Aleppo: Straßensperren aus Kunstschätzen
Stefan Weber, Direktor des Museums für Islamische Kunst in Berlin, spricht im Interview über die Bedrohung der einzigartigen Altstädte von Aleppo und Damaskus.
© RAMZI HAIDAR/AFP/Getty Images

Blick auf die Altstadt vor Ausbruch des Konflikts
ZEIT ONLINE: Herr Weber, Sie kennen Syrien, weil Sie lange dort gelebt und geforscht haben. Mittlerweile wird auch in Aleppo gekämpft. Welche Kunstschätze sind dort von der Zerstörung bedroht?
Stefan Weber: Aleppo ist neben Damaskus eine der zwei großen Kulturstädte in Syrien. Sie gehört zu den ältesten durchgehend besiedelten Städten der Geschichte überhaupt. Es gibt wunderbar erhaltene alte Basarstraßen, große Handelshäuser und wichtige Moscheen aus der frühislamischen Zeit, also aus dem 7. und 8. Jahrhundert. Darunter und dazwischen befinden sich noch ältere byzantinische und römische Bauten und Straßenmuster.
Und es gibt die berühmte Zitadelle aus dem Mittelalter, die auf einem Siedlungshügel liegt, der Tausende Jahre Geschichte hat. Dort hat bis vor Kurzem noch ein deutsches Team von der HTW Berlin gegraben. Es sind Schätze, die es anderswo kaum noch so gibt. Sie sind einmalig.
ZEIT ONLINE: Was droht der Stadt ganz konkret?
Weber: Wenn es jetzt mit Maschinengewehren zu Straßenkämpfen kommt, dann richtet das erstmal keine strukturellen Zerstörungen an. Das liegt aber daran, dass in Aleppo vieles aus Stein gebaut ist. Damaskus ist anfälliger, weil viele alte Gebäude aus Holz sind. Dort zerstören jetzt schon Feuer viele alte Häuser. Aber auch in Aleppo gibt es Zerstörungen. So wurden die vollständig erhaltenen, handbeschlagenen Tore aus dem 13. Jahrhundert in der Zitadelle gesprengt.

Stefan Weber, 44, ist seit 2009 Direktor des Museums für Islamische Kunst in Berlin. Davor arbeitete er in London und lebte 12 Jahre in Syrien und dem Libanon. Zurzeit zeigt das Museum neben dem berühmten Aleppozimmer eine Ausstellung zu syrischen Städtebildern.
ZEIT ONLINE: Stadtgrundrisse oder ganze Stadtstrukturen zerstört ein Bürgerkrieg aber eher nicht, oder?
Weber: Doch. Denn es wird auch aus der Luft gebombt und mit Artillerie geschossen. Die Zerstörungen sind großflächiger. Bei solchen Konflikten geht der Staat auch mit dem Bagger durch die Straßen um Schneisen zu schlagen für gepanzertes Gerät. Dabei wird die Stadtstruktur zerstört.
ZEIT ONLINE: Welches Ausmaß könnte die Zerstörung erreichen?
Weber: Was einer Altstadt im Krieg passieren kann, haben wir 1982 in Homs gesehen. Damals hat Assads Vater die Stadt zu großen Teilen zerstört. Gebäude wurden gesprengt oder mit Baggern plattgewalzt, um gegen Rebellen vorzugehen. Der Altstadtkern ist bis auf wenige Reste verloren gegangen. Das kann im schlimmsten Fall auch in Aleppo oder Damaskus passieren und sogar noch großflächiger, wenn das Regime um sein Überleben kämpfen würde.
ZEIT ONLINE: In Syrien sind aber zurzeit nicht nur die Altstädte gefährdet, oder?
