Wagner-FestspieleJonathan Meese führt Regie in Bayreuth

Kurz vor der Eröffnung der diesjährigen Wagner-Festspiele gibt die Leitung die Pläne für 2016 bekannt. Und weist Kritik an ihrer Vergangenheitsbewältigung zurück.

Der viel diskutierte Künstler Jonathan Meese soll 2016 in Bayreuth die Oper Parsifal inszenieren. Die Festspielleiterinnen Katharina Wagner und Eva Wagner-Pasquier verkündeten die überraschende Personalie kurz vor dem Beginn der diesjährigen Richard-Wagner-Festspiele. Meese hat bislang noch keine große eigene Regiearbeit im Fach Oper geliefert. Man sei überzeugt von ihm, sagten die Festspielchefinnen.

Gleichzeitig wiesen die Wagner-Schwestern Kritik an angeblichen Versäumnissen bei der Vergangenheitsbewältigung der Festspiele zurück. "Historiker sind dabei, das aufzuarbeiten", sagte Katharina Wagner. Sie und ihre Halbschwester Eva Wagner-Pasquier hätten dafür alle ihnen zugänglichen Unterlagen zur Verfügung gestellt.

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Der Münchner Staatsopernintendant Nikolaus Bachler hatte nach der erzwungenen Absage des Bassbaritons Evgeny Nikitin wegen dessen Tattoos mit Nazi-Symbolen die Wagner-Familie angegriffen. "Wir sind erstaunt, dass das so pauschal kam", sagte Katharina Wagner. Auch andere Familienmitglieder wie etwa Cousine Nike Wagner seien in diesen Fragen sehr engagiert. Andere Familienstämme seien dagegen zurückhaltender. Hier habe sie aber keinen Einfluss, sagte die Festspielchefin.

Bachler hatte den Festspielchefinnen vorgeworfen, sie zeigten mit dem Finger auf jemanden anderen, "weil man mit der eigenen Geschichte ein Problem hat". Er spielte damit auf den Umgang der Familie Wagner mit der nationalsozialistischen Vergangenheit der Bayreuther Festspiele an.

Nikitin sollte an diesem Mittwoch die Titelpartie im Fliegenden Holländer singen, war vor wenigen Tagen aber abgereist, nachdem bekanntgeworden war, dass er sich einst Tattoos mit Nazi-Symbolik hatte stechen lassen. An Nikitins Stelle war am Abend Samuel Youn als Holländer vorgesehen.

Meese als Enfant terrible der Kunstszene

Jonathan Meese gilt als eine der provokantesten Figuren der gegenwärtigen Kunstszene. Er ist vor allem für seine Installationen und Gemälde bekannt. Meese wurde 1970 in Tokio geboren, die Mutter stammte aus Deutschland, der Vater aus Großbritannien. Auf der Berlin Biennale wurde er mit der Installation Ahoi de Angst schlagartig einem breiten Publikum bekannt, später folgten Ausstellungen wie Erzstaat Atlantisis oder Fleisch ist härter als Stahl. Sich selbst nennt der 42-Jährige mitunter eine "Ameise der Kunst". Erst Anfang Juni hatte er in Kassel Aufmerksamkeit mit einem umstrittenen Auftritt an der Uni erregt. "Der schlimmste Feind der Kunst ist die Demokratie", hatte Meese damals in einer öffentlichen Gesprächsrunde erklärt.

Richard Wagners Spätwerk Parsifal in der Hand ungewöhnlicher Künstler – nicht das erste Mal wagt sich Bayreuth an diese Konstellation. 2004 holte der damalige Festspielleiter Wolfgang Wagner den Regisseur und Aktionskünstler Christoph Schlingensief auf den Grünen Hügel, um die Oper zu inszenieren. Schlingensiefs Produktion spaltete das Publikum. Dann folgte wieder ein erfahrener Opernregisseur für den Parsifal, der 1882 in Bayreuth uraufgeführt worden war: Der Norweger Stefan Herheim inszenierte erstmals 2008 das mehrstündige Werk. In diesem Jahr wird seine Produktion zum letzten Mal in Bayreuth zu sehen sein.

