Jüdisches Museum BerlinDaniel Libeskind veredelt seinen Zickzack-Bau

Holzwürfel, die an die Arche Noah erinnern: Der Architekt Daniel Libeskind hat das Jüdische Museum in Berlin um einen Anbau erweitert. Die Akademie soll als Veranstaltungsort und Archiv dienen. von dpa

Der eingeschnittene, schräge Holzvorbau ist der Eingang zur neuen Akademie des Jüdischen Museums von Daniel Libeskind.

Der eingeschnittene, schräge Holzvorbau ist der Eingang zur neuen Akademie des Jüdischen Museums von Daniel Libeskind.  |  © Architekt Daniel Libeskind AG, Zürich, Rendering: bromsky

Das Jüdische Museum Berlin ist wohl der bekannteste Bau von Daniel Libeskind . Jetzt hat der Stararchitekt eine Erweiterung seines Gebäudes vollendet. Ein eingeschnittener, schräger Holzvorbau bildet den neuen Eingangsbereich der Halle in der Lindenstraße in Berlin-Kreuzberg. Der amerikanische Architekt hat für die Neugestaltung des einstigen Blumengroßmarktes ganz bewusst einige prominente Merkmale seines mittlerweile weltberühmten Zickzack-Baus verwendet. "Ich wollte den Geist des Museums in dieser Halle bewahren", sagte Libeskind .

Die sogenannte Akademie soll am 17. November feierlich eröffnen. Im Inneren hat Libeskind zwei weitere Holzwürfel errichtet, die ein Auditorium und eine Bibliothek beherbergen. Sie sollen an Transportkisten und die Arche Noah erinnern und die Überlieferung des jüdischen Vermächtnisses symbolisieren. "Wie im Garten des Exils und dem Glashof des Museums geht es auch hier um die jüdische Erfahrung", sagte Libeskind. Er habe Holz nicht nur aus Kosten- und Umweltschutzgründen für den Bau eingesetzt. "Holz symbolisiert den Lebensbaum und seine Wurzeln." Durch die Fenster der Akademie öffnet sich der Blick immer wieder zum Jüdischen Museum auf der anderen Straßenseite.

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In der Akademie sollen die Bildungsangebote sowie das Archiv und die Bibliothek des Museums untergebracht werden. Teile der Halle sollen für Veranstaltungen mit mehr als 1.000 Menschen genutzt werden. Mit rund 750.000 Besuchern im Jahr gehört das Jüdische Museum zu den erfolgreichsten Ausstellungshäusern in Berlin . Von den knapp 12 Millionen Euro Baukosten für die Akademie hat der Bund 7,5 Millionen beigesteuert. Der Rest kommt aus Spenden, allein zwei Millionen Euro vom US-Mäzen Eric F. Ross, weshalb die neue Akademie auch seinen Namen trägt.

Vorurteile abbauen

Mit der Eröffnung der Akademie wird bei einer Gala der Toleranzpreis des Museums an Ex-Bundespräsident Richard von Weizsäcker und den Industriemanager Klaus Mangold verliehen. Die Auszeichnung wird an Persönlichkeiten vergeben, die sich für eine kritische Aufklärung über Antisemitismus und Rassismus engagieren und für die Aufarbeitung der Verbrechen des Nationalsozialismus einsetzen. An der Verleihung wird auch Bundespräsident Joachim Gauck teilnehmen.

Vor dem Hintergrund der jüdischen Erfahrung mit Verfolgung und Emigration solle die Akademie einen Beitrag für das Zusammenleben unterschiedlicher Kulturen und Religionen leisten, sagte Museumsdirektor W. Michael Blumenthal. Zielgruppe seien vor allem junge Menschen. Die Akademie wolle helfen, Vorurteile in der multikulturellen Gesellschaft abzubauen, etwa mit Begegnungen zwischen Juden und Muslimen, Fortbildungsangeboten für Lehrer und die Unterstützung von Wissenschaftlern. Es gehe darum, wie man Deutschsein im 21. Jahrhundert definiert. Die Akademie soll im Januar ihre Arbeit aufnehmen. 

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Leserkommentare
  1. Interessant wird es in den kommenden Wochen, wenn über die weitere Bebauung dieses Areals entschieden wird: Wird Libeskinds „Arche“ künftig hinter den Protz-Fassaden von Edel-Lofts verschwinden? Oder ringen sich die Verantwortlichen dazu durch, integrierten Konzepten Raum zur Entfaltung einzuräumen?

    Gerade im Hinblick auf die Geschichte des Quartiers und mit Blick auf das Jüdische Museum würde ich mir wünschen, dass das gesamte Areal zu einem Ort des Austausches und der gesellschaftlichen Brückenbauer weiterentwickelt wird. Das setzt aber – wieder einmal – voraus, dass das Land Berlin und die landeseigene Berliner Großmarkt GmbH das laufende Bieterverfahren nicht primär nach finanziellen Gesichtspunkten entscheidet, sondern den gesellschaftlichen Wertebeitrag berücksichtigt.

