Komödie "7 Psychos"Lustige Psychopathen zwischen Realität und Fiktion

Martin McDonagh hatte für seine Komödie "7 Psychos" einige sehr gute Drehbuchideen. Nun dürfen seine Figuren die gewalttätigen Fantasien lustvoll ad absurdum führen. von 

Wenn Drehbuchautoren Drehbücher über ihre Arbeit als Drehbuchautoren schreiben, wird es gern bizarr – und die Grenzen zwischen Realität und Fiktion verschwimmen zwangsläufig. Man erinnere sich nur an das erzählerische Spiegelkabinett von Spike Jonzes Adaptation , in dem ein Scriptschreiber das eigene Leben zum Filmsujet machte und sich alsbald hoffnungslos im selbstreflexiven Plot verirrte.

Ganz so verwegen geht es der irische Regisseur Martin McDonagh ( Brügge sehen… und sterben? ) in seinem ersten amerikanischen Film nicht an, aber auch hier rächt sich die Realität an der Fiktion mit schmerzhafter Konsequenz. Am Anfang steht, wie sich das gehört, eine anständige Schreibblockade. Denn abgesehen vom klangvollen Titel 7 Psychos hat der unterdurchschnittlich erfolgreiche Drehbuchautor Marty ( Colin Farrell ) noch nichts zu Papier gebracht. Der Schaffenskrise seines Freundes nimmt sich der arbeitslose Schauspieler Billy (Sam Rockwell) an; er schaltet ein Zeitungsinserat, mit dem waschechte Psychopathen als Inspirationsquelle angeworben werden sollen.

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Auf die Anzeige meldet sich zwar nur ein einziger, ehemaliger Serienkiller mit einem weißen Kaninchen im Arm ( Tom Waits ), aber auch ohne Annonce geraten die beiden Freunde bald mit dem eindeutig durchgeknallten Gangsterboss Charlie ( Woody Harrelson ) in unmittelbaren Kontakt. Ausgerechnet dessen Schoßhund wurde von Billy entführt, der sich mit seinem alten Freund Hans ( Christopher Walken ) als Haustierkidnapper ein Zubrot verdient. Und wenn es um seinen Shi Tzu geht, wird der labile Mobster gefährlich sentimental.


Aber was, wenn Charlie nur einer von filmtitelgemäßen sieben in Aussicht gestellten Psychopathen ist, die nun in erzählten Geschichten sowie der Lebensrealität des kriselnden Drehbuchautors auftauchen? Auch in der filmischen Wirklichkeit lassen sich die beiden Ebenen nun immer weniger voneinander trennen. Das gilt besonders für das letzte Filmdrittel, in dem sich die Ereignisse heftig überschlagen und die Protagonisten – beim gemeinsamen Zelten in der Wüste – sich immer dringender Gedanken über ein Finale machen müssen.

So abgegriffen die Folie eines Serienkiller-Thrillers scheinen mag – McDonagh entwirft darauf einen schön verwinkelten Plot, der das Genre und dessen gewalttätige Fantasien lustvoll ad absurdum führt. 7 Psychos hat nicht nur eine vielschichtige, sich selbst zudem immer wieder dekonstruierende Erzählweise. Wie schon in Brügge sehen… und sterben? überzeugt McDonagh zudem durch brillante Dialoge, in denen banale Alltagssprache, Gangsterattitüde und lebensphilosophische Exkurse kongenial verquirlt werden.

Zugleich gerät die Skurrilität der Figuren nicht zum Selbstzweck. So karikaturesk sie gezeichnet sein mögen, sie haben Herz – und jede auch ihre tragische Liebesgeschichte. Sam Rockwell läuft zu Höchstform auf, und Christopher Walken, sonst oft bloß als exzentrisches Unikum gecastet, setzt sein großes Können frei und wirkungsvoll in Szene. McDonagh, ursprünglich ein Theatermann, weiß eben, wie man Schauspieler aus der Komfortzone herauslockt. Dem schrägen Ton der Erzählung kommt das entscheidend zugute.

Erschienen im Tagesspiegel

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    • Schlagworte Colin Farrell | Drehbuch | Schauspieler | Woody Harrelson | Brügge
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