TimbuktuMalische Bibliotheksschätze in Geheimaktion gerettet

Denkmalschützer haben mit einem Angriff von Islamisten auf die Bibliothek in Mali gerechnet. In einer geheimen Aktion konnten sie wichtige Dokumente retten.

Ein Schriftstück aus Marokko, archiviert im Ahmed-Baba-Zentrum in Timbuktu, Mali.

Ein Schriftstück aus Marokko, archiviert im Ahmed-Baba-Zentrum in Timbuktu, Mali.   |  © Jordi Cami/Cover/GettyImages

Denkmalschützer und Bewohner Timbuktus sind den Islamisten nach eigenen Angaben zuvorgekommen: Schon lange hatten sie befürchtet, dass das Ahmed-Baba-Zentrum und die darin gelagerten historischen Dokumente ein Anschlagsziel für Islamisten darstellten. Deshalb hatten sie laut einem Bericht des Time Magazine einen Großteil der Dokumente in Sicherheit gebracht – lange, bevor Islamisten das Zentrum am Montag in Brand steckten.

"Die Dokumente sind nicht verbrannt", sagte Mahmoud Zouber, Berater für Islamangelegenheiten unter Expräsident Amadou Toumani Touré, dem Magazin. Es sei klar gewesen, dass die Manuskripte in der Bibliothek ein attraktives Ziel für Plünderungen und Zerstörung darstellten. Sein Büro sei deshalb im vergangenen Jahr dafür zuständig gewesen, einen Großteil der Dokumente an einen sicheren Ort zu bringen.

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Die Angaben wurden von Shamil Jeppi, Direktor des Timbuktu-Manuskript-Projekts an der Universität von Kapstadt, bestätigt. Die südafrikanische Regierung hatte das Ahmed-Baba-Zentrum bis zuletzt finanziell unterstützt und sich für den Erhalt und die Dokumentation der Manuskripte eingesetzt. Jeppi wusste von der Verlagerung der Dokumente. Nur ein kleiner Teil sei bis zuletzt in der Bibliothek verwahrt gewesen, sagte er dem Time Magazine. Der malischen Regierung gab er eine Mitschuld an der Zerstörung: Sie habe wenig für die Sicherheit des Zentrums getan.

Bürgermeister spricht von katastrophaler Situation

Auch der Bürgermeister von Timbuktu, Ousmane Cissé, konnte dem Time Magazine bestätigen, dass sich Teile der Dokumente in Sicherheit befänden. Am Wochenende wolle er von der Hauptstadt Bamako zurück in seine Stadt fliegen und sich ein Bild vom vollen Ausmaß der Zerstörung machen. Anfang des Monats war Cissé aus Timbuktu geflohen. Die Situation in der Stadt, die am Montag von französischen und malischen Truppen zurückerobert werden konnte, sei katastrophal gewesen.

Wertvolle Dokumente, zum Teil noch nicht katalogisiert

Das Institut Ahmed Baba beherbergt eine von rund 80 Privatbibliotheken Timbuktus mit der wohl bedeutendsten Sammlung alter westafrikanischer Manuskripte. Die bis zu 30.000 Handschriften befassen sich mit Pflanzenmedizin und Mathematik, Musik, islamischem Recht oder Poesie.

Ziel des in den 1970er Jahren gegründeten Instituts war es, die Manuskripte zu sammeln, zu restaurieren, zu katalogisieren und fachgerecht aufzubewahren. Sie sind historisch mit der Islamisierung Westafrikas verbunden. Die Bibliothek, die zum gleichnamigen Institut gehört, wurde 2009 für etwa 7,5 Millionen Dollar (5,6 Millionen Euro) und mit Unterstützung Südafrikas errichtet.

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Leserkommentare
    • Ingor
    • 29. Januar 2013 19:06 Uhr

    Vielleicht haben Sie überlesen, dass ich hier von der Reaktion der islamischen Öffentlichkeit rede? Dass es Muslime (engl.)oder Moslems (dtsch) waren, die die Schriften gerettet haben, steht doch nicht zur Debatte. Also die Hörner bitte wieder einfahren.

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    Muslime ist die Mehrzahl von Muslim, und das Wort steht mittlerweile im Duden. Scheint ihnen bislang entgangen zu sein.
    Und Sie können sich sicher sein, so wir die Mehrheit der Bevölkerung und Imame in Mali froh über die Rettung sind, so sind sie es auch in anderen Ländern.

  1. 34. Rettung

    Muslime ist die Mehrzahl von Muslim, und das Wort steht mittlerweile im Duden. Scheint ihnen bislang entgangen zu sein.
    Und Sie können sich sicher sein, so wir die Mehrheit der Bevölkerung und Imame in Mali froh über die Rettung sind, so sind sie es auch in anderen Ländern.

