Youtube-HypeOh Baby, sei doch glücklich

Ein altes Poetry-Slam-Video verstopft gerade die sozialen Medien. Die 21-jährige Julia Engelmann hat mit ihrer larmoyanten Zukunftsangst offenbar einen Nerv getroffen. von 

Vor ein paar Wochen erschien ein bemerkenswerter Fernsehspot. Fast unbeachtet lief er im abendlichen Werbeblock, wo sonst Musterfamilien mit entgrenzter Munterkeit den neuen Mittelklassewagen bejubeln und androide Dominas uns kreischend zum Kauf von Flachbildfernsehern animieren. Es war der Spot einer Baumarktkette, man sah einen gekrümmten Mann vor einer Wendeltreppe, am Ende wurde das Bild schwarz wie eine Todesanzeige, dazu der Slogan: "Was bleibt von dir?" 

Natürlich kann man es zunächst obszön finden, Reklame für Werkzeug und Schmirgelpapier mit Memento-Mori-Tiefsinn zu unterkellern. Man muss allerdings nicht besonders zartfühlend sein, um dabei trotzdem kurz zu erschaudern. Schließlich berührte die Werbung eine archaische Sehnsucht des Menschen: die Hoffnung auf etwas Ewigkeitsanspruch. Auf Geschichten, die man am Ende jemandem erzählen kann.

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Ein paar Monate zuvor, im Juli 2013, war ein Video auf Youtube erschienen, ähnlich unbeachtet und ähnlich in seiner Botschaft. Es zeigte einen Poetry-Slam der Universität Bielefeld. Eine junge blonde Psychologie-Studentin namens Julia Engelmann trug dort, vor einem größtenteils gleichaltrigen Publikum, einen stark rhythmisierten Text vor. Sein pathetischer Refrain geht so: "Eines Tages, Baby, werden wir alt sein und all die Geschichten denken, die wir hätten erzählen können." 


Das wäre nicht weiter interessant, wenn nicht seit dem vergangenen Wochenende Erstaunliches mit diesem sechsminütigen Video geschähe. Binnen weniger Tage wurde es mehr als anderthalb Millionen Mal in sozialen Netzwerken geteilt. Kaum eine Timeline in Deutschland war sicher vor Zitaten wie: "Unser Leben ist ein Wartezimmer, und niemand ruft uns auf". Oder "Mach ich später, ist die Bassline meines Alltags". Man las vom "planlos vor dem Smartphone" Hängen, vom Sichverlieren in "traurigen Konjunktiven" und der Begeisterung für "Leichtsinn, wenn ein anderer ihn lebt". Die Leitmotive des Texte sind Feigheit, Mutlosigkeit, Lethargie, Verpassensangst, Karriere. Engelmanns Ausweg daraus heißt: Endlich leben. Man müsse ja auch gute Vorsätze fürs neue Jahr fassen, was vielleicht erklärt, wieso das Video gerade jetzt im Netz kursiert.

Das Video, ein All-Ager

Im Wesentlichen reproduziert es die Vorstellung von der verunsicherten Generation der Anfangzwanzigjährigen. Die sitze verdruckst in ihren Hörsälen und starre paralysiert auf ihre Zukunft, anstatt im Jetzt zu leben, was immer das heißt. Aber bemerkenswert ist an dem Hype, dass das Video nun, ein Dreivierteljahr später, nicht nur Engelmanns Alterskohorte anspricht, sondern auch ein älteres Publikum. Ein All-Ager, wie Twilight oder Harry Potter, der offenbar an ein Generationen übergreifendes Gefühl appelliert:  Eigentlich bin ich ja ganz anders, ich komme nur selten dazu.                            

Was genau jemanden am glücklichen Herumexistieren hindert, dafür gibt es bekanntlich unendlich viele Erklärungen. Sie reichen vom diffusen Unbehagen in der Kultur (Freud) bis zur entmenschlichenden verwalteten Welt (Adorno), die dem Individuum immer weniger Ausweichräume bietet. Oder liegt es an der Bologna-Reform, die das romantische Bild des freigeistigen Studenten verworfen hat, und ihn forthin mit Plastikbegriffen wie Effizienz, Creditpoints und Flexiblität umstellt hat. Jedenfalls: Irgendwie alles doof.           

