstler in einer Zeit entlohnt werden, in der es einfacher als je zuvor geworden ist, ihre Inhalte zu kopieren, zu verbreiten, zu bearbeiten, zu remixen? Und wie kann man das Urheberrecht aus der Vergangenheit in die digitale Gegenwart überführen?

Dank Piratenpartei ist Urheberrecht auf der politischen Agenda

Neben Youtube und Gema war es schließlich die Piratenpartei, die sich des Themas annahm und damit Wahlerfolge hatte, die manchen überraschten. Sie forderte, dass sämtliche Inhalte im Netz frei verfügbar sein sollten – uneingeschränkter Zugang zu Wissensinhalten für alle. Diese radikale Position brachte die lange verdrängten Problemstellungen endlich ins Bewusstsein der Masse und auf die politische Agenda.

Wie diese von allen angestrebte, zeitgemäße Reform des Urheberrechts konkret aussehen könnte, ist jedoch äußerst umstritten – und die Kontrahenten sind kaum zur Annäherung bereit. Begriffe wie "Verlegermafia" oder "Raubkopie" werden als verbale Rauchbomben eingesetzt. Eine Lösung für die Probleme, auch in Form eines Kompromisses, scheint nicht absehbar.

In einem Interview mit dem Bayrischen Rundfunk redete sich Ende März der Element of Crime-Sänger und Buchautor ( Herr Lehmann ) Sven Regener in Rage . Er kritisierte den fehlenden Respekt unserer Gesellschaft gegenüber Künstlern und griff Internetkonzerne wie Google , aber auch die Piratenpartei an. Manche Kulturschaffende, die den Piraten anfangs wohlwollend gegenüberstanden (frisch! links! liberal!), teilen nun Regeners Unverständnis. Einige auch seinen Zorn . Die Piraten und ihr Umfeld amüsierten sich dagegen via Twitter über den "Aufregener" und seine Brandrede.

Dabei wollen alle, dass Künstler Geld verdienen. Eine Möglichkeit, die immer wieder diskutiert, aber selten klar definiert wird, ist die Kulturflatrate . Das Geld der Nutzer, so die Theorie, solle den Künstlern zugute kommen und zwar direkt – also nicht den sogenannten Verwertern wie Plattenfirmen, Buchverlagen oder Filmstudios.

Wie viel Geld bekommen die Künstler?

Doch wer bekommt wie viel von dem Geld, das in Deutschland für Kulturgüter ausgegeben wird? Auf welchen Wegen kommt der Film zum Fan, Musik zum Hörer und wie haben sich diese Verbreitungswege durch die digitale Revolution verändert? Wie positionieren sich Blogger, Fotografen oder Plattformbetreiber, wenn es um eine Erneuerung des Urheberrechts geht? 

ZEIT ONLINE hat sich des Themas Urheberrecht bereits mehrfach angenommen . Wir glauben, dass der Ausgang der aktuellen Diskussion nicht nur die Zukunft der Kultur, sondern auch die eines offenen Internets beeinflussen wird. Deswegen begleiten wir die Debatte mit einem mehrwöchigen Schwerpunkt im Kultur-Ressort.

Durch die neuen technischen Möglichkeiten kann potenziell jeder, der bisher nur Konsument, Leser oder Musikfan war, auch zum Urheber oder Verwerter werden. Damit werden Informationen darüber, wer die Rechte an einem Foto besitzt, und ob das Urheberrecht an einem Musikstück 20 Jahre nach seiner Komposition oder 70 Jahre nach dem Tod des Urhebers endet, für alle relevant, die ein Blog, eine Facebook-Seite oder einen Pinterest-Account haben.

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Kommentare

7 Kommentare Seite 1 von 2 Kommentieren

Ist es wirklich das Urheberrecht

welches einem deutlich veränderten Konsumverhalten angepasst werden müsste, oder liegt das Problem eher bei der GEMA, die als Monopolist auftritt. In den USA gibt es immerhin sowohl die ASCAP, als auch BMI die Urheberrechte wahrnehmen.
Ansonsten bleibt anzumerken, das Musikgeschäft war schon in der Zeit vor einer breiten Nutzung des Internets tief gespalten in solche die sehr üppig verdient haben und solche die es schon damals sehr schwer hatten, von der Musik auch zu leben.

