Papst-Rücktritt : Ratzinger hat das Papstamt verweltlicht
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Die zentrale Bastion der katholischen Kirche ist implodiert

Was bedeutet dieser Schritt Ratzingers eigentlich für einen strenggläubigen Katholiken? Nichts weniger als eine tiefe Desorientierung, die auch ein neuer, möglicherweise erfolgreicherer Pontifex Maximus nicht so bald überwinden kann. Wäre die Forderung nach einem Rücktritt des Papstes von einem der üblichen Kirchen- und Papst-Kritiker gekommen, etwa aus dem Munde von Hans Küng, so hätten alle frommen Kinder der Mutter Kirche reflexartig abwehrend reagiert.

Nun ist die zentrale Bastion der Katholischen Kirche aber nicht unter den hinterhältigen Angriffen eines kirchenfeindlichen Pogroms gefallen, sondern einfach implodiert. Unabhängig von der jeweiligen Person, die künftig auf dem Stuhl Petri sitzen wird: Erzbischof Woelki aus der prononciert weltlichen Stadt Berlin hat schlicht recht, wenn er feststellt, Benedikt XVI. habe das Papstamt entzaubert.

Er hat es verweltlicht. Die Kirchen-Traditionalisten stehen vor der schlicht nicht zu bewältigenden Paradoxie, dass ihr Idol sich dem Vorbild einer zurückgetretenen evangelischen Bischöfin annähert. Nach seinem Rücktritt wird Benedikt XVI. alle Sympathie und aller Respekt der Welt zuteil – gibt es giftigere Komplimente? Ratzinger ist die Inkarnation des Erzkonservativen, der unfreiwillig für den Umsturz sorgt. Er könnte als Papst der Paradoxien in die Geschichte eingehen, ob der produktiven oder der desaströsen Paradoxien, das entzieht sich noch irdischer Einsicht.

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Kommentare

93 Kommentare Seite 1 von 11 Kommentieren

Was meint der Herr Medienwissenschaftler , wenn er sagt:

Der Rücktritt "bringt das sakrale Gebilde Kirche auf das Niveau irdischer Vernunft"?

Zu diesem sakralen Gebilde gehört auch das "Institut für die religiösen Werke" bekannt und berüchtigt als "Vatikanbank".

"Der überraschende Rücktritt von Papst Benedikt XVI. hat weltweit zu wildesten Spekulationen Anlass gegeben. Von körperlicher Schwäche und Grabenkämpfen im Vatikan ist die Rede. Doch kaum einer blickt auf den Ort, der möglicherweise eine wichtige Rolle bei seinem Rücktritt gespielt hat: die Vatikanbank. Noch immer ist sie offenbar ein Hort von Geldwäsche und Schmiergeldzahlungen. Alle Versuche, Geschichte und Gegenwart aufzuarbeiten, sind bislang gescheitert - am internen Widerstand in der Kurie...
In den letzten Tagen von Benedikts Amtszeit wurde noch hastig ein Deutscher zum neuen Chef ernannt - doch Insider bezweifeln, ob er wirklich rücksichtslos aufklären wird.>>>VIDEO:
http://www.wdr.de/tv/moni...

Zumindest hat es gezeigt, ...

Man kann dem Papst vorwerfen, Doppelmoral betrieben zu haben, weil er von jedem Menschen fordert sein Schicksal anzunehmen und zu ertragen, ABER wenn man die letzten Auftritte gesehen hat, dann ist der Rücktritt eine sinnvolle Entscheidung. Was, wenn er eventuell z.B. auch an Demenz leidet (was in dem Alter nicht verwunderlich wäre).

... das die Mehrheit der Kardinäle bei der Wahl keinen guten Draht zu ihrem Go†† hatten, denn angeblich werden sie dabei ja von diesem geleitet. Auch das Demenzargument zieht in dem Zusammenhang nicht, davor hätte ihn sein Chef ja bewahren können. So oder so haben die RKK-Christen bereits eine Antwort darauf "Go††es Wege sind unergründlich", also fragt nicht danach.