UrheberrechtWann ist geistiges Eigentum gerecht?

Philosophische Phantomdebatten heizen den Streit übers Urheberrecht an. Dabei sind die schwierigen Fragen nicht ethischer, sondern empirischer Natur. von Yascha Mounk

Je hitziger die Debatte ums geistige Eigentum wird, desto mehr dreht sie sich um grundsätzliche Fragen. Gegner wie Befürworter eines scharfen Urheberrechts hantieren mittlerweile mit philosophischen oder zumindest pseudophilosophischen Argumenten. Ihre Unterschiede erklären sie zu einer Frage der hehren Prinzipien. Tatsächlich aber entstammen viele ihrer angeblich so grundsätzlichen Meinungsverschiedenheiten aus schlichten Missverständnissen.

Mehr und mehr Künstler haben den Staat in den letzten Monaten dazu aufgefordert, das Urheberrecht auch im Internet schärfer durchzusetzen. Dabei beriefen sich viele von ihnen, mal ausdrücklich und mal implizit, auf ihr vermeintlich moralisches Anrecht auf die Früchte ihrer Arbeit. So wie die Polizei dafür sorgt, dass dem Bauer sein Getreide nicht weggenommen wird, so stünde sie auch in der Pflicht, gegen etwaige Raubkopierer vorzugehen.

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Die Gegner des Urheberrechts erwidern daraufhin zumeist, dass es einen großen Unterschied zwischen wirklichem Diebstahl und dem bloßen Kopieren von Dateien gäbe. Wirklicher Diebstahl bestehe in der Entwendung eines physischen Gegenstandes: Nehme ich jemandem einen Laib Brot weg, so hat dieser nichts mehr zu essen. Verletzungen des geistigen Eigentums seien damit nicht zu vergleichen: Kopiere ich eine Datei, so hat der Urheber noch immer das Original auf der Festplatte. Sogenannte Raubkopierer dürfe man deshalb auch nicht wie gemeine Diebe behandeln.

Beide Argumente klingen zunächst plausibel. Doch beide fußen letztlich auf derselben, falsch verstandenen Begründung des Privateigentums.

Für Philosophen von John Locke bis Robert Nozick beruht das Privateigentum auf Naturrecht. Laut ihnen sind wir Eigner unserer selbst. Wenn wir unter Einsatz unserer körperlichen Arbeit Getreide herstellen, so verwandeln wir dieses ebenfalls in unser Eigentum. Schon im Naturzustand, bevor es überhaupt einen Staat gibt, können wir also weitreichende Rechte über unsere Erzeugnisse erwerben. Die Hauptaufgabe eines gerechten Staates ist es, solche Eigentumsrechte gegen etwaige Diebe zu verteidigen.

Diese Auffassung erklärt, warum viele Künstler ein moralisches Anrecht auf die Früchte ihrer Arbeit zu haben glauben: Da sie Eigner ihrer selbst seien, dürften sie mit ihren geistigen Erzeugnissen umgehen, wie sie wollen. Doch es wird auch klar, warum Gegner des Urheberrechts betonen, dass sich das Kopieren einer Datei nicht mit dem Stehlen eines Laibs Brot vergleichen lasse. Denn der Bauer in Lockes Naturzustand hat nur Rechte über seine physischen Erzeugnisse: Sein Nachbar darf seine Anbaumethode jederzeit nachahmen. Das heutige Urheberrecht überträgt Künstlern dagegen weitreichende Kontrollrechte über die gesellschaftliche Nutzung ihrer Werke.

Das Problem liegt darin, dass moderne Philosophen wie John Rawls diese gesamte Denktradition zu Recht verworfen haben. Sie folgen Thomas Hobbes in der Annahme, dass eine vorpolitische Begründung des Eigentumsrechts ungenügend sei. Laut dieser Sichtweise ist das Privateigentum nicht eine natürliche, sondern eine zutiefst politische Institution. Eigentumsrechte werden durch die kollektive Staatsgewalt definiert und durchgesetzt. Wir Bürger sind dazu gezwungen, am resultierenden System teilzuhaben. Deshalb können Eigentumsrechte nur legitim sein, solange ihre spezifische Ausgestaltung im Einklang mit gerechten Grundsätzen steht. Rawls selber wollte das Privateigentum deshalb so gestalten, dass es dem "fairen Zusammenleben zwischen freien und gleichwertigen Bürgern" dient.

