Berlinale-Film "Promised Land"Gier versus Gemeinsinn

In "Promised Land" erzählt Gus Van Sant von skrupellosen Energieunternehmen und braven Farmern. Auf etwas plumpe Art zeigt er: Das gute Amerika liegt in der Provinz. von Christian Schröder

Das Zeitalter der fossilen Brennstoffe neigt sich dem Ende zu. Künftig werden wir mit den Ressourcen sparsamer umgehen müssen. Oder ist die Party doch noch nicht vorbei? Kann der Gasfuß noch ein bisschen durchgedrückt bleiben, dürfen die Industrieschlote weiter rauchen? Gerade euphorisiert eine neue Technologie die Energieindustrie. Beim Fracking werden Wasser, Sand und Chemikalien in tief liegende Gesteinsschichten gepresst, um bislang unzugängliche Gas- und Ölvorkommen ausbeuten zu können. Das ist gut für die Rendite. Für die Umwelt weniger.

"Ich verkaufe den Leuten kein Erdgas. Ich verkaufe denen ihre letzte Chance", sagt ein von Matt Damon gespielter Top-Angestellter. Von seiner Firma, einem Neun-Milliarden-Dollar-Multi, wird er aus New York in eine ländliche Kleinstadt namens McKinley geschickt, um die dortigen Farmer zu überreden, die Förderrechte für das Erdgas unter ihrem Land abzutreten. Im Motel, wo er mit einer Kollegin (Frances McDormand) abgestiegen ist, erfährt er per SMS von seiner Ernennung zum Abteilungsleiter. Macht er seinen Job gut, wird er weiter aufsteigen.

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Promised Land, der Titel von Gus Van Sants Wettbewerbsbeitrag, ist doppeldeutig. Denn es scheint eher ein Fluch auf diesem Land zu liegen, die Landwirtschaft befindet sich im Niedergang, die meisten Höfe sind überschuldet. Manche Farmer versuchen sich mit der Zucht von kuriosen Miniaturpferden über Wasser zu halten. Doch so wie die Kamera über satte, sonnendurchflutete Weiden fliegt, wie sie freilaufende Hühner vor pittoresk verrottenden Holzscheunen einfängt, wird klar, dass wir uns auf gesegnetem Boden befinden, im Herzen des wahren, des guten Amerika. Man wartet nur darauf, dass John-Boy, Jason und Jim-Bob aus der Fernsehserie Die Waltons gleich hinter einem Hühnerstall hervorkommen.

Damon wollte eine Geschichte, "die uns betrifft"

Matt Damon spielt nicht nur die Hauptrolle, er hat auch am Drehbuch mitgeschrieben, das einer Story des Schriftstellers Dave Eggers folgt. Aus den Wirtschaftsschlagzeilen der Zeitungen wollte er eine Geschichte formen, "die uns betrifft". Dabei hätte ein elegant vertrackter Thriller wie Michael Clayton herauskommen können, der von einer Sammelklage gegen einen Chemiekonzern erzählte.

Doch Promised Land begnügt sich damit, die Welten der kleinen Leute und des Corporate America auf eine Art einander gegenüberzustellen, wie es plumper kaum geht. Château-Weine versus Budweiser-Bier, Businesskonferenzen per Skype versus Trinkgelage in Bobby’s Place, Gier versus Gemeinsinn. Natürlich wird der Bürgermeister geschmiert, und selbst der Ökoaktivist, der Schilder mit Fotos von vergifteten Kühen aufstellt, spielt ein doppeltes Spiel.

Es gibt durchaus amüsante Szenen, etwa wenn Damon und McDormand sich mit Holzfällerhemden und Billigjeans als Provinzler kostümieren, aber sofort als Eindringlinge enttarnt werden. Der von Damon dargestellte Verkäufertyp schafft es, Vertrauen aufzubauen, weil er selbst auf einer Farm aufgewachsen ist. Er schwadroniert: "Scheiß viel Geld ist die Erlösung für euch", erliegt aber mehr und mehr dem Charme des Ländlichen, verkörpert von einer attraktiven lokalen Lehrerin (Rosemarie DeWitt). Wie lautet noch das Sprichwort? "You can take the man out of the small town, but you can’t take the small town out of the man." Oder so ähnlich.

Erschienen im Tagesspiegel

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Leserkommentare
  1. ...hat die ZEIT-Redaktion mir das Geld für eine Kinokarte eingespart...

    Eine Leserempfehlung
    • Maczin
    • 09. Februar 2013 19:25 Uhr

    Die amerikanischen Energiekonzerne sind wirklich böse, aber das ja nur, weil es die Amerikaner zulassen. Also sind sie selber schuld in ihrer Demokratie.

  2. danieder.

    Eine ehrlichere Sichtweise der Dinge: der Film "Food Inc."
    http://www.pbs.org/pov/foodinc/#.URagw6k1GT4

    Viel Spaß und guten Appetit!

    2 Leserempfehlungen
  3. Wo Chevron auftaucht wächst so schnell kein Gras mehr, egal ob im Irak der USA Europa oder in den USA.

    Den Film hier habe ich nicht gesehen kann dazu also nichts sagen, aber es ist wohl vermutlich eher ein Unterhaltungsmedium.

    Eine Leserempfehlung
  4. Vor allem zeigt der Film, dass sich die Vereinigten Arabischen Emirate, wenn sie schon auf Grund des Frackings langfristig auf dem Weltenergiemarkt an Boden verlieren, in der Filmindustrie ein neues Feld erschließen können.

    Der Film "Promised Land" wurde jedenfalls bereits von einer der dortigen staatlichen Filmgesellschaften massiv mit finanziellen Mitteln gefördert.

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  • Schlagworte Film | Berlinale | USA
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