Man muss von einem Poetry-Slam-Text nicht unbedingt glutvolle Systemkritik erwarten. Meistens ist man ja schon froh, wenn die Beiträge mehr als ein Bewerbungsschreiben für die Schenkelklopfhöllen deutscher Comedy sind. Da mag dann manchen selbst eine schnulzige Wendung wie Poesie erscheinen: "Mut ist auch nur ein Anagramm von Glück", sagt Julia Engelmann.

Leserkommentare
    • übel
    • 21. Januar 2014 18:55 Uhr
    1. Danke

    Der beste Kommentar zu diesem Thema in den Weiten des Netzes. So schön... relativierend.

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    • Guido3
    • 21. Januar 2014 23:02 Uhr

    Der Artikel von Hugendick ist meines Erachtens der schlechteste Kommentar zum Video. Hugendick berichtet von Stellen wie "Mach ich später, ist die Bassline meines Alltags". Engelmann hat von das Baseline - also der Basis des Alltags - gesprochen. Man fragt sich, was Hugendick noch alles nicht verstanden hat? Und ich frage mich, wie wohl viele Kritiken ausgefallen wären, wenn nicht ein junges, recht unerfahrenes Mädel sondern ein charismatischer alter Mann mit brüchiger Stimme exakt den gleichen Text vorgetragen hätte (Typ der alte Hemingway oder der alte Marlon Brando)?

    Ich verstehe das Video nicht als Plädoyer für radikale Wechsel oder dafür, jeden Tag irgendwelche Extreme auszuleben oder FunFunFun zu haben. Ich sehe ein Plädoyer für ein bisschen mehr Mut. Und das trifft genau den Punkt.

    Ich behaupte mal, dass die Mehrheit der deutschen Bevölkerung sich in einem Hamsterrad dreht: Viel arbeiten, viel Geld verdienen. Und mit dem Geld kauft man dann Konsumkrempel und hofft, so ein bisschen Glück und Zufriedenheit zu erwerben. Viele wissen, dass das nicht funktioniert, nicht glücklich macht. Andere merken es erst sehr spät. Kaum einer weiß, wie er aus dem Hamsterrad rauskommt oder die Situation zumindest ein bisschen verbessert. Man fühlt sich eingezwängt in ein Korsett aus Verpflichtungen, konservativen Wertvorstellungen usw. Die größte Hürde ist aber oft die eigene Bequemlichkeit. Ein bisschen Mut kann zu einer derart großen Bereicherung des eigenen Lebens führen...

    Es ist bodenlos frech, wie in diesem Artikel mit der Slammerin umgegangen wird. Ihr Text entspricht in Inhalt und Form dem, was man auf Poetry Slams zu hören bekommt (übrigens auch in der gewollt holpernden Metrik). Da der Slam-Sieger vom Zuschauer gekürt wird, wäre es doch zwecklos, seinen Text nicht auf das Zielpublikum abzustimmen.
    Viel interessanter wäre gewesen, den viralen Effekt zu untersuchen, der dieses Video, unabhängig von jeder Intention der Künstlerin, zu einem Internet-Hype gemacht hat. Das erforderte allerdings einigen Hirnschmalz. Da kann man natürlich lieber den Text, der überhaupt nicht den Anspruch hat, philosophisch zu sein, an seiner eigenen Philosophie-Lektüre brechen und sich darüber freuen, etwas Inhaltliches aus dem Studium bei ZO untergebracht zu haben.

  1. Der Autor unterliegt mit seiner Überschrift einem grundsätzlichen Missverständnis in Bezug auf die Aussage des Videos bzw. der dahinter stehenden Philosophie. Die von Frau Engelmann propagierte Lebensbejahung geht auf die Lebensphilosophie zurück, die von Nietzsche begründet wurde. Und in ihr geht es eben gerade NICHT darum, glücklich zu werden. Das Leben anzunehmen, heißt eben auch zum Leid "Ja!" zu sagen. Glück und Leid sind nur das Produkt unseres Schaffens, unseres Ausdrucks, niemals Prämisse und Antrieb. Darin liegt der fundamentale Unterschied zu allen vorhergehenden Ethiken. Wer "Ja!" sagt, drückt damit das in ihm liegende Potential aus, schafft etwas Neues. Ob er damit glücklich wird, ist nicht gesagt...