Leserkommentare
  1. In aller Kürze,

    wenn ich ein Patent auf einen Buchstaben anmelde, sagt man , das ist Allgemeingut

    Was ist denn nicht ALLGEMEIN-GUT?

    Also definieren mit Recht und Sitte kann ich bis zum Sonnenuntergang und es ist keine essentielle Legitimität dieser Definition möglich.
    Jeder kann sich aussuchen, wie er etwas definieren will.

    Solange die Reichen und Mächtigen definieren, werden wir einfach deren Macht nicht brechen können. Naja, vielleicht durch Proteste. Man muss laut werden!

    Dann kriegen die Angst.
    Sonst würden die alles kaputt machen, was das Leben erst lebenswert macht.

    Was das Urheberrecht angeht, sollte man die wahre Problematik erkennen: EXISTENZNOT.

    Wenn die Künstler und alle Menschen ihre Existenznot nicht mehr hätten, wäre das Thema längst erledigt.

    Diese Gesellschaft lässt sich versklaven und wählt alle vier Jahre ihr eigenes Unglück. Hypnotisiert von allerlei Ängsten, die die Mächtigen uns einreden, und Status Quo Geflüster, es könne etwas nur so sein wie es ist.

    Das ist alles so ätzend, dass ich manchmal mich frage, ob ich verrückt bin, die Dinge anders zu sehen, oder ob die anderen verrückt sind, die Dinge anders zu sehen!

    9 Leserempfehlungen
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    du lebst nur in einer verrückten Welt.

    Entfernt, da unsachlich. Die Redaktion/mk

  2. schreien bloss ihr Halbwissen gepaart mit populistischen Schalgworten.

    Letztendlich muss das aktuelle, gute deutsche Urheberrecht bloss etwas erweitert werden. Dass 50 Jahre alte Paragraphen nicht 1 zu 1 auf das Internet (welches damals noch nicht mal als Idee existierte) angewandt werden können, versteht sich von selbst.

    Die Piraten bsw. bieten dazu sehr gute Vorschläge, leider wurden diese mit dem sinnfreien Geschrei vieler Politiker und Künstler ("... wollen Urheberrecht abschaffen...") völlig überdeckt.

    Abkommen wie Acta dagegen erschweren eine objektiv geführte Debatte ungemein, weil sie Ängste in allen Konfliktparteien schüren und die Kompromis-, bzw. allein die Diskussionsbereitschaft einschränken.

    @ NR1 Das System an sich steht hier nicht zur Debatte. Oder soll im Forum auch eine pseudophilosophische Argumentation ausbrechen...

    7 Leserempfehlungen
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    wurde da der erste Kommentar komplett rausgenommen?

    Meinen letzten Absatz bitte entfernen, der Kommentar auf den ich mich bezog, ist nicht (mehr?) da. Danke

    • Puka
    • 13. Juli 2012 14:34 Uhr

    Die Aussage, die Piraten hätten interessante, zeitgemäße Lösungen, für das Problem des Urheberrechts bei gleichzeitiger vollumfänglicher Kopierbarkeit, habe ich oft gehört. Leider habe ich sonst nie einen dieser konkreten, anwendbaren Vorschläge gefunden. Ich bitte Sie deshalb, nachdem ich mich nun auch auf der PP-Page umgesehen habe, und in dem Grundsatzporgamm der Piraten keinen einzigen Vorschlag finden konnte, mir näheres zu diesen Konzepten zu sagen.

    vielen Dank, und mit freundlichen Grüßen

    Puka

  3. 3. Erm...

    wurde da der erste Kommentar komplett rausgenommen?

