Ein Pressefotograf © Wolfgang Rattay/Reuters

Mehr als die Hälfte der Deutschen hält die Medien für korrupt. Das geht aus einer aktuellen Untersuchung von Transparency International hervor. Demnach gaben 54 Prozent der Befragten an, dass Medien von Korruption betroffen seien. Schlechter schnitten nur politische Parteien (65 Prozent) und die Wirtschaft (61 Prozent) ab.

Insgesamt hat die Korruption in Deutschland für 57 Prozent leicht bis stark zugenommen. Die Ergebnisse sind Teil des Globalen Korruptionsbarometers 2013, das Transparency International in Berlin vorstellte. Für die Untersuchung wurden 1.000 Bundesbürger befragt. Insgesamt richtete sich die Untersuchung an 114.270 Menschen in 107 Ländern.

Dass die Deutschen die Medien für korrupt halten, ist nichts Neues. Neu ist allerdings, dass sie die Medien für noch korrupter halten, als die öffentliche Verwaltung und das Parlament.

Justiz, Polizei und Bildungswesen schneiden gut ab

Auf einer Skala von eins (überhaupt nicht korrupt) bis fünf (höchst korrupt) schnitten bei der Befragung die Justiz, die Polizei und das Bildungswesen mit Werten um die 2,6 gut ab. Weniger gut ging die Befragung für die politischen Parteien (3,8) und die Privatwirtschaft (3,7) aus. Die Medien in Deutschland lagen mit 3,6 Punkten noch hinter der öffentlichen Verwaltung und dem Parlament (jeweils 3,4).

Für die Vorsitzende von Transparency Deutschland, Edda Müller, sind die Ergebnisse ein Beleg, "dass Antikorruptionsbemühungen in allen gesellschaftlichen Bereichen verstärkt werden müssen – ob in der Wirtschaft, in den Medien oder in der Zivilgesellschaft".

Mit Bezug auf die kritische Berichterstattung der Medien bei der Korruptionsbekämpfung sagte Müller: "Es ist ein alarmierendes Zeichen, wenn das Vertrauen der Bevölkerung in die Medien zu sinken scheint." Notwendig sei eine Diskussion darüber, "wie die Unabhängigkeit und Qualität der Medien langfristig gewährt werden kann".