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    Engelmann-Textes aus. Denn nur wenige Passagen lassen sich als Initiative für ein glückliches Leben verstehen. Viel häufiger betont Engelmann, wie sehr viele Menschen an dem Krankheitsbild der vermeintlichen Freiheit leiden. Beispiele liefert sie viele, ich behaupte jeder Mensch, könnte persönliche Beispiele ergänzen.

    Engelmanns These könnte auch so lauten: Freiheit ist für viele Menschen genau dasselbe wie eine "Eigentlich-Wollung".

    Statt sich mit Zitaten von Adorno und Freud zu beschäftigen, hätte Hugendick besser einmal Wolfgang Koeppen und Verleger nachgeschlagen, was es konkret im Alltag und bei der Arbeit bedeut, wenn man an der vermeintlichen Freiheit krankt.

  2. Das ist ja noch nett gesagt.

    Grunzreflex: Die Reime holpern, es fehlt die Natürlichkeit, Das Ich hat keine eigene Rolle, handwerklich mies, was soll der Kram.

    Richtig übel ist aber der Bionadebiedermeier der jungen Lady. Entweder hat sie schon alles, oder sie ist generell nicht bereit, selbst und eigenen Aufwand zu betreiben, um etwas zu erreichen. Etwa eine Entwicklung hinzulegen. Ihre Orientierungslosigkeit steht im großen Widerspruch zum Prinzip der Jugend, die doch das Große will, für sich und die künftige Gesellschaft.

    Diese Attitüde von "woher soll ich's auch wissen, ich bin doch nur ein Mädchen" löst jedenfalls bei mir einen Würgreflex aus. Daß eine Einundzwanzigjährige Studentin meckert, das Leben habe ihr nix zu bieten, ist bestenfalls Koketterie. Sollte hier hingegen die Gier nach 15 Minuten Ruhm die Motivation gewesen sein, fehlt es dem armen Kind an Respekt vor den Mitmenschen, um deren Mitleid sie ersichtlich buhlt.

    Würden Sie so einer Person unsere Zukunft anvertrauen, wenn Sie die Wahl hätten? Ich nicht. Hoffentlich ist diese Einstellung nicht repräsentativ.

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    Die Frau Engelmann hat schon reichlich Bühnenerfahrung. Wie ich der Presse entnehmen kann, spielte sie vom 2010 bis 2012 in der RTL-Schmonzette "Alles was zählt" mit. Eine reife Leistung also, als unbedarftes Mädchen zu erscheinen. :-)

    • cvdd92
    • 22. Januar 2014 0:09 Uhr

    Sehr geehrter Hr. 'Balduin',
    Ich denke das Gedicht von Frau Engelmann ist durchaus repräsentativ, da nicht jeder so fest eingeritten ist, wie Sie es zu sein scheinen.

    Das Internet ist (noch immer hauptsächlich) ein Medium der Jugend. Um Ihren Denkanstoss aufzugreifen, so möchte ich gerne darauf hinweisen, dass Klicks und Shares nichts anderes als Wählerstimmen sind. Aus Ihrem nicht-Beachten der Rechtschreibreform von 1996 schliesse ich, dass Sie nicht der selben Generation entstammen wie Frau Engelmann. Ich bin kein Politiker, kein Historiker und auch kein Psychologe, jedoch bin ich einundzwanzig.

    Sie bemangeln eine Orientierungslosigkeit. Jedoch ist das Gegenteil der Fall: Die Orientierung der Künstlerin liegt in der Ablehnung der unbegrenzten Möglichkeiten. Ihre Generation hat der meinen eine Flut an Freiheiten ermöglicht, worauf jeder Deutsche nachweislich stolz ist. Sie jedoch scheinen mit den daraus erwachsenen Konsequenzen ein Problem zu haben.

