Teresa EnkeTheater stoppt Stück über depressiven Torwart

Das Maxim Gorki Theater will sich mit Teresa Enke, der Witwe des Nationaltorwarts, aussöhnen. Sie wollte gegen ein Stück klagen, das an ihre Familiengeschichte erinnert.

Das Maxim Gorki Theater in Berlin hat angekündigt, Teile seines neuen Stücks auszusetzen und sich um eine Aussöhnung mit Teresa Enke zu bemühen. Die Witwe des Nationaltorhüters Robert Enke hatte gedroht, mithilfe eines Rechtsanwalts gegen das Theater vorzugehen. Enke wollte verhindern, dass die Geschichte ihrer Familie auf der Bühne vermarktet wird.

Anlass ist das Stück Demenz, Depression und Revolution von Fritz Kater, das am Samstag uraufgeführt wurde. Der frühere Manager des Torwarts, Jörg Neblung, sagte, das Stück habe Teresa Enke sehr verärgert, weil es sich ungefragt an der Enke-Biografie von Ronald Reng entlanghangele.

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Die Inszenierung besteht aus drei unabhängigen Teilen: Im mittleren Teil geht es um einen depressiven Torwart, der sich umbringt, und um die Frau an seiner Seite. Auch vom Tod des Kindes ist die Rede.

Enkes Rechtsanwalt Heiko Klatt sagte, "es liegen eindeutig Persönlichkeitsrechtsverletzungen vor". Obwohl der Torwart aus dem Stück in Braunschweig lebt, sei die Familie Enke eindeutig zu identifizieren. Möglicherweise werde auch das Urheberrecht verletzt.

Theater setzt Teile des Stücks aus

Die Verantwortlichen des Theaters wollten die Probleme mit Enke klären und bis zu einer Lösung "auf die Ansetzung des zweiten Teils der Aufführung" verzichten, kündigten sie am Dienstagabend an.

Dem Theater und Regisseur Armin Petras sei es mit dem Stück ausschließlich darum gegangen, das persönliche Schicksal Enkes in einen allgemeingültigen Fall zu überführen und so künstlerisch darzustellen, erklärte das Theater. Der unumstrittene erste Teil der geplanten Trilogie soll weiter gezeigt werden.

Kommerzialisierung der Tragödie soll verhindert werden

Die Film- und Aufführungsrechte der im Piper Verlag erschienenen Biografie liegen bei Teresa Enke. "Speziell so kurz nach dem Tod wollte Teresa Enke sichergehen, dass das Buch nicht ungefragt verfilmt, vertont oder aufgeführt wird", sagte der Berater und Freund der Familie, Neblung. Eine Kommerzialisierung der Tragödie sollte verhindert werden.

Der Torhüter von Hannover 96 litt unter schweren Depressionen und nahm sich im November 2009 das Leben. Die herzkranke Tochter der Enkes war drei Jahre zuvor im Alter von zwei Jahren gestorben.

Seit dem Tod ihres Mannes setzt sich Teresa Enke mit der Robert-Enke-Stiftung für eine Enttabuisierung der Krankheit Depressionen und für herzkranke Kinder ein, möchte aber ihr Privatleben schützen.

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Leserkommentare
  1. 9. Goethe

    Johann Wolfgang von Goethe und Jerusalem kannten sich persönlich - ein Unterschied, der evtl. zu mehr Sensibilität geführt hat.
    Die Selbstmordserie von Lesern hat (meiner Meinung wohl zurecht) für Kritik am Werk gesorgt.

  2. Revolution gibt was her, das erinnert unheimlich an den letzten Parteitag der FDP.

    Die halten bestimmt die Namensrechte, also Autor aufgepasst, da steht ein Urheberrechtsstreit an.

  3. 11. Nanu?

    Gleicher Komentar-Thread, anderer Artikeltext?

    however ...

    Das Theater und Regisseur Armin Petras haben sehr glaubwürdig reagiert.
    Prima!

    • cmaul
    • 09. Januar 2013 3:25 Uhr

    zweimal derartig die Arschkarte ausgeteilt bekommt und das nicht in aller Öffentlichkeit breitgetreten haben will oder trivialisiert haben will, dann soll man das respektieren. Das Geschwafel über den Rückbau der Dinosaurier aka Freiheit der Kunst hilft hier nicht. Sehr richtig 'grauHaar': man muss nicht alles machen, was man kann.
    Schon garnicht aus PR Gründen, denn hätte der Selbsmord von Fritz Müller, Torwart in der Kreisliga unter den gleichen Umständen interessiert?

    Die jämmerliche Reaktion von Goethe zum Werther: "Und nun wollt Ihr einen Schriftsteller zur Rechenschaft ziehen und ein Werk verdammen, das, durch einige beschränkte Geister falsch aufgefasst, die Welt höchstens von einem Dutzend Dummköpfen und Taugenichtsen befreit hat,...“

    Sowas muss man nicht wiederholen. Dass das Urheberrecht der einzige Hebel ist, mit dem Frau Enke das machen kann, ist natürlich nicht schön. Da stimme ich vollkommen überein 'michaelrenner', aber ich finde das Gorki Theater hätte durchaus vorher wissen können, dass es Hinterblieben gibt, deren Gefühle respektieren und mit Frau Enke reden können, ohne dass sie die legale Keule schwingen muss.
    Mein Respekt und mein Mitgefühl für Frau Enke.

    Eine Leserempfehlung

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  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa, sk
  • Schlagworte Robert Enke | Hannover 96 | Theater | Armin Petras | Demenz | Depression
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