    Meinen letzten Absatz bitte entfernen, der Kommentar auf den ich mich bezog, ist nicht (mehr?) da. Danke

  4. Genauso wie der Urheber ein Recht hat, für seine Arbeit die Summe zu verlangen, die er für richtig hält, hat der Konsument das Recht, dies abzulehnen und diese Arbeit nicht zu kaufen, wenn er mit dem Produkt oder dem Preis nicht einverstanden ist. Das Nicht-einverstandensein gibt KEINEM das Recht, das Produkt dann trotzdem zu konsumieren.
    Dies ist eine pseudophilosophische Scheindebatte, die sicherlich nicht von Autoren initiiert wird, die im Medien-Business ihr Einkommen sichern müssen.
    Die ewigen lächerlichen Vergleiche mit realen Produkten sind vollkommen daneben, sie können nicht mal ansatzweise eine geeignete Metapher für das problem darstellen. Das Problem ist, dass die teils enorme Anzahl an Arbeitsstunden, Technik, Berufserfahrung etc etc in ein virtuelles Produkt mündet. Dass dies zwar dann kein physisches "Ding" mehr ist, aber trotzdem ein Resultat von enormer arbeitstechnischer Logistik scheinen die ach so digitalen Natives einfach nicht mehr begreifen zu können.
    In meinem Fall als Musiker gibt es bereits sehr pragmatische Lösungen: zB Itunes - 9,99 € die CD. Wo bitte ist das Problem?? 99c für ein Stück ( wobei meine zB 8-10 Min. lang sind und genausoviel kosten wie 3 Min Popstücke !)Immer noch zu teuer? Lächerlich.
    Seit wann und warum bitte sollen in einer Marktwirtschaft für geschaffene Güter plötzlich matrxistische oder auf' Allgemeinwohl ausgerichtete Prinzipien angewandt werden, nur weil der unbezahlte Zugang durch die Digitalisierung möglich geworden ist??

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    • Slater
    • 13. Juli 2012 15:34 Uhr

    die übertriebene Verallgemeinschaftung von virtuellen Erzeugnissen ist eine ganz verkehrte Sicht,

    vielleicht hilft Ihnen folgendes Beispiel:
    jemand kauft eine DVD/ eine CD/ eine Zeitung und verleiht Sie an Nachbarn/ läßt die Zeitung in der Bahn liegen/ läßt im Zug 20 Leute auch die CD hören

    müssen all die nicht-zahlenden weiteren Benutzer jetzt ins Gefängnis oder 1000 Euro Gebühren zahlen?

    nein, der Privatgebrauch von Medien läßt sich weder kontrollieren noch regeln,
    'Raubkopien' müssen entkriminalisiert werden, Abmahnirrsinn und Volksüberwachung nur für Urheberrechte aufhören

    die Urheber bzw. eher die Industrie haben alle Rechte,
    Medien zu verschlüsseln, illegale Internet-Portale im Internet zu schließen, Gewerbe mit Kopien zu verfolgen usw.,
    aber sie dürfen nicht ins Private gehen, egal wieviel zu verlieren

    Das Selbstverständnis der "Bestohlenen" gerade in der Musikindustrie grenzt ans Unverschämte. Ich kann heute kaum noch ein elektronisches Gerät oder Accessoire kaufen, bei dem nicht die Gema, oder/und die VG-Wort mitkassiert.

    Über die GEZ-Gebühren bezahlt praktisch jeder Haushalt an die Gema. Wenn ich in ein Straßen-Café gehe und dort Musik läuft, bezahle ich mit meinem Kaffee und Törtchen nochmal extra an die Gema. Wenn ich dann abends nicht vor dem Fernseher hocke, sondern zu einer Tanzlokalität oder einem Auftritt gehe, bezahle ich mit meinem Eintrittsgeld und evtl über meine Getränke noch mal an die Gema.

    Ich finde diese "nicht bezahlen und konsumieren"-Vorwürfe derer, die sich in den Foren als Künstler aufspielen, nur noch als Unverschämtheit.

    Hier um die Ecke hat ein sehr guter Bäcker zugemacht, weil er keine Lust mehr auf die ruinöse Konkurrenz mit den billigen Industrie-Brötchen hatte. Das ist Marktwirtschaft. Wer ein tolles Produkt hat, für das er leider nicht mehr genügend Käufer findet, weil sich die Herstellungs- und Vertriebstechnik geändert hat, der sollte nicht die Leute anranzen und Diebe nennen, sondern die Konsequenzen ziehen.

    Das wollen viele aber nicht. Lieber inszenieren sie sich als vom Internet ausgebeutet Künstler. Früher waren die Labels, die keinen Vertrag abschließen wollten, die Ignoranten, die Bösen, heute sind es die User, die einem beim labellosen iTunes-Angebot nicht die Bude einrennen. Wie bedauerlich.