Weber: Nein, auch die archäologischen Ausgrabungsstätten. Da ist zum einen das nordsyrische Kalksteinmassiv mit seinen wunderbaren byzantinischen Gebäuden. Dort hat die Armee Straßensperren aus altem Gebäudematerial gebaut. Dann gibt es Apameia, eine der wichtigsten Städte der Antike, wo es eine einzigartige, große Arkadenstraße gibt. Auch dort ist es zu Zerstörungen gekommen. Dort ist die Armee mit Panzern durchgefahren, um eine Zitadelle zu beschießen, in der sich Rebellen verschanzt hatten. Dann Bosra. Eine Stadt, die zum großen Teil aus schwarzem Basalt gebaut ist und eines der größten römischen Theater der Welt hat. Auch dort sind Panzer durch die archäologische Zone gefahren.
Außerdem werden in alte Siedlungshügel Panzerstellungen gegraben. Alte Bauwerke eignen sich eben besonders gut für militärische Schutzmaßnahmen. Wie groß die Schäden an diesen Orten sind, wissen wir noch nicht, weil es keine unabhängige Kommission gibt, die Schäden dokumentiert.
ZEIT ONLINE: Ein weiteres Problem, von dem im Internet zu lesen ist, sind die Plünderungen. Haben Sie nähere Informationen?
Weber: Das ist der Irak-Effekt. Sobald der Staat zerfällt, kommen die Grabräuber. Das ist eine eher schleichende Zerstörung, die aber hochdramatisch ist.
ZEIT ONLINE: Die Plünderer sollen mit Bulldozern arbeiten und die ersten Artefakte sind schon auf den Märkten in Jordanien und der Türkei aufgetaucht.
Weber: In Palmyra fanden schon vor Monaten Plünderungen statt, außerdem gab es Massendiebstähle aus Museen. Allerdings gab es den Antikenraub schon früher und er wurde in Mafia-artigen Strukturen organisiert. Damals wurden die Kunstschätze über die Militärstraßen in den Libanon geschmuggelt. Das wird sich jetzt deutlich verstärken. Erst gestern habe ich wieder schockierende Nachrichten über Raubgrabungen bekommen.







... Zerstörungen unter tatkräftiger Unterstützung westlicher Staaten in Syrien angerichtet werden.
Würde man die auf einen Umsturz hinarbeitenden Kräfte nicht seit langem finanzieren, bewaffnen, sie schulen, wären alle Kunstschätze noch intakt.
Was bin ich froh, dass ich Ende der 1980er Jahre als historisch interessierter junger Rucksacktourist noch zur "richtigen" Zeit in der Gegend war. Syrien, Iraq. Habe alles noch "ursprünglich" sehen dürfen. Damaskus, Homs, Halab (Aleppo), Mossul, Samarra, Baghdad, Warka...
Jetzt wird alle Kulturgeschichte von ideologischen und/oder religiösen Idioten zerstört. Afghanistan war der Anfang. Mal sehen, was demnächst diesbezüglich alles in Ägypten und Pakistan passiert (bin auch schonmal dort gewesen). 5000 Jahre Menschheitsgeschichte, und alles wird in 10 Jahren kaputtgemacht. Ich glaube, ich muss jetzt mein Photo- und Filmarchiv versichern und in einem Banktresor aufbewahren lassen
Sehr geehrte/r Layer 8,
das ist interessant. Hätten Sie Lust und Zeit, einen Leserartikel über diese Reise zu schreiben? Wie das geht steht hier: http://www.zeit.de/lesera...
Herzliche Grüße aus der Redaktion.
Was aber meinen sie mit ideologischen und/oder religiösen Idioten? Assad ist doch der Schuldige uns die demokratische Oppositionsbewegung steht doch für Freiheit und Menschenrechte,warum sollten sie diese Kulturstätten zerstören? Es klingt ja fast so, als würde die Gefahr von der FSA und ihren Anhängern ausgehen, klingt schlüssig schließlich hatten diese Städte ja unter der Familie Assad Bestand.
