Filmfestival VenedigPanikattacken in der Schwerelosigkeit

George Clooney und Sandra Bullock, verloren im All. Das Filmfest in Venedig eröffnet mit "Gravity", einem komplett im Studio und am Computer generierten Film. von Christiane Peitz

Wetterleuchten am Lido. Noch schnell den Himmel über der Adria blankgeputzt, noch rasch die Palmenkübel vor dem Palazzo del Cinema postiert, bevor mit George Clooney und Sandra Bullock die ersten Stars über den roten Teppich laufen. Kein anderes Filmfest der Welt verrät in den Stunden vor seinem Start so freimütig die Wahrheit über sich selbst, über die eigene Künstlichkeit, die Essenz aus Talmi, Kulisse und Pappmaché. Alles Fake: Noch am Vortag stapeln sich Paletten voller Zementsäcke auf dem Festivalgelände, Kräne kurven auf den Uferstraßen herum, Teppiche werden verklebt, Rasenstücke verlegt und die alten Rumpelfahrstühle im Casinò, dem seit Menschengedenken improvisierten Festivalzentrum, mit goldener Farbe angepinselt.

Alte Bekannte, neue Experimente. Die italienischen Zeitungen klagen darüber, dass Italien seit fünfzehn Jahren keinen Goldenen Löwen mehr gewonnen hat, während die virtuelle Sala Web allabendlich eine für weltweit 500 Nutzer zugängliche Online-Vorführung anbietet. Festivaldirektor Alberto Barbera gibt freimütig zu, dass er einige begehrte Produktionen an Toronto abtreten musste, darunter Steve McQueens Kostümfilm 12 Years a Slave mit Michael Fassbender und Brad Pitt.

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Große Namen konkurrieren um die Löwen

Als Startrampe für die Oscar-Saison wird das nächste Woche beginnende Festival in Kanada immer attraktiver. Derweil wirbt Barbera für seine Mostra Internazionale d’Arte Cinematografica, die die Fokussierung auf die Filmkunst schon im Namen trägt und ähnlich wie der Berlinale-Wettbewerb auf Risiko geht. Um die Löwen konkurrieren große Regie-Namen (Stephen Frears, Terry Gilliam, Gianni Amelio, Amos Gitai), Independentfilmer und Newcomer; aus Deutschland ist Philip Gröning dabei, auch Dokumentarfilme und Debüts gehen ins Rennen. Aber erst mal werden zur Eröffnungsgala 3-D-Brillen verteilt.

Sandra Bullock und George Clooney, verloren im All. Selten war 3-D so sinnvoll. In Alfonso Cuaróns Gravity trudeln sie 500 Kilometer über der Erde, ihr Space-Shuttle wird von herumfliegendem Weltraumschrott zerstört, nun müssen sie freischwebend die nächste Raumstation erreichen, die Sojus der Russen. Der Sauerstoff wird knapp in den Astronautenanzügen.

Bullock ist die nervöse, hyperventilierende Junior-Ingenieurin, Clooney der coole Veteran, den nichts aus der Fassung bringt. Ein komplett im Studio und am Computer generierter Film über Panikattacken in der Schwerelosigkeit, über Einsamkeit und Kommunikation als Lebenselixier. Hallo, ist da wer? Kannst du mich hören? So lange die beiden über Funk und nabelschnurähnliche Kabel miteinander verbunden sind, gibt es Hoffnung. Der 51-jährige mexikanische Regisseur Cuarón (Harry Potter und der Gefangene von Askaban, Children of Men) präsentiert eine krause Mischung aus Actiondrama, Realismus, Küchenphilosophie und Trash. Ein paar Lehren hält das Zwei-Personen-Kammerspiel immerhin bereit. Wobei die Kammer groß wie der Weltraum ist.

Leserkommentare
  1. welchen ich mir mit Sicherheit nicht anschauen werde > Müll !

  2. Im All ist es still. Schade, dass sich das heutzutage niemand traut.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Er weiß auch wie´s geht.

    Grüße!

  3. Er weiß auch wie´s geht.

    Grüße!

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