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    • Ingor
    • 29. Januar 2013 20:14 Uhr

    Das Wort "nichtsdestotrotz" steht auch im Duden, dabei gibt es das eigentlich gar nicht. Das ist in der Blödelszene der 1970er Jahre als Verballhornung aus "nichtsdestoweniger" und "trotzdem" entstanden und hat sich etabliert. "Muslim" ist die engliche Bezeichnuung und hat sich hier sukzessive durchgetzt. Nur ist meine Frage, warum die muslimische Öffentlichkeit so tolerant gegenüber den Islamisten ist, noch immer nicht beantwortet. Korinthenkackerantworten hatte ich bisher genug, vielleicht kommt noch etwas Gescheites, wer weiß?

    • Ingor
    • 29. Januar 2013 20:14 Uhr

    Das Wort "nichtsdestotrotz" steht auch im Duden, dabei gibt es das eigentlich gar nicht. Das ist in der Blödelszene der 1970er Jahre als Verballhornung aus "nichtsdestoweniger" und "trotzdem" entstanden und hat sich etabliert. "Muslim" ist die engliche Bezeichnuung und hat sich hier sukzessive durchgetzt. Nur ist meine Frage, warum die muslimische Öffentlichkeit so tolerant gegenüber den Islamisten ist, noch immer nicht beantwortet. Korinthenkackerantworten hatte ich bisher genug, vielleicht kommt noch etwas Gescheites, wer weiß?

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    Antwort auf "Rettung"
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    Typisch "Islamkritiker". Erst ne falsche Behauptung in die Welt setzen und dann nach ner Widerlegung rufen. Fahren Sie mal nach Mal, da können Sie sehen, wie "tolerant" eine islamische Öffentlichkeit gegenüber Extremisten ist.
    Handy ist übrigens keine englische Bezeichnung und hat sich nichtsdestotrotz durchgesetzt.

    • grandma
    • 30. Januar 2013 17:58 Uhr

    sind, lernen Sie bitte arabisch, türkisch usw. Informieren Sie sich in den dortigen Medien, anstatt Mutmassungen anzustellen, was dort gedacht, geäussert oder publiziert wird.

  2. Typisch "Islamkritiker". Erst ne falsche Behauptung in die Welt setzen und dann nach ner Widerlegung rufen. Fahren Sie mal nach Mal, da können Sie sehen, wie "tolerant" eine islamische Öffentlichkeit gegenüber Extremisten ist.
    Handy ist übrigens keine englische Bezeichnung und hat sich nichtsdestotrotz durchgesetzt.

    Antwort auf "Autoritätsgläubig?"
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    • Ingor
    • 29. Januar 2013 21:29 Uhr

    "Typisch Islamkritiker". Toll dahingeworfen, aber ohne Substanz. Habe ich den Islam kritisiert? Nein. Ich habe lediglich kritisiert, dass die breite muslimische Öffentlichkeit nicht Stellung gegen ihre Extremisten bezieht, nicht die Bevölkerung in Mali. Aber das kommt hier heute Abend nicht mehr an, bei dem Niveau der Antworten gebe ich alle Hoffnung auf.
    P.S.: Der englische Ausdruck "Es macht Sinn" hat sich hier auch durchgesetzt, diese blöden Belehrungen brauche ich nun wirklich nicht. Aber die Deutschen belehren halt gern.

    • Ingor
    • 29. Januar 2013 21:29 Uhr

    "Typisch Islamkritiker". Toll dahingeworfen, aber ohne Substanz. Habe ich den Islam kritisiert? Nein. Ich habe lediglich kritisiert, dass die breite muslimische Öffentlichkeit nicht Stellung gegen ihre Extremisten bezieht, nicht die Bevölkerung in Mali. Aber das kommt hier heute Abend nicht mehr an, bei dem Niveau der Antworten gebe ich alle Hoffnung auf.
    P.S.: Der englische Ausdruck "Es macht Sinn" hat sich hier auch durchgesetzt, diese blöden Belehrungen brauche ich nun wirklich nicht. Aber die Deutschen belehren halt gern.

    Antwort auf "nichts als heiße luft"
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    "Ich habe lediglich kritisiert, dass die breite muslimische Öffentlichkeit nicht Stellung gegen ihre Extremisten bezieht, nicht die Bevölkerung in Mali."

    Ach, Sie haben die gesamte Bild- und Tonberichterstattung in Mali verfolgt und können dies daher mit Sicherheit sagen?

    Und die Tatsache, dass die Bevölkerung in Mali teilweise die französische Armee mit Freudentänzen begrüßt hat, lässt Sie nicht im Geringsten an Ihrer Auffassung zweifeln.