Die Titelpartie im neuen Parsifal soll in vier Jahren Tenor Klaus Florian Vogt singen. Er bleibt den Bayreuther Festspielen damit eng verbunden. Vogt singt in diesem Jahr den Schwanenritter in Lohengrin wieder an der Seite von Annette Dasch als Elsa. Zusammen bildeten sie schon im Vorjahr ein Bühnenpaar in Bayreuth.

Bereits in wenigen Tagen beginnen erste Proben zur Ring-Produktion 2013 unter der Regie von Frank Castorf. Seine Inszenierung der Tetralogie Der Ring des Nibelungen bildet den Höhepunkt des kommenden Jahres, wenn Richard Wagners 200. Geburtstag gefeiert wird. Im Jahr darauf steht traditionell keine Neuproduktion auf dem Spielplan. 2015 folgt dann Tristan und Isolde, Regie wird Katharina Wagner selbst führen.

 
Leserkommentare
  1. na jetzt wirds unlogisch....

    dachte ich beim vergraulten evgeny nikitin noch die schwestern wären in einem dilemma gewesen, hätte man an dem sänger festgehalten wären ebenfalls stimmen laut geworden, so überrascht, mich auf jeden fall, dieser schritt dann doch.

    konsequente (über)sensibilität kann also nicht für den quasi rausschmiss des sängers herhalten sonst hätte man meese und dessen "provokationen" nicht engagieren können.
    http://de.wikipedia.org/w...

    also war der rauswurf des sängers doch nur theater und die möglichkeit im gespräch zu bleiben?

    Eine Leserempfehlung
  2. 2. [...]

    Entfernt. Bitte beteiligen Sie sich sachlich. Danke, die Redaktion/lv

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    Thumbs up for Mr. Meese! Thanx

    Thumbs up for Mr. Meese! Thanx

  3. Thumbs up for Mr. Meese! Thanx

    Antwort auf "[...]"
  4. 4. Meese

    Meese ist einer der größten Scharlatane der modernen "Kunst". Ich bin gespannt wie das in Bayreuth klappt.

    2 Leserempfehlungen
  5. ..er wird nur nicht von allen verstanden. Und wenn er behauptet, dass der schlimmste Feind der Kunst die Demokratie ist, hat er Recht. Denn Kunst ist stets ein individueller Ausdruck im eigenen Schaffen und auch nur in diesem Konsens zu verstehen, bei Meese besonders die gewollte - und natuerlich provokante - Aufzeigung gesellschaftlicher Tabus, die gerade deshalb weil sie tabu sind nicht reflektiert werden und somit in unserer Gesellschaft weiterleben koennen, sowie die Infragestellung des Richtigen an sich. Das ist der notwendige Schritt, zum Verstaendnis einer sich entwickelnden Gesellschaft.

    Scharlatane finden sie in Berlin, im Bundestag zu Genuege, eine Ausnahme, mit Verlaub: Frau Sahra Wagenknecht-Niemeyer

    • eeee
    • 26.07.2012 um 6:15 Uhr

    ist er allemal, es kann wenigstens lustig werden.

  6. über den Zustand des heutigen Kunstbetriebes aus, dass ein Ruf als "Enfant terrible" und Provokateur reicht, damit jemandem künstlerische Kompetenz zugetraut wird. Je wirrer die Aussagen und die Selbstpräsentation solcher Künstler, desto mehr Intellekt wird dahinter vermutet.

    Man kann nur hoffen, dass das Ganze als Parodie auf den Geniekult des 19. Jahrhunderts gedacht ist. Ernst nehmen kann man es jedenfalls nicht.

    2 Leserempfehlungen
  7. 8. [...]

    Entfernt. Bitte verzichten Sie auf unsachliche Polemik. Danke. Die Redaktion/kvk

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