    Wer dagegen mal schaut, was downgeloadet wird, erkennt schnell, das sind genau die, die auch im Laden die Topseller sind.

  5. Meiner Ansicht nach liegen die Urheber auch einem anderen Trugschluss auf. Nur weil ein nicht-materielles Werk (ein Lied) durch den Konsum desselben nicht verbraucht ist (anders als der Laib Brot), heißt das nicht automatisch, dass der Urheber des Liedes in alle Ewigkeit jedes Mal aufs neue kassieren darf.

    Natürlich sollen/ müssen die Schöpfer nicht-materieller Werke eine angemessene Abgeltung bekommen, aber das Urheberrecht in seiner derzeitigen Form ist überholt.

    Was fehlt ist das Konzept des Public Domain bzw. die Anerkennung von Creative Commons. Siehe Nachrichten zu GEMA und Creative Commons.

    Die Schutzfrist von 70 Jahren nach Tod des Autoren ist eine Ewigkeit. Würde man die Schutzfrist von der Veröffentlichung ab laufen lassen, dann wäre jetzt gerade einmal die NS-Propaganda gemeinfrei.

    Die Schutzfrist sperrt daher mindestens zwei Generationen kultureller Leistung aus der Gegenwart weg. Charlie Chaplin ist 1977 gestorben, d.h. die Schutzfrist läuft 2044 aus.

    Das Urheberrecht im wissenschaftlichen Bereich ist ebenfalls zu einer Gelddrucklizenz für die Verwerter verkommen. Die Autoren schreiben ihre Artikel, die Peers reviewen diese unentgeltlich und andere Universitäten müssen dann für den Zugang zu dem Artikel teure Abonnements bezahlen.

    Aus der Sicht der Verlage dränge sich daher die Frage auf: "Wo war mei(ne) Leistung?" um es mit den berühmten Worten eines österreichischen Lobbyisten zu sagen.

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    • Puka
    • 13. Juli 2012 14:34 Uhr

    Die Aussage, die Piraten hätten interessante, zeitgemäße Lösungen, für das Problem des Urheberrechts bei gleichzeitiger vollumfänglicher Kopierbarkeit, habe ich oft gehört. Leider habe ich sonst nie einen dieser konkreten, anwendbaren Vorschläge gefunden. Ich bitte Sie deshalb, nachdem ich mich nun auch auf der PP-Page umgesehen habe, und in dem Grundsatzporgamm der Piraten keinen einzigen Vorschlag finden konnte, mir näheres zu diesen Konzepten zu sagen.

    vielen Dank, und mit freundlichen Grüßen

    Puka

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    • Slater
    • 13. Juli 2012 15:19 Uhr

    - Abmahnirrsinn abschaffen
    - Vorrartsdatenspeicherung nicht einführen
    - Internetsperren nicht einführen
    - ACTA & Co nicht einführen

    manchmal ist die Welt schon eine bessere, wenn man gewisse Dinge einfach NICHT tut bzw. schlimme Auswüchse wie Abmahnungen bekämpft,
    bis 2006 gab es als das auch nicht so stark und deshalb die Piraten noch nicht,
    eine Lösung muss noch nicht direkt gefunden werden, der vorherige Stand war nicht der schlimmste für alle Beteiligten

    PP-Page umgesehen habe, und in dem Grundsatzporgamm der Piraten keinen einzigen Vorschlag finden..."

    Ich kenne mich im Piratenprogramm nicht besonders gut aus, vieles wird dort auch diskutiert, ohne dass es gleich in ein Programm geschrieben wird. Jedenfalls ist eine Hauptforderung der Piraten das Grundeinkommen. Das heißt für all diejenigen, die unbedingt Künstler sein wollen, bei dehnen es mit dem Absatz der Kunst aber nicht so läuft [...] ist für Brot und Bier gesorgt, ohne dass sie sich bei Nachfrage als Hartzer Künstler bekennen müssen.

    Mir persönlich würde noch einfallen, dass den Rechteverwerten für die Monopolrechte auch ein paar Pflichten auferlegt werden sollten. Es wäre z. B. bei elektronischen Werken sehr leicht eine Preisdifferenzierung zu realisieren, mit Versionen die weniger gut aufgelöst sind (Video/MP3) oder weniger Features haben (E-Books). Das gibt's aber bis heute nicht. Außer DVD/BluRay gibt es keine Wahl. MP3 kostet praktisch das gleiche wie CD. Verdammte Frechheit. Verdammtes Monopol.