    Vielleicht hat man in Namibia auch nichts davon gelesen, dass sich die Deutschen von den Taten des NSU distanzieren. Hielten Sie dann die Schlussfolgerung, dass die Deutschen dies auch nicht getan haben, für zulässig.

  3. Wenn der Islam auch eine "dezentrale" Religion ist, so gibt es dennoch Würdenträger, Imame, Repräsentanten usw. in maßgeblichen Universitäten, Instituten, z.B. in Kairo und auch bei uns. Es ist sehr bedauerlich, daß von dieser Seite keine entschiedenen ablehnenden Statements zu islamistischer Gewalt zu hören ist. Eine "Fatwa" wäre doch wohl mal fällig.
    Aber sehr erfreulich ist die Rettung der Kulturgüter.

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    @Schleierhaube:

    Fatwas gegen den Terrorismus und islamistische Gewalt gibt es schon lange, siehe z.B. hier: http://www.welt.de/welt_p...
    Oder hier: http://www.spiegel.de/pol...

    Der Oberste Rat der islamischen Rechtsgelehrten von Saudi-Arabien hat 2010 sogar eine Fatwa gegen die Terrorfinanzierung herausgegeben: http://www.merkur-online....

    Und nicht zu vergessen die muslimische Großdemonstration gegen den islamistischen Terror 2004 in Köln mit mehr als 20.000 Teilnehmern: http://www.spiegel.de/pol...

    Viel ausrichten können diese Fatwas allerdings nicht. Die Ursachen des islamistischen Terrors sind viel zu komplex, als daß man sie auf ein theologisches Problem reduzieren könnte. Immerhin geben die Fatwas aber den Muslimen, die sie hören wollen, starke Argumente an die Hand, um sich in der ideologischen Auseinandersetzung mit den Islamisten behaupten zu können.

  4. "Wir tun es aber trotzdem, und die tun es nicht."

    Mal abgesehen von dieser "wir-und-die-Terminologie", hat doch niemand wirklich Lust, den Muslimen zuzuhören, wenn damit nicht Bilder einhergehen, die die Sensationsgeilheit der Menschen im "Westen" interessiert.

    Woher nehmen Sie die Gewissheit, dass Zeitungen in Mali oder anderen muslimischen Ländern, wie z.B. Somalia oder teilweise Nigeria, die Taten der Islamisten in Mali nicht verurteilt haben.

    Haben Sie die alle gelesen und können dies also mit Sicherheit ausschließen? Oder schließen Sie eher von der Tatsache, dass Sie nichts mitbekommen haben darauf, dass es nicht stattfindet? Das wäre eine krasse Auffassung von Ihrer eigenen Wahrnehmungsfähigkeit.

  5. "Ich habe lediglich kritisiert, dass die breite muslimische Öffentlichkeit nicht Stellung gegen ihre Extremisten bezieht, nicht die Bevölkerung in Mali."

    Ach, Sie haben die gesamte Bild- und Tonberichterstattung in Mali verfolgt und können dies daher mit Sicherheit sagen?

    Und die Tatsache, dass die Bevölkerung in Mali teilweise die französische Armee mit Freudentänzen begrüßt hat, lässt Sie nicht im Geringsten an Ihrer Auffassung zweifeln.

    Vielleicht hat man in Namibia auch nichts davon gelesen, dass sich die Deutschen von den Taten des NSU distanzieren. Hielten Sie dann die Schlussfolgerung, dass die Deutschen dies auch nicht getan haben, für zulässig.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Immerhin kann man in der in Deutschland erscheinenden "Islamischen Zeitung" (hauptsächlich von Konvertiten herausgegeben), deren Integrität und Verbreitung ich allerdings nicht kenne, ziemlich deutliche Worte finden (vom 18.1.13!):

    "Die Horden so genannter „Islamisten“ in der Region sind tatsächlich nicht nur ein Ärgernis, sondern eine schwerwiegende Gefahr. Die ignoranten Zerstörungen in Timbuktu sprachen bereits Bände über den ideologischen Kern der Bewegung. Die kalte Umsetzung von Normen durch eine Heerschar relativ ungebildeter Raufbolde beschädigt nicht nur das Bild des Islam in der Welt, sondern birgt tatsächlich die Gefahr, dass in der Region ein bedrohliches Rückzugsgebiet für Terroristen entstehen könnte. ... Klar ist auch: Wer die isoliert agierten Rebellen und Gruppen in den Rang einer offiziellen muslimischen Bewegung befördern will, dem geht es in Wirklichkeit um eine Kampagne gegen den Islam. ... " (Quelle: http://www.islamische-zei...)

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  • Quelle ZEIT ONLINE, sk
  • Schlagworte Bibliothek | Brand | Mathematik | Poesie | Mali | Sammlung
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