Peter O'Toole (rechts) 1962 als Lawrence von Arabien mit Omar Sharif © dpa

Mit 80 hatte Peter O'Toole genug vom Schauspiel. Er habe einfach keine Freude mehr am Spielen, sagte er im Sommer 2012: "Trockenen Auges und voll tiefer Dankbarkeit sage ich meinem Beruf Lebewohl." Nein, er komme nicht zurück, er werfe das Handtuch.

Es war kaum zu glauben. Die Schauspielerei, hatte O'Toole einmal gesagt, "ist mein Job, es ist das, was ich tue, das, wozu ich auf der Welt bin, und das, was ich bin". Und er kam dann doch auch noch ein letztes Mal zurück, der große Mime, der acht Mal für den Oscar nominiert war. Er gab die Rolle des Römers Cornelius Gallus in Katherine of Alexandria, der 2014 in die Kinos kommt.

Noch einmal ein historischer Stoff, das wird O'Toole gelockt haben. Als Lawrence von Arabien hatte er 1962 seinen Durchbruch im Kino. Von seinem Tiberius im Skandalfilm Caligula von 1979 distanzierte er sich, als er die hineingeschnittenen Hardcore-Szenen sah. Später mimte er Kaiser Augustus für das Fernsehen oder König Priamos in Wolfgang Petersens Homer-Epos Troja.

81 Jahre alt wurde O'Toole, der am Sonntag nach langer Krankheit in einem Londoner Hospital verstarb. Ungefähr jedenfalls: Er hatte zwei Geburtsurkunden, eine englische und eine irische, mit abweichenden Geburtsorten und -daten. Als ihm die Nonnen in seiner Konventschule mit Gewalt die Linkshändigkeit austreiben wollten, ging der Sohn eines Buchmachers stiften. Mit 14 Jahren schlug er sich als Laufbursche durch und als Hilfsreporter bei der Yorkshire Evening News.

Shakespeare als Motivation

Zum Theater kam O'Toole mit 17 Jahren als Amateur. Nach zwei Jahren Wehrdienst auf einem U-Boot sah er in Stratford-upon-Avon, dem Geburtsort William Shakespeares, eine Inszenierung des König Lear und beschloss, sich bei der Akademie für Dramatische Kunst in London zu bewerben. Er bekam ein Stipendium.

Bei der Bristol Old Vic Theatre Company schlug er sich von 1955 an in mehr als 50 meist kleinen Rollen durch, bevor er als Hamlet reüssierte. 1959 überzeugte er am Londoner Royal Court in Willis Halls Antikriegs-Stück The Long, the Short and the Tall die Kritiker so sehr, dass sie ihn zum Schauspieler des Jahres wählten. Prompt erhielt er Angebote von britischen und US-Filmgesellschaften. Nach ersten glanzlosen Leinwandauftritten brachte David Leans monumentales Wüstenepos Lawrence von Arabien ihm seine erste Oscar-Nominierung ein.

"Ich wachte auf und war berühmt", sagte er später, "ich kaufte mir eine weißen Rolls Royce, fuhr in weißem Anzug und dunkler Sonnenbrille den Sunset Boulevard hinunter und winkte wie die Queen Mum." Mit Ironie und karikierender Übertreibung kokettierte O'Toole gern. Wer weiß schon, wie viel echte Selbstüberschätzung in diesem Zitat liegt: "Ich habe gemerkt, dass ich Gott bin, als ich betete und feststellte, dass ich zu mir selbst spreche."

In Hollywood gehörte der Ire zur Clique der jungen Wilden: "Wir haben in die 1960er hinein gefeiert", sagte er einmal, "ich, Richard Burton, Richard Harris, wir taten öffentlich, was alle anderen damals nur heimlich taten und heute wegen der Show tun. Wir tranken öffentlich, und wir wussten über Haschisch Bescheid." Dabei vergaß O'Toole nicht, dass er aus einfachen Verhältnissen kam: "Ich bin ein Arbeitertyp, Baby, wie wir alle."

In der Titelrolle der Joseph-Conrad-Verfilmung Lord Jim (1965) oder als schüchterner Lehrer in Goodbye, Mr. Chips (1969) bewies O'Toole Wandlungsfähigkeit. Für Woody Allen zeigte er in What's new, Pussycat? (1965) sein komödiantisches Talent ebenso wie in How to Steal a Million (1966) neben Audrey Hepburn. Zugleich war er einer der großen Shakespeare-Darsteller auf Bühne und Leinwand. Als Heinrich II. lieferte sich in Becket ein packendes Duell mit Richard Burton, die selbe Rolle spielte er in The Lion in Winter an der Seite von Katharine Hepburn.

Gesundheit leidet unter den wilden Jahren

Mitte der 70er Jahre mündeten die wilden Jahre in gesundheitliche Probleme, O'Toole überstand eine Magen-Darm-Operation und musste seine Alkoholsucht überwinden. Anfang der 80er war er wieder da, als manischer Filmregisseur Eli Cross in The Stunt Man oder als alkoholabhängiger Mantel-und-Degen-Darsteller in My Favorite Year. Auch zahlreichen Nebenrollen verlieh er Farbe und Charakter.

Mit Jeffrey Bernard Is Unwell feierte O'Toole in den 90er Jahren einen seiner größten Bühnenerfolge. Im Alter gewannen seine Partien an Tiefe: In The Final Curtain war er ein schwer kranker Showmaster, in Venus ein alternder Schauspieler, der sich in eine 19-Jährige verknallt, und in Dean Spanley ein exzentrischer Patriarch.

Als ihm der Oscar für sein Lebenswerk verliehen werden sollte, wehrte O'Toole sich: "Ich bin immer noch im Spiel", soll er der Academy geschrieben haben. 2003 akzeptierte er die Auszeichnung dann doch: Zunehmend machte dem Schauspieler zu schaffen, dass die Altersgenossen um ihn herum starben: "Der gemeinsame Nenner meiner Freunde ist, dass sie alle tot sind", sagte er. Aber auch Sarkasmus gelang ihm noch: "Mein einziger Sport ist es, hinter den Särgen von Freunden herzugehen, die Sport getrieben haben." Jetzt ist es sein Sarg, der zu Grabe getragen wird.