    2 Leserempfehlungen
  2. Mich würde sehr stark interessieren, wer diesen Bau finanziert. Werden hierfür Steuergelder verwendet? Wenn ja, mit welchem Recht. Ich bin mir sicher, dass ein Großteil der Bevölkerung damit nicht einverstanden wäre. Ich bedauere zutiefst das Ergebnis der Beschneidungsdebatte. Unsere Regierung hat damit sehr viele Bundesbürger verletzt und dafür gesorgt, dass die Kluft zwischen Deutschland und Israel wieder größer geworden ist. Ich frage mich manchmal, ob dies gewollt ist. Wenn ich mir die unvorstellbaren Vorgänge in unserem Verfassungsschutz ansehe muss ich meine eigene Frage beinahe bejahen. [...]

    Gekürzt. Bitte beachten Sie das konkrete Artikelthema. Danke, die Redaktion/ls

    Eine Leserempfehlung
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    von mir aus können mehr Museen und Akademie vom deutschen Steuergeld gefördert werden.
    Aus meiner Sicht könnten Sie lieber die Parteienfinanzierung halbieren. Aber so hat halt jeder seine Präferenzen. Es ist eine Demokratie - wir dürfen alle Parteien wählen, die uns gut vertreten oder eben selbst eine Partei gründen und nach Mehrheiten suchen.

    Hallo Herr Fuchs, da bin ich absolut dabei wenn es darum geht in Kultur oder auch in die Bildung unserer Kinder zu investieren. Demokratie heißt aber nicht, dass man alles ertragen muss nur um Mehrheiten zu gefallen. Für unsere Kindergärten gibt es keine Gelder, viele Rentner leben am Existenzminimum, ich könnte zahlreiche Probleme nennen wo Geld sinnvoll eingesetzt wäre. Ich frage mich jedoch, müssen wir mit unseren Steuergeldern Moscheen und Tempel bauen. Glauben Sie allen Ernstes daran, dass uns ein arabisches Land oder Israel eine Kirche bauen würde?

    • Suryo
    • 15. Dezember 2012 13:12 Uhr

    1. was hat die Finanzierung des jüdischen Museums mit der Beschneidung zu tun?
    2. inwieweit hat die Straflosigkeit der Beschneidung, die es de facto seit Gründung der Bundesrepublik gibt, das Verhältnis zum Staat Israel betroffen?

  3. 3. [...]

    Entfernt. Verzichten Sie auf polemische und diffamierende Äußerungen. Die Redaktion/mak

    Eine Leserempfehlung
  4. von mir aus können mehr Museen und Akademie vom deutschen Steuergeld gefördert werden.
    Aus meiner Sicht könnten Sie lieber die Parteienfinanzierung halbieren. Aber so hat halt jeder seine Präferenzen. Es ist eine Demokratie - wir dürfen alle Parteien wählen, die uns gut vertreten oder eben selbst eine Partei gründen und nach Mehrheiten suchen.

  5. Hallo Herr Fuchs, da bin ich absolut dabei wenn es darum geht in Kultur oder auch in die Bildung unserer Kinder zu investieren. Demokratie heißt aber nicht, dass man alles ertragen muss nur um Mehrheiten zu gefallen. Für unsere Kindergärten gibt es keine Gelder, viele Rentner leben am Existenzminimum, ich könnte zahlreiche Probleme nennen wo Geld sinnvoll eingesetzt wäre. Ich frage mich jedoch, müssen wir mit unseren Steuergeldern Moscheen und Tempel bauen. Glauben Sie allen Ernstes daran, dass uns ein arabisches Land oder Israel eine Kirche bauen würde?

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    • Suryo
    • 15. Dezember 2012 13:14 Uhr

    Ist ihnen klar, dass das ein Museum ist und keine Synagoge, und ist ihnen bewusst, dass weder Deutsche = Christen noch Jude = Nichtddeutsche gelten?

    Wenn Sie meinen, Juden seien keine richtigen Deutschen, dann keine schwammigen implikationen, raus mit der Sprache!

    • Suryo
    • 15. Dezember 2012 13:12 Uhr

    1. was hat die Finanzierung des jüdischen Museums mit der Beschneidung zu tun?
    2. inwieweit hat die Straflosigkeit der Beschneidung, die es de facto seit Gründung der Bundesrepublik gibt, das Verhältnis zum Staat Israel betroffen?

    • Suryo
    • 15. Dezember 2012 13:14 Uhr

    Ist ihnen klar, dass das ein Museum ist und keine Synagoge, und ist ihnen bewusst, dass weder Deutsche = Christen noch Jude = Nichtddeutsche gelten?

    Wenn Sie meinen, Juden seien keine richtigen Deutschen, dann keine schwammigen implikationen, raus mit der Sprache!

    Antwort auf "Bin dabei"

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  • Quelle dpa
  • Schlagworte Daniel Libeskind | Joachim Gauck | Antisemitismus | Auszeichnung | Bibliothek | Emigration
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