In den graubärtigen Sphären der Philosophie, wo Welt- und Melissengeist sich treffen, kursieren grob gesagt zwei Auffassungen zur Routine: a) Sie wirkt fördernd auf die Würde des Menschen und dessen Seelenfrieden (Diderot), oder sie habe b) eine abstumpfende, moralisch sogar erheblich zerstörende Kraft ( Adam Smith ). Zu a) gibt's seitdem nicht viel Neues. Großer Konsens herrscht mittlerweile bei b), weswegen etwa unsere lichtdurchflutete Arbeitswelt darauf bedacht ist, unsereins mit neuen Herausforderungen zu überschütten, damit wir nicht in der Nase bohren.

Für die höheren Angestellten europäischer Staaten bestehen diese derzeit in der permanenten Rettung der von Krisen geschüttelt und gerührten Euro-Zone. Da ist andauernd was los. Ständig werden neue Rettungspakete verpackt und vertäut, man könnte sagen: wie am verteufelten, weil eintönigem Fließband. Die Gesellschaft für deutsche Sprache hat deshalb "Rettungsroutine" zum Wort des Jahres gewählt , wegen seines offensichtlich immanenten Widerspruchs: "Während eine Rettung im eigentlichen Sinn eine akute, initiative, aber abgeschlossene Handlung darstellt, beinhaltet Routine (...) eine wiederkehrende, wenn nicht gar auf Dauer angelegte und auf Erfahrungen basierende Entwicklung."

Doch wir müssen an dieser Stelle einen zaghaften Einspruch erheben. Nicht nur im Namen der Bundesärztekammer , wo man den rettenden Routineeingriff seit Jahrhunderten schätzt und der dafür sorgt, dass wer mit Tatütata rein-, meistens mit Tirili wieder rauskommt. Sondern auch stellvertretend für Hollywoods Musengewerkschaft, bevor diese Beschwerdebriefe an die Gesellschaft für Deutsche Sprache schreibt. Es lässt sich nämlich behaupten, dass eine gewisse Rettungsroutine bei Batman, Superman und deren Kollegen überhaupt keinen Widerspruch darstellt, sondern durchaus zur Basisqualifikation im Weltenbrandfall gehört und es ohne sie in Bruce-Willis-Filmen kaum so breitbeinig und verschwitzt zuginge. Und das mögen doch alle, denen das Actionkino lieb ist. Auch Diderot (siehe oben).

Jetzt wird Adam Smith natürlich einwenden, dass auch solche Leute in geistesfeindliche Apathie verfallen können, wenn sie ständig in Prequels und Sequels herumretten und was das erst mit dem Zuschauer macht. Aber so viel Smith vom Marktkapitalismus wusste, dem seine Postboten nun regelmäßig ein neues Finanzpaket bringen müssen – von der Superheldenfilmindustrie und ihren Fans weiß er, Tschuldigung, nichts. Und langweilig ist auch in der Euro-Krise bisher den wenigsten geworden. Bliebe bloß noch abschließend zu sagen, dass das routinemäßige Kommentieren eines routinemäßig gewählten Worts bei allem gebotenen Respekt wirklich und allmählich... ach, hallo Chef, ja, ist gleich fertig.