OnlinemagazinDie Leser bezahlen ihre eigenen Korrespondenten

Das neue niederländische Onlinemagazin "De Correspondent" will sich nur über die Abonnenten finanzieren. Mit Erfolg: in einer Woche 1 Million Euro und 15.000 Jahresabos. von Sophie Derkzen

Screenshot des Online-Magazins "De Correspondent", das ab September 2013 live gehen soll.

Screenshot des Online-Magazins "De Correspondent", das ab September 2013 live gehen soll.  |  © Screenshot ZEIT ONLINE

"Eine tägliche Medizin gegen den Wahn des Tages" will das neue niederländische Online-Magazin De Correspondent sein. Noch bevor die Website einen einzigen Artikel veröffentlichte, war sie schon Mittelpunkt der Nachrichten – nicht nur in den Niederlanden. Jay Rosen, Professor für Journalismus an der New York University, schrieb auf Twitter, De Correspondent sei "das interessanteste journalistische Start-Up, von dem ich 2013 gelesen habe".

De Correspondent ist auf jeden Fall ein spektakulärer Fall von Crowdfunding. Die Gründer um den 30-jährigen Journalisten Rob Wijnberg brauchten 15.000 Mitglieder, um eine Redaktion aufzubauen und mindestens ein Jahr lang produzieren zu können. Jedes Mitglied sollte jeweils mindestens 60 Euro zahlen. Wohlgemerkt für ein Online-Medium, das es in dem Moment noch überhaupt nicht gab. 30 Tage hatten sich die Initiatoren Zeit gegeben, doch schon innerhalb der ersten 24 Stunden war die erste Hälfte der Summe eingegangen. Eine Woche später war das Projekt finanziert. Etwa 15.000 Leute schenkten der Initiative mehr als 1 Million Euro.

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Dies zeige, dass Leser bereit sind, für Qualitätsjournalismus im Internet zu bezahlen, sagt Wijnberg. Der ehemalige Chefredakteur von NRC Next, der jungen Ausgabe des NRC Handelsblad, verspricht, De Correspondent werde mit seinen profunden Analysen, Recherchen und Hintergrundartikeln ein Ruhepunkt jenseits der medialen Dauerkanonade sein.

"Aktuelle Nachrichten hört und liest man schon überall," sagt Wijnberg. "Viele traditionelle Medien schreiben mehr und mehr über genau die gleichen Themen. Wir wollen nicht noch einmal erzählen, was los ist in der Welt, sondern warum es passiert."

Seine Redaktion bestehe aus "eigensinnigen Korrespondenten", die auf persönliche Weise von ihren Recherchen berichten sollen, sagt Wijnberg. Einige renommierte niederländische Journalisten konnte er für De Correspondent gewinnen. Etwa Joris Luyendijk, der auch für den Guardian schreibt. Vor einigen Jahren berichtete er auf fast anthropologische Art über die Biotope des Bankers: Was treibt sie an, wie konnte die Finanzkrise entstehen? "Luyendijk lässt sich von den größeren Fragen hinter die Nachrichten leiten. Damit ist er eine Inspirationsquelle für De Correspondent, sagt Wijnberg. Ein weiteres Vorbild sei das US-Blog The Dish von Andrew Sullivan, das seit Januar nur noch von Lesern finanziert wird, statt wie die meisten großen Onlinemedien auf Werbeeinnahmen zu setzen.

Leserkommentare
    • 15thMD
    • 16. April 2013 19:44 Uhr

    Ich kann mir zwar noch nicht 100%ig vorstellen, wie das ganze mal aussehen wird, aber vom Konzept her gefällt mir das sehr gut.

    Nachrichten an sich gibt es genügend, da reicht mir sogar Google News. Nach dem Lesen des ersten Absatzes weiß man, dass in Boston 2 Bomben explodiert sind. Dafür brauche ich keine Online Zeitungen wie ZEIT.de.

    Wenn es aber um Hintergrundberichte und den so gerne zitierten Qualitätsjournalismus geht, dann bin ich auf die Journalisten angewiesen.

    De Correspondent scheint mir hier den richtigen Ansatz gefunden zu haben. Qualitätsjounalismus ohne Paywall ist eine Illusion. Nachrichten sollten frei verfügbar sein, auch auf De Correspondent. Aber für qualitativ hochwertige und aufwendige Artikel bezahle ich gerne.

    Mal sehen, wie sich die Seite entwickelt. Vielleicht werde ich mir auch bald ein Abonnent.

    Liebe ZEIT Redaktion: Überlegen Sie sich bitte genau, ob Sie ihr Online-Angebot nicht grundlegend überdenken wollen. Menschen haben Ideen, gründen Startups und es dauert nicht mehr lange, bis es Ihnen so geht, wie der Musik-/Buchindustrie.
    Heute bekommen nicht mehr Künstler und Lables den Großteil der Einnahmen aus Musik, sondern Google, Apple und Spotify. Bei Büchern ist es eben Amazon.