    Ihre Argumentationen finde ich des weiteren teilweise äusserst bedenklich. Sie beurteilen ein freies Gedankengut nach den festen Regeln der Kleidung und Rhythmik. Also genau dem Gegenteil dessen was Frau Engelmann meint wenn sie von Singen am Takt vorbei spricht. Lassen Sie ihr zumindest ihre freie Meinung. Schließlich lasse ich Sie auch mit der Ihren allein.

    • anyweb
    • 22. Januar 2014 0:10 Uhr

    'Entweder hat sie schon alles, oder sie ist generell nicht bereit, selbst und eigenen Aufwand zu betreiben, um etwas zu erreichen.'

    Ich würde sagen die junge Dame hat schon ziemlich viel erreicht. Zum Beispiel mehr als 2 Millionen Menschen.

    [Teil 1]
    "Die Reime holpern, es fehlt die Natürlichkeit, Das Ich hat keine eigene Rolle, handwerklich mies, was soll der Kram."

    Sind sie in die Rolle von Dieter Bohlen als DSDS-Jurymitglied geschlüpft?
    Es gehört schon etwas Mut dazu, in einem überfüllten Hörsaal zu stehen und
    ein selbst geschriebenes Werk vorzutragen. Könnten Sie so etwas denn besser? 5 Minuten Text merken und rhytmisch von sich geben? Ich jedenfalls nicht und ich maße mir das auch nicht an.
    Aber es ist ja auch viel einfacher etwas schlecht zu machen.

    "Ihre Orientierungslosigkeit steht im großen Widerspruch zum Prinzip der Jugend [...]"
    In meinen Augen kommt die junge Slammerin alles andere als orientierungslos daher. Sie ist darauf fokussiert weniger stumpf Karrierepläne zu verfolgen, sondern sich selbst zu verwirklichen und Träumen nachzugehen, solange man noch Zeit dafür hat.
    Gerade in Zeiten von G8 und Auslandsaufenthalten möglichst schon im Kindergartenalter, ist ein Aufruf kurz innezuhalten und mal nachzudenken wohin der Weg führen wird doch nicht verkehrt! Sie ruft dazu auf, dass Leben zu spüren und es nicht einfach auszuwarten. Und da zieht auch jeder seine Grenze selbst.
    Für die einen kann das ja auch einfach mal ein Freund sein, den man schon lange wieder anrufen wollte und andere wollen vielleicht einen Berg besteigen oder mit Haien tauchen. Aber wer sind wir denn, über die Träume anderer zu urteilen?

    [Teil 2]
    "Daß eine Einundzwanzigjährige Studentin meckert, das Leben habe ihr nix zu bieten, ist bestenfalls Koketterie. Sollte hier hingegen die Gier nach 15 Minuten Ruhm die Motivation gewesen sein, fehlt es dem armen Kind an Respekt vor den Mitmenschen, um deren Mitleid sie ersichtlich buhlt."

    Sie meckert auch nicht, dass das Leben nichts zu bieten hätte, sondern spornt viel mehr dazu an, dass das, was das Leben zu bieten hat, besser genutzt werden sollte.

    Übrigens waren das nur 5 Minuten "Ruhm" und den hätte sie auch billiger haben können mit scripted reality sponsored by RTL. Da hätte sie nicht mal einen Text schreiben müssen. Vielleicht war sie auch nicht des Ruhmes wegen in diesem Hörsaal, vielleicht wollte sie einfach eine Geschichte schreiben, die sie später gern erzählen wird.

    Ich hoffe jedenfalls, dass viel mehr Menschen wenigstens eine annähernd tolle Einstellung haben. Pessimisten und Roboter haben wir genug.