In Libyen wurde vor Tagen auch schon eine Moschee zerstört und man munkelt, daß es sich bei den Zerstörern um die gleichen Leute handelt, die in Syrien nach Freiheit,Demokratie und Menschenrechten streben. Bemerkenswert,daß diese Moschee unter dem Tyrannen Gadaffi so lange hat stehen können.
Sehr geehrte/r Layer 8,
das ist interessant. Hätten Sie Lust und Zeit, einen Leserartikel über diese Reise zu schreiben? Wie das geht steht hier: http://www.zeit.de/lesera...
Herzliche Grüße aus der Redaktion.
Was aber meinen sie mit ideologischen und/oder religiösen Idioten? Assad ist doch der Schuldige uns die demokratische Oppositionsbewegung steht doch für Freiheit und Menschenrechte,warum sollten sie diese Kulturstätten zerstören? Es klingt ja fast so, als würde die Gefahr von der FSA und ihren Anhängern ausgehen, klingt schlüssig schließlich hatten diese Städte ja unter der Familie Assad Bestand.
In Libyen wurde vor Tagen auch schon eine Moschee zerstört und man munkelt, daß es sich bei den Zerstörern um die gleichen Leute handelt, die in Syrien nach Freiheit,Demokratie und Menschenrechten streben. Bemerkenswert,daß diese Moschee unter dem Tyrannen Gadaffi so lange hat stehen können.
Entfernt. Bitte bleiben Sie sachlich. Danke, die Redaktion/au.
ich bin "stoz" auf die NATO!
wollte diese unsere Organisation nicht kritisieren!
ich bin "stoz" auf die NATO!
wollte diese unsere Organisation nicht kritisieren!
Sehr geehrte/r Layer 8,
das ist interessant. Hätten Sie Lust und Zeit, einen Leserartikel über diese Reise zu schreiben? Wie das geht steht hier: http://www.zeit.de/lesera...
Herzliche Grüße aus der Redaktion.
Liebe Frau Braun,
Jetzt bekomme ich innerhalb einer Woche die zweite Einladung der ZEIT, einen Leserartikel zu schreiben. Ihre Kollegin Frau Pfisterer hat mich letzte Woche schon per e-mail kontaktiert und mich gebeten einen Reisebericht zu schreiben, betreff anderen Gegebenheiten die mir damals widerfahren sind, während meiner Sturm und Drang Zeit. Da würde es um meine Abwesenheit aus Europa während der Zeit der "Wende" 1989/90 gehen. Es stimmt schon, ich hab zwischen den Jahren 1986 und 1990 einiges auf der Welt erlebt als Rucksacktourist. Natürlich mache ich das gerne. Bitte haben Sie noch ein klein bisschen Geduld. Und was ich dann liefere, wird dann auch wahrheitsgemäß aus meiner Sicht hoffentlich rüberkommen. Frau Pfisterer kennt ja schon meinen Klarnamen.
lg
.....ein Tipp: im März 1967 habe ich im Gästebuch von
"Papa Moustache" in Ost-Jerusalem erstmals von einem
Schweizer gelesen, der am 2.1.1967 mit dem F a h r-
r a d von Romanshorn nach Indien aufgebrochen ist.
Diesem Schweizer bin ich dann Ende August 67 in
Kabul (!) im Hotel begegnet: sein Fahrrad stand, mit
Schweizer Kreuz, am Garteneingang.......
Er wurde von seiner Heimatzeitung gesponsert, ist
wahrscheinlich das Thurgauer Tagblatt und hat ihm
"berichtet".
Auch wenn es kein Leserartikel ist, könnten seine
Berichte doch eine Schatzgrube für einen Ihrer Re-
dakteure darstellen.
