Acht Websites sind in diesem Jahr mit dem Grimme Online Award ausgezeichnet worden. In der Kategorie Information prämierte die Jury zwei Angebote, die sich aktuellen Themen zuwenden. Das MiGAZIN widme sich den Fragen von Migration und Integration "mit qualitativ hochwertigen Texten und verständlicher Berichterstattung", urteilte die Jury. Die vorwiegend aus Migranten bestehende Redaktion schaffe mit ihren Sichtweisen neue Einblicke in ein emotionales Thema. Das Weblog Zukunft Mobilität wird als überzeugende Einzelleistung und gelungenes Beispiel für eine aktuelle und kritische Beschäftigung mit Verkehrsthemen ausgezeichnet.

In der Kategorie Wissen und Bildung gab es drei Preise. Mit dem Arte-Angebot Amazonien – die Seele der Indios würdigte die Jury ein Web-Special, das sich in Videos und Texten dem bedrohten Amazonasgebiet widmet. Bei der ausgezeichneten Website Lobbypedia wird hervorgehoben, dass über die Aufbereitung öffentlich zugänglicher Informationen die Verknüpfungen zwischen Politik und Wirtschaft transparent gemacht würden. So werde, basierend auf dem Netzwerkgedanken, "eine sorgfältige Zusammenstellung des Lobbyismus in Deutschland" präsentiert. Der YouTube-Kanal MusikTraining überzeugte die Jury durch die Aufbereitung vielfältiger Themen, mit denen Musikkenntnisse vermittelt werden. Die Kombination aus Fachwissen und journalistischen Anteilen sei "perfekt gemischt – ohne es dabei an Unterhaltung mangeln zu lassen."

In der Kategorie Kultur und Unterhaltung prämierte die Jury zwei Angebote, die den Menschen in den Mittelpunkt stellen. 140 Sekunden porträtiert in kurzen Videos Menschen, die hinter erfolgreichen und originellen Twitter-Accounts stehen. Die Videos verliehen diesen Tweets ein persönliches Gesicht und verdeutlichten in aller Kürze die Leidenschaft der dahinter stehenden Personen. Als überragend bezeichnet die Jury die Gestaltung der Website berlinfolgen von 2470media und taz.de . Bei diesen Porträts von Menschen aus Berlin entstehe durch die Kombination aus erstklassiger Reportagefotografie, O-Tönen und kurzen Filmsequenzen ein außergewöhnliches Mediengenre.

In der Kategorie Spezial wurde das Tonspuren-Projekt Memory Loops ausgezeichnet. Hier verortet die Künstlerin Michaela Melián neu gesprochene Tondokumente aus der Zeit des Nationalsozialismus im Stadtraum von München . In ausgereifter Form entstehe eine intensive Verbindung von medialer Aufbereitung und unmittelbarer Erfahrung. 

Der Publikumspreis geht in diesem Jahr an die Tagesschau-App . Unter Beibehaltung hoher inhaltlicher wie technischer Qualität spreche die Anwendung auch andere Zielgruppen an als das klassische Fernseh- und Internetangebot, hieß es in der Nominierung.

Der Direktor des Grimme-Instituts, Uwe Kammann, hob während der Preisverleihung in Köln die hohe Qualität des Wettbewerbs hervor. Sie belege eindrucksvoll die publizistischen Potenziale des Netzes. Auch die Jury lobt die Qualität und Vielfalt des Angebots: "Themen werden im Internet einmal mehr anders erzählt, anders präsentiert, die Leserschaft wird anders beteiligt." Dabei kristallisiere sich "eine neue Strömung heraus, die verstärkt einen Protagonisten in den Mittelpunkt stellt: den Menschen".

Aus etwa 1.900 Bewerbungen wurden vorab 26 Webangebote nominiert. Erstmalig konnten in diesem Jahr auch Apps eingereicht werden. Seit 2001 zeichnet das Grimme-Institut mit dem Grimme Online Award hochwertige Websites aus. Maximal acht Preise werden in vier Kategorien vergeben.

Preisträger der LeadAwards 2012 ausgezeichnet

Parallel zur Verleihung des Grimme Online Awards wurde der Medienpreis LeadAward in Hamburg vergeben, mit dem erstmals auch Zeitungen ausgezeichnet wurden. Als "Zeitung des Jahres" gewann die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung , vor der Zeit und der taz.

Als Leadmagazin des Jahres wurde die Opernzeitschrift Max Joseph der Bayerischen Staatsoper ausgewählt. Sie überzeugte die Jury, weil ein "eher elitäres und als verstaubt angesehenes Thema unglaublich frisch, zeitgemäß und für jedermann zugänglich umgesetzt wird". Auf den nachfolgenden Plätzen landeten das SZ-Magazin , bei dem die Juroren einen qualitativen Aufwärtstrend feststellten, und das Gratismagazin Vice .

Als Newcomer im Printmarkt überzeugte das verlagsunabhängige Reise- und Wohnmagazin The Weekender . Als herausragendes Foto wählte die Jury das Bild von Pete Souza im Nachrichtenmagazin Der Spiegel aus: "Im Angesicht des Feindes; Der Krisenstab im Weißen Haus während der Erschießung von Osama Bin Laden". Als bestes Webmagazin gefiel Design Made in Germany .

Die LeadAwards 2012 wurden in 16 Kategorien vergeben. 21 Publikationen waren für die Auszeichnung für Magazine, Online-Angebote sowie Werbung nominiert, so viele wie nie zuvor.