    Also Würgereflex löst bei mir nur dieser Kommentar aus. Vielleicht wurde der 'Vortrag' ja noch ausgedruckt und nach Stilmitteln untersucht? Natürlich mit dem nötigen Unverständnis für die Jugend, was sonst.
    Die Message der 'Lady' mag ja kitschig un wenig hilfreich sein, aber spiegelt definitiv die Lage wider, in der sich mit Sicherheit einige Jugendliche sehen. Das hat nichts mit 'das Leben hat uns nichts zu bieten' und Mitleid zu tun, sondern mit Planlosigkeit und dem Druck in der Menge nicht untergehen zu wollen. Welche Motivation man daraus zieht, sei jedem selbst überlassen, ich finde es jedenfalls mutig das so auszudrücken. Das zeugt doch jedenfalls schon mal von mehr Antrieb als ein Großteil unserer Generation aufbringen kann.
    Das 'Prinzip der Jugend' wurde mit der Klugscheißerei von Balduin-das-Schloß jedenfalls nicht erfasst, sorry.

    Na, hoffentlich ist Ihre Überheblichkeit nicht repräsentativ für Ihre Generation!

    Am Ende handelt es sich doch hier um einen schön vorgetragenen Text, der die Menschen in ihrem Inneren berührt und ihnen ein gutes Gefühl gibt - mehr auch nicht. Damit hat das blonde Mädchen in kurzer Zeit mehr erreicht, als der Autor dieses Beitrags.

    "Grunzreflex: Die Reime holpern, es fehlt die Natürlichkeit, Das Ich hat keine eigene Rolle, handwerklich mies, was soll der Kram."

    Es ist eine Ironie der Geschichte, dass die Kritik bei mangelnden Argumenten sich doch immer wieder auf's Formale schmeißt, wohlwissend, dass es keine Rolle spielt, ob ein "Gedicht" sich reimt, ob die Grammatik stimmt, oder gar ob die Zitate richtig gekennzeichnet sind[1], wenn am Ende die Summe der Teile geringer ist als das Ganze, das ihnen erwächst.

    Sie muss das tun, weil sie den Zugang zum Inhalt des gebotenen per se nicht finden kann, denn Gesellschaftskritik definiert sich daraus, dass die einen es für Kitsch halten und die anderen für den Heiligen Gral. Und auch das spielt überhaupt keine Rolle, denn hier ist ganz offenbar, dass die Kritiker nicht der Zielgruppe entsprechen und somit keine Wahl haben als am Kern des Problems vorbei zu schießen.

    Es reicht völlig aus, wenn orientierungslose Mittzwanziger den Beitrag liken und sich dann (wieder zurück) in ihre selbstgewählte Kulturstarre begeben, wleil sie einfach nicht wissen, wie das mit dem aufbegehren und selber leben geht. Und: Es ist ziemlich unwahrscheinlich, dass sie es aus einem fünfminütigen Peotry-Slam lernen können. Nicken und Weitergehen geht, aber überrascht den Kopf heben und sich selbst ändern, zum Schaffen animieren ist eben so einfach nicht getan.

    [1] Das werfe ich nicht der hier "besprochenen" Künstlerin vor, sondern noch und immer wieder H. Hegemann.

    "Würden Sie so einer Person unsere Zukunft anvertrauen, wenn Sie die Wahl hätten? Ich nicht. Hoffentlich ist diese Einstellung nicht repräsentativ.”
    BITTE verraten sie uns ihr alter und ich hoffe für sie, es überschreitet nicht die 40!ansonsten sollten sie ehrlich dankbar für so jemanden sein.

    Die Falschschreybung (daß anstelle von daß) lässt auf eine konservative Gesinnung schließen und/oder ein fortgeschrittenes Alter. Meine Güte, was für eine Aussage über die eigene Beschränkheit und (geleugnete) Depression des Foristen!

    Balduin, mir graut vor dir!

  3. wie man diesem Video so viel abgewinnen kann. Klar, schon schön gemacht, aber für mich enthält das Video nichts als Trivialitäten.
    Vielleicht habe ich meinen Altersgenossen in Sachen Lebenserfahrung auch einfach ein wenig voraus...