MfG
Liebe Frau Braun,
Jetzt bekomme ich innerhalb einer Woche die zweite Einladung der ZEIT, einen Leserartikel zu schreiben. Ihre Kollegin Frau Pfisterer hat mich letzte Woche schon per e-mail kontaktiert und mich gebeten einen Reisebericht zu schreiben, betreff anderen Gegebenheiten die mir damals widerfahren sind, während meiner Sturm und Drang Zeit. Da würde es um meine Abwesenheit aus Europa während der Zeit der "Wende" 1989/90 gehen. Es stimmt schon, ich hab zwischen den Jahren 1986 und 1990 einiges auf der Welt erlebt als Rucksacktourist. Natürlich mache ich das gerne. Bitte haben Sie noch ein klein bisschen Geduld. Und was ich dann liefere, wird dann auch wahrheitsgemäß aus meiner Sicht hoffentlich rüberkommen. Frau Pfisterer kennt ja schon meinen Klarnamen.
lg
.....ein Tipp: im März 1967 habe ich im Gästebuch von
"Papa Moustache" in Ost-Jerusalem erstmals von einem
Schweizer gelesen, der am 2.1.1967 mit dem F a h r-
r a d von Romanshorn nach Indien aufgebrochen ist.
Diesem Schweizer bin ich dann Ende August 67 in
Kabul (!) im Hotel begegnet: sein Fahrrad stand, mit
Schweizer Kreuz, am Garteneingang.......
Er wurde von seiner Heimatzeitung gesponsert, ist
wahrscheinlich das Thurgauer Tagblatt und hat ihm
"berichtet".
Auch wenn es kein Leserartikel ist, könnten seine
Berichte doch eine Schatzgrube für einen Ihrer Re-
dakteure darstellen.
MfG
ich bin "stoz" auf die NATO!
wollte diese unsere Organisation nicht kritisieren!
Was aber meinen sie mit ideologischen und/oder religiösen Idioten? Assad ist doch der Schuldige uns die demokratische Oppositionsbewegung steht doch für Freiheit und Menschenrechte,warum sollten sie diese Kulturstätten zerstören? Es klingt ja fast so, als würde die Gefahr von der FSA und ihren Anhängern ausgehen, klingt schlüssig schließlich hatten diese Städte ja unter der Familie Assad Bestand.
In Libyen wurde vor Tagen auch schon eine Moschee zerstört und man munkelt, daß es sich bei den Zerstörern um die gleichen Leute handelt, die in Syrien nach Freiheit,Demokratie und Menschenrechten streben. Bemerkenswert,daß diese Moschee unter dem Tyrannen Gadaffi so lange hat stehen können.
Liebe Frau Braun,
Jetzt bekomme ich innerhalb einer Woche die zweite Einladung der ZEIT, einen Leserartikel zu schreiben. Ihre Kollegin Frau Pfisterer hat mich letzte Woche schon per e-mail kontaktiert und mich gebeten einen Reisebericht zu schreiben, betreff anderen Gegebenheiten die mir damals widerfahren sind, während meiner Sturm und Drang Zeit. Da würde es um meine Abwesenheit aus Europa während der Zeit der "Wende" 1989/90 gehen. Es stimmt schon, ich hab zwischen den Jahren 1986 und 1990 einiges auf der Welt erlebt als Rucksacktourist. Natürlich mache ich das gerne. Bitte haben Sie noch ein klein bisschen Geduld. Und was ich dann liefere, wird dann auch wahrheitsgemäß aus meiner Sicht hoffentlich rüberkommen. Frau Pfisterer kennt ja schon meinen Klarnamen.
lg
Es ist schrecklich wenn zeitgeschichtliche Zeugnisse wegen dummer Kriege und Ideologien zerstört werden.
Sein es tausende Bilder der Alten Meister im 2. WK., die Buddha-Statue von Bamiyan, oder die islamische Kunst in Syrien.
Dinge die Jahre gebraucht haben um zu entstehen werden in Augenblicken zu nichte gemacht, und kommenden Generationen verwehrt, und sie werden nicht daran gehindert.
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