Scorsese-AusstellungDie berühmtesten Boxershorts der Filmgeschichte

Martin Scorsese gehört zu den bedeutendsten Regisseuren der Gegenwart. Jetzt zeigt das Berliner Filmmuseum die erste Ausstellung zu seinem Leben und Werk überhaupt. von Peter von Becker

Robert de Niros Boxausstattung aus dem Film "Wie ein wilder Stier" ist einer der Höhepunkte der Scorsese-Ausstellung in der Deutschen Kinemathek.

Robert de Niros Boxausstattung aus dem Film "Wie ein wilder Stier" ist einer der Höhepunkte der Scorsese-Ausstellung in der Deutschen Kinemathek.  |  © John MacDougall/AFP/Getty Images

Ein blutdurchtränktes Hemd hinter Glas, ausgestellt wie eine Reliquie. Ein leicht gruseliger Augenschmaus. Doch es ist Kunstblut, vom Besten! Robert De Niro hat in seinen Verträgen stehen, dass er nach Drehschluss die Kostüme seiner Filme behalten darf. Als er als junger Schauspieler einmal das Kleid von Vivienne Leigh oder den Anzug von Clark Gable aus Vom Winde verweht sah, dachte der künftige Star: Sowas muss man immer bewahren!

Und so sehen wir jetzt in Berlin jenes letzte Hemd, das De Niro als Exsträfling vor gut 20 Jahren in Martin Scorseses Thriller Kap der Angst getragen hat. Oder die Boxershorts und Handschuhe, als De Niro, legendär und wieder bei seinem Lieblingsregisseur, 1980 in Raging Bull der tanzende, taumelnde Faustkämpfer Jake La Motta war.

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Die Anekdote über De Niro erzählt die Kuratorin und Filmhistorikern Kristina Jaspers. Zusammen mit ihrem Kollegen Nils Warnecke hat sie die ziemlich fabelhafte Ausstellung über Leben und Werk des amerikanischen Filmregisseurs Martin Scorsese gestaltet, die seit heute im Berliner Museum für Film und Fernsehen am Potsdamer Platz zu sehen ist.

Nicht nur für eingefleischte Cineasten, auch für das größere Publikum ist das eine Verführung ins künstliche Paradies. Ein Paradies freilich auch der Gewalt – alle haben ihre Unschuld verloren und sind nackt noch in ihren Roben: wie Cate Blanchett, die man sich in ihrer Oscar-preisgekrönten Rolle als Katherine Hepburn im gleichfalls ausgestellten Originalkostüm aus Scorseses Aviator von 2004 vorstellen darf. Es sind Zeugnisse von gewalttätiger, gewaltiger Schönheit. Auch Aviator, ein Biopic über den Magnaten Howard Hughes, war eigentlich ein Männerfilm, über die Macht des Geldes, aber auch den Traum eines Filmtycoons. Der New Yorker Italoamerikaner Martin Scorsese wird immer zuerst mit Protagonisten wie De Niro, Nick Nolte, Willem Dafoe oder in neuerdings Leonardo DiCaprio assoziiert. Mit Filmepen über den mörderischen Taxi Driver, die Good Fellas der Mafia, die Gangs of New York. Doch wie bei vielen große Romanautoren oder bildenden Künstlern schauen Scorseses Männerfantasien auch tief in Frauenseelen.

Scorsese war einer der animierenden Regisseure etwa von Ellen Burstyn (Titelheldin in Alice lebt hier nicht mehr), Liza Minelli (New York, New York) oder eben Cate Blanchett. Und zuletzt in seiner 3-D-Fantasy Hugo Cabret vereint und verspinnt er Generationen, Geschlechter und Zeiten in einem märchenhaften Traum von der Geburt des Kinos. In Berlin sind nun einige Hugo-Requisiten und Entwürfe zu bestaunen, auch eine kostbare, messingbeschlagene Kamera aus Paris von 1880.

Für den Jungen Marty aus Queens, der 1948 erstmals Fernsehen sah und kurz danach mit seiner Familie über den East River nach Downtown ins Little Italy von Manhattan zog, war der Film von früh an sein Traum – der Wirklichkeit werden sollte. In der Berliner Ausstellung hängt darum als vielleicht tollstes von knapp 600 Exponaten: ein vielfarbige Storyboard, das der 11-Jährige M.S. mit Buntstiften überaus akkurat sich ausgemalt hat für ein Römerdrama mit dem Titel The Eternal City. Schon da spielt er mit seinem Namen, nennt den groß gedachten Farbfilm im Vorspann eine "Maresco Production", besetzt mit Richard Burton, Alec Guiness, Jack Hawkins und Virginia Mayo, "Directed and Produced by Martin Scorsese". Fast alles schon da, auf dem Kinderpapier.

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