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    Schlage ich Brigitte oder sonstige Magazine auf, würden solche "Glücksrezepte" mich ebenfalls anspringen, solche wie "10 Tips wie sie glücklich werden" oder Leitfaden zum Glücklich werden (Eckart von Hirschhausen). Allenfalls das sprachliche Niveau ist höher ("traurige Konjunktive").

    entschuldigung,aber das ist ein mitschnitt von einem liveauftritt-also nicht gemacht, sondern so passiert und von mehr lebenserfahrung mit 21 (solltest du genauso alt sein) zu sprechen...ohweia.
    früher war die zukunft auch besser!nicht wahr?!

  4. ...Und trotzdem sind die, in süßer Melancholie dahingesäuselten, Zeilen nichts Echtes. Sie spiegeln nur eine fremde Sehnsucht, einen Imperativ, der nicht der eigene ist, eine Idee aus dem tiefen, heuchlerischen Herzen unserer Gesellschaft ... sei der Held deiner eigenen Geschichte oder dergleichen Phrasen kommen einem in den Sinn, mit denen wir tagtäglich, subversiv-gebetsmühlenartig geschwängert werden ... sei du selbst, sei ein Individuum heißt es ... doch hinter die Fassade geschaut, sind doch alle nur Klone von Klonen von Klonen von irgendwelchen Ikonen ... die Antwort muss dagegen stehen und lauten: "Ich will gar nichts sein und dadurch in meinem Sein zufrieden werden!"

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    • Static7
    • 21. Januar 2014 20:00 Uhr

    Wenn für ein so schönes Stück Kultur nur "Grunzreflexe" empfindet und nach Relativierung lechzt, muss schon viel Frust empfinden.

    Der Autor des Artikels schreibt zutreffend, dass Freiheit "ein erhabenes, leider eingeschlafenes Gefühl, an das man erinnern muss".

    Ich bin selbst Mitte 20 und fühle mich ertappt, fast schon schuldig gegenüber mir selbst und vorgeführt von so viel Wahrheit. Ich habe einen Bachelor und einen Master durchgezogen. Ich habe immer meine Aufgaben erledigt und den nächsten Schritt gemacht. Aber auf der anderen Seite ist auch Leere.

    Wer kennt das nicht, vor lauter Alltag und Pflichterfüllung zu vergessen, wie viel Spaß das Leben machen kann? Julia Engelmann hat erschreckend viele von uns einfach mal wieder kurz geweckt.

    Und dafür sind ihr alle dankbar. Ich auch.

  5. Mir geht die ständige Fixierung auf "außergewöhnliche" Erlebnisse auch gehörig auf den Senkel.
    Yolo trifft es recht gut. Schlafe mit möglichst vielen Leuten, besuche jeden coolen Ort der Welt, mache jeden Blödsinn mit, lass keine Party aus, geh Skydiven, Basejumpen oder Surfen - man könnte ja etwas verpassen...
    Und ganz wichtig teile alles brandheiß auf facebook.
    Bah, langweilig, das ist letztlich auch nicht mehr als gewöhnliches Sightseeing. Wirkliche Erkenntnise entstehen dadurch wohl nicht.

    Die Leute meinen, sie müssten ihre "Freiheit" bis zum letzen Quäntchen auskosten um der Banalität ihres Daseins zu entkommen und versklaven sich genau durch diesen Gedanken wiederrum selbst.

    Unsere Vorväter sind aus demselben Erlebnishunger in den Krieg gezogen, da ist heutiges Yolo ein eher müder Abklatsch. Naja, jede Generation hat ihre Wehwehchen und die Welt dreht sich weiter.

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    Oder, zwischen Buchrücken gepresst: "1000 places to see before you die"....

    • mudd1
    • 22. Januar 2014 0:02 Uhr

    Das heisst fuer mich, dass ich mir nicht vorschreiben lassen moechte, jeden coolen Ort der Welt besuchen und basejumpen zu muessen, das heisst aber auch, dass ich gerne akzeptiere, dass das fuer andere das groesste ist. Beim Rumjetten CO2-Zertifikate zu kaufen waere nett, aber ansonsten geht mich das ja nichts an.

