Der US-Folkmusiker Pete Seeger ist tot. Er starb im Alter von 94 Jahren in einem New Yorker Krankenhaus, schreibt die New York Times unter Berufung auf einen Enkel des Sängers.

Seeger ist eine Legende der US-Folkmusik. Er war nicht nur als Sänger bekannt, sondern machte sich auch einen Namen als Sammler von Volksliedern und Neuentdecker der Folkmusik. Er beeinflusste Sänger wie Bob Dylan.

Zudem war Seeger auch ein politischer Aktivist. Er engagierte sich für Umweltschutz und sang für die Arbeiterbewegung sowie gegen den Vietnamkrieg.      

Seegers Lied Where Have All the Flowers Gone? (Sag mir, wo die Blumen sind) wurde in den sechziger Jahren zur Hymne der Friedensbewegung. Marlene Dietrich, Hildegard Knef, Nana Mouskouri und viele andere trugen als Interpreten zum Welterfolg des Antikriegslieds bei. Weitere berühmte politische Hits waren If I Had A Hammer und Turn, Turn, Turn! sowie der von ihm aufgefrischte Gospelsong We Shall Overcome, mit dem Joan Baez unsterblich wurde.  

Schlüsselfigur der US-Folkmusik

Bei der ersten Amtseinführung von US-Präsident Barack Obama brachte Seeger 2009 zusammen mit Bruce Springsteen eine halbe Million Menschen dazu, vor dem Lincoln-Denkmal in Washington den Woody-Guthrie-Klassiker This Land Is Your Land mitzusingen. 

Die Bedeutung der Folklegende für die US-Musikszene war zu Seegers 90. Geburtstag im Jahr 2009 noch einmal deutlich geworden. 40 bedeutende US-Musiker wie Springsteen, Baez, Kris Kristofferson, Emmylou Harris und Eddie Vedder kamen zu der Party in New York.

Als Sohn einer Musikerfamilie 1919 in New York geboren, galt Peter Seeger in den vierziger und fünfziger Jahren als Schlüsselfigur bei der Wiederentdeckung der amerikanischen Folkmusik. Er war Mitbegründer der beiden einflussreichen Gruppen The Almanac Singers und The Weavers, rief die erste US-Volksmusikorganisation People's Song ins Leben und wirkte an dem Magazin Sing Out! mit. "Im Vergleich zur Trivialität der meisten Popsongs besitzen die Texte dieser Lieder das Fleisch, das unser Leben ausmacht", sagte er einmal.  

Legendär ist Seegers Wutanfall, als Bob Dylan 1965 bei dem von ihm mitgegründeten Newport Folk Festival erstmals mit einer elektrischen Gitarre auftrat. "Wenn ich eine Axt hätte, würde ich ihm sofort das Mikrofonkabel kappen", sagte Seeger, ein energischer Verfechter des akustischen Unplugged-Konzerts. Das Publikum buhte Dylan wegen der schlechten Tonqualität aus. Der spätere Starmusiker kehrte für 37 Jahre nicht nach Newport zurück. Als Dylan 2002 erstmals wieder dort auftrat, erschien er vorsichtshalber getarnt mit Perücke und falschem Bart.

Karriereknick in der McCarthy-Zeit

Die McCarthy-Ära mit ihrem Antikommunismus bedeutete für Seegers Karriere einen jähen Bruch. Wegen seiner kämpferischen Texte und seiner früheren Mitgliedschaft in der Kommunistischen Partei wurde er 1955 vor das Komitee für unamerikanische Aktivitäten geladen. Er verweigerte die Aussage und wurde zusammen mit dem Schriftsteller Arthur Miller und sechs weiteren Autoren der subversiven Tätigkeit für schuldig befunden. Seeger bekam zehn Jahre Haft, von denen er eines im Gefängnis verbrachte.

Die kommerziellen US-Medien boykottierten Seeger wegen der Verurteilung jahrelang. Er musste sich in "kultureller Guerillataktik", wie er es nannte, durchschlagen: mit Auftritten in Privatschulen, Kirchengemeinden und Sommerlagern. Noch 1967 schnitt der Fernsehsender CBS seinen Vietnam-Protestsong Waist Deep In The Big Muddy aus dem Programm.

How Can I Keep From Singing?  Wie sollte ich je aufhören zu singen? Dieser Titel eines Seeger-Songs  blieb das Lebensmotto des Musikers. Noch 2008 erschien das neu aufgenommene Studioalbum Pete Seeger At 89. Auch politisch blieb der alte Kämpfer aktiv. "Mit einem Song kann man seine Gedanken ausdrücken und gemeinsames Handeln fördern", sagte Seeger einmal. "Ich glaube allerdings, dass nicht nur Lieder geschrieben werden müssen. Es muss auch gehandelt werden."