Szene aus dem Stück "Migronauten" © Aris Papadopoulos

Da stehen sie aufgereiht nebeneinander: Aris, Eli, Fotini und die anderen sechs WG-Bewohner. Sie heben die Beine, rudern mit den Armen, sie stöhnen, schwitzen und bewegen sich doch nicht vom Fleck.

"Wir laufen und kommen nicht an", so sagt man in Griechenland, wenn viele Mühen vergeblich sind. Es ist die erste Szene in dem kleinen, aber bemerkenswerten Stück Migronauten, das von den neuen Einwanderern in Deutschland erzählt. Und von ihnen selbst gespielt wird.

Die Darsteller sind Studenten und junge Berufstätige, sie kommen aus Thessaloniki, Athen oder Nicosia, wohnen nun in Berlin. Die meisten stehen zum ersten Mal auf der Bühne. Gefunden haben sie sich zum Teil über die Facebookgruppe Greeks in Berlin. Der Titel des gemeinsam konzipierten Stücks Migronauten beschreibt, wie sich diese jungen Griechen fühlen: wie Flüchtlinge und Pioniere zugleich.

"Unsere Generation hat kaum etwas mit den Gastarbeitern gemein, die vor 40 Jahren kamen", sagt Elena Sokratous, Theaterpädagogin und Regisseurin des Stücks. Damals zogen die Migranten aus griechischen Bergdörfern nach Deutschland, um bei Siemens und Daimler am Band zu stehen. 

Heute arbeiten die Mitglieder der Gruppe als Psychiater oder Web-Entwickler, sie haben Abitur und Studienabschlüsse. Das Theaterspiel ist für beide Generation ein Anlass zum Austausch geworden. Die alteingesessenen Griechen organisierten einen Spielort, ein interkulturelles Zentrum im Stadtteil Neukölln.  

Subtile Rückgriffe auf die Mythologie

Das Stück wird auf Griechisch gespielt mit deutschen Übertiteln. Man sieht, wie die Migronauten in ihrer Wohnung sitzen, sie essen und trinken gemeinsam, sie reden über Liebe und Leben in Deutschland, über Arbeit und Studium. Alles erscheint recht unbekümmert. Nur einer kann sich daran nicht erfreuen.

Sebastian, ein Deutsch-Grieche, ist der Außenseiter der Clique. Er schließt sich ein in seinem Kosmos aus Ballerspielen und lauter Musik. Er kleidet sich dunkel, die Haare sind lang. Attribute, die unter Pädagogen schon als verdächtig gelten. So sehr er sich von den anderen abwendet, so sehr sucht er insgeheim den Kontakt zu ihnen. Nur keiner reagiert auf seine Zeichen. Bis er die Büchse der Pandora öffnet.