Nachruf Eddi ArentEin kunstvoller Komiker zwischen Hausbackenem

Der Schauspieler Eddi Arent ist gestorben. Ihn zeichnete sein Talent aus, schusselig, manieriert und spleenig zu wirken und selbst Nebenrollen dadurch aufzuwerten. von Joachim Huber

Seine Filmographie ist fast unheimlich. Seit 1954 hat Eddi Arent jedes Jahr in einem, mal in zwei, drei, ja in vier Kinofilmen mitgespielt. Unersetzlich muss er gewesen sein, der Schauspieler, der von sich nur sagte: "Drehe sparend – dreh mit Arent". Kein Genre hat der Danziger, geboren am 5. Mai 1925 als Gebhardt Georg Arendt, ausgelassen: Krimi, (Schlager-)Komödie, Western. Durch zwei Reihen hat er sich ins Zuschauergedächtnis gespielt, durch die Edgar-Wallace- und die Karl-May-Verfilmungen.

Seine Figuren waren prägnant, ihre Funktion exakt: Wenn Arent als abenteuersuchender Lord Castlepoole durch den Wilden Westen stapfte, war Entspannung im Cowboy-und Indianer-Spiel angesagt, in der Wallace-Reihe markierte er manierierte Butler, schusselige Polizeifotografen und Kriminalassistenten – und vor allem den Sidekick vom heldischen Fahnder oder vom bösen Klaus Kinski. Er sprach steinernes Bürokratendeutsch, servil und spleenig war er in seinen abgezirkelten Bewegungen und in der Mimik so wie Buster Keaton. Aber seine Rollen, so nebensächlich sie eigentlich sein mochten, machten ihn unverkennbar.

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Und er wollte komisch sein. Das gelang ihm, weil er stets den entschieden artifiziellsten Protagonisten in all den hausbackenen Produktionen gab. Eine Kinofigur eben, auffällig im Auftritt und im Abgang. Sollte man nicht glauben: In vier Wallace-Filmen war er auch der Bösewicht. Für das Publikum umso überraschender, als es mit dieser Wendung nicht rechnete.

Ein bisschen von seinem Leinwand-Ruhm konnte Arent ins Fernsehen retten, in dem er von 1987 bis 1990 mit Harald Juhnke in der Sketchreihe Harald und Eddi endlich auch der Star war.

Eddi Arent wusste ein Publikum zu unterhalten. Es geht die Legende, dass er nach dem Weltkrieg, in dem er Soldat an der Ostfront gewesen war, die Leute beim Schlangestehen abgelenkt haben soll. Das formte, das baute Arent beim Kabarett aus, er wirkte in Jürgen Henckells literarischer Truppe "Der Widerspiegel" mit, er war bei Werner Fincks "Mausefalle" in Stuttgart und bei der "Zwiebel" in München. Dann kam der Film und Eddi Arent wurde populär als Komischer vom Dienst.

Am 28. Mai ist Eddi Arent, wie erst jetzt bekannt wurde, mit 88 Jahren gestorben. Ein Jahr nach seiner geliebten Frau, mit der er das Traditionshotel "Neustädter Hof" in Titisee-Neustadt neu beleben wollte und am Ende nicht konnte.

Erschienen im Tagesspiegel

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    • Schlagworte Harald Juhnke | Buster Keaton | Kabarett | Klaus Kinski | Schlager | Western
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