Das Festival von Cannes feiert in diesem Jahr seinen 65. Geburtstag mit einem Plakat, auf dem Marilyn Monroe eine Geburtstagstortenkerze aushaucht. Es ist kein wirklich rundes Jubiläum, aber offensichtlich will man sich hier noch einmal seiner Geschichte vergewissern, bevor man nach vorne schaut, was die Zukunft dem Kino wohl bringen wird.

Der Eröffnungsfilm für diese Festspiele, Moonrise Kingdom von dem immer noch jungen Regisseur Wes Anderson , gibt darauf eine interessante erste Antwort.

Jedes einzelne von Andersons Bildern zeugt von dem Aufwand, den er betrieben hat, um es in diesem Aufbau, in diesen Farben und mit diesen Gesten zu filmen. Wir sehen schwarze Silhouetten wie Scherenschnitte vor einem blauen Nachthimmel, einen Giebel, der das Bild mit perfekten Diagonalen in zwei Farbflächen zerschneidet und ein Loch in einer Zeltwand, das ein Zwölfjähriger hineingeschnitten hat, um abzuhauen und das exakt kreisrund ist.

Die Künstlichkeit des Filmens zeigt authentische Gefühle

Es scheint, als schere sich dieser Regisseur keinen Deut um Authentizität, jenem Ideal zahlreicher Filmemacher. Er weiß, dass sie immer nur eine Wunschvorstellung sein kann, denn sobald man dreht und sich mit der Kamera für einen Blickwinkel entschieden hat, ist es sowieso vorbei damit. Also inszeniert Wes Anderson die Künstlichkeit des Filmens. Seine Kunst besteht darin, dass er es schafft, auf diese Art authentische Gefühle abzubilden.

Diesmal sind es die zweier Zwölfjähriger, die sich ineinander verliebt haben und nun – in Amerika im Jahr 1965 – gemeinsam davon machen. "Was mit ihnen in dieser ersten Liebe geschieht, ist viel größer als sie selbst", sagte Wes Anderson, nachdem er seinen Film in Cannes vorgestellt hat. Und mit einem leichten Stottern fügte er hinzu, dass er sich wünschte, das selbst so erlebt zu haben.

Die unbedingte Liebe der Zwölfjährigen

Hat er aber nicht. Stattdessen fand er damals auf dem Kühlschrank seiner Eltern das Buch Schwierige Kinder fordern uns heraus . "Mir war sofort klar, dass sie das nicht wegen meiner Brüder lasen", erinnert sich Anderson. Und wie er dabei schaut, mit seinen hellen Augen, der sehr blassen Haut, die rasch rote Flecken bekommt, ahnt man, dass ihn das sehr getroffen haben muss.

Die Szene hat Anderson in Moonrise Kingdom verarbeitet. Hier ist es Suzy, das flüchtige Mädchen, das so ein Buch bei ihren Eltern gefunden hat. Sie zeigt es ihrem neuen – und einzigen – Freund Sam. Doch dieser Vertrauensbeweis geht erst mal schief. Sam lacht. Doch wo die Liebe noch so unbedingt ist wie bei diesen beiden, fällt das Entschuldigen und Verzeihen leicht.