Die Ausspähung durch Geheimdienste hat Menschen weltweit empört. Schriftsteller aus 83 Ländern, darunter fünf Literaturnobelpreisträger, protestieren nun mit einem internationalen Aufruf gegen die systematische Überwachung im Internet durch Geheimdienste wie die amerikanische NSA. Die Frankfurter Allgemeine Zeitung ist eine von 32 internationalen Zeitungen, die den Aufruf abdruckte. 

Die Autoren fordern eine internationale Charta der digitalen Rechte, mit der die Unschuldsvermutung und das Recht auf Privatsphäre festgeschrieben werden sollen. Jeder Bürger müsse das Recht haben, über das Sammeln und Speichern seiner Daten mitzuentscheiden, verlangen die Unterzeichner. Zu ihnen gehören beispielsweise Umberto Eco, Tom Stoppard, Paul Auster, Jonathan Littell, Elfriede Jelinek und T. C. Boyle. In persönlichen Stellungnahmen erläutern sie, warum sie den Appell mittragen. Gleichzeitig rufen sie alle Bürger auf, ihre Freiheitsrechte zu verteidigen.

Zu den Initiatoren des Aufrufs zählen auch die Schriftsteller Juli Zeh und Ilija Trojanow. Die beiden hatten Kanzlerin Angela Merkel (CDU) bereits im Juli in einem offenen Brief aufgefordert, etwas gegen die Überwachung durch die NSA zu unternehmen. Das sei nur ein erster Schritt gewesen, sagte Zeh der FAZ, direkt danach sei der internationale Aufruf vorbereitet worden. "Die Überwachung ist ja definitiv kein rein deutsches Problem", sagte die Autorin.  

Ein Adressat für den Aufruf ist nicht erkennbar. Das sei bewusst so gewählt, sagte Zeh. Das Papier sei keine Petition, sondern ein Aufruf, der in die breite Öffentlichkeit wirken sollte. "Das ist auch der realistische Adressat. Der UN-Generalsekretär kann das Problem nicht allein lösen, auch nicht der Sicherheitsrat", sagte die Autorin. Es brauche zuallererst einen Mentalitätswechsel, eine Art Bewusstseinswandel wie beim Umweltschutz. "Es wird sich langfristig nur etwas ändern, wenn sich auf breitester Basis durchsetzt, dass Überwachung die Demokratie gefährdet. Und wenn wir Intellektuelle jetzt aufstehen und unsere Meinung laut äußern, ermutigt das andere, es auch zu tun", sagte Zeh.

Die politische Unterstützung für die Autoren hält sich in Grenzen. In der Piratenpartei fänden sich Gleichgesinnte, vielleicht noch in der FDP. Bei CDU und CSU sei das schon schwieriger. "Wir stellen immer wieder amüsiert fest, obwohl es ja zum Heulen ist, was für eine technologische Ignoranz unter Politikern herrscht", sagte Trojanow.

Einen messbaren Erfolg ihrer Aktion erwarten sich die Initiatoren nicht. Sie sehen die Aktion als einen von mehreren Schritten hin zum Bewusstseinswandel. Allein der Brief an die Kanzlerin habe den Schriftstellern neue Mitstreiter in Deutschland beschert. "Jetzt haben wir Mitstreiter auf der ganzen Welt. Egal, ob wir als Nächstes unseren Aufruf in der UN-Generalversammlung vorlesen oder wieder einen Aufruf schreiben: Wir sind von Einzelkämpfern zum Teil einer Bewegung geworden", sagte Zeh.