Unerwünschte Nebenwirkungen des Urheberrechts alt

Davon ausgehend, dass jede/r Künstler/in mit ihrem/seinem Werk in Kontakt zur Gesellschaft treten möchte, andererseits für mich der gesellschaftliche Wunsch, sich der zeitgenössischer Kunst auszusetzen unterstützenswert, da für alle Beteiligten nützlich ist, fallen folgende unerwünschte Nebenwirkungen des geltenden Urheberrechts auf:

1) Für nichtkommerzielle Veranstalter ist eine Musikbegleitung bei Veranstaltungen mit hohem Aufwand (Recherchen, Meldungen,...) verbunden, sofern nicht die Schutzfrist für alle Stücke bereits abgelaufen ist. Das führt m. E. dazu, dass Musikproduzenten, die infolge eigenen Vermoderns nicht mehr in Kontakt mit den Lebenden treten können, auf unerträgliche Weise bevorzugt werden.

2) Da die Aufführung der Werke Toter nicht nur unkomplizierter zu organisieren sondern durch Wegfall der Tantiemen auch billiger ist, können in diesem Fall mehr Gelder in die Werbung und für "Interpreten" (besser: "Star"dirigenten und ihre Orchester) fließen. - Eine weitere Benachteiligung des lebendigen Austauschs zwischen zeitgenössischen Produzenten und der an ihnen interessierte Gesellschaft. - Auch die Auftrittsmöglichkeiten origineller Interpret/inn/en werden dadurch nicht gerade gefördert!

Bei einem - längst überfälligen! - Update des Urheberrechts sollte im Interesse der lebenden Kunstschaffenden und ihrer Freund/innen/e die Beseitigung dieses Übelstands keinesfalls vergessen werden! Ra

ja ja, die Gema ist nicht gerecht!! Aber...

ja ja, die Gema ist nicht gerecht!!

Die Großen werden ohne Frage bevorzugt. Die Verteilungsschlüssel sind eine Katastrophe! Beispiel: Künstler, die viel in Internetradios gespielt werden, aber nicht auf den Öffentlich-Rechtlichen, werden unglaublich benachteiligt! Aber das ist natürlich kein Grund, denen dann auch bei Youtube nichts von den Millardeneinnahmen zu geben, oder den illegalen Download weiter so laufen zu lassen.

Im Augenblick führt diese Missachtung der Rechte von Künstlern dazu, dass der Mittelstand der Künstler, Toningineure, Studios, Labels komplett wegbricht (sprecht bitte nicht immer von der Musikindustrie, denn das ist nur ein Mittel sich auf keinen Fall mit einzelnen Personen zu identifizieren und so das Gewissen rein zu halten!!!).

Und was bleibt dann über in der musikalischen Landschaft? Die ganz großen gerne aus den USA oder UK eingeschleppten Künstler und die Castingwesen aus Deutschland, jeweils für 2,5 Stunden in den Charts mit dem Besten aus den 70ern, 80ern und 0815ern. Okay, ein paar Ausnahmen gibt es. Jan Delay, Udo Lindenberg (der ja vor kurzem noch von Sony gedroppt wurde). Aber dies ist keine gesunde Musiklandschaft mehr.

Es reicht auch nicht aus, dass die Gema den toten Künstlern (Herr oder Frau Stadtbücherei) nichts mehr auszahlt. Es bleibt bei dem Vorwurf. Die Gesellschaft nutzt soviel Musik wie noch niemals zuvor und viele Menschen wollen die Komponisten und! Interpreten nicht mehr dafür bezahlen. Das bleibt nicht ohne Folgen!!!

Baustelle Urheberrecht

Sven Regener hat Recht, wenn er sauer auf youtube ist, weil dort Geld mit anderer Leute Arbeit verdient wird, ohne etwas abgeben zu wollen. Das Problem sind weder Konsumenten, noch Künstler, es sind Datenkraken wie google/youtube, Lizenzhändler und Abmahnindustrie.

Ein Buch kann ich kaufen, verleihen, weitergeben, weiterverkaufen. Ich kann Radio/TV Aufnahmen machen, die an Freunde geben, wieder ansehen, habe ja GEZ bezahlt.

Kaufe ich ein e-book, das viel weniger an Produktions- und Verteilungskosten als ein Buch verursacht, für nahezu den selben Preis wie ein Buch, kann ich es nicht verleihen, weitergeben, verschenken, vererben, Secondhand verkaufen.

Wer steckt die Differenz ein (Autor?) Wenn ich eine Lizenz für das Buch gekauft habe, sollte ich diese wie Gebrauchtautos, -Kleider etc. weitergeben können. Letztendlich ist es genau diese versteckte Preismultiplizierung, die man als Konsument nicht einsieht.

Und wenn ich eine Lizenz gekauft habe, müsste ich mir, falls das Medium (DVD, MP3) kaputt gegangen ist, das Produkt eigentlich wieder herunterladen können. Habe ja die Lizenz gekauft.

Ich darf sie nicht kommerziell verwerten. Will ich auch nicht.