    So kennt wohl ein/e Jede/r zahlreiche Menschen, die schon vor ihrem 30ten Geburtstag die halbe Welt bereist haben, na ja, zumindest die touristisch angesagte halbe Welt, dabei viel sahen und dennoch nichts erzählen können. Meist liegt das dann daran, dass sehen nicht gleich verstehen ist und gesehenes auch nicht unbedingt reflektiert wird. Hauptsache man hat ein paar Bilder gemacht und kann diese rumzeigen. Diese Bilder wiederum wurden nicht selten mit einer derart komplexen Kamera gemacht, dass man diese nur sinnvoll benutzen kann, wenn man Fotografie tatsächlich und laufend als ernsthaftes Hobby betreibt. Neben dem "alles sehen müssen" ist nämlich auch noch das "alles haben müssen" sehr, sehr wichtig. Erleuchtend ist dann die Aussage solcher Menschen, dass sie keine Zeit für Reflexion hätten, wogegen die Beobachtung spricht, dass sie stundenlang auf ihren Smartphones tolle Spielchen spielen können. Fragt man dann noch, ob sie eigentlich schon mal in der Eifel waren, an der Mosel, den Knorreichenstieg kennen oder das Elbsandsteingebirge, dann wird es doch reichlich dünn. Flache Menschen bleiben flach, da kann man nichts machen.

    Entfernt. Bitte achten Sie auf einen respektvollen Umgangston. Danke, die Redaktion/ff

    "Unsere Vorväter sind aus demselben Erlebnishunger in den Krieg gezogen, da ist heutiges Yolo ein eher müder Abklatsch. Naja, jede Generation hat ihre Wehwehchen und die Welt dreht sich weiter."

    deine vorväter sind also aus "erlebnishunger" in den krieg gezogen?interessant!!nun,meine nicht und meine familie kommt noch nicht mal aus deutschland!.......!um himmels willen!das ist kein wehwehchen - so eine aussage tut doch bitte weh!

  6. Frau Engelmann, ich bin mehr als angetan.

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  7. Letztlich greift hier eine Jugendliche nach dem Strohhalm den ihr der Neoliberalismus als einzigen Ausweg hinhält: "Jeder kann es schaffen, man muss sich nur genug anstrengen!"

    Für einige ist es vielleicht kitschiges Gesäusel, für andere ist sie der Elternfresser der 68er, wieder andere halten sie für ein blondes Dummchen mit 15-Minutes-of-Fame-Gier. Spielt alles keine Rolle, denn die Message die sie übermittelt zeigt, dass der Kapitalismus – den man ja heute nur noch Neoliberalismus nennen darf, wenn man nicht als linker Spinner gelten will – vitaler denn je ist.

    Die Durchhalteparole des American Way of Life hat durch gekonnte Niveauabsenkung mittels Casting-TV und N24-Power-to-the-State-Propaganda prächtig verfangen. Stelle also als junger Mensch höchstens dich selbst in Frage, niemals das was dich als Wahnsinn umgibt.

    Du selbst bist das Problem, arbeite an dir, bis du reinpasst in den Neoliberalismus dieser Welt. Optimiere dich gefälligst. Der Neoliberale Imperativ sei dein Gott und tanze bitte mit uns um das goldene Kalb...

    So schön naiv wurde der amerikanische Traum selten vorgetragen. Wunderbar!

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    (Spät)Pubertäre Ideenlosigkeit ist kein Ausweis von Reife, sondern von der Faulheit, sich zu entwickeln.

    Sie brechen das auf eine sozialkritische Eben runter, meines Erachtens den hier angesprochenen Fragen nicht gerecht wird. Das Mädchen gruselt sich ja nicht vor seiner Semesterarbeit, sondern davor, die eigene, eitel aufmerksamkeitsorientierte (einfach nochmal den Auftritt ansehen) Erwartungshaltung nicht zu erfüllen.

    Nicht äußere Herausforderungen liegen dem armen Kind auf der Seele, sondern Ideenlosigkeit hinsichtlich der eigenen Entwicklung. Mit Anfang Zwanzig etwas spät.

    Mit Neoliberalismus hat das nichts zu tun.

    BTW - zeichnet sich der nicht durch Pragmatismus aus?

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  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte Bologna-Reform | Harry Potter | LSD | Smartphone | Universität Bielefeld | Video
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