Architektur-Fotografie

Unheimliche Wohnzellen

© Michael Wolf/Peperoni Books

Aus der Ferne betrachtet scheinen Michael Wolfs Fotografien Tausende einzelne Pixel oder Landschaften aus Legosteinen zu zeigen. Doch es sind ganz reale Gebäude, die darauf zu sehen sind. Das Leben in Megastädten ist Wolfs Thema, für die Serie Architecture of Density (Architektur der Dichte) hat der Münchner Fotograf die bedrückenden Wohnsilos Hongkongs aufgenommen. Der Blick des Betrachters sucht nach Leben inmitten der genormten Einheiten und prallt doch an den Fassaden ab. Der Bildband Architecture of Density ist erschienen bei Peperoni Books.

Leser-Kommentare
  1. Ersteinmal: wo sehen Sie den erhobenen Zeigefinger? Im Gegensatz zum Beispiel zu einigen gestellten oder geschickt manipulativ gemachten Kriegsaufnahmen, finde ich diese Fotos sehr gelungen, ohne dass ich sofort ein vorgefertiges (negatives) Bild von Hongkong habe. Und die Häuser gibt es nunmal genauso, wie sie zu sehen sind, also mache ich mir als Beobachter in erster Linie Eindrücke von den Gebäuden. Gleiches gilt für sehr viele Aufnahmen dieser Art von anderen Städten. Und ich bin mir ziemlich sicher, der Fotograf hat auch andere Seiten von Hongkong erlebt und gesehen, nur würden Arbeiten diesbezüglich dann eher in die Kategorie Reisefotografie fallen. Und dann würde ich Ihnen Recht geben, wären diese Bilder zu einseitig ausgewählt.

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  2. ich lebe in Frankfurt in einem Wohn-Hochhaus, immerhin im 12. stock mit immerhin 30m². Klar sind das andere Dimensionen. Aber die Wohnung dort oben ist hell und man hat eine super Aussicht, von der ein Freund in seiner dunklen Kellerwohnung eines Dorfhauses nur Träumen kann. Trotz des von außen ärmlich wirkenden Hauses fühlt man sich hier oben frei und in der herrschenden Anonymität sicher.

    Es ist alles eine Frage der Perspektive.

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    • lekrif
    • 02.01.2013 um 13:19 Uhr

    Michael Wolf wohnt seit Langem in Hongkong. Das wäre sicher nicht der Fall, wenn es ihm dort nicht gefallen würde. ;-)

    Michael Wolf hat auch andere Fotos gemacht. Die Hongkonger Wohntürme bieten sich aber einfach an für diese Art der Fotografie. Hongkong selbst jedoch ist nicht nur Hochhäuser sondern genauso Urwald, Strand, Berge und kleine Fischersiedlungen auf Inseln.

    Auch wenn die Bilder hier die Wiederholung, die schiere Masse der Gebäude und - für deutsche Augen - unglaubliche Ausmaße in Szene setzen ist das Leben in solchen Betonburgen nicht vergleichbar mit Hochhaussiedlungen in Deutschland oder z.B. Paris.

    Die Lebensqualität in Hongkong ist sehr hoch. Wer Lärm und eine Menge Menschen nicht ertragen kann, findet dort zwar sicher nicht sein Glück - für viele Hongkonger (und Zugewanderte) gibt es aber keinen attraktiveren Ort auf diesem Planeten.

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  3. ..aus der Hölle.

    (Nix gegen HK oder Menschen, die in diesen Blocks wohnen wollen/müssen/dürfen - but not my cup of tea)

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  4. Wahrscheinlich sind die Bewohner nicht so unglücklich wie man glaubt. Sie wohnen besser und sauberer als in irgendwelchen Slums ohne Kanalisation und haben nicht unsere bürgerlichen mitteleuropäischen Ansprüche an schönes Wohnen. Das können Menschen, denen schon ein Reihenhaus zu eng am Nachbarn und spießig ist, nicht unbedingt nachvollziehen. Aber es gibt sie, die Kulturen, wo Wohnen im Hochhaus nicht gleich Unterschicht oder arm bedeutet. Da braucht auch nicht jeder Bewohner 50qm zum menschenwürdigen Leben. Und bestimmt keinen, der die Nase darüber rümpft, wie er lebt.

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  5. "Der Blick des Betrachters sucht" in den "bedrückenden Wohnsilos Hongkongs" also "nach Leben inmitten der genormten Einheiten und" -ach du Schreck! "prallt doch an den Fassaden ab"

    Mein Blick prallt da nicht ab. Ich sehe Myriaden Fenster. Keines gleicht dem anderen. Überall wird gelacht, gegessen, geweint, gelebt. Es explodiert geradezu vor Leben!

    Vielleicht fährt der Betrachter mal nach Brandenburg an der Havel oder nach Marzahn-Hellersdorf. Im Vergleich zu der wuseligen Lebendigkeit solcher asiatischer Metropolen, zu denen Deutschlands Grad an Organisation und Struktur sich geradezu mittelalterlich ausnimmt, prallt da wesentlich mehr als nur der Blick auf der Suche nach Leben an den Fassaden ab.

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  6. Man kann es so oder so sehen.

    Stellen Sie sich mal vor, all diese Leute wollten, wie die Deutschen, ihr Einfamilienhaus im Grünen haben!
    (im Grünen, das heißt: ein Garten, der gerade einmal groß genug ist, daß man um das eigene Haus herumlaufen kann - der ultimative Spießbürgertraum)

    Was für ein Landschaftsverbrauch das wäre!

    Ich selbst lebe in Hamburg und bin immer wieder schockiert über die Ausdehnung der Stadt im Verhältnis zur relativ geringen Einwohnerzahl (nach globalen Maßstäben).

    Mir hängt das "Lob", Hamburg sei so eine „unwahrscheinlich grüne“ Stadt ziemlich zum Halse raus.
    Es klingt positiv, ist es aber nicht.
    Klar läßt sich gegen hohe Bäume und Parks, in denen man Fußball und Tennis spielen, joggen, grillen und sonnenbaden kann, kaum etwas einwenden.
    Aber seien wir doch mal ehrlich:
    Der Großteil von Hamburgs „Grün“ besteht doch aus Verkehrsinseln, Hundekackwiesen, Abstandsgrün mit Gestrüpp drauf und Plastikmüll drin, und ein paar finsteren Drogendealerparks auf Nachkriegs-städtebaulichen Restflächen.
    Da fragt sich schon, ob es – anstatt die Stadt ins Umland auszudehnen – nicht sinnvoller wäre, mit bezahlbarem Wohnraum in zentraler Lage nachzuverdichten.
    Dann würde es auch etwas lebendiger an Orten, an denen man sich jetzt im norddeutschen Nieselregen auf endlosen Gehwegplatten-Wüsteneien die Hacken ablatscht.

    Die Asiaten mögen Wale und Thunfische ausrotten und das Meer gedankenlos mit Plastik vollmüllen - aber umweltschädlich wohnen, das tun wir Europäer!

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    Antwort auf "Wohnwannsinn"

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