Der Fall der inhaftierten Musikerinnen von Pussy Riot kommt in Moskau auf die Bühne: Für die Performance Die Moskauer Prozesse inszeniert der Schweizer Regisseur Milo Rau dort eine dreitägige Gerichtsshow. Darin geht es um Zensur, Kunst- und Meinungsfreiheit – und die Frage, ob diese über den Interessen der Kirche stehen.

Rau legt sein Stück konfliktreich an: Staatstreue Kräfte und russisch-orthodoxe Christen treten liberalen Künstlern gegenüber. Inszeniert hat er das mit echten Juristen und Kunstschaffenden.

Die Moskauer Prozesse handeln nicht nur vom Protest der Pussy-Riot-Musikerinnen, die vor einem Jahr wegen einer Protestaktion in der Moskauer Erlöserkathedrale festgenommen wurden. Thematisiert werden auch andere Prozesse gegen Kulturschaffende, die von russischen Gerichten wegen der vermeintlichen Verletzung religiöser Gefühle verurteilt wurden. 

"Früher habe ich für die Freiheit von uns Christen gegen die Kommunisten gekämpft, heute verteidige ich die Freiheit der Kunst gegen die Religion", sagt die Kulturwissenschaftlerin Jelena Wolkowa in einem Gerichtsappell auf der Bühne. Die Anwältin Anna Stawizkaja, die den Kurator Andrej Jerofejew verteidigte, zieht Parallelen zu den christlichen Bilderstürmern.

Gefahr "antichristliche Kunst"

Für die Anklage gegen die "liberale Kunst" argumentiert Maxim Schewtschenko, ein Star des vom Kreml gesteuerten Fernsehens: Er warnt vor der Gefahr "antichristlicher Kunst" für Russland.

Milo Rau bietet vor allem jenen unbequemen Künstlern ein Forum, die sich nicht mit einer "regimetreuen und russisch-orthodoxen Staatskunst" arrangieren wollen. Darunter sind etwa der Künstler Dmitri Gutow und die auf Bewährung aus der Haft entlassene Pussy-Riot-Aktivistin Jekaterina Samuzewitsch. Aufgeführt wird die Performance im Moskauer Sacharow-Zentrum, in dem russisch-orthodoxe Fundamentalisten 2003 eine Ausstellung mit dem Titel Vorsicht, Religion! verwüsteten.

Die Performance, die auch auch als Doku-Drama verfilmt wird, ist Teil eines Projekts, das der Theatermacher im Herbst in Weimar begonnen hatte. Im Juni endet es in Raus Heimatstadt Bern mit der Uraufführung des Dokumentarfilms.