    Wer ein künstliches Monopol erhält, muss auch zusätzliche Pflichten erhalten. Meine Anregung. Wenn für jeden Geldbeutel was dabei ist und die Gema gezwungen wird mit Youtube handelseinig zu werden, (ohne dass Google seine gesamten Einnahmen an die Gema überweisen muss) finden die meisten Kulurinteressenten ein passendes Angebot und die nichtlizenzierten Downloads gehen gegen unbedeutend.

    Wer immer nur verknappt, muss sich nicht wundern, wenn andere den Markt bedienen. Wer holt sich den Fusel vom Schwarzbrenner, wenn er auch regulären Schnaps haben kann?

  6. Wieso meinen so Viele - eingeschlossen der Autor - plötzlich stünden die Rechte der Urheber zur Disposition. Dem ist nicht so. Das Urheberrecht funktioniert nach wie vor hervorragend. Nur weil es (seit vielen Jahren) einen "neuen" Distributionsweg gibt, heißt das nicht, man müsse "gemeinsam auf eine pragmatische Lösung hinarbeiten". Nein, Defizite gibt es momentan allenfalls noch in der Aufklärung über das, was erlaubt oder verboten ist und hinsichtlich des (fehlenden) Unrechtsbewusstseins.

    Oder wo sehen Sie Probleme? Filesharing? Textklau? Kinofilm-Seiten? Solche Auswüchse gab es immer schon und vor einigen Jahren bereits viel zahlreicher, man kann sie aber hervorragend mit den jetztigen Mitteln bekämpfen.

    Wenn jetzt wieder ein paar unwissende Schreihälse meinen, unzählige Filesharing-Abmahnungen seien ein großes Problem: falsch! Genauso schnell wie P2P-Netzwerke für illegalen Datentausch bekannt wurden und "in der Mitte der Gesellschaft" ankamen, werden sie von dort wieder verschwinden. Und dann? Business as usual.

    Wer glaubt, das Internet werde die Welt auf den Kopf stellen ist entweder zu junge oder ein Spätzünder und hat noch nicht begriffen, dass die große Revolution schon seit vielen Jahren vorbei ist. Wir sind schon lange in der "Anpassungsphase" des Internets angekommen, also hört auf uns Euren langeweiligen und unsinnigen "Internetzeitalter" Bockmist anzudrehen.

  7. ...zumindest nach relativ kurzen Verwertungszeiten, ist bestimmt nicht im Sinne des Zugangs zur Kultur. Copyright als Zensurinstrument, das darf nicht sein.

    Das drängendste Problem ist wäre dann das der verwaisten Werke. Die rotten zum Teil auf saurem Papier vor sich hin, und dürfen nicht mal von Google eingescannt werden - weil irgendwelche Copyrightfetischisten das verhindern. Also nicht mal die Rechteinhaber selbst, weil man die ja gar nicht ausfindig machen kann, sondern Autorenverbände wie in Frankreich.

    Ach ja, der philosophische Eigentums- und daraus abgeleitete Herrschaftsbegriff, der sich auf rivalisierende Güter bezieht, gilt natürlich auch für den Erwerber einer Kopie. Warum darf ich eine DVD oder BluRay-Disk nicht kopieren, warum gängelt mich der Verkäufer auch nach der Erschöpfung seiner Ansprüche durch den Verkauf mit einem "Kopierschutz"? Der zwar längst ausgehebelt ist, aber de jure "wirksam" ist?

    Die historischen Vergleiche (also der empirische Teil) sehen nicht gut aus für das Urheberrecht - Deutschland vs. England vor 1845, da sieht's ganz schlecht aus für das Urheberrecht. Denn das Volk der Dichter und Denker war Deutschland (ohne Urheberrecht), nicht England (mit Copyright seit 1710). Dafür ging's England damals wirtschaftlich viel besser, weil man dort den mittelalterlichen Merkantilismus schon 1624 ausgetrieben hat - bei uns erst später.

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  • Serie Künstler und Urheberrecht
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  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte John Locke | Recht | Arbeit | Brot | Diebstahl | Eigentum
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