    Hoffen wir, dass das gleiche nicht auch im Journalismusbereich passiert. Wenn aber doch, dann durch Selbstverschulden.

    8 Leserempfehlungen
    • cmim
    • 16. April 2013 19:49 Uhr

    ... good news shows up. sounds excellent.

    via ZEIT ONLINE plus App

  1. Mehr Nachhaltigkeit im Journalismus ist wirklich sehr wünschenswert. Somit ist das Projekt absolut zu Loben. Allerdings stimmt mich die Paywall skeptisch.

    2 Leserempfehlungen
  2. ...de website ziet in ieder geval interessant eruit! Spannend ook...

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • hairy
    • 16. April 2013 20:59 Uhr

    maar waarom alweer de heer Grunberg? Ik heb het gevoel, als kom ik die nu echt regelmatig tegen, als ik de TV aanzet.... :|

  3. ...die bereit sind online für Informationen/Nachrichten zu bezahlen.
    Die Menschheit ist besser als ihr Ruf.
    Ich hoffe diese Experiment macht Schule.

    „Werden wir richtig informiert? Ich übertreibe nicht, wenn ich behaupte, daß von der Antwort auf diese Frage die Zukunft der menschlichen Gesellschaft abhängt.“
    Arnold Joseph Toynbee

    2 Leserempfehlungen
  4. ...würde ich mir hierzulande auch wünschen:

    Ich persönlich lese schon lange nicht mehr "die Zeitung" sondern eher "den Journalisten".

    Der Name und der Ruf des Verfassers bürgen für die Qualität und Glaubwürdigkeit, nicht mehr der der Zeitung.

    Ich informiere mich inzwischen übergreifend bei Medien wie der "Zeit", der "Süddeutschen" und mehr und mehr bei kompetenten Blogs, deren Autoren allerdings oftmals keinen oder kaum einen Cent für Ihre Arbeit sehen.

    Hierbei lese ich einen Prantl gerne, einen Beise nie, einen Leyendecker wohl, einen Stefan Cornelius gar nicht. Gleiches gilt für die Zeit, wo ich beispielsweise gleichermaßen beeindruckt bin von den Artikeln einer Carolin Emcke, wie desinteressiert an denen eines Herrn Joffe (Sorry, aber meine persönliche Meinung)

    Für eine Online-Zeitung, die die klügsten Köpfe vereint und diesen ein geeignetes Forum bietet, in ihrer jeweiligen Sparte in Ruhe und mit der nötigen Muße hochwertige Artikel zu verfassen und dies kombiniert mit einer technisch gut gestalteten Möglichkeit für die Leser, sich einzubringen und mitauszutauschen, würde ich durchaus Geld ausgeben.

    Für triviale, achtlos aus Pressemitteilungen und Agenturmeldungen zusammengestoppelte Beliebigkeiten hingegen gar nicht.

    5 Leserempfehlungen
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    Lese hier sehr gerne:

    http://www.journal21.ch/

    ...schaue ich mir gerne mal an.

  5. ...nur gewinnen - wenn die holländischen "Qualitätsmedien" ähnlich den deutschen sind.

    4 Leserempfehlungen
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    Aber sicher!
    .
    Qualität! Nicht aber "Buntes" und mit wenig Wissen und Hintergrund kopierte Agenturtexte!
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    Wenn einem durchschnittlichem Leser schon beim oberflächlichen Lesen eines Betrags gravierende Fehler auffallen, kann das "Batt" wohl nicht mehr erwarten, dass es das auch noch hinter einem "paywall" bezahlt bekommt.
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    Selbst die Printausgaben der "Qualitätsmedien" sind (verzeihen sie diese ehrliche Meinung, Redaktion der Zeit) immer mehr verflacht und füllen vieles aus den Agenturen nur dürftig auf.
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    Buntes und Agneturen sind wohlfeil. Eigene Artikel mit Hintergrund, Tiefe, Breite ohne Werbung sind Geld ,auch im NETZ, wert!
    .
    Ich verstehe NICHT, warum nach Wegfall der "Postproduktion" d.h. Druck, Vertrieb, etc. es nicht viel mehr Kollegen versuchen, als unabhängige Reaktionen diesen "holländischen" Weg zu gehen.
    .
    Bloger können den Bedarf nicht abdecken, da sollten "gelernte" Redaktionen ran, die in Eigenverantwortung ohne einen Verleger zu füttern oder von diesem be-,gehindert zu werden, ihre Arbeit richtig machen.
    .
    Meint
    Sikasuu

  6. Lese hier sehr gerne:

    http://www.journal21.ch/

    Antwort auf "Großartige Idee...."

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